Vaporwave

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Abgrenzung
Ursprünge: Muzak, Synthie-Pop, R'n'B, Smooth Jazz, Chillwave
Herkunft: unterschiedlich
Zeitraum: seit ca. 2009
Anders als: Chillwave, Witch House, Hauntology, Seapunk, Synthwave

Vaporwave ist ein Subgenre der elektronischen Musik, das musikalisch auf der Verarbeitung und Verfremdung "oberflächlicher" Genres wie Muzak oder "Pausenmusik" durch Verlangsamung, Neuzusammensetzung und Dekontextualisierung beruht und ästhetisch auf eine ironisierte Idealisierung von Design, Popkultur und Technologie der 1980er und 1990er Jahre verweist. Es gilt zudem als eine der ersten Musikrichtungen, die komplett im Internet entstanden und nicht mehr auf klassischen Tonträger wie Vinyl oder CDs, sondern auf Webseiten wie Bandcamp veröffentlicht werden.

Einführung und Geschichte

Verwandt, nicht aber gleichzusetzen mit anderen retrofixierten Genres wie Chillwave, Seapunk, Synthwave oder Hauntology ist der etwa Beginn der 2010er Jahre aufkommende Vaporwave. In seiner Selbstbezeichnung verweist er einerseits auf das Pop-Genre New Wave und seine zahlreichen Nachfolger, andererseits auf den Begriff der "vaporware" aus der Softwareentwicklung, womit Programme beschrieben werden, die zwar entwickelt, aber niemals auf den Markt gebracht werden. Damit ist auch die – zumindest ursprünglich mit dem Genre verbundene – Geisteshaltung einer zwischen Ironie und retrofuturistischen Sehnsucht nach einer so nie existierenden idealen Vergangenheit angesprochen. Vaporwave vermittelt das Bild eines extrem st(er)ilisierten Konsumismus, wie ihn die Berieselungs- und Funktionsmusik ("Muzak") der großen Shopping-Malls, Telefonwarteschleifen und Dauerwerbesendungen symbolisiert. Die entsprechenden ästhetischen Vorbilder liegen in Design und Mentalität der 1980er und 1990er Jahre, wobei Elemente wie Pastell- und Neonfarben, Pixel- und Vektorgrafik, veraltete "Windows"-Versionen, frühes Internetdesign, Glitch- und Videospielgrafik, japanisierende und antikisierende Zeichen (z.B. japanische Schriftzeichen in Song- und Albumtiteln; römische Büsten und Statuen) inzwischen so etwas wie den Kanon der sogenannten Vaporwave-"A E S T H E T I C S" darstellen.

Erste Releases und Blaupausen: "Eccojams Vol. 1" und "Floral Shoppe" (20102011)

Als stilprägend für die Initialwelle des Vaporwave gelten die Online-Releases "Eccojams Vol. 1" von Chuck Persons (alias Daniel Lopatin, 2011) und "Far Side Virtual" von Ferraro. Hier wurden erstmals nach "chopped and diced"-Art Versatzstücke aus Achtziger-Pop gesamplet, verlangsamt, geloopt und anderweitig neu zusammengesetzt. Geistesverwandte Künstler mit ihren Projekten Luxury Elite, Veracom oder Infinite Frequencies folgten 2011 mit weiteren Veröffentlichungen; als weithin bekanntestes und einflussreichstes Werk gilt jedoch das Album "Floral Shoppe" von Ramona Xavier, welche es unter dem Alias "Macintosh Plus" veröffentlichte. Eine traumartig-psychedelische Stimmung bestimmte diese ersten Releases.

Hochphase und Stilwandel: Vaportrap, Future Funk etc. (20122013)

2012 hatte Vaporwave dann durch Online-Zirkulation in Blogs und Foren wie 4chan und Reddit eine weitreichende Bekanntheit erlangt, die seiner schnellebigen Plattform entsprechend allerdings auch schnell wieder zu verpuffen drohte, da es inzwischen zahlreiche Nachahmer des ursprünglichen Stils gab. Mit dem ersten Release von Blank Banshee ("Blank Banshee 0" mit einem ebenfalls stark prägenden Covermotiv) verschob sich der ursprüngliche kodeingeschwängerte 80er-Synthie- und R'n'B-Sound in Richtung beatlastigerer Trap-Musik, obschon Elemente wie der Windows-"Startup"-Sound immer noch an die Vaporwave-Grundästhetik anknüpften.

In eine andere Richtung ging unter anderem Saint Pepsi (heute als Skylar Spence aktiv), dessen Set "Hit Vibes" von 2013 zur Blaupause einer an klassischem 1970er-Funk- und Discosound orientierten tanzbaren Variante des Vaporwave wurde, die unter der Bezeichnung Future Funk bekannt wurde.

Diversifizierung und Etablierung (seit 2014)

Auch nach der Hochphase des Vaporwave zwischen 2012 und 2013 blieb das Genre weiter produktiv und wurde schließlich auch vom (Online-)Feuilleton als "Soundtrack der Rezession" entdeckt; die (Pseudo-)Verliebtheit in eine idealisierte Vergangenheit bei gleichzeitiger resignativer Akzeptanz der Gegenwart wurde als passives Gegenstück zum Punk verstanden. Neben weiteren Releases mittlerweile etablierter KünstlerInnen wie Ramona Xavier und Blank Banshee kamen neue Acts wie Holly Herndon und 2814 hinzu, und mit Sub-Sub-Genres wie Simpsonwave (mit VHS-Schlieren versehene Loops aus alten Simpsons-Folgen zu Vaporwave-Sound, hierbei sind insbesondere die Tracks Teenage Pregnancy von Blank Banshee und Resonance von HOME zu nennen) oder gar Trumpwave (nur teilweise ironisch gemeinte Ästhetisierungen des 80er-Jahre-Wall-Street-Kapitalismus, wie ihn der Unternehmer und spätere US-Präsident Donald Trump verkörpert) diversifizierte sich Vaporwave weiter. Mit Fashwave – einer noch weiter gesteigerten Rechts-Auslegung des "Trumpwave" – gab es sogar einen Vereinnahmungsversuch durch das politisch (extrem) rechte Spektrum ("Alt-Right"), bei dem faschistische oder nationalsozialistische Ästhetik "vaporwavisiert" und somit optisch verharmlost wurde, um die gleichwohl fortbestehende rechtsradikale Botschaft in einer harmlos-gefälligen Verpackung zu verkaufen. Die ursprünglichen Vaporwave-Künstler distanzierten sich jedoch von diesem Ansatz und verwiesen auf die kapitalismuskritischen Wurzeln des Genres.

Die Ästhetik des Vaporwave hat inzwischen unter anderem auch Einfluss auf Medienplattformen wie MTV und Tumblr gewonnen, die sich beide im Jahr 2015 einen Design-Relaunch mit Seapunk- und Vaporwave-Elementen verpassten.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Künstler:

Wichtige Alben:

  • Daniel Lopatin: "Chuck Person's Eccojams Vol. 1" (2010)
  • Ramona Xavier: "Macintosh Plus: Floral Shoppe" (2011)
  • Blank Banshee: "Blank Banshee 0" (2012)
  • Saint Pepsi: "Hit Vibes" (2013)
  • 2814: 新しい日の誕生/Birth of a New Day (2014)
  • HOME: "Odyssey" (2014)

Wichtige Songs

  • Macintosh Plus: リサフランク420 / 現代のコンピュー
  • Blank Banshee: Ammonium Clouds
  • HOME: Resonance

Vorläufer

Wichtige Labels

  • Beer on the Rug Records