T.Raumschmiere

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Portrait von Andrès Marroquìn

T.Raumschmiere (nach The Dream Cops von William S. Burroughs) ist der Bühnenname des Sängers, Schlagzeugers, Produzenten und Shitkatapult-Mitbegründers Marco Haas (*1975 in Heidelberg), der seit 1997 in Berlin hauptsächlich für den von ihm produzierten Elektro bekannt geworden ist und, aufgrund der von ihm gefeatureten Sounds, auch King of Gnarz genannt wird. Mit Ulli Bomans ist er Gründer des Noise-Duos SHRUBBN!!. Der Elektro-Pop-Track H-Babe aus dem Jahr 2000 wurde zum internationalen Clubhit.[1] Mitte der 2000er war er mitverantwortlich für das Wiederaufleben geshuffelter Beats im Techno.[2]

Hintergrund

In Heidelberg ist Marco Haas Anfang der 1990er Jahre in der Punkszene unterwegs und spielt als Drummer bei der Band Zorn, mit der er quer durch Europa tourt. Er interessiert sich besonders für Industrial und Hardcore. 1997 erscheint das Debut-Album seiner Rockband Stormbow.[3] 1998 zieht er nach Berlin.

                          T.Raumschmiere – Erlösung durch Strom II [23] bei Youtube

  • Spätestens 2003 ist bereits die Rede vom „neuen Shooting-Star“ der Technoszene: „Mit seiner aktuellen Platte Radio Blackout ist es ihm gelungen, die verschiedensten Stile aus den elektronischen Bereichen mit einer gesunden Portion Punkrock zu kombinieren. Die internationale Presse feiert ihn als den Retter des Techno.“[7] Die Platte erscheint bei Novamute. Bei dem „wuchtig rollenden“[8] Monstertruckdriver ist Miss Kittin an den Vocals. Mit dem Track, der es wie viele andere nicht an Raveelementen mangeln lässt, wird das Ende der Laptop-Acts ausgerufen und die Band als musikalische Idealvorstellung gefeiert:

                          T.Raumschmiere – Monstertruckdriver [24] bei Youtube

     Im gleichen Jahr wird er von John Peel zu den legendären Peel Sessions eingeladen.[9]

  • Für Blitzkrieg Pop (2005) ist es das erklärte Ziel, „eine Ambient-Platte mit Punkrockstücken“ zu produzieren[10], „die lauteste Pop-Platte der Welt“.[11] Beteiligt sind Ellen Alien, Quasimodo Jones und Judith Juillerat.
  • 2006 erscheint Random Noize Sessions Vol. 1 mit Ambient-Tracks aus den Jahren 1999–2005 und wird von Cristian Vogel produziert: Random Noize Sessions Vol. 1 hat den Charakter eines musikalischen Skizzenbuches, das der Künstlerseele des Marco Haas als Ausgleich dient.“[12] Für die Veröffentlichung wird die Random Noize Musick GmbH gegründet. Ebenfalls 2006 wird die Punkband Mos Eisley Rock in The Crack Whore Society umbenannt. Ein Album erscheint 2007 bei Angora Steel.[13]
  • Mit I Tank U erscheint 2008 das bisher letzte Album, an dem Marco Haas zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zweieinhalb Jahre gearbeitet hat, in einer instrumentalen Version und einer Version mit Gesang: I Tank U ist der nächste logische Schritt nach Blitzkrieg Pop, da hat es schon ein bisschen angefangen mit dem Ein-bisschen-verwischen-von-den-Styles, Ein-bisschen-rockiger-werden, Trotzdem-elektronisch-bleiben [...] Wir haben elektronisch garnicht soviel aufgenommen, das komplette Schlagzeug auf der Platte zum Beispiel ist akustisch aufgenommen.“ Gäste sind die Puppetmastaz, Warren Suicide, Gene Serene, Barbara Panther, Deichkind, Lilian Hak und Tim Vanhamel. Zum Teil wird der Vorwurf der Überproduktion laut.[14]

Mit Daniel Meteo erscheint 2013 eine 12" als D.reamteam, 2014 mit Cristian Vogel die 10" Lost in The Chase / Dampfer, sowie im Juni D-R-U-N-K WITH T.RAUMSCHMIERE″ auf Shitkatapult. Außerdem betätigt er sich in diesem Jahr als einer der Produzenten von Dieter Meiers aktuellem Album Loveblind. 2015 erschien ein selbstbetiteltes Ambient-Album.[15][16]

Musik

Marco Haas gestaltet seine Elektro-Stücke mit grob produzierten, auffällig bratzigen Sounds manchmal knapp am Crossover vorbei, auch zum Teil sehr plakative Refrains zum Mitvollziehen bei Konzerten werden nicht gescheut. Zu Hilfe kommen ihm für das Umschiffen des Crossover seine Hardcore- und Industrial-Wurzeln sowie eine polystilistische Einstellung zum Sounddesign, bei der Referenzen sehr allgemeiner Art vorgestellt werden. Dennoch ist die Musik durchweg warm gemischt und auch die Einstellungen der Distortions sind warm. Die Musik steht damit zum Teil dem extrakalten Soundbild von Laptopmusik, zum Beispiel dem Glitch, in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts entgegen. Verzerrung ist eines der Hauptmerkmale auch der elektronischen Sounds. Rhythmisch wird insbesondere der treibende Aspekt akzentuiert. Wolfgang Voigt bezeichnet die Band als eine Band von „Headbanger-Typen, die eigentlich synthetische Liveacts machen“.[17] Auch durch die deutschen Titel liegen Orientierungen wie Gothic und postapokalyptische Musikrichtungen ebenso nahe. Auf der Webseite wird die Musik als "minimal, funky but dirty style techno" vorgestellt.[18] Bei Konzerten wird Marco Haas von Dirk Mielenhausen (Drums), Andreas Paruschke (Bass) und Toningenieur Allert Aalders begleitet.

<– I Tank U (2008)

Remixe

T.Raumschmiere hat Remixe für 2raumwohnung, Andreas Dorau, Felix Kubin, Ika Schier, Goldfrapp, Dave Gahan, Rechenzentrum und Slicker angefertigt.

Einflüsse

Industrial, Post-Industrial, Hardcore, Punk, Ambient, Elektronische Musik, Elektro (The Cassandra Complex, Cabaret Voltaire und ähnliche), Minimal Techno, Aphex Twin, Elektro-Pop, Big Black, Throbbing Gristle, Misfits, Helmet, The Jesus Lizard, Biosphere, Radiohead, Motörhead und viele weitere.[19] Robert Hood, Mike Ink, Coil, Pan Sonic, Steve Albini, Sonic Youth[20]

Assoziierte Acts

Sami Koivikko, Apparat, Das Bierbeben, Miss Tigra, Quasimodo Jones, Miss Kittin, Ellen Alien, Barbara Panther, Gene Serene, Puppetmastaz, Sandra Nasic, Cobra Killer

Diskografie

Alben

  • 2015: s/t (Albumlabel)
  • 2008: I Tank U (Shitkatapult)
  • 2006: Random Noize Sessions Vol. I ‎(Shitkatapult)
  • 2005: Blitzkrieg Pop (NovaMute)
  • 2003: Radio Blackout (NovaMute, Shitkatapult)
  • 2002: Anti (Hefty Records)
  • 2000: Stromschleifen (Shitkatapult)

Weitere

Einzelnachweise

  1. T.Raumschmiere – H-Babe (2000} [1] bei Youtube
  2. Artikel T.Raumschmiere [2] bei der en.wiki, namentlich mit dem Track König Shuffle. Der Shuffle hier zum Beispiel bei einem Remix eines Stücks von 2raumwohnungIch weiß warum (2009) [3] bei Youtube
  3. Artikel T.Raumschmiere [4] bei der en.wiki
  4. Profil Hormel Eastwood [5] bei Discogs
  5. Apparat – Pressure (2002) [6] bei Youtube, Saxofon ab 2:18 min.
  6. Laut.de-Biographie T.Raumschmiere [7] bei laut.de
  7. Dreckelektro Tracks/arte 2003 (2007) [8] ab min. 1:22 bei Youtube
  8. Daniel Straub – Ausnahmsweise mal ganz sanft (2006) [9] Rezension bei laut.de
  9. T.Raumschmiere bei den Peel-Sessions [10] bei bbc.co.uk
  10. Tobias Kniebe – Der ganz große Hammer. Wie der Berliner Elektro-Punk "T.Raumschmiere" Deutschland retten könnte (2006) [11] Goethe-Institut beim Internet Archive
  11. Gregory Britsch – Latent anarchistisches Lärmen voller Wut (2005) [12] Rezension bei laut.de
  12. Daniel Straub – Ausnahmsweise mal ganz sanft (2006) [13] Rezension bei laut.de
  13. Interview T. Raumschmiere (The Crack Whore Society) [14] Interview zum Album
  14. Daniel Straub – Als stünde Marilyn Manson am Mikrofon (2008) [15] Rezension bei laut.de, Marco Haas zufolge wird der Gesang grundsätzlich im Nachhinein auf Extraspuren produziert, die Musik würde demnach von der Band als Summe vorgegeben, vgl.: T.Raumschmiere I Tank U 2008 [16] ab min. 2:50, Interview auf Youtube
  15. T.Raumschmiere – Zwischenstopp (2015) [17] bei Youtube
  16. Franz Stengel – Ein Ambient-Masterpiece ganz neuen Zuschnitts (2015) [18] beim Musikexpress
  17. Heiko Hoffmann – Urknall, 15 Jahre später. Eine Gesprächsrunde mit Wofgang Voigt, Ellen Alien, Ata und Hell (2005) [19] Goethe-Institut beim Internet Archive
  18. T.Raumschmiere Biography (en) [20] bei T.Raumschmiere.com
  19. Zu diesen vgl.: Artikel T.Raumschmiere, Abschnitt Einflüsse [21] bei der en.wiki
  20. Zu diesen vgl.: T.Raumschmiere Biography (en) [22] bei T.Raumschmiere.com

Weblinks

  • Homepage [26] bei T.Raumschmiere.com
  • Profil [27] bei Soundcloud
  • Interview mit Marco Haas – I Tank U 2008 (2008) [28] ab 0:45 min. bei Youtube, Uploader: Carpe Berlin

Links im Juni 2017.