Suicide

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Suicide war ein legendäres Musikprojekt und Duo aus New York City, USA.

Bandgeschichte

"Suicide was always about life. But we couldn' t call it Life. So we called it Suicide because we wanted to recognize life."

(Alan Vega, 1985).[1]

1971 gründeten Alan Vega (Alan Bermowitz), der in New York eine kleine Galerie vergleichbar mit der Factory Andy Warhols betrieb, und Martin Rev (Martin Reverby) ihre Band Suicide. Martin Rev spielte zuvor in einer New Yorker Jazzband namens Reverend B.[2] Sie bewegten sich im Post-Velvet Underground, Protopunk Umfeld des CBGB, zu dem im Anschluss an die Stooges und die Modern Lovers auch die Ramones, Television, Blondie, Lydia Lunch und Richard Hell, sowie der größte Teil der No Wave Szene (James Chance), gehörten. Martin Rev trägt eine große Skibrille im 70er Design und auch Alan Vega trägt eine großflächige Sonnenbrille, beide haben eine Vorliebe für Leder auf nackter Haut, Motorräder und alles, was den etwas wilderen James-Dean-Rock'n'Roll so ausmacht. Suicide tourten mit vielen Legenden des Punk und Post-Punk, viele ihrer Konzerte wurden vor Ende abgebrochen, weil entweder die Hallen leergespielt waren oder das Publikum sich beschwerte. Sie sollen im Jahr 1970 die ersten gewesen sein, die in der Geschichte der Pop/Rockmusik mit einem angeblich von Lester Bangs für die Musik der Stooges vom eigentlichen pejorativen Gehalt befreiten Wort – Punk – ihre Musik als Punk Music ankündigten.[3] Suicide gelten als Vorreiter experimenteller, elektronischer Musik und mit ihrer non-konformen Haltung gewissermaßen auch des Punk.

Musik

"... I never heard anything avant-garde. To me it was just New York City Blues."

(Alan Vega, 1980)[4]

Auch wenn es von den erzeugten Stimmungen her meilenweit entfernt scheint, von der Instrumentierung, den verwendeten (Orgel-)Sounds und der strikten Einfachheit der Motive ist zeitweilig eine Ähnlichkeit zu den lieberen Young Marble Giants zu bemerken. Am ähnlichsten sind Suicide aber musikalischen Vorläufern aus der Minimaltradition wie den Silver Apples, mit denen sie um den Platz des coolsten Duos aller Zeiten streiten, den Stooges und zum Teil Marc Bolan (T. Rex) vielleicht sogar, dabei aber minimalistisch und manchmal wie ein erstarrtes Musikstilbild von eingehender und nachhaltiger Coolness. Martin Rev spielt seine kaputte 2nd-Hand-Farfisa-Orgel nur mit der rechten Hand, die linke brauchte er nach Berichten, um das Publikum hinter der Band auf Distanz zu halten.[5] Alan Vegas gehauchter Rock'n'Roll kommt zuweilen wie eine Zuspitzung von Elvis Presleys schmalzigstem Hauchen an, im Hintergrund raschelt und wummert bei den meisten Stücken eine kleine trashige Beatbox. Viele Bands besonders der New-York-London-Postpunk-Achse, Soft Cell, The Human League, The Jesus and Mary Chain und Nick Cave ließen sich von Suicide beeinflussen.

s/t

Einen auf seine Essenz reduzierten Punkrock’n’roll spielen Suicide auf ihrer gleichnamigen ersten LP aus dem Jahr 1977 (s/t). Alan Vega haucht und keucht die Texte rock’n’rolltypisch in einen weiten Hallraum und regelt ab und zu wie ungefähr an einem Echogerät herum, Martin Rev spielt minimalistische Orgelpattern in Art des frühen Rock'n'Roll auf der zeitweise verzerrten Farfisa zusammen mit der aufs Minimum reduzierten Beatbox. Die Stimme wird ausgiebig über einen Echoeffekt mit starkem Feedback variiert, der auch für die Variationen von Orgel- und Drumpattern sorgt, die Grenze zum Zufälligen (ins off) dabei affirmativ überschritten. Keine Gitarre, kein richtiger Bass. Die Tracks stehen auf der Stelle ohne nennenswerte dramaturgische Entwicklungen. Schwebende, zum Teil wie erstarrte Stilblüten. Wie in Johnny benutzen Suicide ausschließlich einfache Standardmodule des Rock’n’Roll, was den Eindruck der Reduktion auf das Wesentliche hervorruft.

Johnny (1977) Frankie Teardrop

Frankie Teardrop zeichnet sich durch sparsamen Gesang und die variable Anpassung eines gegateten Reverse-Echos aus, die Beatbox wummert wie gehabt vor sich hin und die Orgel beschränkt sich auf den Sekundwechsel. Die Geräuschkulisse ab Mitte des Tracks wird wahrscheinlich über einen weiteren (stark übersteuerten) Echoeffekt erreicht. Martin Rev spielt auf seiner Farfisaorgel reduzierte Rock’n’Rollpattern. Die Beatbox füllt die Frequenzräume in den Höhen und den Bässen, viel mehr nicht.

Trivia

Frankie Teardrop wurde von Peer Raben im Soundtrack von Rainer Werner Fassbinders Transendrama In einem Jahr mit 13 Monden untergebracht (neben Song for Europe von Roxy Music und Schöner fremder Mann von Connie Francis).

Genres

Proto-Punk, Elektronische Musik, Minimal Music, No Wave, Trash.

Line-Up

Coverversionen

Suicide werden gecovert von...

Diskografie

  • 1977 Suicide (LP)
  • 1978 23 Minutes over Brussells (Live)
  • 1979 Live (Limited Edition) (LP)
  • 1980 Alan Vega – Martin Rev (LP)
  • 1981 Half Alive (MC, ROIR)
  • 1981 Dream Baby Dream/Radiation (12"-EP)
  • 1986 Ghost Riders (MC)
  • 1988 Way of Life (LP)
  • 1992 Why be Blue (CD)
  • 1997 Zero Hour (live)
  • 2002 American Supreme
  • Volle Diskografie mit Coverabbildungen, allen Reissues, Bootlegs und Kurzbeschreibungen der Musik: [3] bei Limbos

All-Time-Charts

s/t
23 Minutes Over Brussels

Einzelnachweise

  1. Inoffizielle Homepage [1] bei der Fansite Limbos
  2. ebd.
  3. Artikel von Simon Reynolds [2] bei Village Voice
  4. ebd.
  5. bei der Fanseite Limbos

Weblinks

  • Offizielle Fansite [4] bei limbos.org
  • Profil [5] bei Discogs
  • Marcus Maida – Suicide. Die Rückkehr der Geisterfahrer (2002) [6] in der Jazzthetik
  • Steven Grant / Ira Robbins – Suicide (2007) [7] bei Trouser Press
  • Michael Sailer – Gimme Gimme Shock Treatment! (2010) [8] bei michaelsailer.de
  • Suicide – s/t (ganzes Album, 1977) [9] bei Youtube

Links im Juli 2017.