Rammstein

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Rammstein
Rammstein 2009 in Wien
Rammstein 2009 in Wien
Herkunft: Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern
Aktiver Zeitraum: seit 1994
Genres: Neue deutsche Härte
Labels: Motor Music, Universal
Homepage: Rammstein.de
Line-Up:
Till Lindemann: Gesang
Richard Kruspe: Gitarre
Paul Landers: Gitarre
Oliver Riedel: Bass
Christian "Flake" Lorenz: Keyboard
Christoph "Doom" Schneider: Schlagzeug

Rammstein dürften wohl die sowohl erfolgreichste als auch umstrittenste Gruppe aus deutschen Landen sein, seit Modern Talking sich zu einer internationalen Karriere entschlossen. Die sechsköpfige Band aus Schwerin mit Wurzeln in der alten DDR-Subkultur hat spätestens seit ihrem zweiten Album "Herzeleid" von 1997 eine nahezu unglaubliche internationale Karriere gemacht und insgesamt mehr als 10 Millionen Platten verkauft – trotz oder gerade wegen ihres extrem provokanten und polarisierenden Stils mit faschistoider Ästhetik, einem stakkatohaften Sound zwischen Metal und Industrial sowie deutschen Texten, die oftmals Tabuthemen berühren. Rammstein gelten als Hauptverantwortliche für den musikalischen Trend der Neuen Deutschen Härte, die ab Mitte bis Ende der 1990er zahlreiche Bands mit ähnlich gelagerter Präsentationsweise hervorbrachte und eine Diskussion um rechte Tendenzen in deutscher Rockmusik befeuerte. Das heute von Berlin aus operierende Sextett hat mittlerweile sechs Studioalben herausgebracht, von denen das jüngste mit dem Titel "Liebe ist für alle da" am 16. Oktober 2009 erschien und vom Fleck weg nicht nur in acht Ländern auf Platz 1 in die Charts einstieg, sondern auch gleich wegen Gewaltverherrlichung auf dem Index landete.

Bandgeschichte

Die (Erfolgs-)Geschichte von Rammstein ist insofern von besonderer Relevanz für die deutsche Pophistorie, weil das Quintett nicht nur maßgeblich zu einer wie auch immer zu bewertenden Popularisierung harter Musik mit deutschen Texten beitrug, sondern auch wie kaum eine andere (zumal ost-)deutsche Band das popkulturelle Image ihres Landes im In- und Ausland geprägt hat. Ob sie dies nun auf vorteilhafte oder verzerrende Weise tat und tut, ist quasi seit der Gründung von Rammstein Gegenstand der Diskussion zwischen Feuilleton, Bravo und Underground-Fanzine.

Vorgeschichte und Bandgründung (19891994)

Fest steht, dass die Mitglieder von Rammstein in der Wendezeit 1989/1990 in verschiedenen bekannten Bands des (Ex-)DDR-Punk-Undergrounds spielten und sich dabei früher oder später über den Weg liefen: Der Gitarrist Richard Kruspe – seines Zeichens heimgekehrter Republikflüchtling – hatte während seines West-Aufenthalts im Sommer 1989 Orgasm Death Gimmick gegründet und nach seiner Rückkehr nach Schwerin 1990 bei den von dort stammenden Crossover-Hoffnungsträgern Das Auge Gottes angeheuert. Seine Mitbewohner spielten ebenfalls in namhaften Gruppen: Oliver Riedel war Bassist bei den Inchtabokatables, Christoph "Doom" Schneider klopfte die Drums für Die Firma. Hinzu kam der singende Schlagzeuger (und ehemalige DDR-Olympiaschwimmer) Till Lindemann von der Punkband First Arsch, und mit dieser Besetzung war zum Jahreswechsel 1993/1994 die Idee zu Rammstein geboren – eine makabre Referenz an das Flugschauunglück, welches 1988 bei der US-Luftwaffenbasis in Ramstein in Rheinland-Pfalz 70 Todesopfer forderte. Nachdem in dieser Besetzung ein erstes Demo – das stilistisch allerdings noch wenig mit dem späteren Bandsound zu tun hatte – aufgenommen worden war, konnten die embryonalen Rammstein damit bei einem Nachwuchs-Bandwettbewerb in Berlin eine Woche Studioaufenthalt gewinnen. Dabei gesellten sich mit Gitarrist Paul Landers und Keyboarder Christoph "Flake" Lorenz von der DDR-Punk-Legende Feeling B zwei weitere Veteranen der ostdeutschen Musik-Subkultur dazu, womit das bis heute bestehende Lineup von Rammstein stand.

"Herzeleid" und erste Erfolge (19951996)

Für die 1995 folgenden Aufnahmen zum Debütalbum "Herzeleid" konnte man den Clawfinger-Produzenten Jacob Hellner gewinnen, und mit ihm entstand schließlich der Sound, mit dem die Gruppe zuerst in Deutschland und dann weltweit identifiziert werden sollte: Metalgitarren wurden mit stampfenden bis tanzbaren Industrial-Rhythmen und ominösen Keyboard-Sounds kombiniert, während Till Lindemann mit grabestiefer Stimme und – ganz wichtig – rrrrrollendem R deutsche Texte über Perversionen wie Inzest, Nekrophilie oder Mordgelüste von sich gab. Abgerundet wurde das provokative Image durch das Coverartwork der Platte, das die Bandmitglieder in grimmiger Pose mit nackten Oberkörpern vor einer blühenden Blume in Großaufnahme zeigte. Damit hatte die Gruppe den Grund(ramm)stein für ihr nahezu umgehend und für den Rest der Dekade als faschistoid deklariertes Image gelegt. Verkaufsmäßig ging das im Herbst 1995 veröffentlichte "Herzeleid" zwar noch nicht ganz so durch die Decke wie die Nachfolger, bereitete dafür durch die schiere Provokation aber bereits den Boden. Die 1995 und 1996 – wenn auch noch im Rahmen von eher kleineren bis mittleren Locations sowie vereinzelten Nachmittags-Festivalauftritten – zelebrierten Liveshows mit jeder Menge Feuer- und Flammeneffekten sowie einem in brennendes Metall gehüllten Till Lindemann taten das Ihre, um den Ruf Rammsteins als Liebes- bzw. Hassobjekt Nummer Eins der deutschen Rockszene zu etablieren.

Durchbruch mit "Sehnsucht", Rechtsrock-Vorwürfe und die "Neue Deutsche Härte" (19972002)

Mit dem 1997 aufgenommenen und veröffentlichten Zweitling "Sehnsucht" gelang Rammstein dann der kommerzielle und mediale Durchbruch. Der Bandsound war hier und da etwas verfeinert sowie um einige geschickt platzierte akustische Streicheleinheiten wie die Vocals von Bobo (Sängerin der befreundeten Band Bobo in White Wooden Houses) bei der Abräumersingle Engel erweitert worden, doch im Großen und Ganzen präsentierten sich Rammstein so gewalttätig und keiner menschlichen Perversion abhold wie zuvor. Im Gegensatz zum Debüt schlug die Mischung diesmal aber breitenwirksam ein, so dass "Sehnsucht" die Spitzenposition der deutschen und österreichischen Charts einnehmen konnte, und die Quentin Tarantino zitierenden Clips zu Engel und Du hassst wurden nicht nur in Deutschland rauf- und runtergespielt. Die Band wagte schließlich den Schritt über den großen Teich, und das Unwahrscheinliche geschah: Unterstützt durch die nunmehr auf Arenaformat aufgepimpte bzw. -gepumpte Liveshow mit Pyrotechnik und dem ganzen wohligen Schauer der "ugly Germans" erreichte "Sehnsucht" in den US-Charts nicht nur fast die oberen Top 50, sondern wurde auch mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet, was seit den Tagen von Falcos Rock Me Amadeus keinem deutschsprachigen Act mehr geglückt war.

Bei aller Aufmerksamkeit von Bravo und Mainstream-Medien wurde auch die vermeintlich rechte Gesinnung der Gruppe verstärkt diskutiert. Sicherlich nicht zur Entschärfung trug das Cover des Depeche Mode-Hits Stripped bei, das Rammstein 1998 veröffentlichten und dessen Videoclip mit Material von NS-Hofregisseurin Leni Riefenstahls Film über die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin unterlegt worden war. In diversen Interviews zur Rede gestellt, distanzierte sich die Band zwar von jeglichem rechtsextremem Gedankengut und beschrieb sich selbst als unpolitisch, konnte damit jedoch ihren Ruf einstweilen noch nicht überzeugend reinwaschen. Hinzu kam, dass mit Rammsteins Durchbruch auch einer neuen Form harter deutschsprachiger Musik die Tore geöffnet worden war, die in den folgenden Jahren als "Neue Deutsche Härte" berühmt bzw. berüchtigt werden sollte. Nachdem bereits in den vorangegangenen Jahren Bands wie Oomph!, Die Schweisser, Fleischmann oder 2 Ohm die Kombination aus düsteren Texten und Metal- bzw. Groove-Versatzstücken allerdings ohne größeren Erfolg geprobt hatten, schossen nun Rammstein-Verschnitte der Marke Richthofen, Megaherz oder Rinderwahnsinn aus dem Boden. Alte Dark Wave- bzw. NDW-Recken wie Peter Heppner von Wolfsheim und Joachim Witt (Der goldene Reiter) kamen plötzlich auf die Idee, dass die Mischung aus totalitärer Ästhetik und hypergermanischem Vortrag eine Supersache sei, und mit dem Charterfolg einer Nummer wie Die Flut gab ihnen der Zeitgeist offensichtlich recht. Selbst die Ostrock-Gruftritter der Puhdys entdeckten plötzlich ihre düsteren Gefühle und luden sich Till Lindemann als Gastsänger für ihren Rammstein-Ripoff Wut will nicht sterben ein. Rammstein selbst beurteilten diese Entwicklung zunächst wohlwollend; angesprochen auf den offen völkischen Tenor einer stilverwandten Band wie Weissglut erklärte sich die Band allerdings für nicht zuständig.

Die Neue Deutsche Härte oszillierte noch eine Weile zwischen Rechtsrock-Tendenzen und Chartambitionen, bis sie Anfang des neuen Jahrtausends schließlich mehr oder weniger stillschweigend zu Grabe getragen wurde. Die Erfolgsserie von Rammstein – die 1999 mit "Live in Berlin" ihr erstes Livealbum herausbrachten – sollte sich allerdings noch weiter fortsetzen: 2001 erschien mit "Mutter" das dritte Studioalbum und ein weiterer Nummer-Eins-Hit der Band, das mit Sonne wieder einen provokanten (andere sagen auch: albernen) Videoclip (die Band als Sieben Zwerge, die ein drogenabhängiges Schneewittchen mit Stoff versorgen) im Gepäck hatte. Bezüglich der nach wie vor schwelenden Rechtsrock-Debatte lieferten Rammstein mit dem Lied Links-2-3-4 allerdings doch noch ein eindeutiges Statement gegen jegliche Form des Rechtsradikalismus ab, ergänzt durch einen offenen Brief Till Lindemanns in der Zeitschrift "Stern" zu demselben Thema. Seitdem gilt die bis dahin leidenschaftlich geführte Debatte, ob Rammstein nun rechts seien oder nicht, allgemein als beendet.

Von "Lichtspielhaus" zu "Völkerball" (20032006)

Die einstmals umstrittenste Band Deutschlands hatte sich nunmehr etabliert und konnte sich den Luxus leisten, sich mit der 2003 veröffentlichten DVD "Lichtspielhaus" eine erste Video-Retrospektive zu gönnen sowie mit "Reise, Reise" (2004) und "Rosenrot" (2005) zwei Platten in kurzem zeitlichen Abstand zu veröffentlichen. Der Provokationsaspekt wurde allerdings durch Geschmacklosigkeiten wie Mein Teil (das den in der Boulevardpresse bis zum Exzess ausgeschlachteten Fall des "Kannibalen von Rotenburg", der den Penis seines Opfers verspeiste, aufgriff) oder Mann gegen Mann (das homosexuellen Sex aufgreift und den Arbeitstitel "Schwulah" getragen hatte) aufrecht erhalten. 2006 kam mit "Völkerball" das zweite Livealbum der Band heraus, was den Stand von Rammstein als international erfolgreichste deutschsprachige Band unterstrich. Zudem hatte Till Lindemann 2002 seinen ersten Gedichtband namens "Messer" veröffentlcht, und Rammstein sind seit dem Release von "Reise, Reise" beim Majorlabel Universal unter Vertrag.

Schaffenspause und "Liebe ist für alle da" (seit 2007)

Für das Jahr 2007 verordneten sich Rammstein eine einjährige Kreativpause, die 2008 mit den Aufnahmen zum nunmehr sechsten Studioalbum namens "Liebe ist für alle da" beendet wurde. Nach Jahren des relativen Konsenses bezüglich der Band standen Rammstein nun aber plötzlich wieder im Zentrum der Zensurdebatte, was sich insbesondere auf das als Singleauskopplung geplante Stück Ich tu' Dir weh bezog. Darin geht es um Sado-Maso-Phantasien, die sich unter anderem auf die literarische Vorlage aus Bret Easton Ellis' Klassiker "American Psycho" beziehen und die der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Anlass genug waren, die Platte am 5. November auf den Index zu setzen. Seitdem ist "Liebe ist für alle da" nur noch in einer zensierten Version erhältlich, was den Erfolg des Albums – besagte Pole Position in den Albumcharts von acht Ländern – jedoch vermutlich eher begünstigt als beeinträchtigt hat. Jedoch hat das Verwaltungsgericht Köln die Entscheidung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien am 31.Mai.2010 für ungültig erklärt. Somit ist Liebe ist für alle da seit dem 01.Juni.2010 auch in Deutschland wieder unzensiert erhältlich.

Kollaborationen

  • mit Bobo bei Engel (auf "Sehnsucht")

Diskographie

Alben
Sonstige
  • 1999 Live in Berlin (Live-CD, Motor Music)
  • 2003 Lichtspielhaus (DVD, Motor Music)
  • 2006 Völkerball (Live-CD/DVD, Universal)

Charts

Jahr Titel Charts
D UK US A CH SV NL F BE (Vl) BE (Wa) NOR FIN DK AUS NZ
1995 Herzeleid 6 11 20 77 85 96  ?
1997 Sehnsucht 1 45 1 3 17 28 76 50  ? 25 23
1999 Live aus Berlin 1 179 2 8 42 43 97 93 29 35  ? 46
2001 Mutter 1 96 77 1 1 2 4 23 7 45 12 10 12
2003 Lichtspielhaus DVD 25
2004 Reise, Reise 1 37 61 1 1 2 2 3 5 4 4 1 3 19 17
2005 Rosenrot 1 29 47 1 2 2 4 5 3 8 4 1 2 44 38
2006 Völkerball 1 147 3 7 11 7 54 48 84 24 1 9
2009 Liebe ist für alle da 1 16 13 1 1 3 1 2 3 4 4 1 1 9 15
Singles
1997 Engel 3 4 17 48
1997 Du hast 5 10 33
1997 Das Modell 5 18 41
1998 Du riechst so gut '98 16
1998 Stripped 14 27 42
2001 Sonne 2 5 18 42 24 44 9
2001 Links 2,3,4 26 33 65 60 15
2001 Ich will 29 30 59 52 19
2002 Mutter 47 69 7
2002 Feuer frei 33 35 28 70
2004 Mein Teil 2 61 6 11 8 15 60 40 10 11 2 6
2004 Amerika 2 38 3 5 21 16 89 36 4 13 10 2
2004 Ohne dich 12 38 42 30 13 17
2005 Keine Lust 16 35 25 30 57 19 14 4
2005 Benzin 6 58 11 15 16 25 81 41 33 15 1 3
2006 Rosenrot 28 46 59 53 43 8
2006 Mann gegen Mann 20 59 42 66 45 35 18 5
2009 Pussy 1 95 4 12 22 43 13 34 40 16 1 37

Jahrescharts

Jahr Titel Leser Charts
Musikexpress Visions
1997 Sehnsucht 25 8

All-Time-Charts

Herzeleid

Trivia

  • Naked Lunch beschuldigen Rammstein, ihren Videoclip zu "God" für "Ohne Dich" geklaut zu haben. Rammstein streiten ab.

Referenzbands

Coverversionen

Rammstein covern...

Rammstein werden gecovert von...

Remixe

Rammstein remixen...

  • Last Cup of Sorrow (Rammstein Remix) von Faith No More (auf "Im Reich der Sonne")
  • Spookshow Baby (Black Leather Cat Suit Remix by Rammstein) von Rob Zombie (auf "Im Reich der Sonne")
  • Good God (Heartfloor Remix) von Korn (auf deren Single "Good God")
  • mOBSCENE (Rammstein Sauerkraut Remix) von Marilyn Manson (auf deren Single "mOBSCENE")

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Videoclips

Weblinks