Pearl Jam – Vitalogy

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Vitalogy
Pearl Jam
Veröffentlicht: 22. November 1994 (Vinyl)
6. Dezember 1994 (CD, MC)
Label & Vertrieb: Epic
Albumlänge: 55:30 Min.
Produziert von: Brendan O'Brien und Pearl Jam
Genre: Grunge, Experimental
Formate: LP, CD
Singles: 1994 – Spin the Black Circle
1995 – Not for You
1995 – Immortality
Chronologie

1993Vs.

Vitalogy

1996No Code

"Vitalogy" ist das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Grungeband Pearl Jam und wurde im Jahre 1994 veröffentlicht.

Zum Album

"Vs." war zwar zum bis dato schnellstverkauften Album der Musikgeschichte geworden; Pearl Jam befanden sich 1994 aber weiterhin auf der Flucht vor dem Erfolg. Auf der Tour zum Zweitling hatte man bereits an neuem Material geschrieben, das sich explizit mit der prekären Lage der Gruppe und ihrer Individuen auseinandersetzte. Der ewige Knatsch um den Drummerposten ging in seine nächste Runde, als Dave Abbruzzese noch vor Abschluss der Aufnahmen von Eddie Vedders altem Kumpel Jack Irons ersetzt wurde und auch die übrigen Bandmitglieder sich untereinander zunehmend zerstritten. Ein Rechtsstreit mit dem Konzertmonopolisten Ticketmaster war angestrengt worden, weil Pearl Jam sich an den vermeintlich zu hohen Ticket-Preisen störten. Gitarrist Mike McCready ging während der Aufnahmen wegen seiner Kokain- und Alkoholabhängigkeit in die Reha. Und schließlich war in diese Zeit auch noch der 5. April des Jahres 1994 gefallen, an dem Kurt Cobain, Sänger der ewigen Pearl Jam-Rivalen Nirvana und noch vor Eddie Vedder der vermeintliche Messias der Generation X, seinem Leben mit einem Schuss aus der Schrotflinte ein Ende gesetzt hatte. Alles in allem also nicht gerade optimale Voraussetzungen für ein entspanntes, optimistisches Werk einer Band, die von ihrem eigenen Erfolg her eigentlich allen Grund dazu gehabt hätte.

Pearl Jams dritte Platte "Vitalogy" fiel dann auch alles andere als leicht verdaulich aus. War "Vs." in all seiner Wut zwar schon um einiges von den Hymnen des Debüts "Ten" abgerückt, schien mit dem Nachfolger der musikalische Kosmos der Band vollends auseinanderzufallen. Trotz "Vs."-Produzent Brendan O'Brien fiel der Sound des Albums um mehrere Grade rumpeliger und lärmiger aus als der des Vorgängers, und bei Tracks wie Spin the Black Circle oder Tremor Christ klangen Pearl Jam mehr nach Grunge – im Sinne von Garagen-Lärm – als jemals zuvor. Dem gegenüber standen an Neil Young geschulte Krachfolker wie das Kurt Cobain-Gedächtnisstück Immortality und teilweise äußerst schwerverdauliche Experimente wie Bugs, wo Vedder den Tom Waits zum Akkordeon und einer bizarren Geschichte über Käfer gab, oder der über siebenminütige Closer Hey Foxymophandlemama, That's Me, wo mit Sprachsamples von Insassen einer psychiatrischen Anstalt und seltsamen Klängen gearbeitet wurde. Textlich standen Not for You, Corduroy oder das kurze Zwischenspiel Pry, to für die nahezu feindselige Haltung des Frontmannes gegenüber der Presse und der medialen Verwertung des Hypes um die Band. Einziges Zugeständnis an den "klassischen" Pearl Jam-Fan schienen die Balladen Nothingman und Better Man zu sein, wenngleich auch diese Stücke von einer gewissen Düsternis umschwebt wurden. (Das von Vedder geschriebene Better Man stammte übrigens noch aus den Tagen von Eddies erster Band Bad Radio.)

Der Release von "Vitalogy" begann mit einem Clou: Am 22. November 1994 erschien nämlich zuerst die LP-Version der Platte, während die CD- und MC-Version erst zwei Wochen später veröffentlicht wurde. "Vitalogy" verkaufte sich fast ebenso rasant wie zuvor "Vs." und erhielt insgesamt fünffaches Platin verliehen. Das Booklet war aufwändig gestaltet (eine Tradition, die Pearl Jam von nun an weiterführen sollten) und enthielt Exzerpte aus einem Buch über gesunde Lebensführung (besagte "Vitalogie") aus den Zwanzigerjahren, wo unter anderem über die Gefahren der "Selbstbeschmutzung" informiert wurde.

Die Reaktion von Käufern und Kritik auf "Vitalogy" war noch gespaltener als bei "Vs.". Während viele frühere Fans mit dem rauhen, experimentellen Klang der Platte nichts anfangen konnten und auch die weitere mediale Verweigerung der Band nicht gerade neue Käuferschichten erschloss, lobten viele Rezensenten den Mut zum Experiment und die lange Halbwertzeit vieler "Vitalogy"-Songs. Letzten Endes markierte "Vitalogy" den Höhepunkt von Pearl Jams Defensivstrategie, und auch wenn die Gruppe mit den nächsten Alben nach wie vor die Zurückgezogenheit pries und den eingängigen Stil ihres Debüts zu vermeiden suchte, bleibt ihre dritte LP doch das Bandmanifest der Verweigerung.

1995 brachen Pearl Jam zu einer Tour auf, auf der das Album live vorgestellt wurde. (Ein Vorgeschmack fand sich auf der im Januar desselben Jahres aufgenommenen Radiosendung "Self Pollution Radio", bei der unter anderem auch Soundgarden und Mad Season auftraten.) Die Konzertreise litt allerdings unter der fortgesetzten Auseinandersetzung mit Ticketmaster, so dass Pearl Jam sich auf eigene Faust Auftrittsorte suchen mussten, was sich letztlich als kaum durchführbar erwies. Unterstützt wurde die Band live dabei unter anderem von ihrem großen Vorbild Neil Young.

Line-Up

Tracklisting

  1. Last Exit (2:54)
  2. Spin the Black Circle (2:48)
  3. Not for You (5:52)
  4. Tremor Christ (4:12)
  5. Nothingman (4:35)
  6. Whipping (2:35)
  7. Pry, to (1:03)
  8. Corduroy (4:37)
  9. Bugs (2:45)
  10. Satan's Bed (3:31)
  11. Better Man (4:28)
  12. Aye Davanita (2:58)
  13. Immortality (5:28)
  14. Hey Foxymophandlemama, That's Me (7:44)

Singles

  • 1994 Spin the Black Circle
  • 1995 Not for You
  • 1995 Immortality

Weblinks