Olaf Bender

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Olaf Bender (*1968 in Karl-Marx-Stadt) ist Musiker im Bereich der Elektronischen Tanzmusik, spezieller Computermusik, und tritt unter dem Pseudonym Byetone auf. Musikalisch bewegt er sich zwischen Glitch, Clicks & Cuts und Minimal Techno. Bender ist Mitgründer des Labels raster-noton, wo er auch für Grafik und visuelle Konzeption, Typografie zum Beispiel, verantwortlich ist.[1]

Hintergrund

In seiner Kindheit in der DDR gibt es zwar kaum Tonträger zu kaufen, es besteht aber die Möglichkeit, heimlich Westradio zu hören und die Sendungen mitzuschneiden, Bender besitzt Kassettendecks und eine entsprechend große Sammlung von Kassetten, Einflüsse kommen hauptsächlich von deutschen Bands. 1988 tritt er der DDR-Avantgarde-Band AG. Geige bei, bei der bereits Frank Bretschneider aktiv ist, 1996 gründet er mit Bretschneider das Label Rastermusic, das 1999 mit Carsten Nicolais Label noton zu raster-noton verschmilzt. Bis zu diesem Jahr spielt er zusammen mit Carsten Nicolai und Frank Bretschneider bei den Projekten Signal und Product, seit 1999 dann auch solo als Byetone. Seit 2012 gibt es das Projekt Diamond Version mit alva noto.[2] Mit Diamond Version orientieren sich die Musiker stärker als bisher an einer zeitgemäßen Version des End-1980er-Jahre-Elektro mit EBM-Einschlag. Die meisten Veröffentlichungen von Byetone erscheinen auf raster-noton und Mute, einige bei kleineren Labels.

Musik

„Bender erzeugt seine Musik digital. Er montiert Sinus-Töne zu komplexen Klangstrukturen. Digitale Klicks und Effekte-Plug-Ins sind für die Erzeugung des Rhythmus' essentiell. All das wird in eine zeitliche Relation gebracht und so entsteht eine Tonspur – eine künstliche Welt ohne jeglichen körperlichen Aufwand.“[3]

Byetones minimalistische Stücke sind, typisch für diese Art Musik, metronomisch pulsierend, aber auch gothic, man denkt vielleicht nicht nur an Techno, auch an die Sisters of Mercy, Joy Division oder Section 25. Anhand der Art und Weise der Bearbeitung der HiHats und des Metronomischen bedient er sich oft der Routinen des Minimal Techno der Kölner Schule der 1990er. Viele Endlosrechnungen, die über eine modulations- und schichtenorientierte Dramaturgie, fragmentarische[4] und rhythmusorientierte Motivbildung und Akkordtonbrechungen, Deakzentuierungen des Grundtons, aufgemacht werden, eine Art Trancegefühl wird wie üblich durch Repetition, Modulation und Bleepen gefördert.[5] Einfache geschichtete Drumarrangements, kaum mikrotonale Texturen, dafür ein vitalistisch-trashiges Verständnis von Beats in Layern. Zum Teil wird viel Schmutz und Klirren hingenommen, Souveränität anstelle von Genauigkeit oder Perfektion sind gefragt: "For example, the quality of sound is not a question anymore for computers, it's more a question how to bring a dirtyness inside".[6] Der Computer ist für den überzeugten Autodidakten nach eigenen Aussagen eine Möglichkeit, jenseits von Ideen von Komposition die Notwendigkeit der vorherigen theoretischen Aneignung musikalischer Fertigkeiten zu umgehen.[7] Sehr oft entstammt das Drummaterial der Roland TR-808: "… the rhythm is the most geometrical feature of music, and it is also the central topic of the records I’ve done so far".[8] Rauschen und Sinustöne als Ausgangsmaterial sind in den fertigen Stücken noch hörbar vorhanden, ebenso die Reduktion um Manierismen bzw. Ornamente und die Orientierung auf wenige grundlegende Elemente. Knarzige, mahlende oder sägende fabrikartige Teppiche sind fast in jedem Stück unterlegt. Die oft in die Zerrbereiche geregelten Synthsounds orientieren sich an monophonen Synthesizern wie dem KORG MS-10, in wenigen Stücken werden die Teppiche auch einmal fast auf Art einer Klangskulptur lange gehalten, zum Beispiel Untitled (5'16"): [11].

<– Byetone – Opal (2011)

  • "I like it when music makes you nervous or aggressive."[9]
  • „Ich denke vielleicht mehr in Frequenzen als in Noten ...“[10]

Das Konkrete, „Fotorealistische“ des raster-noton-Labeldesigns findet sich Olaf Bender zufolge in der Musik wieder[11], als Einfluss aus der Architektur nennt er das Bauhaus[12], „referentielles Sampling“ (Bender) wird gewöhnlich nicht verwendet, stattdessen spricht er von der Arbeit mit einzelnen Tönen, dem „Morphen der Töne“.[13] Eine Präferenz besteht inbezug auf mathematisch „exakte“ Eingabemöglichkeiten in der Art „27Hz, -5dB“[14], eines der Anliegen ist es, menschliche Bewegung in das statisch-mathematische Gefüge zu bringen.[15] Hinzu kommt ein sehr tiefer und monotoner Bass, der das körperliche Moment betont. Insgesamt klingt die Musik Olaf Benders erstaunlich analog und oft mehr nach einer digitalästhetischen Entwicklung von Routinen aus dem Minimal Techno, die Klanggestaltung ist deutlich auf Druck ausgelegt, zudem gibt es nur wenige und wenn, dann vorsichtige Filterbewegungen.

Trivia

Zum Weltbild Olaf Benders, siehe ab min. 7:34: Byetone Feature (Slices Issue 4-12) (2013) [12] bei Youtube. Zum Begriff der Avantgarde: „Der Begriff ‚Avantgarde‘ ist wirklich ambivalent. Heutzutage ist alles Avantgarde, vom Parfüm bis zur Musik. Ich würde sagen, es gibt keine Avantgarde mehr, weil es nichts gibt, was kaputtgemacht werden muss, nichts muss noch subvertiert werden.“[16]

Diskografie

  • 1999 20' to 2000 /Raster-Noton 2001 Oacis: Box /Raster-Noton
  • 2003 Feld /Bine-music
  • 2008 Plasticstar /Raster-Noton
  • 2008 Death of a Typographer /Raster-Noton
  • 2011 SyMeta /Raster-Noton
  • 2014 CI /Mute (Diamond Version, mit Carsten Nicolai)

Volle Diskografie [13] bei Discogs

Siehe auch

Diamond Version, Signal, Product, AG. Geige, raster-noton, Techno, Acid House, Glitch, Frank Bretschneider, Carsten Nicolai, Tilo Seidel, Algorithmische Komposition, Databending, Elektronische Musik, Sonifikation, Clicks & Cuts, Acid, Microsound, Industrial, Post-Techno, Elektronische Tanzmusik, Computermusik.

Einzelnachweise

  1. Byetone Feature (Slices Issue 4-12) (2013) [1] bei Youtube
  2. Alva Noto and Byetone collaborate as Diamond Version [2] beim The Wire
  3. Olaf Bender [3] beim Goethe-Institut Schweden
  4. Tony Myatt – New aesthetics in computer music (2008) [4] bei der Universität York, das zugehörige Video ist zur Zeit nicht online
  5. Bender spricht, was das Trancegefühl betrifft, vom „Abschalten der rationalen Ebene“, in: Tony Myatt – New aesthetics in computer music (2008) [5] min. 5:30, bei der Universität York, Video zur Zeit nicht verfügbar
  6. ebd., Tony Myatt, ab 45:09 min., bei der Universität York
  7. Byetone [6] bei Raster-Noton
  8. Maurizio Narciso – Byetone: l’autodidatta della computer music (2012) [7] .it / .en bei Soundwall.it
  9. diese und die folgenden: Byetone Feature (Slices Issue 4-12) (2013) [8] bei 4:20 min. bei Youtube
  10. ebd.: Slices
  11. Slices, bei 1:30 min.
  12. Slices: Bauhaus, „Reduktion auf etwas Fundamentales“
  13. Slices, bei 2:00 min.
  14. Slices, bei 4:50 min.
  15. Tony Myatt – New aesthetics in computer music (2008) [9] bei der Universität York. Video zur Zeit nicht online
  16. Maurizio Narciso – Byetone: l’autodidatta della computer music (2012) [10] .it/.en bei Soundwall.it

Weblinks

  • Homepage [14] bei raster-noton
  • Byetone aka Olaf Bender Interview @sónar 2009 [15] „Wie wenig kann ich tun, um eine Idee zu transportieren?“ bei Youtube
  • Plattenspieler Malmö med Olaf Bender (2014), Playlist von Olaf Bender durch das Goethe-Institut Schweden [16] bei Youtube
  • Byetone – Europa 70 (2003) [17] bei Youtube

Links im Juli 2017.