Moby

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Moby (* 11. September 1965 in Harlem, New York City und aufgewachsen in der 20.000-Seelen-Stadt Darien, Connecticut, als Richard Melville Hall) ist ein US-amerikanischer Musiker, Sänger, DJ, Musikproduzent und Remixer. Er spielt Keyboard, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Percussion. Die musikalische Bandbreite reicht von Punk und Rock über Techno, Trance und Pop. Moby hat bei zahlreichen Filmen Musik zum Soundtrack beigesteuert. Sein Pseudonym "Moby", das ihn schon seit seiner Kindheit begleitet, entstammt dem Roman Moby Dick seines Ur-Ur-Großonkels Herman Melville. Weitere Veröffentlichungen erschienen unter den Namen Voodoo Child, Little Idiot, Barracuda, UHF, The Brotherhood, DJ Cake, Lopez und Brainstorm/Mindstorm.

Bandgeschichte

Laut eigener Aussage spielte Moby seit dem zehnten Lebensjahr in "30 bis 40 Bands", bevor er unter eigenem Namen erfolgreich wurde. Mit fünfzehn gehörte er der Hardcore-Punkband The Vatican Commando an, verließ die Band aber nach der ersten Singleveröffentlichung Hit Squad For God (ca. 1983). AWOL (1984), Shopwell und The Pork Guys sind weitere Bands, in denen er mitspielte. 1987 war er für zwei Monate Gitarrist bei Ultra Vivid Scene. Ab 1985 legt er als House-DJ im Club The Beat in Port Chester, New York, auf. 1989 unterzeichnet er einen Plattenvertrag mit Instinct Records und veröffentlichte zusammen mit dem Labelgründer Jared Hofmann 1990 die Single Time's Up unter dem Namen The Brotherhood.

1991 landet Moby mit Go einen ersten Hit (UK Top Ten), in dem Stück kombiniert er Progressive House mit einem Sample von Laura Palmer's Theme aus dem Soundtrack der TV-Serie Twin Peaks. Drei Alben (Moby, Early Underground und Ambient) sowie die Compilation Instinct Dance wurden von Instinct Records veröffentlicht, zum Teil aber ohne Abstimmung oder Einverständnis des Künstlers, wodurch es zum Streit und einem Ende der Zusammenarbeit kam. In Europa werden die Platten von den Labels Rough Trade Distribution und zum Teil von Low Spirit vertrieben. 1992 steuert Moby Lyrics und Sprechgesang zum Song Curse auf dem Recoil-Album Bloodline bei, dem Soloprojekt des derzeitigen Depeche-Mode-Musikers Alan Wilder, das auf Mute Records erscheint.

1993 wechselt auch Moby zu Mute Records und veröffentlicht Move als erste Single. 1995 folgte das Album Everything is Wrong, das zwar gute Kritiken erhielt, aber nur ein schwacher kommerzieller Erfolg war. Ein Grund dafür mag das für den durchschnittlichen House- oder Techno-Fan ungewohnte musikalische Stilmix dieses Albums sein, denn auf ruhig dahinfließende, sphärische Instrumentals und poppige Dancefloor-Hymnen folgen harte Gitarrenbretter auf Elektrobeats. Ebenso ungewöhnlich für den eher unpolitischen Trance/Techno: Songs mit "gehaltvollen" Lyrics wie "All that I need is to be loved" oder "Into the blue". Allerdings enthält das Booklet zum Album keine Songtexte, sondern mehrere Essays zum Themen wie Umweltzerstörung (daher "Everything is Wrong"), Vegetarismus und eine Breitseite gegen die religiöse und politische Rechte in den USA bei gleichzeitigem Werben für einen weltoffenen, menschenfreundlichen christlichen Glauben. Konsequenterweise enden die Platten-Credits bei fast allen Veröffentlichungen dieser Zeit mit einem "Thanks to (Jesus) Christ."

1995 schafft sich Moby mit dem Plattenlabel Trophy Records eine Spielwiese für härteren Dancefloor-Techno (bzw. House), wo er ausschließlich eigenes Material, veröffentlicht, allerdings unter verschiedenen Pseudonymen (Lopez, Voodoo Child, DJ Cake) veröffentlicht. Als Techno immer mehr Einzug in den Pop hält, vollzieht Moby 1996 einen radikalen musikalischen Stilwechsel: bei Animal Rights greift er auf seine frühe Punkrock und Hardcore-Zeit zurück: ein ganzes Album voller harter Gitarrensounds. Animal Rights bleibt wie Blei in den Regalen liegen. 1997 erhält Moby die Möglichkeit, für den James-Bond-Film Tomorrow never dies das James-Bond-Theme einer re-version zu unterziehen – diese Single bringt ihn zurück in die Charts. Eine Compilation diverser Moby-Beiträge zu Filmsoundtracks erscheint im selben Jahr unter dem Titel I like to score. Die Compilation floppte allerdings. Das Label Elektra – Vertriebspartner für den US-Markt – entschied sich, Moby nicht weiter zu veröffentlichen.

Moby beschäftigte sich in dem folgenden Jahr mit field recordings, alten Aufnahmen von Blues- und Gospelmusikern und baute Samples davon in neue Songs ein. Als erster Song dieser Art erschien im Sommer 1998 die Single Honey, im Frühjahr 1999 Run on und im Mai 1999 das Album Play, das sich zunächst nicht übermäßig verkauft. Von Kritikern gelobt, verschreckte der neue Stil viele alte Fans. Enttäuscht vom ausbleibenden Erfolg (und laut Moby, um seine Musik irgendwie zu den Leuten zu bringen), werden zahlreiche Songs aus dem Album für Filme und Werbezwecke freigegeben. Im Herbst 1999 wird Why does my heart feels so bad? als bereits vierte Single von Play ausgekoppelt – und wird überraschenderweise ein internationaler Mega-Hit (und infolgedessen auch das Album). Das Label V2 übernimmt den Vertrieb in den USA, während das alte US-Label Elektra im Jahr 2000 mit der Compilation mobysongs 1993-1998 die Gunst der Stunde nutzt. Insgesamt acht Songs von Play erscheinen als Singles, 2001 folgt mit Play – The DVD eine B-Seiten- und Remix-Compilation mit Bonusmaterial. Zwei Jahre nach Honey ebbt der Hype um Play langsam ab.

Ende 2001 erscheint neues Material: Der Song We all are made of stars ist auf dem Abschlussfestival der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City zu hören und wird als Single veröffentlicht. 2002 folgt das Album 18, das von manchen Kritikern als zweiter Aufguss von Play gesehen wird. Es ist insgesamt ruhiger und melancholischer, einige Songs verarbeiten offenbar auch die Terroranschläge, die am 11. September 2001 (Mobys Geburtstag) New York (Mobys Heimatstadt) erschüttern, so zum Beispiel Sunday (The day before my birthday). Eine bemerkenswerte Kooperation erfolgt 2004: Make Love, Fuck War von Moby & Public Enemy ist ein Statement gegen den Irakkrieg. 2005 wird das Album Hotel veröffentlicht, das einige deutliche New-Wave-anklänge hat (z.B. Lift me up, zu dem ursprünglich Andrew Eldritch von den Sisters of Mercy die Vocals beisteuern sollte). 2008 folgt das Album Last Night mit Disco-Reminiszenzen.

Kollaborationen

Kollaborationen gab es auf »18«: Great Escape mit Azure Ray, Jam for the Ladies mit MC Lyte & Angie Stone, Harbour mit Sinéad O'Connor, sowie auf »Last Night«: Alice mit Aynzli Jones und 419 Squad. Weitere Kollaborationen mit den Butthole Surfers, Kelis, Gwen Stefani, Public Enemy, Debbie Harry und Mylène Farmer.

Trivia

  • Der Track Thousand (auf dem Album Moby) erhält 1993 einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als schnellster Song aller Zeiten (1015 Beats per Minute).
  • Zitat Moby zu seiner Punk-Vergangenheit: »I've been listening to a lot of my old hardcore punk records. My guitar is creeping back in and I've been giving my record company speed-metal demos and I don't think they're too happy about it...«
  • Oft sind es Gastsänger, die Mobys Songs die Stimme leihen.
  • Für die 2005er Single Lift me up war es Mobys Wunsch, Andrew Eldritch als Sänger zu gewinnen, allerdings konnte man ihn nicht auffinden.
  • Der Song Spiders ist von David Bowie beeinflusst und eine Art Hommage.
  • Die Single Next is the E wird in Großbritannien als I feel it veröffentlicht, da man eine Anspielung auf die Droge Ecstasy darin sah – was Moby jedoch verneint.
  • Moby ist (liberaler) Christ und Vegetarier. Auf dem Cover bzw. Booklet nahezu aller Veröffentlichungen seit dem Wechsel zu Mute Records findet sich der Credit »Animals are not ours to eat, wear or experiment on.« (bzw. neuerdings »Love animals, don't eat them.«), gefolgt von »Thanks to Christ.«
  • Moby hat, eigenen Aussagen und Gerüchten zufolge, als Sechzehnjähriger bei zwei Konzerten den Sänger der Hardcore-Punk-Band Flipper ersetzt.

Genres

Electronica, progressive House, Big Beat, Pop, Rock, Hardcore, Punk

Diskografie

All-Time-Charts

Play
Everything is Wrong
Go

Kompilationsbeiträge

Referenzbands

Coverversionen

Moby hat gecovert:

Gesamplete Künstler

Moby hat für seinen Songs Samples folgender Songs/Künstler verwendet:

  • Go – Laura Palmer’s Theme (Twin Peaks Soundtrack) von Angelo Badalamentis
  • Honey – Sometimes von Bessie Jones
  • Find my Baby – Joe Lee's Rock von Boy Blue
  • Bodyrock – Love Rap' von Spoony G & The Treacherous 3
  • Why does my heart feels so bad – untitled von The Shining Light Gospel Choir
  • Run On – Run on for a long time von Bill Landford & The Landfordaires

Remixe

Moby remixte:

Moby wurde remixt von:

Weblinks

Charts

Jahr Titel Charts
D US UK A CH S F NOR FIN AUS NZ
1995 Everything Is Wrong 69 - 21 - - - - - 40 - -
1996 Animal Rights - - 38 - - - - - - - -
1999 Play 21 38
1
7 12 14
1
2 18 -
1
2000 Play: The B Sides - 165 - - - - - - - - -
2000 Songs 1993-1998 - 137 - - - - - - - - -
2001 I Like To Score - - - - - - 83 - - - -
2002 18
1
4
1
1
1
3
1
2 5 -
1
2005 Hotel 3 28 8 2
1
11 2 18 12 - 10
2006 Go: The Very Best Of Moby 31 153 23 20 4 28 - - - - 14
2008 Last Night 10 27 28 4 6 40 12 - 38 20 30
2009 Wait for Me 18 22 44 - - - - - - 50 40
Singles
1991 Go - - 10 - - - - - - - -
1993 I Feel It/Thousand - - 38 - - - - - - - -
1993 Move - - 21 - - 40 - - - - -
1994 Hymn - - 31 - 46 - - - - - -
1994 Feeling So Real 14 - 30 21 9 40 - - - - -
1995 Everytime You Touch Me - - 28 - - - - - - - -
1995 Into The Blue - - 34 - - - - - - - -
1996 That's When I Reach For My Revolver - - - - - - - - 14 - -
1997 James Bond Theme (Moby's Re-Version) 48 - 8 - 17 31 41 - 7 - -
1998 Honey 77 - 33 30 - - - - - - -
1999 Run On - - 33 - - - - - - - -
1999 Bodyrock - - 38 - - - - - - - 20
1999 Why Does My Heart Feel So Bad 3 - 16 4 4 - - - - 33 28
2000 Natural Blues 46 - 11 - 28 - 9 - 13 - -
2000 Find My Baby - - - - - - 53 - - - -
2000 Porcelain 63 - 5 - 79 - 99 - - - 17
2000 Why Does My Heart Feel So Bad / Honey (Remix) - - 17 - - - - - - - -
2001 South Side - 14 - - - - - - - - -
2002 We Are All Made Of Stars 60 - 11 50 17 45 40 13 - 23 37
2002 Extreme Ways - - 39 - 91 - 53 - - - -
2002 In This World 78 - 35 - 66 - 22 - - - -
2003 In My Heart - - - - - - 76 - - - -
2005 Lift Me Up 12 - 18 12 24 38 6 - 10 - 39
2005 Spiders - - 50 - - - - - - - -
2005 Raining Again 82 - - - 96 - - - 14 - -
2005 Beautiful 90 - - - - - 63 - - - -
2006 Slipping Away 63 - 53 - 18 -
1
- - - -
2006 New York, New York 69 - 43 47 80 - - - - - -
2007 Slipping Away 69 - 43 47 80 - - - - - -
2007 Extreme Ways (Bourne Ultimatum) - - 61 - - - - - - - -
2008 Disco Lies 8 - - 21 10 53 - - - - -

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts Leser Charts
NME Spex Musikexpress Intro Les Inrocks Spex Rolling Stone Visions Les Inrocks
1995 Everything Is Wrong
-
-
25
-
-
- - - -
1996 Animal Rights
-
-
-
-
-
- - 29 -
1997 I Like To Score
-
-
50
-
-
- - - -
1999 Play
-
-
6
-
2
24 10 - 7
2002 18
-
-
-
-
50
- - - -
Singles
1991 Go
41
-
-
-
-
- - - -
1999 Why Does My Heart Feel So Bad
-
-
-
-
-
- 7 - -
1999 Honey
-
-
-
-
44
- - - -
2000 Natural Blues
49
-
-
-
-
- 27 - -
2002 We Are All Made Of Stars
20
37
-
-
-
40 - - -