Kadavar

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Kadavar
Kadavar in ihrer aktuellen Besetzung 2013(Christoph "Tiger" Bartelt, Christoph "Lupus" Lindemann, Simon "Dragon" Bouteloup)
Kadavar in ihrer aktuellen Besetzung 2013
(Christoph "Tiger" Bartelt, Christoph "Lupus" Lindemann, Simon "Dragon" Bouteloup)
Herkunft: Berlin
Aktiver Zeitraum: seit 2010
Genres: Proto-Metal
Stonerrock
Psychedelic Rock
Labels: This Charming Man Records
Tee Pee Records
Nuclear Blast
Homepage: Kadavar bei Facebook
Line-Up:
Christoph "Lupus" Lindemann: Gesang, Gitarre
Simon "Dragon" Bouteloup: Bass (seit 2013)
Christoph "Tiger" Bartelt: Schlagzeug
Ehemalige Mitglieder:
Philipp "Mammut" Lippitz: Bass (20102013)

Kadavar sind eine Retro-Psychedelic-Stonerrock-Band aus Berlin, die 2010 gegründet wurde.

Bandgeschichte

"Unsere Idee war, Musik so zu machen wie im Proberaum. Wir greifen auf überhaupt keine technischen Hilfsmittel zurück. Wir nehmen es so auf, wie wir spielen, und wenn es am Ende nicht perfekt ist, dann ist es halt nicht perfekt." (Christoph "Tiger" Bartelt)[1]

Gründung und Einflüsse (2010–2012)

Die Gründungsmitglieder von Kadavar, die aus so unterschiedlichen Ecken wie Thüringen, Münster und Österreich stammen, lernten sich in Berlin über ihre gemeinsame Vorliebe für Musik, Stil und Outfit der 1970er Jahre kennen. Das Kernduo bestand dabei aus Gitarrist Philipp "Mammut" Lippitz und Schlagzeuger Christoph "Tiger" Bartelt, die Anfang 2010 damit begannen, Musik zu machen. Nach einigen Proben stieß dann Christoph "Lupus" Lindemann dazu, der eigentlich den Posten des singenden Bassisten besetzen sollte, sich aber bald für die Gitarre entschied, so dass Mammut an den Viersaiter wechselte.[2] Im Gegensatz zu vielen anderen Stonerrock-Bands stand bei Kadavar von Anfang an die authentische Umsetzung der Ideen von Doom-, Spacerock-, Krautrock-[3] und Proto-Metal-Urvätern der zweiten Reihe wie Pentagram, Hawkwind oder Grand Funk Railroad im Mittelpunkt. Auch bei der Aufnahmetechnik setzt die Band auf die Authentizität der Siebziger, indem ausschließlich live auf Vintage-Equipment aufgenommen wird; außerdem soll durch die "hartes Panning" genannte Verteilung der Tonspuren (Gitarre auf dem linken Kanal, Bass auf dem rechten, Schlagzeug auf dem halbrechten sowie Gesang in der Mitte) eine möglichst originalgetreue Reproduktion des Live-Feelings der Gruppe erzielt werden.[4]

Debütalbum und Tourneen (2012–2013)

Bereits die ersten Shows und Samplerbeiträge von Kadavar ließen in der Szene aufhorchen. Es folgte ein Vertrag mit dem Ein-Mann-Label This Charming Man Records aus Münster, die 2012 das selbstbetitelte Debütalbum der Band veröffentlichten, welches aufgrund der unerwartet hohen Nachfrage bis heute mehrfach neu aufgelegt wurde (unter anderem in der schier unglaublichen Vielfalt von neun verschiedenen Vinyl-Editionen sowie nach Übersee an die Stoner-Spezialisten von Tee Pee Records lizenziert). Noch im selben Jahr folgte eine limitierte 7"-Single mit den Albumtracks Creature of the Demon und Living in Your Head anlässlich des Record Store Day sowie die Split-Doppel-12" "White Ring" mit der befreundeten französischen Band Aqua Nebula Oscillator, auf der sich die beiden Bands gegenseitig coverten und außerdem stark Amon Düül-beeinflusste Jams zu hören waren. Auch neben der Arbeit mit Kadavar entfalteten die Bandmitglieder rege Aktivität: Mammut gründete mit Ex-Herpes-Sänger Florian Pühs die Hamburger Schule-inspirierte Indierock-Band Ecke Schönhauser und betrieb bis Ende Juni 2013 seine eigene "Mammut Bar" in Berlin, Lupus gestaltet Artwork für andere Bands und legt regelmäßig Psychedelic-lastige Sets in der Berliner "8mm Bar" auf; Tiger schließlich spielt in der Noiserock-Band Noem und hat in seinem eigenen Aufnahmestudio bis dato Bands wie Messer oder Solemn League produziert. Trotz dieses gut gefüllten Zeitplans konnten Kadavar am 13. Dezember 2012 im ausverkauften Berliner Magnet Club ihre Tournee zum Debütalbum mit ihrer insgesamt einhundertsten Show abschließen.[5] Zuvor hatten sie unter anderem mit Doom-Helden wie Pentagram, Saint Vitus, Sleep oder Electric Wizard die Bühne geteilt.

"Abra Kadavar" und Lineup-Wechsel (2013–2015)

Für das zweite Album "Abra Kadavar" wechselten Kadavar zur Metal-Label-Institution Nuclear Blast, was durch die Bekanntschaft mit den San Francisco-Doomstern Orchid vermittelt worden war.[6] Dies äußerte sich unter anderem in einem besseren Vertrieb sowie insgesamt einem besseren Soundgewand, was allerdings auch – wie so häufig bei erfolgreicher gewordenen Underground-Acts – Kritik wegen vermeintlichen Karrieristentums provozierte. Hatte das Trio zudem vorher anderthalb Jahre für ihr Debütalbum Zeit gehabt, entstand der Zweitling nun innerhalb von sechs Wochen nach Ende der 2012er Tour. Der zunehmende und für die Band selbst unerwartete Hype um die Retro-Rock-Sensation schlug sich dann auch in nochmals deutlich gesteigerten Verkaufszahlen für "Abra Kadavar" nieder, und das Album stieg allein durch Vorverkäufe noch vor Release im April 2013 auf Platz 42 der deutschen Albumcharts ein. Hinzu kamen Buchungen für renommierte Festivals wie das EuroSonic, Roadburn und die texanische Festival-Institution South by Southwest. Dies alles konnte allerdings nicht verhindern oder beförderte letztlich sogar, dass Bassist Mammut während eines USA-Aufenthaltes des Trios im April 2013 die Band wegen persönlicher und kreativer Differenzen verließ.[7] (Seine letzte Amtshandlung als Kadavar-Mitglied war der Anfang Mai 2013 veröffentlichte Videoclip zum Album-Opener "Come Back Life", den die Band auf dem Weg von Texas nach Kalifornien in der Wüste drehte.)[8] Für ihn stieg Aqua Nebula Oscillator-Bandfreund Simon "Dragon" Bouteloup ein, der die Band schon seit längerer Zeit (u.a. als Tourbusfahrer) begleitet hatte und nun auch die restlichen Europa-Tourdates mit Kadavar bestritt.[9]

Für den Herbst 2013 wurde eine weitere fünfwöchige Europatournee geplant, außerdem wurden die entfallenen US-Dates nachgeholt und auch Australien betourt. Für den US-Teil der Tour führte Lupus auch ein Online-Tagebuch.[10] Für November wurde die Premiere eines viertelstündigen Dokumentarfilms über die frühen Tage der Band mit dem Titel "Mammut, Tiger, Wolf" angekündigt, der an zwei Abenden in Berlin Premiere feierte.[11]

Im Juni 2014 wurde "Abra Kadavar" als Doppel-CD-Special-Edition mit neuem Coverartwork wiederveröffentlicht und enthielt als Bonus ein komplettes Livekonzert in Antwerpen. Das Konzert, welches im Rahmen der 2013er-Tour aufgezeichnet wurde, wurde im Juni zudem auch separat als Doppel-LP veröffentlicht.[12]. Die Band ging mehrfach erneut auf US- und Europatournee und spielte u.a. als Support für Wolfmother. Ein neuer Videoclip zum Albumtrack Eye of the Storm erschien im Mai 2014.

"Berlin" (seit 2015)

Im Frühjahr 2015 gingen Kadavar erneut ins Studio, um Tracks für den dritten Bandlongplayer aufzunehmen. Dessen Erscheinen wurde schließlich für den 21. August des Jahres angekündigt. Den Titel "Berlin" erklärte die Band damit, dass die Stadt sowohl Ausgangspunkt der Bandgründung als auch Ort der Heimkehr nach den langwierigen Tourneen sei. Auf Vinyl wurde das Album in stark limitierten grünen, weißen sowie grau-rot gemischten Versionen gepresst, neben elf neu geschriebenen Songs enthält es zudem eine Coverversion von Nicos Stück Reich der Träume, wobei es sich um den ersten deutschsprachigen Song handelt, den Kadavar je veröffentlicht haben.

Diskographie

Alben
Singles/EPs
Sonstige

Charts

Jahr Titel Charts
D US UK A CH S F NOR FIN NZ
2013
Abra Kadavar
42

Kompilationsbeiträge

  • 2012 Goddess of Dawn auf "Koloss / This Charming Man"-Tapecompilation
  • 2013 Tomorrow's Dead auf "This Charming Man Labeltour Compilation"
  • 2013 Tomorrow's Dead auf "10 Years 8mm Musik"

Referenzkasten

  • Ihren Bandnamen wählten Kadavar unter anderem wegen der klanglichen Ähnlichkeit zu den Portland-Psychedelikern Danava.[6]
  • Der Song Black Snake vom zweiten Album "Abra Kadavar" handelt vom Domizil des Aqua Nebula Oscillator-Sängers, der in Paris in einer Höhle (!) lebt.[13]

Trivia

  • Die Erstauflage von "Kadavar" war bereits vor Release allein durch Vorbestellungen ausverkauft.
  • Der Kleidungsstil der Band war laut Lupus Lindemann in erster Linie der Geldnot und der Auswahl an Second-Hand-Läden in Berlin geschuldet.[6]
  • Während des USA-Aufenthalts der Band hatte eigentlich eine Tournee stattfinden sollen, die aber aufgrund von Visa-Problemen – bis auf den Auftritt beim South by Southwest-Festival – nicht zustandekam. Stattdessen reiste die Band durch das Land und drehte den Videoclip zu Come Back Life.[6]
  • Bassist Simon Bouteloup spielt seit Herbst 2012 auch bei der Metal-Band The Oath, deren Debütsingle wiederum von Christoph "Tiger" Bartelt produziert wurde.[14]
  • Die Band sieht sich entgegen äußerer Zuschreibungen (u.a. bezeichnet die Labelseite von Nuclear Blast Kadavar als „leaders of the German occult rock movement“)[15] und Songs wie Creature of the Demon nicht als "Okkult- oder Satanisten-Rocker".[16]

Referenzbands

Coverversionen

Kadavar covern …

Kadavar werden gecovert von …

Videoclips

  • 2012 Creature of the Demon (Regie: Christoph "Lupus" Lindemann)
  • 2012 All Our Thoughts (Regie: Christoph "Lupus" Lindemann)
  • 2013 Doomsday Machine (Regie: Christoph "Lupus" Lindemann)
  • 2013 Come Back Life (Regie: Annikki Heinemann, Nathini van der Meer)
  • 2014 Eye of the Storm (Regie: Christoph "Lupus" Lindemann)

Weblinks

Quellen

  1. Interview mit Tiger bei entertaim.net vom 12. Juni 2013
  2. Interview mit Kadavar bei powermetal.de vom 11. März 2013
  3. Interview mit Lupus Lindemann bei rocking.gr vom 8. Juni 2012
  4. Artikel im Rock Hard bei magnificentmusic.de, Februar 2013
  5. Radioshow/Interview mit Kadavar bei ByteFM vom 13. Dezember 2012
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Interview mit Lupus Lindemann bei TheHeavyChronicles.com vom 25. April 2012
  7. Interview mit Kadavar bei alles-was-rockt.de vom 14. Mai 2013
  8. Artikel bei visions.de zum Videopremiere von "Come Back Life" vom 3. Mai 2013
  9. Interview mit Tiger und Lupus bei Desperados Stagedive #124 vom 14. Juni 2013
  10. Online-US-Tourtagebuch von Lupus Lindemann
  11. Homepage zur "Mammut, Tiger, Wolf"-Doku
  12. "KADAVAR – announce release of »Abra Kadavar Special Edition«", Artikel bei Nuclear Blast vom 28. April 2014
  13. Kadavar über Black Snake im Interview bei alles-was-rockt.de, 16. Mai 2013
  14. Interview mit Christoph "Tiger" Bartelt bei occultrock.com vom 29. Mai 2013
  15. Kadavar bei nuclearblast.de
  16. Interview mit Lupus Lindemann im Helldriver Magazine Mai 2013
  17. Radioshow/Interview mit Kadavar bei ByteFM vom 13. Dezember 2012
  18. Artikel über Kadavar bei metalhammer.co.uk vom 13. Mai 2013
  19. Interview mit Kadavar bei radioeins.de vom 13. Dezember 2012