Diskussion:Ferneyhough für Anfänger

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Um die Anfänger-Rezeption zu vertiefen, hier eine kurze Mitschrift eines Ferneyhough-für-Fortgeschrittene-Videos bei Youtube:

Brian Ferneyhough's String Trio: Analysis [1] bei Youtube, Uploader: Samuel Andreyev.

  • 3:00 „lines of force“ (different materials), die Materialien entwickeln sich von ihrem Ausgangspunkt ausgehend eigenständig in unterschiedliche Richtungen, daraus erklärt sich die Komplexität,
  • 4:00 dadurch rückt die jeweilige Performanz der Interpreten in den Vordergrund, die Stücke werden zum Teil sehr unterschiedlich interpretiert, weil die Komplexität Interpreten grundsätzlich überfordert, die Interpreten sind sozusagen immer hinterher. Wo Werner Meyer-Eppler noch die Einheit von Komponist und Interpret propagiert (Artikel Elektronische Musik), sagt Ferneyhough: Das ist ein Krieg, alle thumbs down stammen möglicherweise von Interpreten.
  • 8:00 arbeitet seit 1990 mit PatchWork (IRCAM), dem Vorläufer von OpenMusic, taking any sort of musical idea and generating all sorts of different variations on a given type of textures, based on the input. Per Hand ist dieser Komplexitätsgrad kaum zu erreichen.
  • 9:00 precompositional strategies, „Schicht für Schicht arbeiten“ heißt hier, dass jeder Parameter vorweg für sich entwickelt wird. Die kompositorische Arbeit selbst ist dann entsprechend als intuitive Skulpturierung der Oberfläche möglich.
  • 10:00 ein Interesse besteht in der Repräsentation von „damaged structures“.
  • 11:00 „Interventionen“ sind als „disruptions of the flow of a piece“ kontrastierende Einsprengsel, die vollständig unzugehörig zur Umgebung sind, alieneske Elemente. Bis zum Ende eines Stücks werden die Interventionen immer dominanter. Es stellt sich die Frage, was ist eine Intervention und was ein Fragment. Die Interventionen sind zum Beispiel im String-Trio von 1995 aufgezählt.
  • 12:00 Ferneyhough recherchiert zu jedem Projekt ausgiebig und setzt das Wissen über die Form gezielt ein, so zum Beispiel Erkenntnisse aus der Gestalt von Streichertrios über die Geschichte hinweg.
  • 16:00 Parodien kommen vor, F has a wicked sort of humor, parodying and exaggerating romantic formula. using Quarter Tones. Er zieht die unterschiedlichen Register in einer Oktave zusammen.
  • 17:00 Es gibt nicht wirklich harmonische Progressionen, sondern alles bleibt sehr starr (fixed space, stucked notes). Die Dynamik bleibt hochaufgelöst im kleinen Rahmen.
  • 18:00 Instrumentenspezifische Erweiterungen von Spielweisen sind beabsichtigt.
  • 19:00 asynchron übereinander gesetzte Rhythmen als Idee von Polyphonie. (Für solche Verläufe müssen sich die Interpreten die Ankerpunkte für Synchronisationen mehr oder weniger selber suchen. „Ankerpunkte“ ist ein Begriff von mir, 2010.)
  • 21:00 ein durchweg theatralischer Charakter.
  • 23:00 zur Verwendung der Mikrotonalität.
  • 25:00 Die Akkorde sind beweglich, indem die Einzeltöne nicht exakt übereinanderliegen. Ferneyhough nennt das „almost together chords“, was ich im deutschen „Flatterakkorde“ nennen will (seit 2009. Die Idee kam bei mir vom Umgang mit monophonen Synthesizern, die ganz unerwartete Midi-Verläufe produzieren, wenn sie mit exakt gestapelten Akkorden konfrontiert werden, besonders auch die Novation BassStation. Das lässt sich dann auch setzen.)
  • 26:00 Irrationale Rhythmen, die miteinander verflochten werden. Die Musik ist im Ergebnis nicht Repräsentation mathematischer Kalkulation, sondern eine Kollision zweier völlig unterschiedlicher Arten, zu komponieren.
  • 27:00 Dabei spielt eine gewisse Spontaneität eine Rolle.
  • 31:00 Time signatures.
  • 32:00 Squeezing rhythms or pulses into time. Zum Beispiel 9 Pulse in der Zeit von 6en ausgeführt usw.. Divisions. Das Verteilungsideal oder „Baukastenprinzip“ (G. M. Koenig) der seriellen Musik mischt sich ein. Ein Gefühl von Neuer Musik.
  • 35:00 Zum Beispiel gibt es zehn verschiedene Layer, die über die Teile hinweg in Form gebracht werden.--UU-ji (Diskussion) 15:40, 15. Aug. 2018 (CEST)

Weitere Gedanken zu Ferneyhough

Ein seltsam starres Klangbild, das vor meinen Augen als lichtiges Gespinst erscheint, aber starr, als wolle es in tausend Stücke zerschlagen werden, begleitet meine Höreindrücke von Ferneyhoughs Kompositionen. Das soll erschüttert werden, damit sich etwas Fließendes ergibt, wenigstens eine Vibration, aber wie habe ich das zu verstehen? Als Gesellschaftskritik vielleicht angesichts der vereinzelten Ereignisse, die sich aus der Starre erheben oder als Kritik an einem allzu starren oder unübersichtlichen Musiksystem? Ich vermute hinter der Starre einen parameter-übergreifenden Umgang mit wenigen, auch repetitiv eingesetzten, Routinen, damit die Verteilung so möglich ist, wie sie sich mir vorstellt. Oder der Komponist ist in den gleichmäßigen Flow eingetreten, in dessen Verlauf er sein Werk mehr oder weniger hinhalluziniert oder deliriert, wie Jean Baudrillard das nennt. Ob sich der Eindruck von wenigen musikalischen Routinen oder der andere Eindruck bestätigt, kann vielleicht anhand der Partituren nachvollzogen werden.--UU-ji (Diskussion) 09:17, 31. Okt. 2018 (CET)

Ferneyhoughs Gegenwart irritiert mich. Nicht, dass ich Affekten unterliegen würde, aber die ungerührte Disziplin, die er vorweist, stört mich, wo mein Vernunftempfinden irritiert ist – nicht so sehr die ästhetische Empfindung, oder wenn die ästhetische Empfindung, dann inbezug auf ihre Hingabe an die Vernunft. Wo sich denn das einstellt, was gemeinhin ästhetische Empfindung genannt wird, das fragt sich nach wie vor.--UU-ji (Diskussion) 16:54, 14. Mär. 2019 (CET)

Weitere Links zu Ferneyhough

  • Autor unbekannt – „Form, Figur, Stil“. Entwürfe zu einer Theorie musikalischer Komplexität (ohne Jahr) [2] bei archive.is
  • Studio interpretation with Brian Ferneyhough (2012) [3] bei Youtube, Uploader: Internationales Musikinstitut Darmstadt. "Insectyle motion", wie Gottesanbeterinnen oder Fangschrecken.
  • Sisyphus Redux – Workshop with Brian Ferneyhough (2010) [4] für Flöte bei Youtube
  • Music Composition course with Brian Ferneyhough Cours de composition avec Brian Ferneyhough (ohne Jahr) [5] .fr, bei Youtube