Macht kaputt was euch kaputt macht

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Macht kaputt was euch kaputt macht ist ein Song der Ton Steine Scherben und erschien 1970 als erste Single der Gruppe, die den Ruf der Band nachhaltig prägte. Ausserdem wurd er auf dem Album „Warum geht es mir so dreckig“ veröffentlicht.

Der Song stammte aus dem Repertoire des Lehrlings- und Straßentheaters, aus dem dem die Band hervorgegangen war. Norbert Krause, Mitglied des Theaters, schrieb den Text unter Einfluss von Bob Dylans Subterranean Homesick Blues.

(vgl. >>Bombs are falling/Tanks are rolling/Soldiers dying/Men are crying/It's a good time...<< mit >>Bomber fliegen, Panzer rollen, Polizisten schlagen, Soldaten fallen, die Chefs schützen, das Recht schützen, den Staat schützen, vor uns!<<)

Die Band komponierte die Musik angeblich auf einem LSD-Trip. In „Rita und Paul“, dem Stück, aus dem der Song stammte ging es um ein junges Paar, das aufgrund ihres Klassenunterschiedes (Paul ist Arbeitersohn und Rita Tochter eines Fabrikbesitzers) nicht zueinander finden darf.

In einer der Szenen schaltete der frustrierte Paul den Fernseher ein, sah auf dem Bildschirm den erzkonservativen Kommentator und Springer-Herold Matthias Walden und schmiß vor lauter Wut den Apparat auf den Boden. Der Song, der sich an diese Szene anschloss, war: Macht kaputt was euch kaputt macht. (aus: Sichtermann, Kai / Johler, Jens / Stahl, Christian: Keine Macht für Niemand. Die Geschichte der Ton Steine Scherben, Berlin ³2001, S.16)

Norbert Krause distanzierte sich später von diesem Text und auch die Scherben spielten den Song nur bis Mitte der 70er live, da der Song mehr und mehr eine gewisse Eigendynamik übernahm.

Im Februar 1970 gründete der Arzt Dr. Wolfgang Huber das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK). Huber war Vertreter eines neuen Ansatzes in der Psychatrie, der Anti-Psychatrie, nach deren Theorie nicht der einzelne Mensch krank ist, sondern die Gesellschaft. Heilung bestand für ihn darin, das krank machende System der Gesellschaft zu zerstören. In einem Patienten-Info hieß es: „Das System hat uns krank gemacht, geben wir dem kranken System den Todesstoß.“ Die Universität verbannte das SPK wegen solcher Parolen aus der Universität. Jetzt waren viele von ihnen noch entschlossener in den offenen, bewaffneten Kampf überzugehen und bauten Kontakte zur RAF auf. (vgl. Der Baader-Meinhof-Report. Dokumente - Analysen - Zusammenhänge, Mainz 1972, S.170 f) Magrit Schiller, 1972 Psychologie-Studentin in Heidelberg und Mitglied im SPK, erinnert sich daran, dass in den Räumen des SPK immer Macht kaputt was euch kaputt macht lief und alle „aus Leibeskräften“ mitsangen. (vgl. Magrit Schiller, Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung. Ein Lebensbericht aus der RAF, Hamburg 1999, S.34)

Auch heute findet man die Parole noch als Graffiti an vielen Häuserwänden.

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