Washington (US-Bundesstaat)

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Washington ist der nordwestlichste US-Bundesstaat (außer Alaska) und ist nach dem ersten US-Präsidenten George Washington benannt. Er hat etwa 6,4 Millionen Einwohner und eine Größe von gut 184.000 km². Washington grenzt im Norden an die kanadische Provinz British Columbia, im Osten an Idaho und im Süden an Oregon; die Westgrenze des Staates bildet der Pazifik. Landschaftlich ist Washington durch die Gebirgskette der Cascade Range sowie ausgedehnte Waldgebiete und Getreideanbauflächen gekennzeichnet; in der Industrie sind folglich die Holzverarbeitung und die Landwirtschaft traditionelle Zweige. In den letzten Jahrzehnten haben aber durch Microsoft, Nintendo und die Boeing-Flugzeugwerke in Seattle andere Sektoren am meisten Bedeutung erlangt. Die Hauptstadt von Washington ist Olympia.

Städte

Olympia (Hauptstadt), Seattle, Tacoma, Bellevue, Aberdeen, Ellensburg

Musik

Die Meriten des Bundesstaates Washington im Bereich der halbwegs alternativen Rockmusik lassen sich natürlich zunächst einmal auf eine Stadt, einen Sound und ein Label herunterbrechen: Seattle, Grunge, Sub Pop. Da dies jedoch dem vielfältigen Erbe der Region unangemessen wäre, soll an dieser ein chronologischer Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Nachkriegs-Rock'n'Roll in Washington erfolgen.

1960er Jahre: Garagenrock und Hendrix

Der erste große und vielleicht auch größte Name in der populären Musik, der mit dem Staate Washington verbunden wird, ist der Gitarrist Jimi Hendrix. Dieser revolutionierte in seinen wenigen Jahren weltweiter Berühmtheit das Spiel auf der elektrischen Gitarre und gilt bis heute als einer der einflussreichsten Rockmusiker aller Zeiten. In die 60er Jahre fällt außerdem der Beginn der Garage-Rock-Szene in Washington, zu welcher die einflussreichen Bands The Sonics, The Wailers und The Regents zählen. Auch Garagen-Bands aus den Nachbarstaaten wie The Kingsmen aus Oregon und Paul Revere and the Raiders aus Idaho sind aufgrund häufiger Live-Präsenz der Washington-Szene zuzurechnen.

1970er Jahre: Punk, Hardcore und New Wave

Die in New York und London gezündete Punk-Explosion erreichte in den 70er Jahren auch den pazifischen Nordwesten der USA, was in der Gründung von Bands wie The Lewd, The Fartz, The Mentors und Ze Whiz Kidz resultierte. Die weitere Diversifizierung von Punk in Hardcore und New Wave brachte dann Gruppen wie The Telepaths, The Fags, Colour Twigs und The Blackouts hervor. Für die frühen 80er Jahre sollten dann Bands wie Deranged Diction (aus Idaho zugewandert), The U-Men, Feast und Ten Minute Warning kennzeichnend werden, die ihrerseits den Beginn der nächsten und wichtigsten Entwicklung im Nordwest-Rock einläuteten: Grunge.

1980er und 1990er Jahre: Das Grunge-Phänomen

Seit längerer Zeit schon war Seattle als größte Stadt des Bundesstaates auch (sub-)kulturelles Kristallisationszentrum gewesen, und ab Mitte der 80er Jahre sollten Green River, Skin Yard, Soundgarden, Malfunkshun, Melvins (die später nach Kalifornien abwanderten) und viele weitere den Sound prägen, mit dem der Bundesstaat Washington im allgemeinen und Seattle im besonderen fortan identifiziert werden sollten. Um 1988 herum kam die Bezeichnung "Grunge" für die lokale Mischung aus Hardcore, Metal, Noise und allem möglichen Lärm auf, maßgeblich gepusht vom aufstrebenden Label Sub Pop, das auch die wichtigsten Bands des "Genres" unter Vertrag hatte. Bis etwa 1990 galten Mudhoney, Mother Love Bone (die beide aus Green River hervorgegangen waren), Alice in Chains und Soundgarden als Hoffnungsträger der Szene, doch es sollte ein Trio aus Aberdeen sein, das Grunge zur globalen Hysterie machen sollte. Nirvana um den Sänger und Gitarristen Kurt Cobain veränderten das Angesicht der Popmusik als solcher, indem durch ihre Platte "Nevermind" Indierock auf einmal zum Millionenseller wurde. Es folgten die ebenfalls überaus erfolgreichen Pearl Jam; Alice in Chains und Soundgarden zogen in ähnlichen Verkaufsdimensionen nach, gefolgt von einer Legion weniger erfolgreicher, aber dennoch hochgelobter Bands wie Screaming Trees (aus Ellensburg), Love Battery und TAD.

Daneben wurden weniger zugkräftige, im Indie-Kontext allerdings nicht zu vernachlässigende Genres wie Twee und Riot Grrrl – beide in der Musikszene der Hauptstadt Olympia beheimatet – mit ihren Exponenten Beat Happening bzw. Bikini Kill, 7 Year Bitch und Sleater-Kinney ein wenig übersehen, konnten im allgemeinen Hype aber auch Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch die Metal-Szene in Washington war vor dem Grunge-Durchbruch ein Faktor gewesen, und Bands wie Queensrÿche und The Accüsed konnten mehr als nur Achtungserfolge verbuchen. (Nicht zu vergessen The Diamond Lie, die als Hair Metal-Band angefangen und erst um 1990 Sound und Look dem Zeitgeist angepasst hatten, um danach als Alice in Chains Millionen Platten zu verkaufen.)

1990er bis heute

Ihr inoffizielles Ende fand die Grunge-Ära mit dem Selbstmord von Kurt Cobain am 5. April 1994. Danach lösten sich zahlreiche Bands des Genres auf oder wandelten ihren Sound stark ab, da auch die Plattenkäufer vom durch Nachahmer zum selbstmitleidigen Gejammer verwässerten Stil schlicht genug hatten. Dies bedeutete zwar einerseits eine kommerzielle Bedeutungsminderung der Anfang bis Mitte des Jahrzehnts tonangebenden Musikszene in Washington, ließ dafür aber neue Ideen und Projekte aufkommen. Die erste Band aus der Region, welche das Erbe von Grunge aufnahm und in das neue Zeitalter des Alternative Rock übertrug, dürften wohl die Foo Fighters um den ehemaligen Nirvana-Drummer Dave Grohl gewesen sein. Insbesondere aus Olympia kamen seitdem wichtige Impulse für die Hardcore und Post-Hardcore-Szene: The Blood Brothers spielten bis 2007 Extrem-Screamo-Core, Pretty Girls Make Graves und Pedro the Lion sind ebenfalls in diesem Kontext zu nennen.

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