Walk This Way

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Walk This Way ist ein ursprünglich von der Hardrock-Band Aerosmith für deren 1975er Album "Toys in the Attic" geschriebener Song, der auch als Single ausgekoppelt wurde. Erneute und noch größere Bekannt- und Beliebtheit erlangte das Stück, als es 1986 von der HipHop-Gruppe Run-D.M.C. gecovert bzw. mit Steven Tyler und Joe Perry von Aerosmith gemeinsam eingespielt wurde. Es gilt als erstes kommerziell erfolgreiches Beispiel für den Crossover von Rap und Rock und zählt zu den wichtigsten und wegweisendsten Pop-Kollaborationen der 1980er Jahre. Zudem war es die erste HipHop-Single, welche die Top 5 der US-amerikanischen Charts erreichte.

Zum Song

Die Aerosmith-Version (1975)

1975 veröffentlichten Aerosmith ihr bis dato erfolgreichstes Album namens "Toys in the Attic", das Platz 11 der Billboard-Albumcharts erreichte und sich insgesamt mehr als acht Millionen Mal verkaufte. Eins der Zugpferde der LP war der von Gitarrist Joe Perry und Sänger Steven Tyler – seinerzeit wegen ihres extremen Rock'n'Roll-Lifestyles auch "Toxic Twins" genannt – geschriebene Song Walk This Way, der im Sommer 1975 als Single ausgekoppelt wurde und die Top Ten der US-Singlecharts erreichte.

Musikalisch bietet Walk This Way eines der prägnantesten Aerosmith-Gitarrenriffs, das von manchen als das Erkennungsriff der Band bezeichnet wird. Einen ähnlich hohen Wiedererkennungswert besitzt das Schlagzeugintro, dem ein straighter Beat folgt. Der Gesang von Steven Tyler ist in der Strophe, bedingt durch die relativ wenig modulierte Melodie und Tylers rauhe Stimme, relativ nahe am Sprechgesang, was sicherlich auch die spätere HipHop-Interpretation mit den Raps von Run und DMC begünstigt hat. Textlich ist es ein typisches Aerosmith-Stück über einen High-School-Jungen, der seine Jungfräulichkeit verliert.

Die Run-D.M.C.-Version (1986)

1986 hatten sich die Zeichen der Zeit gewandelt, und HipHop war von der Bronx-Straßenbeschallung zu einer aufstrebenden musikalischen Macht geworden, der allerdings noch der endgültige kommerzielle Durchbruch bevorstand. Die einstigen Hardrock-Könige Aerosmith waren inzwischen durch Drogen- und sonstige Probleme nur noch ein kommerzieller wie künstlerischer Schatten ihrer selbst, und Run-D.M.C., die während der Entstehung ihres Albums "Raising Hell" über die 1975er-Aerosmith-Hit-LP "Toys in the Attic" freestylten, wussten laut Aussage ihres Produzenten Rick Rubin nicht einmal, wer Aerosmith überhaupt waren. Dem DJ Jam Master Jay hatte es besonders der Song Walk This Way angetan, und obwohl beide Rapper zunächst dagegen waren, beschlossen Run-D.M.C., eine Coverversion des Stückes einzuspielen. Daraus entstand schließlich eine Kollaboration mit Steven Tyler und Joe Perry, und das Stück wurde unter dem Namen "Run-D.M.C. featuring Aerosmith" als Singleauskopplung von "Raising Hell" veröffentlicht, obwohl keine anderen Bandmitglieder der Hardrocker an den Aufnahmen beteiligt waren.

Im Unterschied zum Original teilen sich Steven Tyler, Run und DMC bei der Neuinterpretation den Gesang, und der vormals straighte Schlagzeugrhythmus wird durch Scratches unterbrochen. Die Strophen rappen Run-D.M.C. mit Unterstützung von Steven Tyler an den betonten Stellen, ebenso die Refrains. Joe Perry spielt Solo und Bridge, während der Schlagzeugbeat ein Sample des Originals ist.

Die Wirkung des Stücks

Das Resultat dieser Kollaboration wurde als großer künstlerischer und kommerzieller Erfolg gewertet und bedeutete einen deutlichen Karriereschub für die Beteiligten. Während Run-D.M.C. mit der Nummer als erster HipHop-Band der Einzug in die Top 5 gelang, ihr Album "Raising Hell" auf Platz 6 der Albumcharts kletterte und das Trio endgültig als einer der wichtigsten HipHop-Acts aller Zeiten etablierte, erlebten die zuvor noch ausgelaugt darniederliegenden Aerosmith einen Karriereneustart, der sie wieder – und nun dauerhaft – zu einer der erfolgreichsten Hardrockbands machen sollte. Ihr 1987 erschienenes Album "Permanent Vacation" wurde ein Millionenseller, und seitdem steht die Band stabil als äußerst erfolgreiche Vertreter ihrer Zunft da.

Der Einfluss von Walk This Way auf die Entwicklung von HipHop und vor allem der Rockmusik ist kaum zu überschätzen. Zwar nicht die allererste, doch die entscheidene und bahnbrechende Fusion aus Rap und Rock (1984 veröffentlichten Run-D.M.C. Rock Box, Afrika Bambaataa, Bill Laswell und Ex-Sex Pistols-Sänger John Lydon brachten unter dem Namen Time Zone das Stück World Destruction heraus; auf beiden Liedern sind bereits Rockgitarren mit Rap-Gesang zu hören), öffnete es weiteren Kollaborationen von HipHop- und Rock- oder Metal-Acts die Pforten (u.a. spielten 1991 bei Bring the Noise mit Public Enemy und Anthrax erneut zwei der bedeutendsten Vertreter ihres jeweiligen Genres zusammen, und der "Judgment Night"-Soundtrack von 1993 vereinte namhafte Acts aus Indierock und HipHop, darunter auch wieder Run-D.M.C.) und kann als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Crossover gesehen werden, wie ihn in den weiteren 1980er Jahren Bands wie die Red Hot Chili Peppers oder Faith No More auf den Weg bringen sollten. In den 1990ern sollte daraus ein ganzes Genre entstehen, das Elemente aus HipHop wie Rap und DJing mit Metal-Gitarren verband und in Acts wie Rage Against the Machine und einer Legion von Nachfolgern zahlreiche Vertreter fand.

Das Video

Entscheidend zum Erfolg der Single trug auch der Videoclip zu Walk This Way bei. Höchst symbolisch beginnt er mit den nebeneinander liegenden Proberäumen von Aerosmith und Run-D.M.C., wobei Letztere sich vom Gitarrenspiel der Hardrocker ziemlich gestört fühlen. Als Antwort drehen die HipHopper ihre Boxentürme direkt zur Wand und stören ihrerseits Steven Tyler und Joe Perry, als diese gerade mit ihrem Stück Walk This Way beginnen wollen. An Tylers "One, two, three, four!!" und die ersten Schlagzeugbeats schließt sich Jam Master Jays Scratching des Eröffnungsriffs an, und als Tyler gerade ins Mikrofon schreien will, fangen Run und DMC mit ihrer Rap-Version des Stücks an. Während der ersten und zweiten Strophe versucht Tyler die lästigen Nachbarn ihrerseits zum Schweigen zubringen, und schließlich bricht er mit seinem Mikrofonständer die Mauer zwischen den beiden Sets ein und singt erstmals den Refrain. Danach sieht man Joe Perry beim Solo auf einer richtigen Konzertbühne, wozu sich auch Tyler und Run-D.M.C. gesellen und die dritte Strophe gemeinsam vortragen. Zum Schluss reicht man sich die Hände und rockt gemeinsam die Bühne.

Tonträger

Aerosmith-Version

  • 1975 Track 4 auf dem Album "Toys in the Attic" (LP, Columbia Records)
  • 1975 Walk This Way/Round and Round (7", Columbia Records)

Run-D.M.C.-Version

  • 1986 Track 4 auf dem Album "Raising Hell" (LP, Def Jam)
  • 1986 Walk This Way/Walk This Way (Instrumental)/My Adidas (7", Def Jam)

Coverversionen

Walk This Way ist von einer Vielzahl von Künstlern gecovert worden, wobei oftmals dem 1986er Vorbild gefolgt wurde und zwei Bands kollaborierten. Die Original-Interpreten Aerosmith spielten das Stück live unter anderem mit Bon Jovi, Black Eyed Peas-Sängerin Fergie und Kid Rock sowie einer "Allstar"-Truppe (nun ja) bestehend aus *NSYNC, Britney Spears, Mary J. Blige und Nelly anlässlich des Superbowls 2001.

Andere Bands und Künstler, die das Stück paarweise gecovert haben, sind die Sugababes vs. Girls Aloud (offizielle "Comic Relief"-Single 2007), Sum 41 vs. Nelly, Ja Rule und DJ Clue sowie Metallica vs. Godsmack. Selbst eine Sesamstraßen-Version des Stücks (mit Krümelmonster in der Hauptrolle :-) wurde 1987 veröffentlicht, und in ihrer Cartoon-Version spielten Aerosmith Walk This Way mit Simpsons-Barbesitzer Moe Szyszlak.

Auszeichnungen

Originalversion

  • #35 bei "VH1: 100 Greatest Rock Songs" (2000)
  • #336 der "500 Greatest Songs of All Time" (Rolling Stone 2004)
  • #23 der "100 Greatest Guitar Tracks" (Q Magazine 2005)
  • #34 der "100 Greatest Guitar Songs of All Time" (Rolling Stone 2008)

Kollaborationsversion

  • Soul Train Music Award für die beste Rap-Single (1987)
  • wird gelistet bei den "The Rock and Roll Hall of Fame's 500 Songs that Shaped Rock and Roll" (1995)
  • #287 der "500 Greatest Songs of All Time" (Rolling Stone 2004)
  • #33 bei "40 Songs That Changed the World" (Rolling Stone 2007)

Videoclip

  • #11 bei "Rolling Stone: The Top 100 Music Videos" (1993)
  • #5 bei "MTV: 100 Greatest Videos Ever Made" (1999)
  • #11 bei "VH1: 100 Greatest Videos" (2001)
  • #24 bei "Fuse: 25 Greatest Music Videos" (2007)

Weblinks