Vintage

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Propellerhead ReBirth RB-338, 1996-2005

Der Anglizismus Vintage (ursprünglich Jahrgang einer Weinlese) bezeichnet nicht nur in der Musik Authentisches, Altgedientes und Originalüberliefertes.

Hintergrund

Mit Vintage (in der adjektivischen Bedeutung: altmodisch, klassisch, traditionell, altehrwürdig) wird zum einen eine besondere Qualität verbunden, das betrifft den Begriff hinsichtlich der Instrumente, besonders im Bereich der Elektronischen Musik und im Bereich der elektronisch verstärkten Instrumente. Hier steht er dem Begriff Referenz im Hi-Fi-Sektor nahe. Zum anderen wird der Begriff für den Sound von Bands verwendet, die sich mit Stilkopien historischer Genres befassen. Bemerkenswert ist, dass auf die Sparte Instrumentenbau auf gleiche Weise zugegriffen wird, wie auf die Sparte Genres. Wie sich jemand eines Vintage-Instrumentes bedient, so bedient er sich auch eines Genres. Instrument oder Genre werden gleichermaßen aus der Vergangenheit gezielt in eine Gegenwart geholt. Der Begriff wird zum Teil pejorativ (altmodisch, altbacken), zum Teil auch als Auszeichnung eines Instrumentes oder Genres, oder aber auch einer Vintage-Band oder eines Vintage-Acts, vermerkt.

Mit dem Begriff wird noch einmal auf andere Weise auf die Zeit zugegriffen als mit anderen Begriffen, die in der Populären Musik historische Zusammenhänge beschreiben, so zum Beispiel Epoche oder Post-Genrebezeichnungen inklusive Trash-Pop sowie Retrostile und Revivals. Jeder dieser Begriffe, außer der Epochenbegriff, der sich mit der Dynamik der Musikgeschichte insgesamt beschäftigt, steht für einen eigenen Zeitzugang auf Grundlage von, im Normalfall, zwei Zeithorizonten. Der Impuls der Resultate – die Mischung – soll die Bezugsinstrumente oder -genres über kein oder ein kaum spürbares neues Klangbild transportieren.

Vintage-Bands

Vintage-Sound wird Bands attestiert, die auf Dekadenstile des letzten Jahrhunderts zugreifen, das betrifft zunächst die 1960er Jahre. Eine Gemeinsamkeit bei den meisten bisherigen Vintage-Bands besteht darin, dass sie sich deutlich auf den Surf-Psych und Garagen-Rock der US-Westküste beziehen. Das massenhafte Aufkommen von Vintage-Bands lässt sich an sich nur im Rahmen der Entwicklungen Populärer Musik seit Mitte der 2000er, vollends in den 2010er Jahren erklären. Für Nichtexperten sind in diesem Bereich kaum oder keine Bands und Namen auszumachen, die als Stars der Szene fungieren. Die Szene selbst ist dabei groß genug, um eine neue Entwicklung in den Massenmedien zu konstatieren, bei der Psychedelic- und Garage-Bands ähnlich und in Kontingenten vermarktet werden, wie die Elektronische Tanzmusik seit Mitte der 1990er Jahre. Als Vintage-Bands gelten die Allah-Las, The Growlers, White Fence, Blackfeet Braves, Destruction Unit, Carlton Melton, The Peoples Temple, Shapes have Fangs, The Tunnels, Troubadour Dali, Chad and the Meatbodies und viele weitere. Alle sind innerhalb von wenigen Jahren aktiv geworden. Viele definieren sich über ein zusätzliches Element aus dem Stonerrock.

Beispiele

Alle bei Youtube: Weird Owl – Nuclear Psychology (2007) [4], The Black Angels – Directions to see a Ghost (2008) [5], The Myrrors – Burning Circles in the Sky (2008) [6], Radio Moscow – Brain Cycles (2009) [7], Naam – s/t (2009) [8], Ty Segall – Melted (2010) [9], Samsara Blues Experiment – Long Distance Trip (2010) [10], Electric Moon – Inferno (2011) [11], Lunar Dunes – Galaxsea (2011) [12], Allah-Lass/t (2012) [13], My Sleeping Karma – Soma (2012) [14], Naxatras – s/t (2015) [15] und viele weitere. Eine Sammlung findet sich auf dem Youtube-Kanal von Captain Bee Fart [16]

Vintage-Instrumente

Vintage-Instrumente bezeichnen besonders beachtenswerte Produkte aus der Geschichte der Musikinstrumente der Elektronischen Musik. Als Vintage-Instrumente gelten zum Beispiel die KORG MS-Serie, die sogenannte Rolandpalette 101 bis 909, besonders die Roland TR-808 und die TR-909, sowie die Bassline TB-303. Vintage-Instrumente haben gemeinsam, dass sie nicht mehr entwickelt werden. Weitere Vintage-Instrumente sind die Monitorboxen Yamaha NS-10, die Wurlitzer-Orgel, das Fender Rhodes E-Piano, die Fender Stratocaster und Telecaster-Gitarre, die Hammond-Orgel, die Gibson Les Paul und SG Custom-Gitarre, der Linn LM-1 Drumcomputer, der Roland Jazz Chorus JC-120, das Alesis QuadraVerb, das Lexikon MPX 100, die Novation BassStation, der Akai S612 Sampler.

Viele der heute noch populären Saiten- und Tasteninstrumente fanden schon vor siebzig Jahren im Rhythm and Blues Verwendung und wurden im Laufe der Zeit nur durch Verwendung neuer Tonabnehmer, Verstärker und Effektgeräte aktuell gehalten.

Vintage-Software

Vintage-Software gibt es hauptsächlich im Bereich der Plug-Ins, dazu gehört zum Beispiel Propellerheads ReBirth, der Orange Vocoder, der Mastereffekt Dynasone oder das TrueVerb. Das wohl bekannteste Vintage-Software-Bundle, inzwischen selbst bereits Legende, ist die KORG Legacy Collection.[1] Von Native Instruments gibt es diverse Plug-Ins zur Erzeugung von Vintage-Effekten, inklusive einer Abbey-Road-Library.[2] Außerdem gibt es Standalones in Form von Miniprogrammen für Tablets und Smartphones, die, auf Grundlage des sogenannten Backward-Designs, oft möglichst originalgetreu oder mit Erweiterungen entwickelt und angeboten werden. Vergleiche auch den Artikel Computermusik.

Trivia

Es gibt ein Label, mehrere Bands, die den Namenbestandteil tragen, eine russische Band, die Vintage heißt und einen E-mu-Synthesizer mit der Bezeichnung Vintage Keys (mit Klängen klassischer Synthesizer). Für den musikphilosophischen Hintergrund von Vintage-Bands und -Instrumenten vergleiche die Artikel Jean Baudrillard zur Musik und Gilles Deleuze zur Musik. Der Begriff kann, in Überschneidung mit dem Begriff Retro, außerdem eine Methode von Bands und Acts bei der Musikproduktion beschreiben, die mit und seit Amy Winehouses musikalischem Schaffen populär geworden ist.[3]

Einzelnachweise

  1. KORG Legacy Collection [1] Beschreibung und Kommentare bei Vintage Synth Explorer
  2. Native Instruments – Abbey Road | Modern Drummer [2] und weitere bei Native-instruments.com
  3. Non Eric – PraxisTalk Wie funktioniert Vintage Sound? Die besten Tipps & Tricks (2016) [3] 60 MInuten bei Youtube. Raphael Isenhuth: Eine Platte wurde früher nach dem Kauf noch aufmerksam durchgehört, während heutzutage, besonders durch neue Hörgewohnheiten und eine Flut von Musik im Internet, ein allgemeineres Durchklickverhalten zum Zuge kommt und ein Album eher nebenbei gehört wird. Zur „Wertigkeit der Musik an sich“ und dem Identifikationsverhalten von Rezipienten: „Ich glaube, das ist ein Kreislauf, der da entstanden ist in den letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren ...“ (ab min. 53:52). Andreas Balaskas: „Die schiere Masse, die uns überrollt, ist vielleicht manchmal auch etwas problematisch.“ (ab min. 56:04)

Weblinks

  • Artikel Vintage (Elektronische Musikinstrumente) [17] bei der de.wiki
  • Artikel Vintage (Musikinstrumentenbau) [18] bei der de.wiki
  • Welcome to the Vintage Synth Explorer [19] bei vintagesynth.com
  • Synthmuseum [20] bei synthmuseum.com
  • Rolandmuseum [21] bei rolandmuseum.com

Links im Juli 2017.