Upchuck Gerra

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Biographie

"Upchuck Gerra" – eigentlich Charles Garish – war eine der aufsehenerregendsten Figuren der Prä-Grunge-Musikszene von Seattle. Bereits seit den späten 1970ern aktiv, brachte "Upchuck" in blauem Satinanzug und dank eines reichen Förderers seine Vision von Glam-Punk auf die Bühnen der Stadt. Dabei arbeitete er oft mit anderen umtriebigen Figuren aus dem Punk-, Post-Punk-, Synthie-Pop- und New Wave-Bereich wie Gordon Raphael, Barbara Ireland und Pony Maurice zusammen, die alle an einer oder mehreren von Upchucks Bands teilnahmen. Teilweise nebeneinander her existierend, stand Upchuck im Mittelpunkt von u.a. Clone, Mental Mannequin und Sleeping Movement; seinen Status als Quasi-Szenelegende zementierte er allerdings vor allem mit The Fags, die bis 1984 in Seattle und dann bis 1986 in New York City ihr Unwesen trieben. Ähnlich wie Andrew Wood von Malfunkshun und später Mother Love Bone sah sich der offen homosexuelle Künstler – der sich nicht scheute, seine bekannteste Band "Die Schwuchteln" zu nennen – in der Tradition androgyner Glam-Ikonen wie David Bowie und Freddie Mercury, brachte dies jedoch mit einer wüst-anzüglichen Punk-Attitüde auf die Bretter.

Während der New-York-Phase der Fags stand Upchuck mit einem Bein in der aufblühenden Künstlerszene von Manhattan, hielt Kontakt zu Andy Warhol, den New York Dolls und den Ramones und ist unter anderem auch im Madonna-Film "Susan, verzweifelt gesucht" zu sehen. Als The Fags 1986 getrennte Wege gingen, gründete er eine neue Band namens Such und hatte weiterhin – auch in Seattle – eine Art Kultstatus inne, die ihm rückblickend das Attribut "the gay Cobain" einbrachte. Im Laufe der Achtziger hatte Gerra sich jedoch mit HIV infiziert, und im Juni 1990 starb der Musiker schließlich an den Folgen von Aids – zusammen mit Andy Wood eines der ersten früh verstorbenen Opfer aus der Musikszene von Seattle.

Das Leben von Charles Garish, der trotz seiner zahlreichen Bands nur nur wenige offiziell veröffentlichte Tonträger besungen hatte, geriet im Rahmen des Aufstiegs von Seattle zur Rock-Metropole der Neunziger ebenfalls wieder mehr in den Blickpunkt, obwohl sein Wirken nur sehr wenige Berührungspunkte mit dem Begriff Grunge hatte, mit dem die Stadt in den 1990ern weitestgehend identifiziert wurde. Erst in den späten 2000ern jedoch hatten die anhaltenden Würdigungen seiner Zeitgenossen konkrete Auswirkungen: 2008 erschien auf dem kleinen Label dadastic! mit "Upchuck: Gone But Not Forgiven" ein CD-Überblick über die verschiedenen Schaffensphasen von Upchuck Gerra mit Beiträgen von Clone, Mental Mannequin, The Fags und Such. Im selben Jahr würdigte auch das US-Queer-Magazin "The Advocate" den Musiker mit einer Titelstory, und zu Ehren ihres verstorbenen Bandkollegen reformierten sich schließlich auch The Fags zunächst zu einer einmaligen Reunion-Show, an der unter anderem auch Upchuck-Fan Stone Gossard – standesgemäß in Frauenkleidern – teilnahm.

Bands

Solo-Diskographie

Referenzkünstler

Weblinks