Warum Queen und David Bowie schuld am "Rise and Fall of Vanilla Ice" sind

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Under Pressure

Im Sommer 1981 befand sich die britische Hardrockband Queen in der Schweiz, um Songs für ihr neuntes Studioalbum "Hot Space" aufzunehmen. Dabei arbeiteten Freddie Mercury, Brian May, John Deacon und Roger Taylor unter anderem an den Nummern Feel Like – welche das Grundgerüst für Under Pressure bilden sollte – sowie Cool Cat, für welches der ebenfalls in der Schweiz weilende David Bowie die Backingvocals einsingen sollte. Der vormalige "Ziggy Stardust" war jedoch unzufrieden mit seinem Beitrag, so dass Cool Cat letztlich ohne seinen Gesang auf "Hot Space" auftauchen sollte. Stattdessen jammten Bowie und die Queen-Musiker einfach zusammen, wobei neben alten Cream-Songs auch wieder Elemente von Feel Like auftauchten.[1] Dabei sangen Bowie und Mercury zunächst einfach Scat-Vocals über die Musik und erarbeiteten im weiteren Verlauf gemeinsam den Text über alltäglichen Druck und Verzweiflung, welchen man letztlich nur mit der Kraft der Liebe begegnen könne. Neben dem Wechselgesang der beiden Vokalisten sollte vor allem die markante Basslinie zum Markenzeichen von Under Pressure werden, wobei nach wie vor nicht völlig geklärt ist, ob Queen-Bassist John Deacon oder doch David Bowie deren Urheber ist.

Der Song wurde schließlich in New York vollendet und im Oktober 1981 als Vorab-Single zu "Hot Space" veröffentlicht. Diese erreichte aus dem Stand Platz 1 der britischen Singles-Charts und wurde ein Top-Ten-Hit in zahlreichen weiteren Ländern wie Schweden, Kanada und Australien, wobei sie in den Niederlanden und Argentinien ebenfalls die Pole Position erreichte. In den USA und der BRD reichte es hingegen lediglich für die Top 30.

Live wurde Under Pressure zu einem häufig vorkommenden Bestandteil der Queen-Shows, während David Bowie bis zum Tod von Freddie Mercury den Song nicht ein einziges Mal live vortrug. Erst mit dem Gedenkkonzert von 1992 anlässlich Mercurys Tod sang Bowie Under Pressure im Duett mit Annie Lennox und hat das Stück seitdem bei jedem einzelnen seiner Konzerte gespielt. Das Musikmagazin "Stylus" nannte Under Pressure 2005 den "besten Song aller Zeiten" und erklärte die legendäre Bassline zur "großartigsten in der Geschichte der Populärmusik".[2] VH-1 nannte Under Pressure auf Platz 31 der 100 besten Songs der 1980er Jahre.[3] Der Song wurde zudem bei den Soundtracks der Filme "Grosse Pointe Blank" und "The Girl Next Door" sowie der Fernsehserie "Cold Case" verwendet.

Das Video

Im Videoclip von Under Pressure wird eine Collage von historischen Filmausschnitten wie explodierenden Raketen, gesprengten Gebäuden und Menschenmassen gezeigt, die mit Bildern aus klassischen Horror- und Romantikstummfilmen gemischt werden. Die Musiker selbst tauchen in dem von Regisseur David Mallet produzierten Video nicht auf.

Vanilla Ice und Ice Ice Baby

Einen mehr als zwiespältigen Einfluss hatte besagter Song jedoch ausgerechnet auf die Geschichte der Rap-Musik im Allgemeinen und das Phänomen weißer HipHop-Künstler im Besonderen: Im Jahr 1990 veröffentlichte der zweiundzwanzigjährige Rapper Robert Van Winkle aka Vanilla Ice aus Florida die Single Ice Ice Baby aus seinem Album "To the Extreme". Das Stück basierte auf einem minimal veränderten Sample der Under Pressure-Bassline und war von Van Winkle bereits im Alter von sechzehn Jahren geschrieben worden. Textlich ging es um die Skillz des Rappers sowie ein Drive-By-Shooting auf den Straßen von Miami, was im Videoclip zum Song ebenfalls angedeutet wird. (De facto legte allerdings schon der Clip mit seinem bemüht auf Ghetto getrimmten Hauptdarsteller, der andererseits mit sorgfältig einstudierten Tanzschritten eher rührend wirkte, womöglich den Grundstein für die spätere Häme der Popkritik.)

Ice Ice Baby wurde sofort ein gigantischer Erfolg, erreichte als erster HipHop-Song überhaupt Platz 1 der Billboard Singles-Charts und stieß die Tür für andere weiße Rap-Künstler auf, so dass der Song durchaus musikhistorische Bedeutung besitzt. Für Robert Van Winkle hingegen bedeutete Ice Ice Baby nach dem ersten (Geld-)Segen mehr einen Fluch, denn ihm drohte das Schicksal eines klassischen One-Hit-Wonders: Zwar machte er noch mit Affären mit Madonna sowie Kinoauftritten in Teenie-Erfolgen wie "Teenage Mutant Ninja Turtles" Schlagzeilen, doch floppten seine Nachfolgealben ebenso wie die Schauspielkarriere (das unterirdische "Cool as Ice" von 1991 mit ihm in der Hauptrolle wurde zu einem der schlechtesten Filme aller Zeiten ernannt), und als Van Winkles Managementfirma dann auch noch eine gefakete Biographie herausbrachte, die den Rapper als "Original-Ghetto-Gangsta" zu verkaufen suchte, war die Karriere von Vanilla Ice endgültig zur Lachnummer verkommen. Als MTV sich 1999 gar in der Show "25 Lame", einer Sammlung der schlechtesten Musikvideoclips, über das Video zu Ice Ice Baby lustig machte und Van Winkle ins Studio einlud, um das Master-Tape des Clips mit einem Basballschläger zu zertrümmern, revanchierte sich der seinerzeit durch Drogenabhängigkeit und gefloppte Alben gezeichnete Musiker, indem er gleich das ganze Set der Show in seine Einzelteile zerlegte.[4]

Die ursprünglichen Rechteinhaber David Bowie und Queen sahen zunächst keine Tantiemen von den Ice Ice Baby-Plattenverkäufen, da Van Winkle darauf beharrte, die Basslinie selbst geschrieben zu haben und diese sich zudem vom Queen-Stück unterscheide. (Sowohl 1991 wie auch 2001 hielt Van Winkle diese Behauptung aufrecht, wobei er in einem kultigen Beitrag namens "Vanilla Ice Sings His Dings" die beiden Basslinien vorsang, um den Unterschied deutlich zu machen und dabei unbeabsichtigt eher das Gegenteil herausstellte.)[5]

David Bowie erhob aber schließlich Klage gegen Van Winkle und gewann den folgenden Rechtsstreit auch, so dass das rappende Vanilleeis Tantiemen nachzahlen musste.

Coverversionen

Under Pressure ist des Öfteren gecovert worden, am Bekanntesten dürfte die gemeinsame Version von The Used und My Chemical Romance sein, die 2005 als Benefizsingle anlässlich des Tsunamis in Südostasien erschien. Daneben haben aber auch so unterschiedliche Acts wie Culture Beat (*schüttel*), The Flaming Lips, Keane, Xiu Xiu, The Blood Brothers und Ben Harper den Song neu interpretiert. Ice Ice Baby ist hingegen seinem Erbe entsprechend eher persifliert worden (u.a. von Schauspieler und Comedian Jim Carrey als White White Baby sowie den schleswig-hosteinischen Singer-Songwriter-Anarchisten Gunpowder Elektrick), bis im Jahre 2010 ausgerechnet der britische "X-Factor"-Act Jedward – ein singendes Paar Zwillingsbrüder – eine Mash-Up-Version von Under Pressure und Ice Ice Baby als ihre Debutsingle veröffentlichten, auf der auch Vanilla Ice zu hören war. Mit dieser Version namens Under Pressure (Ice Ice Baby) kehrte Vanilla Ice erstmals nach zwei Jahrzehnten wieder auf die Pole Position der Charts zurück, wenn auch nur in Irland (allerdings reichte es im Vereinigten Königreich immerhin noch zur Nummer zwei).

Hier eine Liste ausgewählter Coverversionen von Under Pressure:

Quellen

  1. "The First Time With... Roger Taylor", Interview mit Queen-Bassist Roger Taylor bei BBB 6 Music, 20. März 2011
  2. Stylus-Magazine, 2005
  3. VH-1: 100 Greatest Songs of the 80's
  4. "Vanilla Ice cracks" bei EW.com
  5. "Vanilla Ice Sings His Dings" bei MTV Online
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