UK Garage

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UK Garage (UK ɡærᵻdʒ, entgegen US ɡəˈrɑːʒ) ist eine Sammelbezeichnung für die Elektronische Tanzmusik, die von den frühen 1990ern bis Mitte der 2000er, als britische Version des Garage House (auch: US Garage), zunächst in London populär war.[1] Der Begriff etablierte sich gegen Ende der 1990er Jahre für die Szene, die Jungle und Drum&Bass ablöste und mit dem 2-Step Dubstep und Grime vorbereitete. Haupteinflüsse waren House, Oldschool-Jungle und Contemporary R&B. Die Szene war, wie die meisten Szenen der Elektronischen Tanzmusik, eine DJ-Community. UK-Garage findet sich heute besonders auch in Osteuropa.[2]

Speed Garage

Zu Beginn der UK-Garage-Welle in Großbritannien zeigte sich der Jungle vom Techstep beeinflusst, was eine härtere und schnellere Gangart bedeutete (vergleiche den Artikel Ed Rush – Mothership). Garage wurde gewöhnlich auf den zweiten Dancefloors gespielt, hauptsächlich, um das weibliche Publikum mit ein wenig Soul und sanfteren Tempi um die 130 bpm zu halten. Mit der Zeit ergaben sich dann auch Überschneidungen. So wurden Produktionen von Todd Edwards in London schneller als im Original gespielt und mit Vokalsamples und Tonhöhenänderungen (Time-Shifting, Time-Stretching, Pitch-Shifting) versehen, um den Garage House für den Jungle anschlussfähig zu machen, besonders was Tempi und Sampleauswahl betraf. In den Medien kursierte dafür bald der Begriff Speed Garage. Todd Edwards war einer der Pioniere des Garage House, die, als wesentlicher Einfluss der UK-Szene, rhythmische Vokalpattern aus Gesangsphrasen gestalteten.[3] Einzelne Silben wurden dabei rückwärts abgespielt oder beschleunigt. Außerdem finden sich Snarewirbel, rückwärts gewarpte Sub-Basslines, Ragga-Vocals, rückwärts abgespielte Drums, Spin-Backs sowie perkussiv eingesetzte Strings usw., mit denen Originale bis zur Unkenntlichkeit verändert werden. Edwards involvierte später in die UK-Garage-Szene.[4] Im UK war MJ Cole für dieses Vorgehen bekannt.

"Speed garage can be broadly defined as a mixture of slightly sped up garage beats with a heavy almost junglistic bassline, sometimes with timestretched vocals and usually with a break in the middle where the beat is stripped down and then builds up for a long period of time. This combination visible in speed garage [...] combines the tradtional garage repetition with this new anticipation where everything builds up, so that when the whole tune comes in (usually some way into the track) everyone is really into their dancing and the music."[5]

Mit seinem 1996er Remix von Spin Spin Sugar (im Original von den Sneaker Pimps, aus dem gleichen Jahr) wird Armand Van Helden nachgesagt, den Anschluss an die chartsfähige Musik erreicht zu haben[6]:

<– Armand Van Helden – Spin Spin Sugar (1996) | Original –> [16] bei Youtube

Obwohl Tonhöhenänderung bei Vocals durch die Jungle-Szene hinlänglich bekannt war, spielten viele DJs ausschließlich Dubversionen von Garage-Tracks, um unnatürliche Klangveränderungen bei den verwendeten Stimmsamples zu vermeiden. Granularsynthese war zu der Zeit nicht wirklich in den Szenen machbar, viele Jungletracks verdanken diesem Mangel ihren Wiedererkennungswert.[7][8] Auf diese Weise waren MCs in der Lage, live zu den Sets zu reimen. MCs sind aus dem Speed Garage und dem UK Garage kaum wegzudenken. Weitere Merkmale sind Scatting und Remixe. Insgesamt ergibt sich ein Four-to-the-Floor-Beat, der mit Breakbeats durchsetzt ist. Die Backbeats werden von einer Snare anstelle der im House üblichen Hi-Hat besetzt. Bassglissandi und Breakdowns (Full Breaks in der Mitte eines Stücks) sind ebenso üblich, wie geräuschhafte Effekte, zum Beispiel Sirenen oder Schüsse. Damit handelt es sich auch um eine sehr urbane Musik.

Weitere Entwicklungen

Die 4-to-the-floor-Basis vieler Tracks wurde später dann auch Old School genannt. UK Garage entwickelte sich hin zu komplexeren Rhythmen. Entsprechend der Situation Londons als musikalische Enklave für alle möglichen Stilrichtungen, waren bald Einflüsse aus einer großen Zahl angrenzender Genres zu finden. Dazu gehören auch Hip-Hop, Electro, Reggae, Dub, Dancehall und Weltmusik. Mit Hobson's Choice erschien Ende 1997 eine 12" von Jess Jackson und DJ Redz, die das Image der Szene von den Soul- und Funktendenzen hin zu bassigen und düsteren Produktionen verschob und den Übergang zum 2-Step besorgte:

<– Active MindsHobson's Choice (1997)

Two Step

Wie der Name schon sagt, werden beim 2 Step die Bassdrums auf der zwei und vier weggelassen. Gemischt werden Funk, Garage House, Breakbeats, Rhythm'n'Blues und Dub. Die Beats sind synkopisch und stark geshuffelt. Der 2-Step ist ein originär europäisches Genre. 1997 erschien Never Gonna Let You Go von Tina Moore als erster hochgepitchter Chartshit.[9] Weitere folgten, spätestens Mitte 1998 war zunächst die Bezeichnung UK Garage etabliert, danach Two Step Garage und Two Step.[10]

In den USA orientierte sich die Szene am Wirken von Timbaland, der stark vom Breakbeat beeinflussten Contemporary R&B produzierte.[11] Auch das Auto-Tune und ähnliche Effekte fanden hier Verwendung – solche stimmverändernden Effekte werden im englischsprachigen Raum auch Vocal Science genannt. 1999 gab es die ersten Top-Ten-Erfolge (You Don't Know Me von Armand Van Helden, Flat Beat von Mr. Oizo[12] und The Artful Dodgers Craig-David-Remix Re-Rewind[13]), danach folgten einige Jahre lang weitere, bevor das Genre von Dubstep und Grime abgelöst wurde.

Weitere Entwicklungen

Spätestens 2005 verschwand der UK Garage mit dem 2-Step hauptsächlich zugunsten von Dubstep und Grime von der Bühne, die er nachhaltig beeinflusste. Ein weiteres Genre, das aus dem UK Garage entstand, war der UK Funky. Future Garage ist eine Art von Dubstep mit starken UK-Garage-Einflüssen. 2007 erlebte der UK Garage ein Revival in Form einer New School. 2011 bis 2014 mit Wookie, MJ Cole, Zed Bias, Mark Hill. UK-Garage-Elemente sind bei Disclosure and AlunaGeorge zu finden.

Genres/Subgenres und Verwandte

Genres/Subgenres: Speed Garage, 2 Step, Breakstep, Future Garage. Verwandt: Dubstep, Bassline House, Grime, UK Funky, Future Bass.

Musiker

Wookie, Double 99, M-Dubs, So Solid Crew, Sticky, Wiley, Dizzee Rascal, The Artful Dodger, Daniel Bedingfield, MJ Cole, The Streets, DJ Luck und DJ Density, Duncan Powell, Dezz Jones, DJ Solution, MRP, Delinquent, Will Philips, One Dark Martian, Mask ...

Trivia

Die Events fanden Sonntags statt, weil die Wochenenden für populärere Strömungen vorgesehen waren – daraus resultierte die Bezeichnung Sonntags-Szene (Sunday Scene). Die Musik der UK-Garage-Scene wurde zum Teil auch als Four-to-the-Floor (4x4, 4/4 im Gegensatz zu den Jungle- und Techstep-Pattern) bezeichnet oder später als Vorläufer mit dem 2 Step in Verbindung gebracht.

Einzelnachweise

  1. Bei der englischsprachigen Wikipedia wird UK Garage als Genre verhandelt, siehe den Artikel UK Garage [1] bei der en.wiki, eingesehen am 28. April 2016
  2. Artikel UK Garage [2] bei der de.wiki
  3. Perkussive Vocals zum Beispiel in: Todd Edwards – Dancing for Heaven (1995) [3] bei Youtube
  4. Artikel Todd Edwards [4] bei der en.wiki
  5. John M. – A history of speed garage (1998) [5] bei toucanmusic.co.uk
  6. Artikel Speed Garage [6] bei der en.wiki
  7. Compilation Best of Jungle Volume One (1994) [7] bei Youtube
  8. Artikel Granularsynthese [8] bei der de.wiki
  9. Im Original Tina Moore – Never Gonna Let You Go (1995) [9] bei Youtube, Kelly-G.-Remix (1997) [10] bei Youtube. Artful-Dodger-Remix [11] bei Youtube
  10. Artikel UK Garage [12] bei der en.wiki
  11. Timbaland – I Get It On (1998) [13] bei Youtube
  12. Mr. Oizo – Flat Beat (1999) [14] bei Vimeo
  13. The Artful Dodger Presents Craig David – Re-Rewind (Public Demand, 1999) [15] bei Youtube

Weblinks

  • A tip on mixing in uk Garage, 4/4 to the floor stylee!! (2007) [17] bei Youtube
  • Creating an old school garage vibe in Ableton Live 9 #ProducerPOV (2014) [18] bei Youtube
  • Rob Kenner – Dancing in the Dark (2003) [19] im Vibe-Magazine

Links im Mai 2017.