Throbbing Gristle

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Throbbing Gristle
Herkunft: Sheffield, England
Aktiver Zeitraum: 19761981, 20042010
Genres: Industrial, Experimentelle Musik / Avantgarde, Noise
Labels: Industrial Records, Mute
Homepage: Throbbing-Gristle.com
Line-Up:
Genesis Breyer P-Orridge: Gesang, Gitarre, Bass, Violine
Cosey Fanny Tutti: Gesang, Gitarre, Kornett
Chris Carter: Synthesizer, Tonbandgeräte
Peter Christopherson: Gesang, Synthesizer, Tonbandgeräte (†2010)

Throbbing Gristle waren eine experimentelle britische Band, die enormen Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung des Genres Industrial hatte. Sie existierten zunächst von 1976 bis 1981, waren dann über zwanzig Jahre inaktiv und spielten dann von 2004 bis zum Tod des Bandmitglieds Peter Christopherson wieder zusammen. Seitdem hat sich die Gruppe für endgültig aufgelöst erklärt.

Bandgeschichte

Ihr Name steht nahezu sinnbildlich für die klassische Industrial-Musik, welche die (insbesondere britische) (post-)industrielle Gesellschaft in provokative, zwischen Mensch und Maschine stehende Klangformen übersetzte: Throbbing Gristle, zu deutsch "klopfender Knorpel", was im nordenglischen Slang soviel wie "eregierter Penis" bedeutet. Die Gruppe hat ihre Wurzeln in der Künstlergruppe COUM Transmissions, die 1969 von Genesis P-Orridge (alias Neil Andrew Megson) und Cosey Fanny Tutti (alias Christine Carol Newby) gegründet wurde und sich rasch einen Namen durch ihre radikalen Installationen und Performances machte. Bald kamen noch die Techniker Chris Carter und Peter Christopherson hinzu, und im Jahr 1976 trat das Quartett erstmals unter dem Namen Throbbing Gristle im Rahmen einer skandalumwitterten Ausstellung in London auf. 1977 erschien ihr erstes Album "2nd Annual Report" mit lediglich 785 gepressten Kopien auf dem bandeigenen Label Industrial Records; die Platte wies bereits zahlreiche Elemente des "typischen" Industrial-Konzepts von Throbbing Gristle wie Loops, Verzerrungen und Proto-Sampling-Technik sowie schockierende Themen und Texte auf. Bei ihren Auftritten spielte die Band gerne mit Tabuthemen wie Nazi-Uniformen und beleidigte ihr Publikum, wodurch auch eine mit dem Punkrock gemeinsame Geisteshaltung deutlich wurde. In den nächsten fünf Jahren bis 1981 folgten jährlich weitere Studioalben, Maxis und Singles, außerdem dokumentierte die Gruppe jedes ihrer Konzerte auf Band und gestaltete 1980 den Film "In the Shadow of the Sun" mit Derek Jarman. Industrial Records veröffentlichten außerdem artverwandte Musiker wie Leather Nuns oder Cabaret Voltaire.

1981 lösten sich Throbbing Gristle zum ersten Mal auf. Chris Carter und Cosey Fanny Tutti arbeiteten allerdings als Duo namens Chris & Cosey weiter zusammen; Genesis P-Orridge und Peter Christopherson formierten Psychic TV als Nachfolgeband zu TG. Christopherson spielte außerdem bei Coil, wurde Designer bei Hipgnosis und drehte Videoclips für u.a. Nine Inch Nails und Rage Against the Machine; P-Orridge veröffentlichte Soloplatten, gründete die Kommune/Sekte Temple Ov Psychick Youth, Carter übernahm die Aufsicht über den TG-Nachlass und koordinierte die zahlreichen Postum-Veröffentlichungen der Band, vor allem Livealben.

2004 kam es zur Reunion von Throbbing Gristle, die ein Konzert in London spielten und dazu auch eine limitierte neue Studio-LP veröffentlichten. Nach einem weiteren einzelnen Auftritt in Berlin wurden Throbbing Gristle wieder in Vollzeit reaktiviert und gingen auf Tournee; mit u.a. "Part Two - The Endless Not" (2007) und "The Third Mind Movements" (2009) folgten auch weitere Studioalben in Zusammenarbeit mit Mute Records. 2010 kündigte die Band dann ihre erneute Auflösung an; kurz danach starb Peter Christopherson im Alter von 55 Jahren, worauf die verbliebenen Bandmitglieder verlauten ließen, Throbbing Gristle werde unter diesen Umständen nie wieder live auftreten. Industrial Records sowie die Webseite der Band werden allerdings noch weiter betrieben.

Genesis P-Orridge war 1993 bis zu ihrem Tod 2007 mit Lady Jay Breyer verheiratet, zusammen starteten die beiden ein Pandrogynie-Projekt, in dessen Verlauf Genesis P-Orridge eine Geschlechtsumwandlung und mehrere Schönheitsoperationen vornehmen ließ, um sein Aussehen soweit wie möglich an das Aussehen von Lady Jaye Breyer anzugleichen, die Ehepartner sollten möglichst nicht zu unterscheiden sein, um als ein pandrogynes Wesen aufzutreten.[1]

Diskografie

Alben
  • 1977 The Second Annual Report
  • 1978 D.O.A. The Third and Final Report
  • 1979 20 Jazz Funk Greats
  • 1980 Heathen Earth
  • 1980 Greatest Hits
  • 1981 Mission of Dead Souls
  • 1982 Journey Through a Body
  • 1983 Heathen Earth
  • 1984 In the Shadow of the Sun
  • 1987 The First Annual Report
  • 2004 TG Now: Limited Edition Album of New TG Material
  • 2007 Part Two - The Endless Not
  • 2007 Desertshore Installation (12 CD)
  • 2008 32 Annual Report
  • 2009 The Third Mind Movements

Referenzbands

Literatur

  • Michael GoddardSonic and Cultural Noise as Production of the New: The Industrial Music Media Ecology of Throbbing Gristle, in: Deleuze, Guattari and the Production of the New, London

Einzelnachweise

  1. Pandrogynie-Projekt [1] bei Genesis Breyer P-Orridge

Weblinks