Theo Parrish

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Theo Parrish
Theo Parrish@Festssaal Kreuzberg Berlin, 31.03.2011
Theo Parrish@Festssaal Kreuzberg Berlin, 31.03.2011
Herkunft: Chicago, USA
Aktiver Zeitraum: seit 1986
Genres: Chicago House, Detroit Techno, Deep House

Geboren = 1972

Theo Parrish (* 1972 in Washington, D.C.) ist House-Musiker, Produzent und DJ aus den USA und zumindest im ersten Jahrzehnt nach dem Millennium der wohl stilprägendste Musiker im Bereich des Detroit-House (2012). Er ist außerdem Dozent der Red Bull Music Academy. Theo Parrish lebt und arbeitet in Detroit. Mit seinen Veröffentlichungen wendet er sich wie auch in Interviews gegen Stildefinitionen und die Grenzen zwischen Acid House und Jazz. Grundlage ist eine sehr eigene Auffassung der Housetradition, ein deeper afrikanischer House.[1] Parrish vertritt in unterschiedlichen Interviews eine anthropologische Ethik als Background für seine Musik.[2]

Musiklebenslauf

Theo Parrish wuchs in Chicago auf und hörte seit frühester Jugend die Musik von Larry Heard, Lil’ Louis und anderen Chicago-House-Produzenten sowie von Jazzmusikern wie Miles Davis, Nina Simone und George Gershwin. Im Radio hörte er Sender, die Livemitschnitte von diversen Partys in der Stadt lieferten. "I’ve always loved music. There were mix shows on Chicago radio airing what was played at various dance parties in the city from 1985 to 1990; they initiated the DJing (for me)."[3] Als weiteren Einfluss nennt er John Cages "... treatment and concept of time and repetition."[4] Im Zuge der House-Bewegung, insbesondere des Chicago-House, erschienen 1986 seine ersten eigenen Produktionen. Zugleich begann er zu djen. Theo Parrish studierte Kunst an der Universität von Kansas City und beschäftigte sich dort vor allem mit der Schaffung von Klangskultpuren mittels der Kombination von Liveinstrumenten und Stimme auf der Grundlage von Loops. Nach seinem Umzug nach Michigan 1994 erhielt er durch eine Tätigkeit in einem Plattenvertrieb enge Kontakte zur Detroit-Techno-Szene. In seinen ersten Jahren in Detroit putzte er das KDS-Studio von Ron Trent und konnte daher dort auch eigene Tracks produzieren. Er veröffentlichte auf KDJ, Peacefrog Records, Ubiquity Records und seinem eigenen Label Sound Signature.

Zusammenarbeiten

2002 erschien eine Art Remix des Sun-Ra-Gedichts Saga of Resistance[5], 2004 3 Chairs, eine Zusammenarbeit mit Kenny Dixon Jr. (Moodymann), Rick Wilhite und Marcellus Pittman. Für Synthetic Flemm arbeitete er mit Omar S. Aufmerksamkeit erregte der 2005 erschienene Carl-Craig-Remix seines Stücks Falling Up, der als einer der Clubhits des Jahres gilt und in zahlreichen DJ-Charts vertreten war. Weiterhin ist er Kopf des sechzehnköpfigen Musikerkollektivs The Rotating Assembly. In der Reihe Edits editiert er alte Disco, Funk oder Soulhits. Er legt einmal im Monat im Londoner Club Plastic People auf, seine DJ-Sets überwinden oft Grenzen zu benachbarten Stilrichtungen. 2008 kam es zu einer Zusammenarbeit mit Adidas, aus der heraus ein kurzes Video über die Arbeit Theo Parrishs und die Stadt Detroit entstand. In einem Interview mit der BBC aus dem Jahr 2004 äußert sich Parrish über seine Sicht der Situation der Coloured People in den USA. Das Interview wurde von ihm jedoch nicht autorisiert.

Musik

Theo Parrish äußert sich in einem Interview wie folgt: "Music should be more than a job. It should be a passion. It should be something that you don't even see as work." Über Sound Sculptures (2007) sagt Parrish, dass er zweieinhalb Jahre gebraucht habe, um das Material zu mischen.[6]

"I don't think there's anything wrong with technology. I don't think there's anything wrong with making your life more convenient. I think there is something wrong with taking the sacrificial part out of making art. Art is not supposed to be easy."
Theo Parrish – Todd L. Burns Interview

Über die Arbeit mit analogem Equipment an Soul Control mit Alena Waters:

"She just heard the track, threw down on it and bam. There it was. That was one of my newer experiments with some of the analogue keyboards. I started talking with my man Omar and I was just kind of amazed at how much power these things still have. So he lent me his MS-20 and that's what I did some of that on. I gotta give a shout to Omar for that."
Theo Parrish – ebd.

2000

Kennzeichnend für Theo Parrishs Produktionen ist ein dschungelhaft tief gelegter Bass und eine fundamentale Ausrichtung auf Handperkussion sowie die typische Houseorgel, die bei ihm standardgemäß und manchmal auch darüberhinaus „wie aus dem Lehrbuch“ eingesetzt wird. Parrish liefert auf diese Weise eine gültige und als solche in vielen Standards belegte Definition des Detroit-Houses der Zeit. Seine Produktionen bewegen sich oft um die 120 Bpm, das Tempo, so Parrish, sei im Grunde jedoch irrelevant (ebd.).

Theo Parrishs repetitive Kreationen zeichnen sich oft durch einen hypnotischen Minimalismus auf der Zeitebene und auf der anderen Seite einen warmen, deepen und damit runden und vollen Klang aus. Die Motive erfahren zuweilen geradezu kontraintuitive Wendungen, bieten aber, weil sie als Repetitionen stark rollen, eine stabile Grundlage, um solche Konstruktionen zu rechtfertigen, die Wendungen werden also immer wieder aufgefangen und münden dann wieder in den deepen afrikanischen Dschungelbeat Theo Parrishs. Dave Segal: "For instance, 'Misty City' is a pell-mell house track embellished by gorgeous Gil Evans–like piano, subtle chicken-scratch guitar, slithering Jaco Pastorius–like bass runs, and rhythmic shouts that lend the piece an ecstatic aura. It's a sure-fire dance-floor filler, but it can also be studied in a college music course."[7] Desweiteren spricht Segal von „organischen Strukturen und komplexen Beats [sowie einer] hypnotischen Stratifizierung der Synths, Stimmen, Blechblasinstrumente, Handperkussionen, Strings und Tasten auf der Grundlage von Techhouse-Parametern ... mantrischer Musik.“[8]

Diskografie

Alben

  • 2010: Sketches
  • 2007: Sound Sculptures Volume 1
  • 2000: Sound Signature Sounds
  • 2000: Parallel Dimensions
  • 1998: First Floor

Singles und EPs

  • 2015: Moods & Grooves Classics, mit Mike Grant
  • 2014: 71st & Exchange Used To Be
  • 2014: Footwork
  • 2014: Conceptual Jazzdance With An Ode To The Crouton Area
  • 2013: Dance Of The Medusa
  • 2013: Original Versions
  • 2013: Day Like This / Feel Loved (mit Tony Allen)
  • 2013: Long Walk In Your Sun
  • 2012: Any Other Styles
  • 2012: Hand Made
  • 2012: Black Music (mit Pirahnahead und Craig Huckaby)
  • 2011: Feel Free To Be Who You Need To Be
  • 2011: Stop Bajon
  • 2010: Traffic
  • 2010: Something About Detroit
  • 2010: Monster Mashup : Dope Jams Hallowe'en 2010
  • und frühere bis 1995

DJ-Mixes und Compilations siehe Discogs (Weblinks).

Einzelnachweise

  1. Todd L. Burns: Theo Parrish – Unusual Suspect [1] Feature bei Resident Advisor
  2. so zum Beispiel auch ebd.
  3. Interview mit inthemix, JadeJade [2] 15. Dezember 2009
  4. ebd.
  5. Theo Parrish – Saga Of Resistance (2002) [3] bei Youtube
  6. ebd.
  7. Review von Dave Segal [4] 1. Dezember 2005
  8. ebd.: "Parallel Dimensions could appeal to minimalist-composition aficionados as well as to evolved clubbers."

Weblinks

  • Adidas-Spot [5] bei Youtube
  • 2 1/2 stündige Videovorlesung zum Thema: A Rust Belt iconoclast sounds off on what it really means to be a DJ (Seattle, 2005) [6] bei Red Bull Music Acadamy
  • Profil [7] bei Discogs
  • Profil [8] bei Resident Advisor
  • Langes und ausführliches Interview mit der Zeitschrift De:Bug [9]
  • Arno Raffeiner – Review Theo Parrish. American Intelligence [10] „verschleppte Tempi, überkomplexe Rhythmen“, bei der Spex

Musik

  • Theo Parrish – Be In Yo Self (feat. Ideeyah & Duminie Deporres, 2014) [11] bei Youtube
  • Theo Parrish – Soul Control (2007) [12] bei Youtube
  • Theo Parrish – Love is War for Miles (1998) [13] bei Youtube

Links im Oktober 2017.