The Enemy (Seattle)

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The Enemy
Herkunft: Seattle, Washington, USA
Aktiver Zeitraum: 19781983
Genres: Punkrock
Labels: King Tut Records
Homepage: The Enemy bei pnwbands.com
Line-Up:
Suzanne Grant: Gesang
George Gleason: Gitarre, Gesang
Damon Titus: Gitarre, Bass, Gesang
Morgan Blackwood: Bass (1983)
David Surkamp: Bass (1983)
Peter Barnes: Schlagzeug
Ehemalige Mitglieder:
Michael Clarke: Bass
Paul Hood: Bass, Gesang (1978-1982)
Gary Shelton: Bass (1982-1983)

The Enemy waren eine der ersten Punkbands aus Seattle, die allerdings durch ihre kommerziell begründete "Umwandlung" von der Country-Combo Fruitland Famine Band zur Punk-Truppe starker Kritik aus der Szene ausgesetzt waren. In ihrer letzten Phase nannte sich die Gruppe Big Fun.

Bandgeschichte

Sie gehörten mit zur ersten Punk-Generation von Seattle, allerdings waren sie auch die erste Band der Szene, die diesem Zirkel bewusst aus Karrieregründen beitrat: Die Musiker von The Enemy waren bis Anfang 1978 noch ganz brav als Country-Rock-Coverband unter dem Namen Fruitland Famine Band in den Bars von Seattle unterwegs gewesen, was sie mit eigenem Manager, Roadie und Soundtechniker auch sehr professionell betrieben. Dann allerdings kam etwas dazwischen, nämlich der unter dem Namen "The TMT Show" bekannt gewordene Auftritt der drei ersten Quasi-Punk-Bands der Underground-Musikszene der Stadt am 1. Mai 1976: The Tupperwares spielten laut Zeitgenossen einen Sound "zwischen Devo und Marilyn Manson", The Meyce (mit Frontmann Jim Basnight) waren im Pop-Punk-Kontext zu verorten, und die irgendwo zwischen Stooges und King Crimson wildernden The Telepaths waren stilistisch zwar kaum unter einen Hut zu bringen, stellten aber gemeinsam die Speerspitze der nichtkommerziellen Musiksubkultur Seattles dar.[1] Bei diesem Konzert der drei Bands waren auch die Mitglieder der Fruitland Famine Band anwesend, und Gitarrist Damon Titus zufolge waren sie vom Auftritt so beeindruckt, dass sie fortan das Covern sein lassen und als echte Punkband weitermachen wollten. Bis diese Erleuchtung umgesetzt wurde, dauerte es allerdings noch eine Zeit (in der auch der alte Bassist hinschmiss und durch Ex-Meyce-Mann Paul Hood ersetzt wurde), doch bei einem Konzert Anfang 1978 war es dann soweit: Mitten im Gig ging die Fruitland Famine Band von der Bühne, kehrte kurze Zeit später ganz in ledernem Punkrock-Outfit zurück und erklärte, man hieße nun The Enemy und dies sei ihr neuer Sound, worauf die sechsköpfige Combo mit Punksongs wie I Need an Enemy losdrosch und sich mit Ketchup überkippte.[2]

Die "Original-Punks" der Szene waren von diesem Schachzug freilich wenig beeindruckt, da dessen kommerzielle Natur gar zu offensichtlich schien, zumal die Band weiterhin mit professionellsten Mitteln arbeitete. Dies trug allerdings auch mit dazu bei, dass die noch sehr junge Punk-Szene Seattles nicht gleich wieder implodierte, da The Enemy und ihr Manager sich um verbesserte Auftrittsmöglichkeiten kümmerten, Kontakt zur Szene in San Francisco knüpften und auch neue Bands der sogenannten "zweiten Punk-Generation" wie The Mentors oder The Cheaters (mit dem Teenager Kurt Bloch, der kurze Zeit später die legendären Fastbacks gründen sollte) inspirierte. Schließlich umfasste die Szene im Jahr 1978 gerade einmal hundert Personen, die allesamt dem (damals) üblichen Schicksal der Andersartigen ausgesetzt waren, sprich ständig von der Polizei bedrängt wurden (Enemy-Sängerin Suzanne Grant wurde bei einem Übergriff von einem Polizisten der Arm gebrochen), was letztlich doch wieder ein Gefühl des Zusammenhalts beschwor.

The Enemy selbst waren auch eine der ersten Punkbands aus Seattle, die Platten veröffentlichten. Noch 1978 erschien die erste Single "I Need an Enemy", an der auch Gordon Raphael (u.a. Colour Twigs, Sky Cries Mary und Jahrzehnte später Strokes-Produzent) mitwirkte, im Jahr darauf gefolgt von "Trendy Violence" (inspiriert von besagtem Vorfall mit der Polizei und Suzi Grant). Für eine Zeit zog die Band – wie auch ihre Peers von The Lewd, ebenfalls eine der frühesten Punkbands aus Seattle – auch ganz nach San Francisco und spielte dort unter anderem mit The Avengers, Negative Trend und The Dils, bevor sie 1982 wieder in den Nordwesten zurückkehrten. Als ob sie ihre Kritiker aus dem Punkrock-Lager nochmals bestätigen wollten, vollzog die Band abermals einen Imagewechsel und präsentierte sich in ihrem letzten Stadium als New Wave-Gruppe à la Blondie, samt erneutem Namenswechsel hin zum programmatischen Big Fun. Zum Song Radio Dance wurde gar eines der ersten Prä-MTV-Videos aus Seattle gedreht, in welchem die blond-toupierte Suzi Grant in einem Cabriolet zu fahren vorgab und die Magie des Top-40-Radioprogramms pries.[3]

Wenig später erreichte die sich wie auch immer nennende Band allerdings das Schicksal mancher früher Seattle-Combo, denn über das Hin und Her sowie die letztlich doch unbefriedigenden Entwicklungsmöglichkeiten löste sich die Band 1983 auf.[4]

Diskographie

Singles/EPs

Referenzbands

Weblinks

Quellen

  1. Stephen Tow: The Strangest Tribe. How a Group of Seattle Rock Bands Invented Grunge. Sasquatch Press 2011, S.9f.
  2. Stephen Tow: The Strangest Tribe. How a Group of Seattle Rock Bands Invented Grunge. Sasquatch Press 2011, S.12f.
  3. Clark Humphrey: Loser. The Real Seattle Music Story. 2. überarbeitete Auflage, Seattle 1999, S.57.
  4. Enemy-Bassist Paul Hood über seine Zeit mit der Band