Techno

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Techno ist eine Spielart der Elektronischen Tanzmusik, die besonders in den neunziger Jahren sehr erfolgreich war und bis zum heutigen Post-Techno weiterentwickelt wurde.

Geschichte

Eigentlich begann alles mit einem Gerät, das durch technische Mängel bei der Produktion komische und bis daher unbekannte Geräusche produzierte: der Roland TB-303, einem monophonen Basssynthesizer, der über einen integrierten Stepsequenzer ansteuerbar ist. Dieser kleine graue Kasten fand Einzug bei den Herren Juan Atkins, Kevin Saunderson und Derrik May, allesamt aus Detroit. Mit dem speziellen Klang der kleinen Maschine, kombiniert mit House-Rhythmen und ganz ungeniertem Klauen von Kraftwerk, für die Technoanhänger so etwas wie Götter und Propheten, erfanden sie eine neue Musikrichtung, Techno eben. Das war 1982 (siehe auch die Begriffsklärung im Artikel Chicago House und Detroit Techno).

Die offizielle Geschichtsschreibung der Musik war in der Zeit tief in die New Wave und andere Spielarten des Pop verstrickt, so dass die globale Resonanz auf diese neue Musikrichtung zunächst recht gering war. Nur in England hat was gefunkt, und natürlich in Berlin, und auch in Frankfurt am Main. Langsam aber beständig wurden verschiedene Musikkulturen auf dieses neue elektronisch-loopende und elektrifizierend psychedelische Ding aufmerksam: EBM, House, Elektro, New Wave, No Wave, Postpunk, Madchester, Rave. All jene Musikgeschmäcker fanden Gefallen an Techno, und dann kam noch die Droge XTC hinzu. Im Zusammenhang mit dem Fall des eisernen Vorhangs schlug 1989 Techno ein wie eine Bombe und eroberte Europa im Sturm (vgl. auch Underground Resistance – X-101). Die Love Parade wurde aus der Taufe gehoben, Acid-House war grad on Top, die Tracks "Call it Acid" und "Jack to the Sound of the Underground" rutschten ganz nach oben in die Media Control-Charts und die szenetypischen Smilies wurden zum Allgemeingut. England war repressiv und fand Drogen und repetitive Musik nicht so toll und verbot kurzerhand repetitive Musik auf den die Medien beherrschenden Raves.[1] Die Medien fanden Drogenopfer, wodurch Acid-House in Verruf kam, und 1990 war scheinbar alles wieder vorbei. Weit gefehlt. Der ostdeutsche Sender DT64 hatte Marusha als Moderatorin, die sich für Techno wie nix begeisterte, Westbam begann seine Weltrevolution anzuzetteln, Clubs schossen wie Pilze aus dem Boden, alte Synthesizer waren für jeden erschwinglich geworden, Homerecording wurde entdeckt, Labels kickten Vinyls bis zum geht nicht mehr auf den Markt - jeder konnte ein DJ sein, jeder ein Held, jeder war ein Star.

Das Ganze ging bis ungefähr 1994 gut, als Scooter die Weltgeschichte betraten und die Bravo den Techno entdeckte, Marusha auf Mickeymouspitchrave machte, Mark'oh mit "Tears don´t lie" den ersten Platz der Charts belagerte und keine Werbung, kein Sample, kein schlechter Song peinlich genug war, um ihn mit Technogestampfe zu unterlegen. Auch die Technoszene hatte sich gespalten, hier die Housefreaks, dort die Raver, die Trancer irgendwo im Nirgendwo und die Goaheads auf Drogen, die Holländer am Gabbern und die Charts am Happyhardcoren. Für die Bravo ging die ganze Geschichte auf, bis der HipHop in Europa ankam und auch der Letze geschnallt hatte, dass Blümchen nichts mit Techno zu tun hatte und der Bravotechno 1996 in der Versenkung verschwand. Alles hätte gut sein können, hätte es Scooter und Kontor Records nicht gegeben. Denn nachdem Rave aus den Charts verschwunden war, kam Stück für Stück der jeglicher Trance befreite Hymnentrance, der von nun an das Maß der Technomusik sein sollte: auf 3:01 min. verkürzte Harmonien in d- oder g-Moll mit dem ewig gleichen Beat und Bass. Das ganze rollte Stück für Stück in die Charts, bis um die Jahrtausendwende Leute wie ATB und Sunbeam die Stars waren und anfingen, Gesang in ihre Musik zu nehmen und eine neues Konstrukt begründeten: den Vocal Trance.

Um das Jahr 2000 herum besann sich die (europäische) Technoszene ihres (amerikanischen) Ursprungs und brachte Wagenladungen voller deeper, loopender, funktionaler Tracks heraus, die bald das Prädikat „Schwedentechno“ bekamen, waren sie etwas härter oft „Schranz“, im Trancebereich „Hardstyle“ und im Goabereich „Progressive“ aufgedrückt bekamen. Kurze Zeit darauf hatten irgendwie alle die Schnauze voll von Techno und fingen an Punk zu zitieren, EBM und was sonst noch so alles vor Techno war, und seitdem scheint es, als wäre Techno für viele nur noch Geschichte. Die akuellsten Ausläufer der Technogeschichte sind Minimal Techno, der seit Beginn der Technoszene eine wichtige Rolle gespielt hat und Electro bzw. Detroit Techno, der in den späten 1990ern populär wurde und bis heute gepflegt wird.

Von einer wirksamen Emanzipation des Geräuschs kann in der Popmusik erst im Minimal / Clicks & Cuts der 1990er Jahre gesprochen werden, bis dahin orientierten sich Instrumente nur ausnahmsweise an differenzierten Geräuschanteilen als Idee und Designvorgabe von Sounds.

Substile (Auswahl)

Detroit Techno (Electro)

Die ursprüngliche Technoart, die sich an der Musiksprache von Kraftwerk orientiert, meist aber mit der starken Funkyness der Black Music. Neben dem monotonen Rhythmus sind vor allem schneidende Stringsounds stilprägend. Detroit Techno wird oft auch Electro genannt.

Eurotechno (Rave)

Die Technodefinition der frühen Neunziger: Sehr schnell, mit sehr digitalem Klang, das Hauptaugenmerk lag oft auf dem Leadsynth mit einer griffigen Melodie.

Goa / Psytrance

Musik für LSD-geschwängerte Althippies. Meist ziemlich schnell, mit einer schnellen 16tel Bassfigur, angereichert mit vielen Effektsounds, die psychedelische Erfahrungen hervorrufen sollten.

Trance

Ausladende Version des Techno, vor allem in der Frühzeit mit hohem künstlerischem Anspruch. Trance ist am ehesten mit Progressive Rock zu vergleichen, sozusagen die Technoversion der frühen Genesis.

Hardcore Techno

Schnell, hart, laut, sinnlos - so könnte die Defintion eines guten Hardcoretracks lauten. Stilprägend sind verzerrte Bassdrums, kombiniert mit Breakbeats, Sounds die an Industrial erinnern und Voicesamples, die meist aus Horrofilmen entlehnt wurden.

„Schwedentechno“

Looporientierte, minimalistisch-monotone Technospielart, die sich weniger zum Hören als vielmehr als Tool für einen DJ eignet.

Schranz

Die "typisch deutsche" Version des Schwedentechno. Minimal und brachial, der Rhythmus ist minimalistisch, die Bassdrum brachial. Das Hauptaugenmerk liegt auf Filterspielereien.

Hardstyle/Jumpstyle

Die Proletenversionen von Schwedentechno und Schranz. Bum Bum Bum im Midtempobereich. Entstanden durch einen Medienhype von ZYX Music.

Minimal Techno

Reduzierte Motive und Drumbeats oft aus Schnipseln von Sounds gebastelt. Minimal Techno hat der Namensgebung entgegen weniger mit Minimal Music zu tun, als zum Beispiel mit Serialismus, Futurismus und afroamerikanischen Musiktraditionen. Es ist vielmehr so, dass viele, die Minimal Techno machen, nicht Minimal Music zum Vorbild nehmen, sondern auf Errungenschaften der elektronischen Musik referieren. Der Bleep-Techno ist eine Spielart des Minimal Techno oft in Verbindung mit Trip-Hop- oder Illbient-Elementen. Der Bereich überschneidet sich zum Teil mit dem Glitch.

Musiker
Richie Hawtin, Mike Ink, Kölner Schule (Minimal Techno), Pan Sonic, Elektro Music Department, Daniel Bell, Seth Troxler, Monolake ...

Wichtige Tracks

  • Hier sehen wir den Kraftwerk Dreier ohne Michael Rother, wie er im Jahre 1970 bei einem Konzert in Soest die welterste Techno-Skizze abliefert.
  • Cybotron – Alleys of Your Mind (der mutmaßlich erste amerikanische Technotrack überhaupt)[2]
  • Model 500 - No UFO´s (repräsentiert die Urgestalt des von Juan Atkins weiterentwickelten Electro zur Form des Techno der 1990er)
  • Rythm is Rythm - It is, what it is (das Technostatement)
  • M.A.R.R.S. - Pump up the Volume (Samplingkunst)
  • Jeff Mills - The Bells
  • Der Dritte Raum - Hale Bob (zeitlos)
  • Thomas Schumacher - Ficken? (Understatement)
  • The Aztec Mystic - Knights of the Jaguar (wurde von Sony geklaut, der Track wurde zum meistverkauften Technotrack der Geschichte)
  • Cygnus X - Orange Theme (definierte Hymnentrance)
  • Hardfloor - Aspirience 1 (Acid wie er besser nicht definiert werden könnte)
  • Dj Buzz Fuzz - Jealousy is a M.F. (DER Hardcore/Gabber Track schlechthin)

Wichtige Alben

  • Sven Väth - The Harlequin, the Robot and the Balletdancer (Bereitete den Weg für Trance und Goa)
  • Der Dritte Raum - Raumgleiter (Führt die Kraftwerksche Vision konsequent weiter)
  • Westbam - Ride On (das erste Technoalbum das über Techno hinausging)

Wichtige Compilations

Trivia

"... The crazy sounds, they love the unusual sounds [...] many groups do that now and call themselves electronic musicians, all the techno musicians, they call me now the 'Papa of techno', what they really mean, that there are these noisy sounds, these crashing sounds, these shooting sounds that they like in my music but they don't ask what they are made for, for the function of these sounds in my work, they like the effect."[3]

Siehe auch

Post-Techno, Underground Resistance, Underground Resistance – X-101, Drexciya – Sea Snake, Repetitive Musik, Electro, Electronica, Curtis Jones, Kölner Schule (Minimal Techno), a-musik, Elektro, Dopplereffekt, Roland TR-808, Elektronische Musik, Daniel Bell, House, Karlheinz Stockhausen, Gottfried Michael Koenig, Postserielle Musik, Glitch, Electroswing, Diamond Version, Live-Elektronik, Elektronische Tanzmusik

Einzelnachweise

  1. Durch das Criminal Justice Bill von 1994 wurden „striktere Regelungen gegen Raves in Form von Verboten repetitiver Musik“ durchgesetzt, vgl.: Artikel Autechre [1] bei der de.wiki
  2. phish63 – what was the first techno song? (2007) [2] bei Discogs
  3. Karlheinz Stockhausen – KH Stockhausen ● a documentary [with subtitle use CC for other languages] [3] Videointerview ab min. 24:25 bei Youtube

Weblinks

  • Marcel Schwarz – Techno. Elektronische Tanzmusik. [4] undatiertes pdf mit einer grafischen Darstellung der Entwicklung bis zum Techno, bei Gabbers gegen Rassismus
  • Die 100 wichtigsten Technotracks 1989 bis 2004, gewählt von der Groove-Redaktion und 80s-DJs [5] bei Technoforum.de