Tango

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Als Tango (vermutlich von: zentralafrikanisch tamgu = tanzen[1]) wird sowohl eine Musikrichtung als auch ein Tanz bezeichnet.[2] Der Tango entstand seit Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde zu Beginn der 1920er Jahre ausgehend von Südamerika weltweit populär. Die Ursprünge sind hauptsächlich in Argentinien zu finden, weshalb der argentinische Tango oft synonym für den Tango Platense (Argentinien, Uruguay) genannt wird. Ikone des argentinischen Tango ist Astor Piazzolla, der dem Tango als Tango Nuevo anspruchsvolle Arrangements mit Jazznote, Kontrapunkt und Fugenform hinzufügte.[3] Kurz vor der Jahrtausendwende fand der Tango als Electrotango wieder Eingang in die Populäre Musik. Das bekannteste Tangostück überhaupt dürfte La Cumparsita von Gerardo Matos Rodriguez sein: Roberto Firpo [10]

Hintergrund

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstand der Tango als Resultat eines kontinentalen Kulturclashs europäischer (Marsch, Polka ...), lateinamerikanischer und afrikanischer Musikrichtungen. 1914 wurde der Tango von Papst Pius X als sündhaft und unmoralisch verboten, erst 2008 wurde er offiziell rehabilitiert, nachdem der jetzige Papst Franziskus eine Tango-Messe zelebrieren ließ.[4] Zwei unterschiedliche Richtungen bestimmen den Tango von Beginn an: Eine orthodoxe Musikauffassung, bei der es besonders um die strikte Ausführung der Vorlagen geht und eine experimentelle Ausrichtung.[5]

Musik

Synkopen sowie dynamische und agogische Variationen bestimmen oft das Tempo und sind feste Bestandteile der Rhythmen.[6] Als Grundstimmungen des Tango gelten Melancholie, Verruchtheit sowie ein Weltbezug, der entweder betont mondän oder aber reduziert bis zum Autistischen hin erscheinen kann und sich in einer Vielfalt möglicher Besetzungen mit wechselnden Instrumentenfunktionen offenbart. Die Instrumentierungen variieren von Bandoneon-Solovorträgen bis zu Orchester-Interpretationen von sogenannten Mammutorchestern, den Orquestas Típicas.

Als Standardtanz und durch prägnante, dem Tango zugeordnete Formeln, Floskeln und Module findet der Tango weltweit Verbreitung in vielen Stilen der populären Musik, zum Beispiel:

Tango Nuevo, Neotango

Der Neue Tango oder Tango Nuevo orientiert sich mit Astor Piazzolla und nach dem Vorbild Astor Piazzollas stark am Jazz. Der Tango Nuevo tendiert entweder zu einer weniger tanzbaren klassischen Orchestermusik oder aber zu einer ebenso wenig tanzbaren Kammermusik, Einflüsse aus der elektronischen Musik sind seltener zu finden. Das erste Album, bei dem elektronische Komponenten zum Einsatz kamen, war Libertango von 1974 (Ástor Piazzolla). Hier ist die Elektronik jedoch auf den Einsatz einer Hammondorgel, von E-Gitarre, E-Bass und Effekten begrenzt. Mit dem Rotoskopiefilm Waking Life von 2002 gibt es auch einen Soundtrack, der hauptsächlich auf dem Neotango oder Tango Nuevo basiert[7]:

Electrotango

Der Electrotango, manchmal: Elektrotango, ist eine, im Zuge der diversen Retrobewegungen in der populären Musik Ende der 1990er Jahre entstandene, Variante des Tango mit zusätzlichen Rhythmusspuren zumeist von Drummaschinen oder anhand entsprechender Software. Bei den Drums handelt es sich oft um grob geflochtene Nahezu-Jazzarrangements mit Besen, Rims, Maracas und geshuffleten Rhythmen, die shufflebare Roland TR-909 kommt als Drummaschine des öfteren zum Einsatz. Der Vergleich zum Electroswing drängt sich auf, ist jedoch dort kaum haltbar, wo der Electrotango, vielleicht aufgrund der Nähe des Tango zum klassischen und modernen Tanz, insgesamt weniger dancefloortauglich ist als der Electroswing. Electrotango wird zuweilen mit Dub kombiniert.[8]

  • Tanghetto – Alexanderplatz Tango (2006) [15] bei Youtube

Trivia

Besonders in Berlin gibt es eine Tradition einzelner Tangoveranstaltungen, zum Teil mit thematischem Schwerpunkt.[9]

Ausprägungen

  • Milonga
  • Vals
  • Candombe
  • Canyengue
  • Tango Platense
  • Tango Argentino, oft synonym zu Tango Platense
  • Tango Nuevo
  • Deutscher Tango
  • Finnischer Tango
  • Electrotango

Musiker

<– Juan D'Arienzo y su orquesta típica mit Osvaldo Ramos – Remebranzas (1964)

Studioversion mit Jorge Valdez [16] bei Youtube

Einzelnachweise

  1. tango [1] beim Online Etymology Dictionary
  2. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Musikrichtung, für den Tanz siehe Tango (Tanz)
  3. Artikel Tango Nuevo [2] bei der de.wiki
  4. Pope Francis' Tango Mass condemned by Pope St. Pius X [3] bei Youtube
  5. vgl. Artikel Tango (Musikrichtung), Abschnitt Geschichtliche Entwicklung [4] bei der de.wiki
  6. Zum Beispiel beim Tosca Tango Orchestra im Soundtrack Waking Life [5] bei Youtube
  7. Artikel Waking Life [6] bei der de.wiki
  8. Electrotango und Dub, zum Beispiel Gotan Project – Una Musica Brutal (2001) [7] bei Youtube
  9. Tango Kulturinfo Tango Argentino in Berlin [8] bei Tango Berlin.de
  10. Pjotr Leschtschenko – Ein Gläschen Wodka (1933) [9] bei Youtube

Weblinks

  • Robert Duvall – Assassination Tango (2002) [17] Auszug bei Youtube
  • Tango: The Forbidden Dance [18] bei Youtube
  • Artikel Tango Argentino [19] zum Tanz bei der de.wiki
  • Von Russland geliebt, von Stalin verboten [20] dctp.tv
  • Aune Friedrich – Finnischer Tango - Ein Tanz in Moll_Trailer [21] bei Youtube
  • Artikel Electrotango [22] bei der de.wiki
  • Trailer zum Film von Frédéric Fontayne Tango Libre (2013) [23] bei Youtube
  • Richard Linklater – Waking Life (2001) [24] bei IMDb
  • Waking Life Official Trailer [25] bei Youtube
  • Täglicher Überblick über Tango-Veranstaltungen in Berlin [26] bei Tango.info/berlin
  • Tango-Tanzen auch für Leute mit körperlicher oder Sehbehinderung [27] beim Spree-Tango-Studio, Berlin

Musik

<– Hazy OsterwaldKriminaltango (1959), der wohl bekannteste Tango in deutscher Sprache.

Links im Juni 2017.