Television Personalities

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Die Londoner Band Television Personalities bestand von 1974 bis 1998 und besteht von 2004 bis heute.

Hintergrund

And don't the kids just love it (1981)

Die TV Personalities waren für die aufgeklärteren Punks unter den Musikinteressierten der 1980er Jahre in Deutschland und vielleicht auch England der Popfluchtpunkt des Punk und Post-Punk. Markenzeichen der Band sind Dan Treacys zuweilen überschöne und oft traurige, kindlich verspielte, Punkmelodien sowie ein elaboriertes Songwriting mit einer bewussten Orientierung an Möglichkeiten, Stimmungen durch Dur-moll-Skalen in Szene zu setzen. Entsprechend kultiviert ist das Umfeld der Themen. Alle oder fast alle Stücke der TVPs unterliegen einer erhöhten Unschuldsvermutung. Das spirantisch gehauchte Timbre von Dan Treacy, das auch durch sangliche Vielfalt gestützt wird, sowie alle weiteren Elemente der Musik können konzeptgemäß affirmativ und reflektiert regressiv genannt werden. Die Routinen werden deutlich im Sinne einer schmalbandigen Tradition im Rahmen der jahrzehntelangen Bandaktivität gestützt. Eine ähnlich stetige und in der Entwicklung schlüssige Produktion kann in dem Bereich gerade noch The Fall vorweisen. Viel vom Flair der TV Personalities kommt vom Ungefähren, mit dem ausnahmslos bis hin zum trashigen Mix, jedes Element der Musik ausgeführt wird. Falsette gibt es keine, aber falsettierte Falsette, also deutlich kommentierte. Das rhythmische Element steht im Vordergrund, besser gesagt: Tonhöhe als Parameter wird durch den Gesang kaum verbindlich repräsentiert. Sprechakttypische Elemente sind vielfach enthalten und verankern die Melodien in (allgemeineren) Geräuschkontexten. Das ist verifizierbar, der Gesang lädt geradezu ein, einfach irgendwie mitzusingen, ohne die genauen Tonhöhen zu beachten. Gewöhnlich ist das auf ein Übergewicht des rhythmischen Eindrucks von einer Musik zurückzuführen. Die Melodien der TVPs lassen sich kreuz und quer mitsingen. Damit ist auch ein Ideal der englischen Punkszene getroffen. Es ist, als käme eine weitere Stimme dazu, die auch Geltung hat. Im Chor sind vielleicht konzertante Ausarbeitungen in brechungsstarken Akkorden denkbar. Bass und Gitarre bewegen sich meist parallel zum Gesang, Jowe Head am Bass führt die Rhythmen über mehrere Oktaven auf ähnlich arglos treffende Weise, wie die nur wenig die Rhythmen überspannenden Melodietöne Treacys, aus. Wie Durchgangstöne, aber jeder Durchgangston ist ein Melodieton. Das ist bei früheren Genres zum Beispiel im Bluegrass zu finden. Auch Eugene Chadbourne macht so etwas. Neben dem Bass besorgt Jowe Head den Hintergrundgesang, der eine ähnliche Sphäre hinzubringt, wie sie bei seinen Soloalben ebenfalls zu finden ist. Die Drums befinden sich in stetem Laid Back. Der Hall ist bei den TVPs grundsätzlich fett angelegt und verhält sich im Mix wie ein eigenes Instrument. Martin Hannetts berühmter Übungsraum- oder Badezimmerhall kann assoziiert werden. Bei den TVPs reicht das bis hin zu surrealistisch anmutenden Ton-Hall-Verhältnisssen, so zum Beispiel beim Mix von Mummy You're Not Watching Me von 1981. Zum Beispiel If I Could Write Poetry [1] bei Youtube.

Genres

Punk, Psychedelia, New Wave, Independent, Postpunk, Singer/Songwriter

Line-Ups

  • Ur-Besetzung 1974 bis 1977: Dan Treacy, Ed Ball, John Bennett, Gerard Bennett
  • 1978 bis 1979: Dan Treacy, Ed Ball
  • 1980: Dan Treacy, Joe Foster, Mark "Empire" Sheppard
  • 1981 bis 1982: Dan Treacy, Ed Ball, Mark "Empire" Sheppard
  • 1983: Dan Treacy, Joe Foster, Mark Flunder, Dave Musker, Jeff Bloom
  • 1984: Dan Treacy, Joe Foster, Jowe Head, Dave Musker, Jeff Bloom
  • 1984 bis 1993: Dan Treacy, Jowe Head, Jeff Bloom
  • 1993 bis 1994: Dan Treacy, Jowe Head, Lenny Helsing
  • 1994 bis 1996: Dan Treacy, Liam Watson, Sexton Ming
  • 2004 bis heute: Dan Treacy, Ed Ball, John Bennett, Victoria Yeulet, Mathew Sawyer, Texas Bob Juarez und diverse Gastmusiker

Kollaborationen

1980 veröffentlichte Rough Trade eine Single der Band Missing Scientists (Big City Bright Lights / Discotheque), von deren vier Bandmitgliedern drei aus dem Television-Personalities-LineUp stammten: Joe Foster, Dan Treacy und Mark Sheppard – vierter Musiker war Daniel Miller von Mute.

Diskografie

reguläre Alben

  • 1981 And Don't The Kids Just Love It [ LP, Rough Trade (RT 24) ]
  • 1982 Mummy Your Not Watching Me [ LP, Whaam! (BIG 1) ]
  • 1982 They Could Have Been Bigger Than The Beatles [ LP, Whaam! (BIG 4) ]
  • 1984 The Painted Word [ LP, Illuminated (JAMS 37) ]
  • 1990 Privilege [ LP, Fire Records (FIRE 21) ]
  • 1992 Closer To God [ Doppel-LP, Fire Records (FIRE 32) ]
  • 1995 I Was A Mod Before You Was A Mod [ LP, CD, Overground Records (OVER 41) ]
  • 1998 Don't Cry Baby.... It's Only A Movie [ CD, Damaged Goods (DAMGOOD 64) ]
  • 2000 The Boy Who Couldn't Stop Dreaming [ CD, Vinyl Japan (ASKCD112) ]
  • 2001 Fashion Conscious [ CD, Little Teddy Recordings (BiTe 026CD) ]
  • 2005 And They All Lived Happily Ever After [ CD, Damaged Goods (DG245) ]
  • 2006 My Dark Places [ CD, Domino Records (WIGCD 166) ]
  • 2007 Are We Nearly There Yet?
  • 2010 A Memory Is Better Than Nothing

spezielle Alben

  • 1985 Chocolate-Art (A Tribute To James Last) [ Live-LP, Live at Forum Enger 20.09.1984), Pastell (POW 2) ]
  • 1991 Camping in France [ Live-LP, Live in France 12.12.1985, Overground Records (OVER 21) ]
  • 1995 Yes Darling, But Is It Art? (Early Singles & Rarities) [ CD, Fire Records (FLIPCD001) ]
  • 1996 Top Gear [ Live-LP, Live in Osaka 6 April 1994, Overground Records (OVER 48); Das Konzert fand 1994 statt, auch wenn auf dem Cover 1995 angegeben ist ]
  • 1996 Paisley Shirts & Mini Skirts [ Live-LP, Live at the Hammersmith Clarendon 22.05.1980, Overground Records (OVER 52); offiziell nur als LP erschienen – Das rote CD-Bootleg hat keine Labelangaben ]
  • 1996 Made In Japan [ Live-LP, Live in Tokyo 10.04.1994, Little Teddy Recordings (BiTe 017); 500er Erstauflage incl. 7" If I Was Your Girlfriend, live / Salvador Dali's Garden Party, live (LiTe 729) ]
  • 1996 Mod Is Dead [ Live-LP, Live at Circus Gammelsdorf 13.12.1991, Teenage Kicks (Kick LP-14); offiziell nur als Vinyl-LP only mit 30 Kopien erschienen – CD-Bootleg in 100er Auflage (SUB008) ]
  • 1997 Prime Time Television Personalities (1981 - 1992) [ Best-Of-CD, Nectar Masters (NTMCD563) ]
  • 1999 Part-Time Punks – The Very Best of Television Personalities [ Best-of-CD, Cherry Red (CDMRED 152) ]

Weitere [2] bei Discogs

Referenzen

Oxford St., W1

Part Time Punks

  • "Part Time Punks" wurde mit zu einem der bekanntesten Stücke der TVPs, weil er neben der Kritik an den sogenannten "Teilzeit-Punks" auch Anspielungen auf Orte und Bands der damaligen Londoner Punkszene enthält: "Walking down the King's Road" – Die "King's Road" war Zentrum des Swinging Londons der 60er und später Heimat des Punk-Shops "SEX" von Malcolm McLaren und Vivien Westwood. "Then they go to Rough Trade" – Das spätere Indie-Label "Rough Trade" wurde 1976 in Notting Hill als Plattenladen begründet. "They'd Like to buy the O'Level-single or Read about Seymour" – "O'Level" war eine weitere Band, in der Ed Ball spielte, "Read about Seymour" hieß die Debut-Single der Swell Maps, bei denen auch Jowe Head spielte, der später zu den TVPs kommen sollte. Die Namen der in der Original-Version genannten Bands – Siouxsie & The Banshees, O'Level, The Lurkers, The Clash – wurden bei den Live-Auftritten gerne aktualisiert und variiert, unter anderem auch mit deutschen Bands, wie den Einstürzenden Neubauten oder Toten Hosen.

Where's Bill Grundy now?

  • Bill Grundy war der britische Journalist, der 1976 in der TV-Sendung "Today" Siouxsie von Siouxsie and the Banshees beleidigte und unmittelbar verständliche Reaktionen von John Lydon auf sich zog.

Happy Families

  • Auch hier wieder Zitate zu Orten und Bands der Londoner Punk-Szene: "The Roxy" in Covent Garden war Londons erster richtiger Punk-Club. Poly Styrene war Sängerin von X-Ray Spex. "Mr. and Mrs. Strummer" war eine Anspielung auf Joe Strummer von The Clash. Der Hammersmith Palais ein Club in Shepherds Bush; "(White Man) in Hammersmith Palais" war auch der Titel einer Clash-Single von 1978.

King and Country

  • Titel eine Films von Joseph Losey aus dem Jahr 1964 (dt. Titel: "Für König und Vaterland")

Girl On A Motorcycle

  • Titel eine Films aus dem Jahre 1968 mit Marianne Faithful und Alain Delon (dt. Titel: "Nackt unter Leder")

I Know where Syd Barrett lives

  • Syd Barrett war Gründungsmitglied von Pink Floyd und ist eines der Idole von Dan Treacy.

Arthur the Gardener

  • Zitat aus dem David Lynch-Film "Der Elefantenmensch"

This Angry Silence

  • Titel eine Films von Guy Green aus dem Jahr 1960 (dt. Titel: "Zorniges Schweigen")

Geoffrey Ingram

  • Eine Figur aus Shelagh Delaneys Schauspiel "A Taste of Honey".

Jackanory Stories

  • Titel einer BBC-Kinderserie (1965 bis 1995)

La Grande Illusion

  • Titel eines französischen Films von Jean Renoir aus dem Jahr 1937 (dt. Titel: "Die große Illusion")

A Picture of Dorian Gray

  • Titel der weltbekannten Oscar-Wilde-Novelle aus dem Jahr 1891

Look Back In Anger

  • Titel des Films von Tony Richardson aus dem Jahr 1959 (dt. Titel: "Blick zurück im Zorn")

David Hockney's Diaries

  • Hommage an den Künstler David Hockney und Titel einer Hockney-Doku aus dem Jahr 1973.

Favourite Films

  • In diesem Lied werden einige von Dan Treacys Lieblingsschauspielern und -schauspielerinnen genannt: Malcolm McDowell, Albert Finney, Tom Courtenay, Wendy Craig, Carol White, Oliver Reed, Rita Tushingham.

The Painted Word Part 2

  • In diesem Lied werden einige von Dan Treacys Lieblingskünstlern genannt: Pablo Picasso, George Braque, Vincent van Gogh, Victor Vasarely, Andy Warhol.

Happy All The Time

  • Die Textzeile "Ha ha ha said the clown" ist eine Anspielung auf den Manfred-Mann-Hit "Ha Ha Said the Clown" aus dem Jahr 1967.

Salvador Dali's Garden Party

  • Der Surrealismus-Künstler Salvador Dali lädt Dan Treacys Lieblingsmusiker und -künstler zur Gartenparty ein: Jack Nicholson, Mia Farrow, Woody Allen, Dennis Hopper, Peter Fonda, Debbie Harry.

You, Me and Lou Reed

Don't Cry Baby, It's Only A Movie

  • Hommage an die Schauspielerinnen und Schauspieler des frühen Hollywoods: Audrey Hepburn, Katharine Hepburn, Cary Grant.

Referenzbands

Television Personalities wurden beeinflusst von:

Die TVPs beeinflussten den frühen Indie-Pop und die C86-Szene, den Britpop und den Post-Punk. Fast jede Band dieser Genres beruft sich auch auf die Television Personalities.

Coverversionen

Television Personalities covern...

  • Love Changes Everything von Michael Ball aus dem Musical Aspects of Love (auf Don't Cry Baby … It's Only A Movie)
  • Your Class von den BMX Bandits (auf Clawfist Single)
  • Seasons In The Sun von Jacques Brel und Terry Jacks (auf Twist Single)
  • Harmony in my Head von den Buzzcocks (auf And They All Lived Happily Ever After)
  • Biff Bang Pow von The Creation (auf Creation Flexi)
  • Painter Man von The Creation (auf They Could Have Been Bigger than The Beatles)
  • Making Time von The Creation (auf They Could Have Been Bigger than The Beatles)
  • Isn't It A Pity von George Harrison (auf Don't Cry Baby … It's Only A Movie)
  • Honey I Sure Miss You von Daniel Johnston (auf A Tribute to Daniel Johnston Vol. 1)
  • I Fall von The June Brides (auf Still Unravished)
  • Mr Brightside von The Killers (auf Are We Nearly There Yet?)
  • I'm Not Like Everybody Else von The Kinks (auf der Not Like Everybody Else EP)
  • Whatever Gets You Through The Night von John Lennon and Elton John (auf der Not Like Everybody Else EP)
  • You Are Something von Arthur Lee (auf We're All Normal And We Want Our Freedom)
  • I Hear A New World von Joe Meek and the Blue Men (auf Not Like Everybody Else EP)
  • Respectable von Mel and Kim (auf Caff Corporation Single)
  • Apples And Oranges von Pink Floyd (auf Beyond The Wildwood)
  • Bike von Pink Floyd (auf Whaam! Bam! Thank You Dan!)
  • No-one's Little Girl von The Raincoats (auf Whaam! Bam! Thank You Dan!)
  • Sorry To Embarrass You von The Razorcuts (auf Don't Cry Baby … It's Only A Movie)
  • Pablo Picasso von Jonathan Richman and the Modern Lovers (auf Don't Cry Baby … It's Only A Movie)
  • Darkside von Shadows Of Knight und The Hangman's Beautiful Daughters (auf Don't Cry Baby … It's Only A Movie)
  • I've Been Down So Long (It Looks Like Up To Me) von Nancy Sinatra and Lee Hazlewood (auf Not Like Everybody Else EP)
  • If I Should Fall Behind von Bruce Springsteen (auf Are We Nearly There Yet?)
  • TV On In Bed von Zarjaz (auf Don't Cry Baby … It's Only A Movie)

Television Personalities werden gecovert von ...

  • The Bartlebees – And Then Suddenly
  • The Shambles – If I Could Write Poetry
  • Summer Factory – Look Back In Anger
  • Semion – The Prettiest Girl In The World
  • The Cult 45's – Silly Girl
  • Pacific Radio – This Time There's No Happy Ending
  • The Groovy Cellar – Say You Won't Cry
  • Superszar – There's A Cloud Over Liverpool
  • Thy Surfyn Eyes – La Grande Illusion
  • The Airwaves – Part Time Punks
  • The Mandervilles – Where's Bill Grundy Now?
  • Swell Maps – 14th Floor
  • The Paisley Shirts – The Dream Inspires + Sad Mona Lisa
  • The Loch Ness Mouse – Favorite Films
  • Jonathan Caws-Elwitt – Geoffrey Ingram
  • The NoMen – Mysterious Ways
  • Phil Wilson – God Snaps His Finger
  • Pub Fiction – Three Wishes
  • BMX Bandits – Girl At The Bus Stop
  • The Legend! – Look Back In Anger
  • Nikki Sudden – If I could Write Poetry
  • Lovejoy – Someone To Share My Life With
  • The Higher Elevations – Engine Driver
  • The Baskervilles – La Grande Illusion
  • The Thanes – World Of Pauline Lewis
  • Armitage Shanks – 14th Floor
  • Sixtynine & The Continuous People – The Girl Who Had Everything
  • Miniskirt – A Good & Faithful Servant
  • Spiggott v Zane – Salvadore Dali's Garden Party
  • The Container Drivers – A Picture Of Dorian Gray
  • Woog Riots – Television Personalities
  • No Men – Part Time Punks
  • Darrell Whitbeck – Stop & Smell The Roses
  • Nick Danger & the DCR – Diary Of A Young Man
  • The Happy Couple – The Dream Inspires
  • Biff Bang Pow – Someone To Share My Life With

Coverversionen erschienen auf: If I Could Write Poetry: A Tribute To Television Personalities [ Tribute-CD, Beautiful Music (Beauty 005) ] und I Would Write a Thousand Words: A Tribute to the Television Personalities Vol. 2 [ Tribute-CD, Beautiful Music (Beauty 015) ]

Literatur

1992 Armin Müller – Art For The Love Children. Die Geschichte der Television Personalities [ From Art To Pop And Back Again – Geschichten aus dem britischen Beat-, Pop- und Psychedelia-Untergrund, Teil 4, Eigenverlag ]

Weblinks

Links im Juli 2017.