Synthie-Pop

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Abgrenzung
Ursprünge: Elektronische Musik, Pop, Disco, New Wave
Herkunft: u.a. Großbritannien, Italien, USA, Deutschland
Zeitraum: ca. 19781987
Anders als: Dark Wave, Industrial

Synthie-Pop (Kurzform von Synthesizer-Pop, auch Synthpop) ist eine Form der Popmusik, deren dominantes Instrument der Synthesizer mit elektronischer Klangerzeugung ist. Seinen Ursprung hat der Synthie-Pop in der Elektronische Tanzmusik und dem Krautrock der 1970er Jahre sowie dem erneuerten Pop-Verständnis von New Wave und Post-Punk. Als Hochphase des Genres gelten die 1980er Jahre, deren musikalische Grundausrichtung auch oft mit dem Synthie-Pop gleichgesetzt wird.

Einführung und Geschichte

Ursprünge und Entstehung

Durch das Auftreten von günstig produzierter Musikelektronik Ende der 1970er Jahre wurden Instrumente wie Keyboard, Synthesizer und Drumcomputer auch für junge Musiker und Bands erschwinglich. Dadurch geriet die klassische Instrumentierung von elektrischer Gitarre, elektrischer Bassgitarre und Schlagzeug einer Rock- oder Popgruppe unter Beschuss, da sich mit den Synthesizern auch ganz neue Möglichkeiten der Klang- und Rhythmuserzeugung eröffneten, die ihre Inspiration aus der elektronischen Musik der 1960er und 1970er Jahre ziehen konnten. Neben den deutschen Pionieren Karlheinz Stockhausen, Kraftwerk und Tangerine Dream (die teilweise auch noch im Krautrock verwurzelt waren) gehörten dazu auch Künstler wie Jean-Michel Jarre, Brian Eno und der italienische Disco-Papst Giorgio Moroder oder keyboardlastige Progressive Rock-Giganten wie Emerson, Lake & Palmer oder das Electric Light Orchestra. Auf der anderen Seite hatten aber auch Punk und Post-Punk mit ihrer reduzierten Form der Rockmusik viele Musiker beeinflusst, so dass der ab etwa 1980 immer deutlicher auf den Plan tretende Synthie-Pop sich nicht in ausufernden Passagen verlor, sondern eine Verbindung aus Disco-verwandten Elektronikbeats und relativ einfachen New Wave-Songstrukturen einging. Auch die zu Beginn relativ düstere Grundstimmung der Songs verwies auf das Erbe von Post-Punk-Bands wie Joy Division. Die Entwicklung des Synthie-Pop unterscheidet sich dabei von den ebenfalls Elektronik-beeinflussten Stilrichtungen Industrial und Dark Wave durch seine entsprechend zugänglichere und Mainstream-tauglichere (eben "poppigere") Art.

Kommerzieller Erfolg in den 1980ern

Etwa ab 1977/1978 formierten sich die ersten wegweisenden Acts des Genres wie The Human League, Ultravox, Fad Gadget und The Normal (deren Daniel Miller mit Mute auch ein wichtiges Synthpop-Label zu verantworten hatte), die zwar noch keine größeren kommerziellen Erfolge feiern konnten, den Fortlauf der Synthie-Pop-Geschichte jedoch entscheidend beeinflussten. Gary Numan gelang mit der Hitsingle Cars und dem zugehörigen Album "The Pleasure Principle" 1979 einer der ersten Synthie-Pop-Hits, da das Album die Pole Position der UK-Charts erreichen konnte, Numan zum Star machte und vielen weiteren Acts des Genres die Tür zum Erfolg öffnete. Ab 1980 wurde Synthie-Pop vor allem in Großbritannien zum chartsbestimmenden Stil, als Bands wie Depeche Mode, Visage, Duran Duran und Soft Cell wie auch die Vorreiter Human League und Ultravox zahlreiche Top-Ten-Hits landeten. Im weiteren Verlauf der 1980er kamen kommerziell ebenfalls höchst erfolgreiche Acts wie die Pet Shop Boys, Erasure, a-ha, Frankie Goes to Hollywood oder Alphaville hinzu, wobei sich Look und Atmosphäre im Laufe der Zeit – zum Teil stark von den New Romantics beeinflusst – etwas farbenfroher und auch oberflächlicher als zu Pionierzeiten gestalteten. Seinen kommerziellen Höhe- bzw. inhaltlichen Tiefpunkt fand der Synthie-Pop dann in Modern Talking, die mit ihrer ganz eigenen Version von den (eigentlich dem Punkrock zugeschriebenen) immergleichen drei Akkorden Abermillionen von Platten verkauften, Dieter Bohlen infamerweise zum Star machten und bewiesen, dass sich auch nach 1945 noch Übles aus deutschen Landen ungehindert über die Welt ausbreiten konnte.

Niedergang und Revival

Gegen Ende der 1980er hatten sich viele Synthie-Pop-Bands der ersten und zweiten Stunde entweder aufgelöst oder konnten kommerziell wie künstlerisch nicht mehr viel bewegen. Einige wie Depeche Mode oder Ministry machten auch den Schritt zurück zu gitarrenorientierten Rock-Elementen, wie sie Grunge und Alternative Rock in den 1990er Jahren wieder populär machten. Erst mit dem Aufkommen von Electroclash oder generell dem Achtziger-Revival kam Synthie-Pop wieder zu neuen Ehren, wenn auch selten in seiner unverfälschten Form. Das Genre des so genannten Chillwave mit Bands wie Washed Out, Panda Bear oder Neon Indian beruft sich auf die Grundlagen des Synthpop und verarbeitet diese mit Elementen aus Lo-Fi, Shoegaze und Noiserock. Die Pionieracts werden jedoch nach wie vor als sehr einflussreich auf die moderne Popmusik angesehen, da sie die Verwendung elektronischer Elemente in den allgemeinen Pop-Kontext maßgeblich beförderten.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

Wichtige Alben:

Wichtige Songs

Vorläufer

Wichtige Labels