Stück (Musik)

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In der Alltags- und Musikersprache ist ein „Stück“ (Musikstück) ein musikalisches Ereignis, eine Komposition oder Aufnahme von Musik mit einer festen Länge und einem festen Verlauf. Es ist eher kurz als besonders lang (weder ein Sample noch eine Oper sind ein Stück) sowie zumeist ein- und nicht mehrteilig.[1] Der Begriff „Stück“ wird zuweilen auch verwendet, um aus größerer Distanz (zum Beispiel nebenbei) über ein solches Musikereignis zu sprechen. Die Unschärfe des Begriffs und die Unsicherheit, ob er insbesondere im schriftsprachlichen Bereich verwendet werden kann oder sogar darf, bedrängt oft benachbarte Begriffe, wie Song oder Lied, Werk bzw. Oeuvre, die dann zu Unrecht als Platzhalter fungieren. Diese Sprachunsicherheit kann auch in der gesprochenen Sprache zum Ausdruck kommen. Sprachsicherheit in diesem Bereich zu fordern, ist deshalb vonnöten, weil gerade diese Sprachunsicherheit viele Texte zur Musik, insbesondere der Populären Musik, unnötig verkompliziert.

Hintergrund

Von einem „Stück“ ist die Rede, wenn das Ereignis weder als Lied noch als sonstige musikalische Form erkannt wird oder werden soll. Daher eignet sich der Begriff auch als Oberbegriff für jede abgeschlossene musikalische Form, die diesen Kriterien entspricht. Mit der Frage im Konzert, ob ein bestimmtes Stück noch gespielt werde, wird die Idealvorstellung der Studioversion verbunden. Solche Erwartungshaltungen sind Musikern oft hochbewusst und haben unterschiedliche Folgen auf die Darbietungen. Der Begriff bezieht sich grundsätzlich mehr auf eine originale Vorlage und weniger deren Interpretation, damit ist er eher einem Genre verbunden als einem Stil (vgl. Artikel Genre und Stil). Spätestens mit der Elektronischen Musik kommt das Problem hinzu, dass Aufführungen auf Grundlage von "over-dubs, sequencing, sampling, and extensive digital editing and signal processing may be difficult to replicate live."[2] Angesprochen ist damit Jean Baudrillards Konzept des Hyperrealen. In der Folge wird nicht Musik als solche aufgeführt, sondern die Reproduktion einer bestehenden Aufnahme betrieben. Das betrifft besonders die Elektronische Musik, aber auch zum Teil die Computermusik, bei der es naheliegt, dass die Aufnahme einfach mitgebracht und weiterentwickelt oder variiert wird, was in der Elektronischen Musik nicht ohne Weiteres möglich ist. Slavoj Žižek bemerkt, dass der Hörer seit John Cages 4:33 von 1952 aufgefordert ist, Musik weniger linear, als als Gebilde ohne festen Anfang und festes Ende zu denken.

Weitere Verwendungen

Im gültigen Jargon der Musikwissenschaften (insbesondere der historischen Musikwissenschaft) wird der Begriff nur selten oder auch pejorativ verwendet. Im Bereich der Elektronischen Tanzmusik wird anstelle von „Stück“ oft Track gesagt. Damit entsteht eine erneute Unschärfe, weil der Begriff Track in der Fachsprache die Einzelspuren eines Mehrspur-Recorders oder einer entsprechenden Software bezeichnet.

Einzelnachweise

  1. Karlheinz Stockhausen: "What is form? In music? Well, usually we say, a musical piece lasts between – let's say in the entertainment music – two minutes or three minutes and a Mahler symphony which might last an hour and a half [...] there are a few operas which last longer ...", Karlheinz Stockhausen – Four criteria of electronic music (1972, 5, 1/3) [1] ab min. 17:56 bei Youtube
  2. Jochen Eisentraut – The Accessibility of Music: Participation, Reception, and Contact (2013) [2] Leseprobe bei google.books, S. 33

Weblinks

  • David Cecchetto – Music and Simulation (ohne Jahr) [3] Eine Idee zur Musik als Hypermusik in Anlehnung an die Rezeption von Hypertexten. Hier wird eine Gegenposition vertreten: "Remaining with Baudrillard: the ‘western art music’ performance is no longer that of a ‘piece of music’. Instead, the performance is hypermusic: the generation by musical techniques derived from music that is not musical.", bei davidcecchetto.net.

Links im Juli 2017.