Sniper

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Das Sniper oder Snipers war gegen Ende der 1990er Jahre eine Location in Art einer Bar in der Rosenthaler Straße in Berlin Mitte, Hackescher Markt. Geleitet wurde es von Heinrich Dubel (Rosa) und Safy Etiel (VJ Sniper). Entgegen manchen anderen Clubs, in denen zur Zeit der Baustelle Berlin, als Mitte eine Müll- und Mondlandschaft war, nur Mitglieder zugelassen waren, gab es eine Politik der offenen Tür. Zur Documenta X war ein originalgetreuer Nachbau des Sniper geplant, wurde jedoch im letzten Moment abgesagt.

Bar

Rainald Goetz sah in der „schrägen Techno-Kneipe“ die Zukunft des DJing.[1] Der Sound im Snipers war unprofessionell und laut, wer andere Musik wollte wurde mit Fingerzeig auf das Kassettendeck verwiesen (kaputt). In dem etwa 20 qm großen Schlauch, einer Garage im Hinterhof neben demjenigen, wo sich die galerie berlintokyo befand, gab es von Zeit zu Zeit auch Konzerte.[2] Geleitet wurde die Bar auf Art einer Selbstbedienungsumgebung mit allerlei Gerümpel und Schrott bis zur Decke gestapelt, damit passte der Club auch gut in die Gegend – der Hackesche Markt lag unter einer Staubschicht, die Häuser, Gehwege und Straßen waren meistenteils noch unsaniert.

„Im Innern raubt die mit süßlichem Qualm geschwängerte Luft dem Eintretenden den Atem. Ausgeschenkt werden nur Getränke aus den ehemaligen Kolonien europäischer Großmächte; in großen Bottichen köcheln Tee und Schnaps auf Heizplatten. Die zwischen Tresen und Trödel eingeklemmten Gäste brüllen gegen den Lärm an und verrenken sich die Hälse, um die Bilder auf der großen Leinwand und den Videomonitoren zu verfolgen. […] Sniper, Heckenschütze, heißt das verborgene Gesamtkunstwerk in der Nähe der Hackeschen Höfe, wo Safy Etiel, 37, mit den Fernbedienungen seiner Video und Audio-Anlagen schießt und nachts ein atemberaubendes Inferno manipulierter Töne und Bilder entfacht.“[3]

Siehe auch

Panasonic, Init, Elektro, Hirschbar, galerie berlintokyo, St. Kildas Trips Drill, Eimer, Friseur, Tresor, Roter Salon, Kommandantur, Berlinized - Sexy an Eis, Club Forschung, Suicide, Sexiland, Traktor, Hohe Tatra, Cafe Burger (beständig)

Einzelnachweise

  1. Andreas Busche – Der Hype, der niemals war [1] bei Heinrich Dubel
  2. Bild rechts: Jeans Team live im Sniper [2] aus Martin Eberle – galerie berlintokyo (2013) bei Drittel Books
  3. Silke Miller / Jens Ziehe – Szene Berlin: Planet Mitte [3] beim Art-Magazine

Weblinks

  • SNIPER Berlin. Permanentes AV-Labor (in Kooperation mit Safy Etiel, Berlin, 1996–2007; als Multimedia-Installation und soziale Skulptur in München, 1996; Budapest, 1997; Zürich, 2006) [4] mit Texten von Andreas Busche (Flyer-Magazin Berlin, 1997) und Ed Benndorf (Konkursbuch 35, Tübingen 2001) bei Heinrich Dubel
  • Nina Fischer & Maroan el Sani – Foto der Eingangssituation [5] 12 kleine Untergrund-Bars im Berlin der zweiten Hälfte der 1990er Jahre