Smells Like Teen Spirit

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Smells Like Teen Spirit ist der wohl bekannteste Song der US-amerikanischen Grungeband Nirvana. Er erschien im Herbst 1991 als erste Single ihres zweiten Albums und Major-Debüts "Nevermind" und gilt als Auslöser für den nachfolgenden globalen Hype um das Genre Grunge und Nirvanas Herkunftsstadt Seattle.

Zur Entstehung des Songs

Es gibt wohl kaum einen Song, der die Rockgeschichte der 1990er so nachhaltig geprägt hat wie Smells Like Teen Spirit von Nirvana. Geschrieben hatte ihn Sänger und Gitarrist Kurt Cobain erst wenige Wochen vor Beginn der Aufnahmen zum zweiten Album "Nevermind", das erstmals beim Majorlabel DGC erschien, als Hommage – oder in seinen Worten, als "ripoff" – seiner Idole von den Pixies, was sich vor allem in dem Laut-Leise-Laut-Kontrast zwischen Intro-Strophe-Refrain äußerte, wofür die Pixies bekannt waren. Grundlage des Songs war das Refrain-Riff von Cobain gewesen, das seine Mitstreiter Krist Novoselic (Bass) und Dave Grohl (Schlagzeug) jedoch erst nicht besonders überzeugt hatte (und gar von Cobain selbst als "Klischee-Boston-The Kingsmen-Riff" bezeichnet wurde), bis Novoselic die Idee hatte, das Riff zu verlangsamen. Daraus entstand dann die Strophenmelodie, während Grohl noch den prägnanten Beat hinzufügte. Als Ergebnis war Smells Like Teen Spirit der einzige Nirvana-Song, der alle drei Bandmitglieder als Autoren nannte. "Nevermind"-Produzent Butch Vig schlug bei den Aufnahmen zum Album noch einige kleinere Änderungen vor, so dass der Refrain etwas kürzer ausfiel, und das Stück wurde in drei Takes aufgenommen. Am 27. August 1991 wurde Smells Like Teen Spirit erstmals im Radio gespielt und zwei Wochen später als Single veröffentlicht. Zuvor hatte die Band den Song erstmals am 17. April 1991 im OK Hotel in Seattle live gespielt, was sowohl auf dem 2004 erschienenen Boxset "With the Lights Out" als auch in der Grunge-Dokumentation "Hype!" zu sehen ist.

Text, Titel und Bedeutung

Am Text des Songs mit seinen zahlreichen paradoxen Wendungen ("it's fun to lose and to pretend") und scheinbar sinnlosen Wortreihungen ("a mulatto, an albino, a mosquito, my libido") bis hin zum Titel wurden später zahlreiche Deutungsversuche unternommen, von denen die meisten sich auf folgenden Grundtenor einpendelten: Der Protagonist besingt die Konfusion seiner Situation und ist darüber verärgert, betrachtet das Ganze aber auch nicht unbedingt mit großer Ernsthaftigkeit. Anhand von Zeilen wie "here we are now, entertain us" wurde schließlich das Generation X-Etikett an Song, Album und Band angehängt, womit Nirvana und insbesondere Kurt Cobain selbst aber keineswegs einverstanden waren. Der anthemisch wirkende Songtitel schließlich ging schlicht auf ein damals unter Jugendlichen beliebtes Deodorant namens "Teen Spirit" zurück, das auch Cobains damalige Freundin, die Schlagzeugerin Tobi Vail von der Riot Grrrl-Band Bikini Kill, gerne benutzte. Als kleine Spitze gegen die Beziehung der beiden hatte Vails Bandfreundin Kathleen Hanna eines Tages an eine Zimmerwand die Worte "Kurt smells like Teen Spirit" gesprüht, was Cobain zunächst als große Ehre begriff, bis ihm – angeblich Wochen nach Veröffentlichung der Single – jemand sagte, dass es sich um ein Deo handelte.

Das Video

Zur Produktion eines begleitenden Videoclips wurde Regisseur Samuel Bayer angeheuert, der den Clip an den Ramones-Kultfilm "Rock'n'Roll High School" sowie das Jugenddrama "Over the Edge" anlehnen wollte. Als Setting wurde eine Highschool-Turnhalle gewählt, bei der die Band den Song spielte und dabei von einer Gruppe Cheerleader (mit Anarchiesymbol auf ihren Uniformen) sowie einer zunehmend aufgerührten Menge Jugendlicher auf einer Tribüne begleitet wurde. Die Szenen für den Clip mussten so oft gedreht werden, dass die "Zuschauer" schließlich so angespannt waren, dass sie zum Schluss die Tribüne auseinandernahmen und alles im Chaos endete. Die finale Einstellung des Clips zeigt Kurt Cobains Gesicht extrem nah an der Kamera, während er die letzten Worte "a denial" wiederholt und sein Gesicht zur Fratze verzieht, bis er seinen Mund plötzlich schließt. Das Video wurde sofort zu einem der meistgewünschten Clips auf MTV und wanderte schon kurz nach seiner Premiere auf der Alternative-Sendung "120 Minutes" in der Tages-Heavy-Rotation.

Der Erfolg

Ironischerweise war SLTS von der Plattenfirma gar nicht als "Crossover-Track" (also als potenzieller Mainstream-Hit) angesehen worden; diese Rolle hätte ursprünglich der zweiten Single Come As You Are zukommen sollen. Stattdessen aber entwickelte sich der Song zu einem völlig unvorhergesehenen Erfolg, der bis in die obersten Regionen der US-Singlescharts vorstieß und auch das Album enorm mit nach oben riss. Am Jahresende 1991 waren Nirvana und Smells Like Teen Spirit auf quasi jeder Radiostation im ganzen Land zu hören, und der Ansturm der Band aus Seattle gegen den etablierten Musikmainstream gipfelte darin, dass Anfang 1992 "Nevermind" das Album "Dangerous" des selbsterklärten "King of Pop" Michael Jackson von der Pole Position der Billboard-Albumcharts verdrängte. In der Nachfolge von Nirvanas phänomenalem Erfolg mit dem Stück, das bald als "Hymne einer ganzen Generation" bezeichnet wurde, wurden Nirvana, Grunge und Seattle quasi gleichbedeutend und Gruppen wie Pearl Jam (die 1991 ihr gleichfalls millionenfach verkauftes Debüt "Ten" veröffentlicht hatten), Soundgarden und Alice in Chains zu Superstars und schließlich die ganze Rockwelt von der Grunge-Manie erfasst.

Nirvana selbst verloren jedoch aufgrund des übermäßigen Erfolgs bald die Lust an dem Stück und spielten es nur widerwillig live. Über das deutlich weniger zugängliche dritte und letzte Nirvana-Album "In Utero" von 1993 sagte Kurt Cobain schließlich: "There are no 'Smells Like Teen Spirits' on 'In Utero'."

Coverversionen

Da Smells Like Teen Spirit ein so tiefgreifender musikalischer, kultureller und nicht zuletzt kommerzieller Wert zugesprochen wurde und wird, verwundert es nicht, dass das Stück seit seinem Erscheinen schon von allen möglichen und unmöglichen Acts einer Neuinterpretation unterzogen wurde. Zu Cobains Lebzeiten erschienen noch die Piano-Version der Singer-Songwriterin Tori Amos (die Cobain als "wundervolle Frühstücksversion" bezeichnete) sowie die Parodie Smells Like Nirvana von Pop-Verulker Weird Al Yankovic, welche Cobain gar als Ritterschlag für sich und seine Band wahrnahm. Nachdem Kurt Cobain sich 1994 das Leben genommen hatte, erschienen noch weitere Versionen des Songs, von den Queercore-Aktivisten Pansy Division über Patti Smith und die Analog-Synthesizer-Weirdos The Moog Cookbook bis hin zu einer Techno-Version von DJ Balloon und einer geswingten Variante von Altstar Paul Anka.