Slowcore

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Abgrenzung
Ursprünge: Folk, Postpunk, Experimental Rock, Indie Rock
Herkunft: vorwiegend USA
Zeitraum: Ende 1980er/Anfang 1990er, Hochzeit Mitte der 1990er, weiterhin aktive Bands
Anders als: Postrock, Shoegazing, LoFi, Alternative Country, Gothic

Einführung und Geschichte

Slowcore, häufig auch synonym als Sadcore bezeichnet, ist eine eher impressionistische Spielart des Indierock, die sich seit Ende der Achtziger bis Mitte der Neunzigerjahre vorwiegend in den USA entwickelte. Beide Bezeichnungen spiegeln den Charakter der Musik wider, bei der es sich gefühlsmäßig um langsame bzw. traurige Musik handelt. Teilweise wird der Inhalt der Texte zur Abgrenzung der beiden Begrifflichkeiten herangezogen (vgl. Genredefinition bei allmusic.com). Ähnlich wie beim Begriff Emocore erfolgt eine solche Zuordnung jedoch eher von außerhalb. So stammt die Bezeichnung einem Interview mit Alan Sparhawk von der Band Low zufolge zwar von einem Freund der Band, war aber eher als Witz gemeint. Eine eher spöttische Alternativbezeichnung lautet Snorecore.

Als Abgrenzung zu vermeintlich schwülstigen Entwicklungen in damals populären Rockgenres setzten Bands wie Low, Red House Painters oder Codeine auf ein Gerüst von eher reduzierten, oftmals düsteren und um sich selbst kreiselnden Melodielinien. Deren Arrangements boten reichlich Platz, damit sich Musik und Text entfalten konnten (vgl. Genredefinition bei real.com). Auch die immer weitere Verlangsamung der Musik war ein derart oft verwendetes Stilmittel (vgl. American Music Club: 'Slowcore' and More bei npr.org), das es letztlich zur etwas ungeliebten Namensgebung führte.

Langsames Tempo und musikalischer Minimalismus sind also die besonderen Kennzeichen dieser Stilrichtung (vgl. Artikel zu Low in der englischsprachigen Indiepedia). Mit Hilfe der spärlichen und oft eher leisen Arrangements zeichnen die Songs ein eher melancholisches oder gar depressives Stimmungsbild, was dazu führt, dass manche Zuhörer den Eindruck von träger, jammeriger Musik bekommen. Anhänger des Genres hingegen hören eine spannungsreiche Wechselwirkung zwischen den einzelnen Elementen, die sich teilweise auch in vergleichsweise lauten Ausbrüchen entlädt. Häufig werden elektrisch verstärkte Instrumente eingesetzt. Mit Hilfe diverser Effekte insbesondere auf den Gitarren soll der Eindruck von atmenden Flächen erweckt werden. Bei rein akustischer Instrumentierung vermitteln Slowcore-Songs mitunter eine Nähe zum Folk, was dazu führt, dass man einige Bands dieser Spielart auch z.B. dem Alternative Country zurechnet. Auch zu Genres wie Post-Rock, Shoegaze, Dream Pop oder Lo-Fi gab und gibt es mitunter große Schnittmengen, was eine genaue Einordnung teilweise erschwert.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Alben: Zu den bekanntesten und prägendsten Slowcore-Alben zählen Songs for a Blue Guitar von den Red House Painters, Secret Name von Low, The White Birch von Codeine oder Year After Year von Idaho sowie das Soloalbum von Mark Hollis, dem ehemaligen Sänger von Talk Talk.

Wichtige Bands: Zuletzt wurde diese Spielart vor allem durch die Alben von Savoy Grand vorangebracht, insbesondere durch Burn The Furniture von 2002. Laut gaesteliste.de gelten Savoy Grand "als momentan konsequenteste und typischste Vertreter des Slowcore". Weitere bekannte Vertreter dieses Genres sind Sophia, Dakota Suite, Galaxie 500, The American Analog Set, Bedhead, Songs:Ohia, Cowboy Junkies, Mazzy Star, Come oder Chokebore (vgl. auch Thread "Beste Slow-/Sadcore Band?" im Forum von plattentests.de). Auch einige Songs von Solokünstlern wie Bill Callahan, Cat Power, Lisa Germano, Scout Niblett, Iron & Wine oder Will Oldham können dem Slowcore zugerechnet werden.

Vorläufer

Die Musik dieses Genres entwickelte sich aus mehreren Einflüssen: Es gibt erkennbare Bezüge auf die späten Alben der Band Talk Talk sowie auf The Velvet Underground oder Brian Eno. Es gibt auch Parallelen zur Musik von Spacemen 3, Nick Drake und Slint (vgl. Jeff Penczak, Snorecore- an appreciation, in: Perfect Sound Forever, August 1998).

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