Shreds

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Shreds (Fetzen) sind seit etwa 2007 zunehmend auf Youtube zu finden, erfreuen sich als sogenannte Youtube-Shreds seit Ende 2008 großer Beliebtheit und bezeichnen ein Genre, das sich mit Persiflagen, Parodien, Spoofs und Mockumentaries befasst. Shreds sind in den meisten Fällen zwischen einer und drei Minuten lang und referieren ausdrücklich und ausnahmslos auf den Amateurmusik-Bereich. Als früher Vorläufer von Shreds kann die US-Punkband Culturcide gesehen werden. Ciccone Youth haben ebenfalls Vorarbeit geleistet.

Hintergrund

Shreds gehören zu den sogenannten Memen, das heißt, es handelt sich um ein Internetphänomen. Als Urheber wird Benutzer StSanders (Santeri Ojala) aus Finnland vermutet, der 2007 die originale Audiospur eines Musikvideos mit eigenem Material überspielte.[1] Bei einem Musikvideoshred werden die musikrelevanten Bewegungen von Bands mit eigenen, gewöhnlich absichtlich dilettantischen, Ergebnissen synchronisiert und auf diese Weise parodiert. Der Name Shreds ist von der Gitarrentechnik des Shreddings abgeleitet, die zu den zentralen Zielobjekten einer Synchronisation gehört:

"The two foundational elements of making a “shred” video is based on how well an electric guitarist “shreds” on the guitar they are using during the performance and on the vocal style/ability of the vocalists involved. [...] Basically, the more a guitarist “shreds” or the more unique and/or incoherent the vocalists are, the more lulz a video potentially has."[2]

Musik

Zum Teil erinnern Shreds an Karaoke-Veranstaltungen. Transportiert werden sie hauptsächlich über die, der Originalmusik zugrundeliegenden, Gesten. Dilettantismus und Übertreibung spielen eine besondere Rolle, die Absicht ist grundsätzlich humoristisch, oft verbergen sich hinter dem zur Schau gestellten Dilettantismus auch virtuose Fertigkeiten. Nur wenige Shreds sind jedoch technisch ausgereift.

< – Dire Straits? – Sultans of Shred – > Original [2]

<– Jake E. Lee? – Shreds, besser als das Original?

Shreds gelten als Negationsmusik[3], der besondere Witz entfaltet sich oft in geringerem Maße, wenn das Original nicht bekannt ist. Spezifikum ist, dass die synchronisierten Instrumente grundsätzlich zentral im Bild und, was den Ton betrifft, normalerweise freigestellt (ohne Beigabe eigener Basismusik) erscheinen. Auf diese Weise entsteht der Eindruck einer Leere, die zum Teil als beabsichtigte Zielvorstellung nicht weiter aufgefüllt wird:

"In other words, if an instrument is not shown in the current frame, it is typically not heard, as if it does not exist outside of the visual context of the viewer. This element creates an awkwardness with the performance, making the video seem empty or lacking substance, which is the general idea. If you couple this element with the abruptness of having a random drum solo occur in certain parts of the video (when the drums and drummer are shown in the videos), then you have a completely different but amusing experience that deviates from what the musical artists originally intended, resulting in an unexpected lulzy moment."[4]

Da die eingesetzte Musik sehr unterschiedliche Ausprägungen erfährt, sind Shreds auch im höchsten Maße geschmacksabhängig. Allerdings ist es nicht allzu einfach, den Shreds stilistische Eigenheiten der jeweiligen „kreativen Epigonen“ zuzuordnen.[5] Ursache ist die Orientierung an den Visuals. Soli und freigestellte Einzelperformances sind zentral, weshalb im Bild hauptsächlich Soloperformances vorfindbar sind. Synchronisiert werden vor allem die Bewegungen und Gesten der Originalmusiker, weniger Skalen, Motive oder Rhythmen. Damit dekonstruieren Shreds eher Stile als Genres. Ein wiederkehrendes Element ist spärlicher Pubikumsbeifall und isoliertes rhythmisches Klatschen in einem Raum ohne Hall über den Originalatmosphären. Die Atmosphären eines Livekonzerts werden durch solche und ähnliche Bearbeitungen in einen kleineren oder privaten Rahmen gezogen, wodurch sich ein Kontrast zur tatsächlichen Wirkung von Superstars ergibt.

Einzelnachweise

  1. Brave Sir Robin – X-Shreds (2011) [1] bei knowyourmeme.com
  2. ebd.
  3. Negationsmusik ist ein etwas neuerer Begriff für die betreffenden Phänomene, der bisher nicht allzu oft anzutreffen ist und bezieht sich auf die Negation musikalischer Elemente.
  4. ebd., Brave Sir Robin
  5. Der Begriff „kreative Epigonen“ von Rüdiger Becker – Circusmusik in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. (2008)

Weblinks

Allgemein

  • Google Search Trends – Interest over time [3] die Anfänge bei Google Search Trends
  • Eintrag Shred [4] beim Urban Dictionary

Beispiele

Links im Mai 2017.