Rock'n'Roll

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Abgrenzung
Ursprünge: Blues, Rhythm and Blues, Country
Herkunft: USA
Zeitraum: ca. 1953-1959
Anders als: Rock, Pop


Jenny dachte als sie grad 5 war:
Was soll ich bloß machen, was soll ich bloß tun?
Jedesmal wenn sie ein Radio anmachte,
lief da absolut nichts – absolut nicht.


Eines schönen Morgens hat sie dann einen New Yorker Sender reingedreht,
ja? Und konnte es total nicht fassen, was sie hörte.
Sie fing an, zu dieser superduper Musik zu tanzen,
wisst ihr, ihr Leben wurde durch den Rock'n'Roll gerettet.

Lou Reed, Velvet UndergroundRock'n'Roll

Rock and Roll (zu deutsch "schaukeln und rollen") bezeichnet einerseits diverse Spielarten einer Musikrichtung, die in den frühen 1950er Jahren in unterschiedlichen Regionen der USA aus der Vermischung von schwarzen (Blues, Rhythm and Blues) und weißen (Country) Musikströmungen entstand. Andererseits steht der Begriff des Rock'n'Roll für ein auf Unangepasstheit, eigenständiges Musikmachen und – zumindest im Geiste – Jugendlichkeit basierendes weltanschauliches Grundverständnis. Insofern ist stets auch das Rock'n'Roll, was provoziert und eine dem Mainstream konträre Geisteshaltung vermittelt.

Einführung und Geschichte

Ursprünge und Variationen

Der Begriff des "rock and roll" wurde erstmals vom US-amerikanischen Radio-DJ Alan Freed im Jahre 1951 populär gemacht, als er die Phrase als Kennzeichen seiner Radiosendung verwendete. Umgangssprachlich war die Wortpaarung ein Synonym für Geschlechtsverkehr, was bereits die gesellschaftliche Kontroverse um den Musikstil vorwegnahm. Grundsätzlich entwickelten sich in den frühen 1950er Jahren in den USA regional unterschiedliche Mischformen aus schwarzer und weißer Musik, die später unter dem Sammelbegriff des Rock'n'Roll zusammengefasst wurden. Die drei wichtigsten Spielarten werden hier im Folgenden vorgestellt:

  • Der Northern Band Style wurde insbesondere durch den Pionier des Gesamtgenres, Bill Haley und seine Comets, populär gemacht. Dabei handelte es sich um eine – wie der Name schon sagt – den nördlichen Regionen der USA entstammende, auf Trio- oder Quartettformation gebrachte Variation des Big Band-Sounds der Dreißiger und Vierziger Jahre, die mit elektrischer Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug und Blasinstrumenten gespielt wurde. Bill Haleys größter Hit, Rock Around the Clock von 1954, ist ein gutes Beispiel für den Northern Band Style.
  • Rockabilly ist demgegenüber eher im Süden der Vereinigten Staaten mit dem Zentrum der Sun-Studios in Tennessee zu verorten und wurde ebenfalls ab etwa 1954 durch die ersten Aufnahmen von Elvis Presley populär. Im Gegensatz zu seinem nördlichen Pendant kommen beim Rockabilly kaum Bläser vor, dafür aber verstärkt Elemente aus verschiedenen Spielarten der Countrymusik. Einige der größten Namen des Rock'n'Roll entstammen diesem Subgenre, unter ihnen Buddy Holly, Carl Perkins und Gene Vincent, aber auch der frühe Johnny Cash.
  • Der New Orleans Sound stammte ebenfalls seinem Namen entsprechend aus dem tiefen Süden der USA und war durch eine primär von schwarzen Künstlern gespielte Form des Rhythm and Blues mit oftmals dominantem Piano-Einsatz gekennzeichnet. Fats Domino und Little Richard sind wohl die bekanntesten Vertreter dieser Musikrichtung, doch auch weiße Künstler wie Jerry Lee Lewis können in diese Sparte eingeordnet werden.

Andere Unterarten des Rock'n'Roll waren der an meist vierstimmigen Gesangsharmonien orientierte Doo Wop, der instrumentale Rock'n'Roll von u.a. Duane Eddy, Johnny and the Hurricanes und The Ventures sowie der so genannte "Car Sound" von Chuck Berry und Bo Diddley, welcher mit seinem verzerrten Gitarrensound wegbereitend für die Rockmusik der Sechziger Jahre werden sollte.

Aufstieg, Krise und Niedergang

Nachdem der Rock'n'Roll also ab 1952/54 zu einer enormen Popularität unter US-amerikanischen Jugendlichen gelangt war, währte seine künstlerische und kommerzielle Hochphase bis etwa 1958, als ein von konservativen Medien und Organisationen ausgehender Backlash die Bewegung zu treffen begann. Verwicklungen des Rock'n'Roll-Musikbusiness zum organisierten Verbrechen wurden enthüllt, und durch die zunehmende Verbreitung von Drogen innerhalb der Szene geriet die gesamte Musikrichtung ins Zwielicht. Hinzu kam eine zunehmende Kommerzialisierung der Musik, welche bereits den rebellischen Gestus der frühen Acts vermissen ließ. Nach verschiedenen Vorzeichen des Rückzuges – etwa Elvis Presleys Wechsel zur US-Armee, wonach er fortan nur noch brave Balladen sang, oder die öffentliche Abschwörung Little Richards vom Übel des Rock'n'Roll (nebst anschließendem Theologiestudium) – geschah am 3. Februar 1959 dann die Katastrophe, welche später von Don McLean als "the day the music died" besungen werden sollte: Der Sänger und Gitarrist Buddy Holly, die Latino-Rock-Hoffnung Ritchie Valens (La Bamba) sowie der seinerzeit berühmte Rock'n'Roll-DJ Big Bopper starben alle bei einem Flugzeugabsturz in Arizona. Der Rock'n'Roll war auf diese Weise zum Ende des Jahrzehnts, das mit seinem Siegeszug begonnen hatte, dreier seiner wichtigsten Köpfe beraubt. Zwar lebten einzelne Genre-Spielarten wie der Surf-Rock oder der Garage Rock noch weiter fort, doch blieb ihr Einfluss auf ihre jeweiligen Szenen beschränkt. Die Aufgabe der aufregenden, jugendlichen Musik übernahmen ab den frühen 1960er Jahren dann die Beat-Bands in England, die wiederum in der "British Invasion" ab 1964 die Energie des Rock'n'Roll in sein Mutterland zurückbringen sollten.

Revivals und moderne Spielarten

Der Rock'n'Roll hat seitdem einige Revivals erlebt, von denen das erste in die frühen 1970er Jahre fällt, als sich Acts wie Shakin' Stevens & the Sunsets, Matchbox oder die extrem erfolg- und einflussreichen Stray Cats sowohl in den USA als auch in Großbritannien zusammenfanden, um den alten Rockabilly-Sound wieder aufleben zu lassen. Hinzu kam in den 1980ern das vom Punk beeinflusste Genre des Psychobilly mit Bands wie den Cramps, Meteors oder Reverend Horton Heat. In Deutschland formierten sich unter anderem die Rockabilly Mafia in Hamburg sowie Mad Sin in Berlin nebst einer großen Anzahl weiterer Neo-Rockabilly- und Psychobilly-Bands.

Heute steht der klassische Rock'n'Roll sowohl in seiner puristischen wie in seiner modifizierten Revival-Form als eine der vielen Spielarten der Rockmusik da und beeinflusst nach wie vor die Jugendkultur. Zu den Klassikern wird aufgrund von deren zeitloser Energie immer noch gerne getanzt, und mit der Stil-Bewegung des Rockabilly – mit Schmalztolle und Entenfrisur, Lederjacke und engen Jeans bei den Jungs, Petticoat, Pferdeschwanz und Kirschmotiv-Accessoires bei den Mädels – wird immer noch mit Begeisterung den alten Helden nachgeeifert.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

Wichtige Songs

Vorläufer

Wichtige Labels

Weblinks

  • Alex Chadwick – 100 Riffs (A Brief History of Rock N' Roll) [1] bei Youtube