Referentialität

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Referentialität oder Referenzialität leitet sich vom lateinischen referre (zurücktragen oder zurückbringen mit dem impliziten Sinn von in die Gegenwart bringen, vergegenwärtigen oder berichten) ab und bezeichnet in der Musik im engeren Sinne die Bezugnahme durch akustische Ereignisse auf weitere akustische oder im weiteren auch nicht-akustische Ereignisse, die per Definition nicht der eigenen Einflussnahme unterliegen (3rd-Party-Elemente oder Vorgefertigte Musik). Referenzen gibt es auch intramusikalisch, dort werden sie als Relationen oder Beziehungen verhandelt. Referentialität bezeichnet die Tatsache, dass in einem Text Referenzen beabsichtigt, enthalten oder vorfindbar sind und die Art und Weise, wie sie gehandhabt werden. Oft werden Bezugnahmen auch als Hommage besetzt, in diesem Fall hat sich der gleiche Sprachgebrauch durchgesetzt, wohingegen der Ausdruck Reverenz weitgehend an Bedeutung verloren hat. Referentiell auf unterschiedliche Art und Weise ist die meiste Musik heutzutage.

Dieser Artikel ist ein Entwurf, der bis zur Löschung dieses Satzes noch bearbeitet wird. Das betrifft auch nicht nachgewiesene Zitate.

Referentialität und Non-Referentialität

Referentialität in der Populären Musik

Verwendung findet der Begriff der Referentialität vor allem in den Sprachwissenschaften. Hier wird, vereinfacht ausgedrückt, darunter die Beziehung zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem verstanden (de Saussure). Meist handelt es sich dabei um einen konkreten Bezug zwischen sprachlichen und außersprachlichen Einheiten. Eine mögliche Referenz wäre etwa der Name "Franz Kafka" für den Autor der Werke "Der Prozess" oder "Das Schloss". Der Mensch Franz Kafka ist außersprachlich, seine Benennung ist aber ein sprachlicher Akt. In de Saussures Beispiel handelt es sich um den (arbiträren) Namen Baum (nicht zufällig arbre[1]) und das von ihm Bezeichnete. Auch in anderen wissenschaftlichen Disziplinen wird der Begriff der Referentialität verwendet, und zwar dann, wenn es darum geht, zu untersuchen, inwiefern oder auf welche Weise Bezug auf bestimmte Ideen oder Fakten genommen wird. Somit lässt sich der Begriff in nahezu jedem akademischen Kontext verwenden. Allerdings sollte sich der Anwender darüber im Klaren sein, dass nicht jeder seiner Zuhörer etwas damit anfangen kann. Bezüglichkeit http://www.helpster.de/referentialitaet-bedeutung_211638

klassifikatorisch, denotativ (Christian Kaden) Musiksemiotik

Intertextualität

Generationen, Generierung, Wie ist das Verhältnis von Jazzern zu ihren Pionieren und wie das Verhältnis von Punks zum Beispiel.

DJ-Wesen

Referenzen sind zunächst Angelegenheit der Musiksemiotik, es stellt sich allerdings zunehmend die Frage: Was, wenn die spezifische Referenz nicht erfolgt, sondern ein Platzhalter eingesetzt oder einfach nur ein bestimmter Parameter vorgegeben ist. Bei DJ-Sets könnte das zum Beispiel das Tempo betreffen. Sind keine stilistischen Vorgaben zu berücksichtigen, dann könnte Referenz also auch als Angelegenheit der Satzlehre im Sinne kompositorischer Repräsentation verstanden werden. Im äußersten Fall: Gleich, was eingebracht wird, Hauptsache das Tempo stimmt. Genau das ist aber oft auch der Fall, die Reduktion auf einen oder wenige bestimmende Parameter. Je mehr Parameter aber berücksichtigt werden, desto näher kommt eine Referenz dem Musem oder der eigentlichen Gestalt des musikalischen Textes, in den sie integriert wird. Es wird auf diese Weise ein dynamisches Spannungsfeld eröffnet.

Referentialität in der Neuen Musik

Intertextuell, ikonische Zeichen, Semiologie, Museme, Begriffslosigkeit der Musik,

Uni Bayreuth: „Ohne ein zusätzliches System, welches konventionell und referentiell eindeutig semiotisch erfassbar ist (wie eben die Sprache), drückt – so zumindest Jeuland-Meynaud – Musik stets nur sich selbst aus: »La musique n’exprime qu’elle-même.«“[2] Referentielle Eindeutigkeit gibt es indes nicht. Ebensowenig Beliebigkeit dessen, was sie ausdrückt. Die Bezugnahme auf ein weiteres zum Beispiel schriftsprachliches System, ermöglicht eine höhere ikonographische Eindeutigkeit. Dies, ohne dass Musik ausschließlich anhand von Methoden der Linguistik, Syntax, Semantik, Pragmatik, analysiert werde. Referentielle Genauigkeit (Eco) »Die 'Absolutisten' vertreten die Ansicht, daß die Bedeutung von Musik rein innermusikalisch ist. Diese nicht-referentielle Bedeutung von Musik kann nun einerseits in den musikalischen Formen und Strukturen selbst liegen (Formalisten), andererseits können durch eben diese Formen im Hörer auch Gefühle und Emotionen nicht-referentieller Natur ausgelöst werden, eine Ansicht, die auch von bestimmten Richtungen der Ausdrucksästhetik vertreten wird. Die Referentialisten hingegen sehen, ähnlich wie ein Teil der Ausdrucksästhetiker, die Bedeutung von Musik an einen außermusikalischen Inhalt gebunden.«

Differenz bei der Vermittlung, was Bedeutungen betrifft.

»Die Musik ist im Gegensatz zur Sprache nur eingeschränkt bedeutungsfähig und bedarf aufgrund ihres Uneindeutigkeitscharakters des klärenden oder hinweisenden Wortes (oder der Konvention), um eine klar perzipierbare semantische Qualität für den Hörer zu bekommen.«1635 Referentielle Genauigkeit könne aber graduell differenzieren, weshalb eine oszillierende Dominanz zu unterstellen wäre […]

Einzelreferenzen vs. Systemreferenzen. ______

„Im musikpolyglotten Amerika ist die Bezugnahme auf alle möglichen Stile, Traditionen und Vorväter selbstverständlich. Allerdings gibt es in der Qualität und im Geschmack deutliche Unterschiede vom Epigonentum bis hin zum raffinierten Weiterdenken bestehender Stile und Traditionen.“[3]

Das Gegenteil von Referentialität ist Non-Referentialität, die nicht nur in der Neuen Musik eine hervorragende Rolle spielt. Non-Referentialität ist ein gewichtiger Faktor in der Seriellen Musik, das Musikwerk soll in sich kohärent und logisch erscheinen. In der Neuen Musik ist Referentialität mit der Postseriellen Musik möglich geworden, nachdem die Serielle durch allzu restriktive Anforderungen und Mangel an Grundmaterial überwunden werden sollte. Das geschah durch Komponisten wie Luciano Berio und …

Bielefeldt – Referenzstruktur: „In der Musik nämlich stellen binäre Referenzstrukturen seltene Ausnahmen dar (z.B. ikonische Chiffren wie Militärrhythmen, Signaltöne oder onomatopoietische Verfahren). Zwar erlaubt die Musik durchaus imaginäre Objektbeziehungen. Sofern aus dem Strom der Musik bestimmte Elemente als zusammengehörige Struktur herausragen, stabile melodisch-rhythmische Gestalten, die sich als Entitäten innerhalb der musikalischen Faktur präsentieren und markant vom umgebenden Klanggeschehen abheben, entspricht Musik der wichtigsten Definition des imaginären Bilds. Vergleichbar dem Spiegelbild, wird ein Musikstück an eben diesen Gestalten wiedererkannt. Leikert nennt hier besonders die Melodie als die Außenlinie oder Oberfläche der Musik; das wäre m.E. zu erweitern auf bestimmte rhythmische Muster, Formtypen (z.B. Verse-Chorus) oder auch Satzfakturen wie Choral und Fuge, und in letzter Konsequenz vielleicht auf die Intelligibilität der musikalischen Struktur, die Konstruktivität der Musik insgesamt.

Die Unterscheidung zwischen Selbst- und Objektrepräsentation bleibt prekär; das charakterisiert die Referentialität der Musik. Musik medialisiert so gewissermaßen in einer Entdifferenzierungs- und Verschmelzungserfahrung. Ich-Überschreitung und das Aufgehen im Anderen – hier führt eine Spur zu ihrer Bedeutung für spirituelle Rituale und Ekstasetechniken, sowie deren Kehrseite, die Massensuggestion. Für Henze geht dieser Erfahrung einer vibrierenden Referentialität allerdings das (imaginäre) Stadium der Konstruktion voraus.

„Idiotisch“ nämlich nennt Lacan das Genießen, weil es sich an einen absolut selbstreferentiellen Signifikanten bindet, an eine ziellose Verweisstruktur ohne Signifikat, die Subjektrepräsentanzen ohne jede Abgrenzung zum Nicht-Ich hervorbringt.

Referenzrichtungen, Funktionen

Als Referenzrichtungen können ausgemacht werden:

  • Sprachliche Konkretisierungen (durch Sprachsamples).
  • Objektreferenzen (Mond, Natur, Leute usw., zum Beispiel: Peter und der Wolf, Sergei Prokofiew oder Gustav Mahlers Lied von der Erde, in der Populären Musik Underground Resistance)
  • Konventionelle Referenzen (Gesellschaftskritik, konzeptuelle Ausdifferenzierung oder Assoziation)
  • 3rd-Party-Referenzen (stil- oder genreeigen, stil- oder genrefremd)
  • Intramusikalische Referenzen (Werkreferenzen, Relationen)

Internet

Computermusik, Patches, Copy & Paste

Historische Referentialität steht der Selbstreferentialität (Autopoiesis) gegenüber.

„Denotation erscheint […] als das Herzstück der Referentialität.“[4]

Musikbeispiele radikal referentieller Musik

Einzelnachweise

  1. Artikel Arbitrarität [1] bei der de.wiki
  2. [2] bei der Uni Bayreuth, S. 134
  3. Alexander Keuk – Abenteuerliches Amerika – Musik von Kernis, Schoenfield und Crumb in der Musikhochschule (2009) [3] Rezension bei Musik in Dresden
  4. Stefan Berg – Spielwerk: Orientierungshermeneutische Studien zum Verhältnis von Musik und Religion (2011) [4] S. 27 der Leseprobe bei Google.books, zitiert wird Christian Kaden