Rhythm and Blues

Aus indiepedia.de
(Weitergeleitet von R&B)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abgrenzung
Ursprünge: Blues, Jazz
Herkunft: USA
Zeitraum: seit den 1940er Jahren, moderner R'n'B seit den 1980er Jahren
Anders als: Soul, Funk, Disco

Rhythm and Blues bezeichnete zunächst als Oberbegriff das musikalische Stilspektrum, das sich etwa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus den schwarzen Traditionen des Blues und des Jazz entwickelte, teilweise auch schlicht jegliche populäre Musik „von Schwarzen für Schwarze“. Der heutige R'n'B inkorporiert seit den 1980er Jahren auch Einflüsse aus Soul, Funk und HipHop und kann fast schon synonym mit aktueller US-Hitparadenmusik verwendet werden.

Einführung und Geschichte

Der klassische Rhythm and Blues (1940er bis 1960er Jahre)

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg begannen sich die beiden großen Arme weltlicher schwarzer US-amerikanischer Musik, nämlich Jazz und Blues, weiter auszudifferenzieren. Nach wie vor galt auch auf dem US-Musikmarkt die Rassentrennung weißer Populärmusik und schwarzer "race music", die von schwarzen Künstlern für ein schwarzes Publikum gespielt wurde. Allerdings zeichnete sich in den Zentren Chicago, Detroit, Los Angeles und New York eine stilistische Neuorientierung des zuvor von Swing und Boogie Woogie geprägten Blues ab, indem ein rauherer, auch sinnlicherer Sound mit teilweise auch recht anzüglichen Texten Einzug hielt, der zudem von neuartigen Instrumenten wie der elektrischen Gitarre geprägt war. Diese Form wurde teilweise als Jump Blues bezeichnet, bis 1948 der Musikmarkt-Branchenführer Billboard die Rhythm and Blues-Charts einführte, womit auch ein Name für das neue „Genre“ gefunden war, das aber eigentlich ein Sammelbegriff für alle Veröffentlichungen schwarzer Musiker war, der Spirituals oder Gospel-Hymnen nicht umfasste.

In den 1950er Jahren wurden daher sowohl Songs aus den Subgenres Rock'n'Roll, Soul oder Doo-Wop wie auch (andere) Mischformen aus Blues und Jazz unter Rhythm and Blues subsumiert. Bekannte Performer aus dieser Zeit waren Johnny Otis, Ruth Brown, The Chords und The Orioles; gleichwohl wurden auch Rock'n'Roll-Helden wie Little Richard, Fats Domino, Bo Diddley und Chuck Berry als R'n'B-Künstler bezeichnet. Einen Wendepunkt erfuhr der Rhythm and Blues, als 1957 mit Elvis Presley erstmals ein weißer Musiker die Spitze der R'n'B-Charts anführte. Mit dem Niedergang des Rock'n'Roll wurde in den 1960ern das Genre des Soul mit den Erfolgslabels Motown und Stax sowie Künstlern wie Sam Cooke, Otis Redding und Wilson Pickett zur bestimmenden Kraft im Rhythm and Blues. Doch während das Meta-Genre sich in den USA nun immer mehr in Subgenres verzweigte, griffen Anfang der Sechziger britische Bands wie die Rolling Stones, The Who, The Yardbirds oder The Kinks den frühen, roheren und noch stark blueslastigen R'n'B der späten 1940er und frühen 1950er auf, um ihn mit anderen Stilarten zu vermischen und – im Zuge der zweiten Welle der "British Invasion" Mitte der Sechziger – ihn wieder zurück in sein Ursprungsland Amerika zu tragen.

Der moderne R'n'B (seit den 1980er Jahren)

Nachdem in den 1970er Jahren Funk und Disco zu den beliebtesten und einflussreichsten Formen afroamerikanischer Musik geworden waren, entstand mit dem Beginn der 1980er eine neue Form von Rhythm and Blues, die nun endgültig den Brückenschlag zum Pop-Mainstream vollzog und mit Whitney Houston, Mariah Carey und der zu neuer Popularität gelangten Tina Turner sowie vor allem Michael Jackson oder seiner Schwester Janet Jackson eine neue Generation von Pop-Megasellern hervorbrachte. Stilistisch bezog diese von nun an fast nur noch unter der Abkürzung "R'n'B" oder auch "contemporary R'n'B" bzw. "urban contemporary" bekannte Stilrichtung Einflüsse aus Soul, Funk und Disco ein, wozu in den späteren Achtzigern auch HipHop als wichtiger Bestandteil hinzukam. (Als Subgenres zwischen Hip Hop und R'n'B wurden auch der maßgeblich von Blackstreet-Produzent Teddy Riley geprägte New Jack Swing oder der auf Sean Combs zurückgehende Hip Hop-Soul erfolgreich.) In den 1990ern regierten R'n'B-Acts wie TLC, Boyz II Men, R Kelly oder besagtes Hochton-Doppel Carey/Houston die Pop-Charts und Musikfernseh-Frequenzen weiterhin scheinbar nach Belieben mit ihren hochprofessionell produzierten und mit perfekten Gesangsperformances ausgestatteten Hits, während die schnöde Rockwelt durch Grunge und Alternative Rock umgekrempelt wurde. Einen Retro-Vibe in den R'n'B-Kosmos brachte Ende der Neunziger der Neo-Soul von D'Angelo, Erykah Badu und Lauryn Hill, während Acts wie Destiny's Child (später mit Beyoncé als Solostar), Usher oder Rihanna einen noch mehr am Hip Hop orientierten "bump'n'grind"-Beat mit – wieder mal – sexuell aufgeladenen Texten kombinierten. Damit ist auch der R'n'B im neuen Jahrtausend beschrieben, der auf der Grenze zwischen HipHop, Soul und Funk navigiert und kommerziell weiterhin höchst erfolgreich ist.

Vorläufer

Referenzkasten

  • Ausgerechnet Schlager-Legende Roy Black (der insgeheim viel lieber Rock'n'Roll-Sänger geworden wäre) sang im Titel Rhythm and Blues: Rhythm and blues, rhythm and blues, heute bin ich dran, morgen bist du's.