Punk in der DDR

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Wenn man Deutschpunk sagt, meint man fast immer der Punk der BRD und selten bis nie den Punk in der DDR. Dies liegt vor allem auch daran, dass es für den Ostpunk keine Überlieferung in Form von Backkatalogen der Bands gibt, da Ostpunkbands selten bis nie die Möglichkeit hatten, ihre Musik aufzunehmen oder gar zu vertreiben. Im Gegenteil war das Punkdasein in der DDR vor allem geprägt durch die Repression der Staatssicherheit und von Angst um die eigene Freiheit.

Geschichte

Als sich Punk 1977 breit machte und die Medien das Phänomen aufgriffen, rieselte davon auch etwas durch den Eisernen Vorhang, durch Bravos, die auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden, durch das Westfernsehen oder durch propagandistische Artikel von SED-Gazetten, die dem Punk einen zerstörerischen Nihilismus attestierten, ihnen Morde vorwurfen, oder aber Punk als Revolution begriffen, die nicht funktionieren könne, weil sie nicht auf der Ideologie der SED fußte. Da dieses Verhalten aber natürlich erst recht neugierig machte, gab es auch im Arbeiter- und Bauernstaat DDR ab 1978 vereinzelte Punks, vor allem in Ostberlin, Leipzig und Halle. Die Reaktionen des Bürgertums auf diese Exoten in Mode und Auftreten waren vergleichbar mit denen überall auf der Welt und teilweise auch beabsichtigt. Punks irritierten und es schlug ihnen die übliche Ablehnung entgegen. Selbst die Oppositionellen in der DDR lehnten die Punks ab, weil sie nicht in ihr vom Hippietum und der Blueserszene geprägtes Weltbild passten. Die ersten Bands dieses Ostpunks waren Koks, Skunks, Rosa Extra, Wutanfall, Planlos und Schleimkeim. Personell und ideologisch gab es auch Überschneidungen zwischen der DDR-Punkszene und den so genannten „anderen Bands“ wie Herbst in Peking oder Sandow, die sich ebenfalls als Dissidenten gegen den ostdeutschen Staat verstanden.

Ab 1983 wurden die Punks als ein Problem für die Staatssicherheit aufgefasst, die im Fogenden hart gegen Punks vorging, durch Arbeitszwang, „Berlinverbot“, Einziehung in die NVA oder sogar Gefängnisstrafen. Vor allem aber versuchte man die Punkerszene mit „IMs“ (Informellen Mitarbeitern) zu infiltrieren bzw. Punks dazu zu bewegen, für die Stasi zu arbeiten. Dieser „Dienst am Vaterland“ wurde oft duch eigentlich verbotene Platten aus dem Westen entlohnt. Durch diese Infiltrierung durch die Stasi verlor die Szene den Zusammenhalt, man hatte kein Vertrauen mehr untereinander, was die Stasi wohl als erfolgreiche Zersetzung gewertet hat. Umgekehrt führte die Infiltrieriung oft zu schizophrenen Zuständen, dass Szenegrößen, Organisatoren von Konzerten oder Bandleader, also gerade die Leute, die die Punkszene puschten, IMs der Stasi waren.

1984 war die erste Welle der Punkszene kaum mehr existent, zerstört von der staatlichen Repression und schlicht auch dem Älterwerden der Protagonisten. Und wie überall sonst auf der Welt, hat sich die Szene gespalten in New Wave, Streetpunk, Skinhead, Art-Punk usw. so dass auch im Osten sozuagen galt „Punk is Dead - Lang lebe der Punk“. Vergleichbar mit der DC-Hardcoreszene ging die kirchliche Oppostion mit den Punks ein Zweckbündnis ein, so dass Punkkonzerte in kirchlichen Jugendzentren stattfinden konnten und die Kirche den Punks so einen einigermaßen geschützen Raum bot, um Punk auszuleben. Gegen Ende der 1980er Jahre versuchte es die Staatssicherheit noch einmal mit Repression, aber in Anbetracht der sozialen Umwälzungen, die am Schluss auch die Stasi hinwegfegten, war dies bloß ein letztes Aufbäumen vor der endgültigen Niederlage.

Kuriosa

  • Während die SED und die Stasi die Punks im eigenen Land verfolgten, protegierte sie hingegen 1988 die Punks aus Westberlin, die das so genannte Kubat-Dreieck (siehe Weblink) besetzen, das zwar auf der Westseite der Mauer lag, juristisch aber Hoheitsgebiet der DDR darstellte.
  • 1986 hatten die Toten Hosen zusammen mit Planlos ein illegales Konzert in Ost-Berlin.
  • L’Attentat und Schleimkeim waren die einzigen Bands, die ihr Material in den Westen schmuggeln konnte, wo es auf Schallplatte veröffentlicht wurde.

Wichtige Bands

Weblinks