Pete Best

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Peter Randolph Best wurde am 24. November 1941 in Madras (Indien) geboren.

Biographie

Jugend (1941–1947)

Peters Mutter Mona Best arbeitete zu dieser Zeit als Rot-Kreuz-Helferin bei der britischen Armee. John Best, sein Vater, diente zu dieser Zeit ebenfalls in der Armee des britischen Empires. 1944 wurde sein Bruder Rory geboren. Nach Ende des zweiten Weltkriegs kehrte die Familie 1945 nach England zurück und siedelte sich in Liverpool an.


Penny Lane (1947–1960)

Pete Bests Kindheit verlief wie die Millionen anderer britischer Kinder. Er besuchte zunächst die Primary School in West Derby und wechselte anschließend zur Collegiate Grammar School in der Shaw Street. Nach dem Besuch dieser Schulen hatte er Ende der 50er Jahre vor, Fremdsprachenlehrer zu werden. Seine Voraussetzungen hierfür waren gut, denn er sprach zu diesem Zeitpunkt fließend Französisch und Deutsch, Schulfranzösisch und Schuldeutsch, wie er später in einem Interview betonte. Sein Leben nahm jedoch eine entscheidende Wendung.

Seit 1947 wohnte die Familie Best in der Haymans Green im West Derby District von Liverpool. In den fünfziger Jahren gestaltete Mona Best die unteren Teile des Wohnhauses zum „Casbah Coffee Club“, kurz „Casbah“ genannt, um. Bei diesem Club handelte es sich um einen Treffpunkt für Jugendliche, die hier ihre Musik hören und spielen konnten. Pete Best und sein Bruder unterstützten ihre Mutter Mona bei der täglich anfallenden Arbeit im Club so gut es ging und griffen hin und wieder auch einmal zu den Instrumenten.

Die zweite Hälfte der fünfziger Jahre ist für britische Jugendliche geprägt von der aus den USA herüberschwappenden Rock ’n’ Roll-Musik. Liverpool ist eine Brutstätte junger Bands. John Lennon gründete seine erste Band, die The Quarry Men, ein junger Linkshänder namens Paul McCartney schloss sich im Juli 1957 der Gruppe an. Im Februar 1958 kam ein weiterer Gitarrist namens George Harrison hinzu, der kurz zuvor noch in seiner eigenen Band, den Rebels gespielt hatte. Auch Pete Best spielte in einer Band, den Black Jacks. Seine Mutter hatte ihm ein Schlagzeug geschenkt, auf dem er fleißig übte. Beeinflusst wurde seine Gruppe von den US-amerikanischen Rock-'n'-Roll-Künstlern Chuck Berry, Little Richard, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und Elvis Presley.

Im August 1959 spielten die Quarry Men zum ersten Mal im Casbah. Hierbei lernten sie auch Pete Best kennen. Die Gruppe um John Lennon gehörte zu diesem Zeitpunkt zu den zahlreichen Liverpooler Bands, die alle auf den großen Durchbruch warteten. Nichts unterschied die späteren Beatles von anderen Gruppen, außer, dass sie in diesen Monaten ein ernsthaftes Problem hatten: ihr Schlagzeuger Colin Hanton verabschiedete sich ins Berufsleben. Die Gruppe musste daher in den kommenden Monaten mit wechselnden Schlagzeugern auftreten. Auf einer Schottland-Tournee mit Johnny Gentle übernahm der rund sechzehn Jahre ältere Tommy Moore die Position des Schlagzeugers. Der Altersunterschied führte jedoch zu Spannungen innerhalb der Gruppe, sodass Tommy Moore die Gruppe verliess. Jetzt stand die Gruppe, die in der Zwischenzeit ihren Bandnamen gewechselt hatte und sich nun The Silver Beatles nannte, vor einem Problem, denn Allan Williams, Besitzer eines Nachtclubs in Liverpool, der sich auch gerne als ihr Manager bezeichnete, verschaffte ihnen in der Zwischenzeit ein Engagement in einem kleinen Club in Hamburg. Die Silver Beatles erinnerten sich an Pete Best, der schon hin und wieder als Schlagzeuger bei ihnen ausgeholfen hatte. Sie wussten, dass er gerade seine Schulzeit beendet hatte und über ein eigenes Schlagzeug verfügte.

Paul McCartney rief ihn eines Abends an und fragte ihn, ob er Interesse habe, Mitglied der Beatles zu werden. Pete Best wog seine Möglichkeiten ab und entschloss sich zuzusagen und das Engagement in Hamburg anzunehmen.


Band On The Run (1960–1962)

Am 17. August 1960 traten die Beatles zum ersten Mal in Hamburg auf. Ihre Träume vom großen Erfolg zerplatzten jedoch sehr schnell. Zunächst wurden sie von Bruno Koschmieder, dem Inhaber der Lokale Indra und Kaiserkeller in einem kleinen, schäbigen Zimmer über dem Vorführraum des Bambi-Kinos untergebracht. Anschließend mussten sie im Indra auftreten. Hierbei handelte es sich um ein Striplokal, in dem die Band sich mit Stripperinnen abwechselte. Dies kam beim Publikum nicht immer gut an, da es lieber nackte Tatsachen sah, als dem Liverpooler Beat, bald Merseybeat genannt, zuzuhören. Die Band verschaffte sich jedoch in den folgenden Wochen Respekt und gewann an Publikumsresonanz.

Am 16. Oktober 1960 wechselten die Beatles in den Kaiserkeller. Hier lernten sie eine andere Liverpooler Band, Rory Storm & the Hurricanes kennen. Mitglied dieser Gruppe war ein junger Schlagzeuger namens Ringo Starr, ebenfalls aus Liverpool und dort eine kleine Berühmtheit. Knapp zwei Jahre später sollte diese Begegnung für Best schicksalhafte Folgen haben.

Die Beatles konnten in Hamburg schnell ihre musikalischen Fähigkeiten verbessern und entwickelten sich zu einer beliebten Liveband. Insbesondere Studenten fühlten sich von der Musik der Gruppe angezogen. Der junge Fotograf und Grafiker Klaus Voormann und seine Freundin Astrid Kirchherr, ebenfalls Fotografin, gehörten zu den ersten Freunden der Gruppe in Hamburg. Zwischen der Fotografin Kirchherr und dem Bassisten Stuart Sutcliffe entwickelte sich in den nächsten Monaten eine ernsthafte Romanze.

Im November 1960 verließ die Gruppe trotz gültigen Vertrags, der ihr untersagte, in einem anderen Club aufzutreten, den Kaiserkeller. Ihr lag zu dieser Zeit bereits ein besseres Angebot des Top Ten Clubs vor. Das Top Ten war zu diesem Zeitpunkt der beste und größte Club der Reeperbahn. Hier spielte u.a. der zu diesem Zeitpunkt schon als Lokalmatador bekannte Tony Sheridan, für viele junge Musiker das große Vorbild in Hamburg. Was jedoch für die Gruppe zunächst als echte Verbesserung erschien, entpuppte sich nach nur einem Auftritt als Katastrophe. George Harrison, der zu diesem Zeitpunkt noch keine 18 war und keine Arbeitserlaubnis besaß, wird aus Deutschland ausgewiesen. Es ist nie erwiesen worden, aber wahrscheinlich kam der Tipp vom ehemaligen Arbeitgeber der Band. In der folgenden Nacht wurden Paul McCartney und Pete Best wegen versuchter Brandstiftung im Bambi-Kino ins Untersuchungsgefängnis gesteckt. Jahre später berichtet Paul McCartney, dass er und Pete Best „nur aus Spaß“ ein Kondom angezündet hätten. Die Konsequenzen für diesen Spaß waren allerdings ernsthafter Natur. Beide werden in der Folge ebenfalls aus Deutschland abgeschoben.

Kurz vor der Ausweisung aus Deutschland nahmen die Beatles gemeinsam mit Lu Walthers, Mitglied von Rory Storm & The Hurricanes, in einem kleinen Amateurstudio eine Single in einer Auflage von fünf Exemplaren auf. Dabei spielten sie folgende Titel ein: „Fever“; „Summertime“ und „September Song“. Pete Best spielte bei diesen Aufnahmen nicht mit, für ihn sitzt Ringo Starr, der Schlagzeuger der Hurricanes, am Schlagzeug. Die Beteiligten gaben in den kommenden Jahren unterschiedliche Versionen über die Session zu Papier. In einer Version hieß es, Pete Best solle von den Aufnahmen gar nichts gewusst haben, nach der anderen Version wurde Ringo Starr bevorzugt, weil er die Stücke bereits beherrschte und Best sie noch hätte einstudieren müssen.

Nachdem die Gruppe am 24. Dezember 1960 im Grosvenor Ballroom in Wallasey bei einem Konzert zum ersten Mal seit der Ausweisung aus Hamburg wieder auf der Bühne stand, verschaffte Ihnen Allan William ein neues Engagement in Hamburg. George Harrison war in der Zwischenzeit 18 Jahre alt geworden, sodass hier keine Hindernisse mehr für einen erneuten Auftritt im Weg lagen. In Hamburg galten die Beatles nun als „die Gruppe aus Liverpool“. Vom April bis zum Juni 1961 spielten sie jeden Abend im Top Ten. Pete Best sitzt weiterhin am Schlagzeug und tritt sogar als Sänger des Lieds „Boys“, in Erscheinung.

Im Mai 1961 suchte die Polydor eine Begleitgruppe für Tony Sheridan. Die Beatles erhielten, wohl auch durch Vermittlung von Sheridan, den Vertrag. Bert Kaempfert war der Produzent der allerersten professionellen Aufnahmen der Gruppe.

Durch die Produktion dieser Aufnahmen und der Veröffentlichung der Tony Sheridan Single „My Bonnie“ wurde der Liverpooler Schallplattenhändler Brian Epstein auf die Gruppe aufmerksam. Am 9. November 1961 sah er sich die Gruppe im Liverpooler Cavern Club zum ersten Mal an. Er fand Gefallen an den einzelnen Mitgliedern, nicht unbedingt an der Musik, dafür liebte er zu sehr die Klassische Musik. Am 3. Dezember 1961 nahm er sie unter Vertrag.

Brian Epstein, der dank seines Schallplattengeschäftes vielfältige Kontakte zur Schallplattenindustrie besaß, vermittelte den Beatles verschiedene Termine bei Schallplattenfirmen für Probeaufnahmen. Am vielversprechendsten erschien ein Vorspieltermin bei den Decca-Records am 1. Januar 1962. Zu den 15 Titeln, die hierbei eingespielt wurden, gehörten die Coverversionen „Searchin'“, „Three Cool Cats“, „The Sheik of Araby“, sowie die zwei frühen Lennon/McCartney-Kompositionen „Like Dreamers Do“ und „Hello Little Girl“.

Die Suche nach einem Schallplattenvertrag erwies sich für die Beatles schwieriger, als sie zunächst angenommen hatten. Weiterhin spielten sie in den Liverpooler Clubs, insbesondere im Cavern, und traten erneut in Hamburg auf. Viele ihrer Auftritte werden nun von Pete und Mona Best organisiert. Am 7. März 1962 spielten sie zum ersten Mal in einem Radioprogramm der BBC namens „Teenagers's Turn“. Am 6. Juni 1962 spielte die Gruppe bei der EMI vor. George Martin, der Produzent des EMI-Sublabels Parlophone, war von den Beatles durchaus angetan, ihm missfiel jedoch die Qualität von Bests Schlagzeugspiel. Dies teilte er Brian Epstein mit, der es jedoch nicht innerhalb der Gruppe offen diskutierte, sondern die Information Pete Best vorenthielt. Ohne es zu wollen, hatte George Martin mit seiner Bemerkung vielleicht den Ausschlag zur Beendigung von Bests Beatleskarriere gegeben.

Die genauen Hintergründe des Hinauswurfs von Pete Best wurden niemals einwandfrei geklärt. War es die Eifersucht von Paul McCartney, weil Pete Best zu erfolgreich bei den weiblichen Fans ankam, war es die Bemerkung von George Martin? Jeder Autor einer Beatlesbiografie hat eine eigene Erklärung zur Hand. Mal bestand George Martin auf dem Hinauswurf, ein anderes Mal soll es McCartneys Vater gewesen sein, dann wieder ist George Harrison der Schuldige, weil er ein guter Freund von Ringo Starr war und mit Pete überhaupt nicht klarkam. In einer anderen Version liegt die Schuld bei Brian Epstein, weil er sauer gewesen sein soll, dass Pete Best nicht mit ihm schlafen wollte. Letztlich kann über den Hinauswurf von Pete Best nur spekuliert werden, auch die Ausstrahlung der Anthology-Filmreihe erbrachte keine neuen Erkenntnisse. Pete Best kennt bis heute nicht den wahren Grund für seine Entlassung. Vielleicht gibt es auch keinen „wahren“, keinen einzigen Grund, vielleicht wirkten die genannten Gründe zusammen. Vielleicht war es einfach eine pragmatische Entscheidung, weil Bests Fähigkeiten am Schlagzeug tatsächlich nicht ausreichend waren. Was auch immer der Grund war, die Beatles verhielten sich Pete Best gegenüber weder mutig, noch fair. Keiner von ihnen suchte das Gespräch, nur Paul McCartney machte eine Bemerkung, die Best hätte warnen müssen. Als Best McCartney mitteilte, dass er sich ein neues Auto kaufen wolle, riet dieser ihm, sein Geld besser zusammenzuhalten, denn es könnte ja Unvorhergesehenes passieren. Pete Best nahm die Bemerkung nicht weiter ernst.

Am 17. August 1962 spielten die Beatles zum letzten Mal gemeinsam mit Pete Best. Einen Tag vorher hatte Brian Epstein ihm mitgeteilt, dass die anderen ihn nicht mehr in der Gruppe haben wollen. Ab dem 18. August 1962 bis zur Trennung der Gruppe übernahm Ringo Starr die Position des Schlagzeugers bei den Beatles.

Als in Liverpool bekannt wurde, dass die Beatles sich von ihrem beliebten Schlagzeuger Pete Best getrennt hatten, kam es zu Solidaritätskundgebungen für ihn. „Pete Is The Best“ oder „Pete For Ever, Ringo Never“ lauteten nur zwei der Slogans für Pete Best. George Harrison erhielt von einem Fan ein blaues Auge verpasst, und auch für die anderen ist es in der ersten Zeit nach dem Hinauswurf nicht ungefährlich, allein auf die Straße zu gehen.


The Long And Winding Road (1962–1968)

Brian Epstein bot Pete Best seine Hilfe bei der Suche nach einem neuen Engagement als Schlagzeuger an. Er schlug ihm vor, Schlagzeuger bei den Liverpooler Bands „Merseybeats“ oder „Big Three“ zu werden. Best verzichtete auf die Hilfe und fand im August 1962 eine neue Stelle als Schlagzeuger bei „Lee Curtis And The All Stars“. Diese Gruppe war im Frühjahr 1962 um den Sänger Lee Curtis, geboren als Peter Flannery, entstanden. Neben Lee Curtis spielten in der Band Wyne Bickerton (Gitarre), Frank Bowen (Gitarre) und Tony Weddington mit. Pete Best kam als Ersatz für den ausgeschiedenen Schlagzeuger Bernie Rogers. Die Gruppe erlangte durch die Mitwirkung von Pete Best lokale Berühmtheit. Der erste Auftritt der Band fand am 10. September 1962 im Majestic Ballroom in Birkenhead statt. Am 24. November 1962 feierte Best seinen 21. Geburtstag mit einem Konzert an gleicher Stelle. Der Veranstalter der Show, Bob Wooler, las während des Auftritts ein Telegramm für Best vor: „Congratulations, many happy returns, all the best – John, Paul, George, Ringo and Brian“. Vermutlich freute sich Best wenig über diese guten Wünsche. Die Beatles hatten gerade mit „Love Me Do“ ihren ersten Erfolg in den Hitparaden und er mühte sich wieder in den Konzertsälen ab. Es ist nie geklärt worden, auf wen das Telegramm zurückging.

Die große Beliebtheit der „Lee-Curtis And The All Stars“ bei den Liverpooler Fans zeigte sich, als die Gruppe im Dezember 1962 direkt nach den Beatles den zweiten Platz beim jährlichen „Mersey Beat Pop Poll“ belegte. 1963 vermittelte Pete Best der Gruppe ein Engagement im Hamburger Star-Club. Ihrem Manager Joe Flannery, Lee Curtis Bruder, gelang es zwischenzeitlich, die Gruppe bei der Decca unterzubringen, jener Plattenfirma, die ein Jahr zuvor die Beatles abgelehnt hatte. Auf den ersten beiden Singles „Little Girl“, die im März 1963 erschien, und „Let's Stomp“, veröffentlicht im Juni 1963, ist Pete Best dabei. Gleiches gilt für die beiden Aufnahmen „Skinnie Minnie“ und „Jezebel“, die für die LP „At The Cavern Recorded Live“ im Cavern eingespielt wurden.

Nach der Rückkehr der Gruppe nach England kam es durch Soloambitionen von Lee Curtis zum Bruch der Band. Während Lee Curtis eine neue Formation auf die Beine stellt, beschließt der Rest der Band, von nun an als „Pete Best And The All Stars“ weiter zu machen.

Die Dinge schienen sich günstig für Pete Best zu entwickeln. Decca gab der Gruppe einen Schallplattenvertrag in der Hoffnung, sich am Ruhm der Beatles beteiligen zu können. Mona Best übernahm das Management für die Gruppe und vermittelte ihr einige Auftritte in Großbritannien. Kurzzeitig kam es auch zu einer Rückkehr von Pete Best in den Star Club nach Hamburg. Im August 1963 heiratete Pete Best seine langjährige Freundin Kathy, von jetzt an treue Begleiterin seines weiteren Lebens.

Im Juni 1964 erschien die erste und einzige in Großbritannien veröffentlichte Single der Gruppe, die sich in der Zwischenzeit in „Pete Best Combo“ umbenannt hatte. Die Single „I'm Gonna Knock On Your Door/Why Did I Fall In“ hatte jedoch keinerlei Erfolg, sodass Decca den Vertrag mit der Gruppe kündigte.

Damit ist die Geschichte von Pete Bests musikalischen Aktivitäten nach den Beatles allerdings noch nicht beendet. In den Jahren 1964 bis 1968 tourte die Gruppe regelmäßig durch Nordamerika, hin und wieder gab sie auch Konzerte in der Bundesrepublik Deutschland.

Im Frühjahr 1964 flog die Gruppe nach New York, um hier ihre ersten Konzerte zu geben. Best trat bei dieser Tour auch als Talkshow-Gast in der Sendung „I’ve Got A Secret“ auf.

Für das kleine Label Happening nahm die Gruppe zwei Singles auf, der Erfolg blieb jedoch aus. Bereits vorher war die Single „I'll Try Anyway/I Wanna Be There“ auf einem Eigenlabel (Original Beatles Drummer Best 800) erschienen.

1965 tourte die Gruppe durch Kanada und nahm für das Independent Label Mr Maestro eine LP auf. Frank Bowen hatte die Gruppe verlassen und wurde ersetzt durch Tommy McGurk. Die LP wurde unter dem missverständlichen Namen „Best Of The Beatles“ veröffentlicht. Auf der LP befinden sich sechs Rock-’n’-Roll-Standards und sechs Eigenkompositionen der Bandmitglieder Waddington/Bickerton. Die Platte hatte trotz oder wegen des irreführenden Titels und eines alten Fotos, das von Astrid Kirchherr in Hamburg aufgenommen worden war und die Beatles mit Pete Best zeigt, keinerlei Erfolg in den US-amerikanischen Hitparaden. Bei der Produktion der LP wurden mehr Titel aufgenommen, als zunächst veröffentlicht wurden. Diese Stücke erschienen erst fünfzehn Jahre später auf kleinen amerikanischen und europäischen Labels.

Eine weitere Chance zur Aufnahme einer Platte erhielt die Gruppe 1966. Auf der Single „Boys/Kansas City“ singt jedoch nicht wie auf dem Plattencover angegeben Pete Best, sondern ein Mitglied seiner Band. Die Platte wurde auf dem Kleinlabel Cameo veröffentlicht. Auf den Bandnamen wurde diesmal verzichtet, um Pete Best allein ins Rampenlicht zu rücken. Unter seinem Namen steht die Bemerkung „Formely of the Beatles“. Im Grunde wurde aber auch hier wieder eine „Mogelpackung“ verkauft. All dies hilft der Gruppe jedoch nicht. Ebenso wie „Best Of The Beatles“ hat auch diese Single keinen Erfolg in den Hitparaden. Pete Bests Band hatte sich musikalisch überlebt. Sie pflegte den herkömmlichen Rock'n'Roll, spielte Merseybeat und konnte mit der aktuellen Rockmusik nicht Schritt halten. Für eine musikalische Weiterentwicklung fehlte der Gruppe jedoch jede Möglichkeit. Sie hätte ein Studio gebraucht, in dem sie ohne großen Zeitdruck ihre Titel hätte produzieren können. Hier wäre ein gut dotierter Plattenvertrag notwendig gewesen. Die Bekanntheit von Pete Best hat sich im Laufe der Jahre verflüchtigt, und er droht im Rock-'n'-Roll-Geschäft unterzugehen. Vielleicht hatte Best das 1968 gespürt, als er sich für lange Zeit von der Musik zurückzog. Seine Mitstreiter wären zwar noch gerne in Amerika geblieben, ihnen war jedoch bewusst, dass sie auf Pete Best angewiesen waren. Seinetwegen bekam die Band Engagements, und er ermöglichte der Band einige wenige Plattenverträge. Wyne Bickerton und Tony Waddington kehrten ebenso wie Best nach Großbritannien zurück. Beide fanden einen Job im Musikgeschäft und schrieben in den 70ern einige Hits für die Rubettes. Für Best hingegen war das Leben als Musiker zunächst einmal beendet. Er sollte bald andere Probleme bekommen.

Bevor wir uns jedoch dieser Phase im Leben von Pete Best zuwenden, ist noch ein kleines Rätsel zu lösen, das im Zusammenhang mit einer Single aus dem Jahr 1968 steht. Bei der Single handelt es sich um „Carousel Of Love/Want You“ von Pete Best. Jahrelang irritierte diese Single die Beatlesforscher nicht nur weil sie kaum aufzutreiben war, sondern auch weil auf der Single deutlich „Words And Music by Pete Best“ stand. Sie wurde daher dem musikalischen Schaffen des Ex-Beatles zugerechnet. Laut dem Buch „Goldmine British Invasion, Record Price Guide, von Tim Neely and Dave Thompson“, Seite 92, handelt es sich hierbei aber nicht um den Ex-Beatle Pete Best, sondern um einen australischen Musiker gleichen Namens. Ein Indiz, das die These von Neely/Thompson glaubwürdig erscheinen lässt, ist der Umstand, dass auf dieser Single jeder Hinweis auf Pete Bests Vergangenheit bei den Beatles fehlt, wogegen alle seine anderen bekannten Veröffentlichungen auf diesen Hinweis nicht verzichten.


Nobody Loves You When You're Down And Out (1968–1982)

Der Autor Hunter Davies besuchte Pete Best für ein Interview zu seinem Buch „The Beatles“. Hunter Davies fand Pete Best in einem depressiven Zustand vor. Best berichtete ihm von seinen Erlebnissen mit den Beatles, die später in die Biographie Hunter Davies einflossen. Sein Zustand bereitete ihm Sorgen, Sorgen die er auch bei einem Gespräch den Beatles mitteilte. Hier stießen seine Erzählungen jedoch auf Gleichgültigkeit. Pete Best ist zu diesem Zeitpunkt arbeitslos, ein Job ist für ihn nicht in Sicht. Er ist nun 26 Jahre alt, besitzt keinerlei Ausbildung und kann nur seine Erfahrungen als Musiker nachweisen. Die finanzielle Situation der Familie Best ist zu diesem Zeitpunkt nicht rosig.

Pete Best verfiel immer tiefer in eine depressive Stimmung. Erst nach einem versuchten Selbstmord, den sein Bruder verhinderte, gelang es Pete Best, sich aus dieser Situation zu befreien. Bei der Suche nach einer beruflichen Alternative nahm er zunächst eine Arbeit in einer Liverpooler Bäckerei an. Ab 1969 war er beim Arbeitsamt Liverpool angestellt.

Vielleicht wäre Bests Leben ruhig weiterverlaufen, wenn nicht die Liebe zur Musik gewesen wäre. 1978 trat er mit verschiedenen anderen Musikern aus Liverpool in der „Dick Clarke’s Variety Show“ auf.

Bei der Produktion des umstrittenen TV-Films „The Birth Of The Beatles“ war er als Berater tätig.

Jahrelang weigerte sich Pete Best, über seine Erlebnisse mit den Beatles zu berichten. Interviews mit der Presse lehnte er bis auf ganz wenige Ausnahmen ab. 1982 veröffentlichte er gemeinsam mit Patrick Doncaster das Buch: „Beatle! The Pete Best Story“, das ein intimes Bild über die frühen Jahre der Beatles vermittelt.


Starting Over (1982–1996)

Privat hat Best in der Zwischenzeit zwei Töchter, Bab und Bonita bekommen und ist weiterhin glücklich mit seiner Frau Kathy verheiratet. Aber die Musik ließ ihn nicht in Ruhe. Zunächst beteiligte er sich bei diversen Beatles-Conventions und betrieb Anfang der achtziger Jahre Werbung für die halblegale Veröffentlichung der sogenannten Decca-Records. Pete Best erinnerte sich, dass er noch alte unveröffentlichte Aufnahmen der Pete Best Combo besitzt. Diese erschienen 1981 zunächst in den USA bei einem kleinen Label. Die Titel der LPs sind als programmatisch zu verstehen: „The Beatle That Time Forgot“ und „Rebirth“. Beide Alben wurden auch in Europa (Italien und Griechenland) bei kleinen Labels veröffentlicht. Die breite Öffentlichkeit nahm von diesen Platten kaum Notiz.

1988 entschloss Best sich, musikalisch wieder tätig zu werden. Er packte sein Schlagzeug wieder aus und scharte seine Freunde um sich. Zur Band gehörten Bill Kinsley (Bass/Gesang), der zuvor ein ehemaliges Mitglied bei den Merseybeats war, Kenny Parry (Leadgitarre/Gesang) und sein wesentlich jüngerer Bruder Roag, der ebenfalls Schlagzeug spielt. Die „Pete Best Band“ war unter neuer Besetzung auferstanden. 1988 spielte die Gruppe auf einer Beatles-Convention ihre CD „Live At The Adelphi“ ein. Mit Ben Kinsley nahm er 1990 die Single „Heaven/Fool in Love“ auf.

Eine weitere CD erschien 1994. Kurz vorher hatte Pete Best die Gruppe umgestaltet. Die Band besteht jetzt aus Vince Hagen (Leadgitarre), Paul Davies (Keyboard), Andrew Cawley (Gesang), Pete und Roag Best (Schlagzeug) und Andrew Kirk (Bass). Auch diesmal wurde die CD live eingespielt. „Back To The Beat“ hieß das Ergebnis, und der Club, in dem die Band die CD aufnahm, ist der wiedereröffnete Cavern in Liverpool.

Während sich auf der ersten CD keine Beatles-Titel befanden, spielte die Pete Best Band im Cavern zwei Stücke der Beatles und zeigte dem begeisterten Publikum darüber hinaus, wie 1961/62 das Bühnenprogramm Liverpooler Bands aussah. Auf einer weiteren CD, 1996 unter dem Titel „… once a beatle, always …“ erschienen, spielte die Pete Best Band acht Beatlesstücke, darunter auch Titel aus dem Spätwerk der Beatles wie „Revolution“ oder „Back In The USSR“.

Neben der regelmäßigen Veröffentlichung von CDs tourte die Gruppe, die aus dem Freundeskreis von Pete Bests jüngerem Bruder Roag besteht, weiterhin durch Großbritannien und über den Kontinent.

1995 wird Best noch einmal mit der Geschichte der Beatles konfrontiert – und diesmal soll es nicht sein Schaden sein. Im November 1995 veröffentlicht die EMI eine Doppel-CD mit dem Titel „Anthology I“. Es ist die erste CD einer dreiteiligen Reihe, die die Karriere der Beatles darstellt. Auf den CDs befinden sich unbekannte Stücke, Liveaufnahmen, Outtakes und insgesamt zehn Stücke, an denen Pete Best mit seinem Schlagzeugspiel beteiligt ist. Während im vorherigen Jahr bei der Veröffentlichung der Doppel-CD „Live At The BBC“ aufgrund des vorhandenen Materials auf Stücke, bei denen Pete mitwirkte, verzichtet werden konnte, ist dies bei der jetzigen Veröffentlichung, die ja das Gesamtwerk der Beatles darstellen will, nicht mehr möglich. Somit musste Pete Best am Erlös der CD beteiligt werden. Diese Beteiligung machte ihn mit einem Schlag zum Millionär. Eine seiner ersten geschäftlichen Transaktionen war die Wiedereröffnung des legendären Clubs seiner Mutter, heute gibt es in Liverpool wieder den „Casbah Coffee Club“, kurz Casbah genannt.

Der unerwartete Reichtum hatte jedoch noch andere Folgen. Pete Best gab seinen Beruf auf, und gründete mit seinem Bruder eine eigene Firma, „Splash Promotion“, die von nun an seine diversen Aktivitäten vermarktet.

1996 stellte Pete Best auf seinem eigenen Plattenlabel eine Zusammenstellung seiner musikalischen Aktivitäten der Jahre 1964 bis 1966 unter dem Titel „The Pete Best Combo, Beyond The Beatles 1964–66“ zusammen. Die CD ist eine Werkschau über seine Aktivitäten nach den Beatles.


Nachtrag

Zum Gedenken an den 29. August 1959, dem Tag an dem die Beatles zum ersten Mal im „Casbah Coffee Club“ spielten, dem Ort, den Pete Best als „Birthplace of The Beatles“ bezeichnet, erschien 1999 das letzte Werk der Pete Best Band die CD „Casbah Coffee Club“. Auf der CD befinden sich 15 klassische Rock'-n'-Roll Stücke die sich in der Musikbox von Mona Bests Club befanden und dort gerne gespielt wurden.

2005 erschien unter dem Titel „Best Of The Beatles“ eine DVD mit Bonusmaterial über die Jahre die Pete Best mit den Beatles verbrachte.


Diskographie

Aufnahmen mit den Beatles/Tony Sheridan

Singles in Großbritannien
  • 1962 My Bonnie/The Saints (When The Saints Go Marching In) (Polydor NH 66833, 5. Januar)
  • 1964 Sweet Georgia Brown/Nobody’s Child (Polydor NH 52906, 31. Januar)
  • 1964 Why (Can’t You Love Me Again)/ Cry For A Shadow (Polydor NH 53375, 28. Februar)
  • 1964 Ain’t She Sweet/If You Love Me, Baby (Polydor NH 52317, 29. Mai)
EP in Großbritannien
  • 1963 My Bonnie/Why (Can’t You Love Me Again)/Cry For A Shadow/The Saints (Polydor EPH 21 610, 12. Juli)
LPs in Großbritannien
  • 1964 The Beatles First (Polydor 236-201, 19. Juni)

Aufnahmen mit den Beatles

Singles in Großbritannien
  • 1982 Searching/Money/Till There Was You (AFE AFS, 29. Oktober)
Langspielplatten in Großbritannien
  • 1982 The Complete Silver Beatles (AFELP 1047 Audiofidelity Enterprises (UK), 10. September)
  • Anthology I (Apple/Parlophone CD PCSP 727, TC PcsP 727, LP PCSP 727)

Aufnahmen mit Lee Curtis

Singles in Großbritannien
  • 1963 Little Girl/Just One More Dance, UK Decca F 11622, 3/63
  • 1963 Let’s Stomp/Poor Unlucky Me, UK-Decca F 11690, 6/63
LP
  • 1965 At The Cavern (D-Decca SLK 16294)
CD
  • 1994 Star-Club Show 3 (Repertoire Records)

Aufnahmen der Pete Best All Stars/Pete Best Four/Pete Best Combo

Single in Großbritannien
  • 1964 I`m Gonna Knock On Your Door/Why Did I Fall In Love With You? (Decca F11929, 6)
Singles In den USA

ab hier: credited to „Best Of The Beatles(Peter Best)“

  • 1964 (I’ll Try) Anyway/I Wanna Be There (as Peter Pest), Original Beatles Drummer Best 800
  • 1964 Don’t Play With Me (Little Girl)/If You Can’t Get Her (Happening 405)
  • If You Can’t Get Her/The Way I Feel About You (Happening HA 1117/8)
  • I Can’t Do Without You Now/Key To My Heart (Mr. Maestro 711, 19659)
  • Casting My Spell/I’m Blue (Mr. Maestro 712, 196510)
  • Boys/Kansas City (Cameo C 39111)

ab hier: as Peter Best, incorrectly credits. „The Beatles; some w/“Peter Best of the Beatles sticker“)

  • 1987 I’ll Try Anyway/I Don’t Know Why I Do (I Just Do) (Collectables 1516)
  • 1987 She’s Not The Only Girl Tin Twon/More Than I Need Myself (Collectables 1517)
  • 1987 I’ll Have Everything Too/I’m Checking Out Now Baby (Collectables 1518)
  • 1987 How’d You Get To Know Her Name/If You can’t Get Her (Collectables 1519)
  • 1987 Rock And Roll Music/(“Cry For A Shadow“ by the Beatles) (Collectables 1520)
  • 1987 I’ll Try Anyway/(“Why“ by the Beatles) (Collectables 1524)
LPs in den USA
  • 1965 Best Of The Beatles (as Pete Best) (Savage BM 71/2)
  • 1981 The Beatle That Time Forgot (as Pete Best Combo) (PB records 22, Phoenix 10 PHX 340; 1982 Wiederveröffentlichung)
  • 1981 Rebirth (as Pete Best Combo on Label, Pete Best Band On Cover) (PB records 44)
  • 1981 My Three Years As A Beatle (Interview LP,13)
  • Like Dreamers Do (3-LP), Audition Decca material + 1983 Interview + 1960s Beatles Press Conference, Backstage BSR 1111
CDs in Großbritannien
  • 1996 Beyond the Beatles (as Pete Best Combo) (Cherry Red Records 124; Es gibt eine Ausgabe mit 4 Bonussongs bei Griffin Music: Last Night/Nobody But You/Wait and See/Some Other Guy)
  • The Beat Scene (Compilation; Deram 844 799-2)
  • Rare 60’S Beat Treasures – Vol. 4 (Compilation; Gone Beat BT-CD 77013)
  • Cameo Parkway 1956–1967 (Compiklation; Abkco 0602498365328)
Bootlegs
  • The Pete Best Story, Issued US Material, No Label, 1980’s
Sampler in Großbritannien
  • Liverpool 1963–1964 Volume Two (See For Miles CM 125)

Pete Best Band

CDs in Großbritannien
  • 1992 Live At The Adelphi (PEBE – Splash Records 1000; 1996 Wiederveröffentlichung auf Cherry Red Records 136 (mit einem Pete Best Interview)
  • 1995 Back To The Beat (PEBE – Splash Records 2000)
  • 1996 „… once a beatle, always …“ (PEBE -Splash Records 3000)
  • 1999 Casbah Coffe Club (PEBE -Splash Records 4000)

Kinseley & Best

  • 1990 Heaven/Fool In Love (Prestige RESL 242)

Noch nicht auf CD erhältlich

Folgende Songs von Pete Best aus den 60er und 70er Jahren wurden bisher noch nicht auf CD veröffentlicht:

  • Heaven
  • Fool In Love
  • Kansas City

Weblink