Pendikel

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Pendikel
Pendikel im Fundbureau/Hamburg, 30. November 2007(v.l. Tobi Neumann, Carsten Sandkämper, Lutz Möllmann, Oliver Klemm)
Pendikel im Fundbureau/Hamburg, 30. November 2007
(v.l. Tobi Neumann, Carsten Sandkämper, Lutz Möllmann, Oliver Klemm)
Herkunft: Osnabrück, Deutschland
Aktiver Zeitraum: 19941999, 20012014
Genres: Noiserock
Progressive Rock
Indie-Rock
Labels: Easy Money Records
BluNoise
Homepage: Pendikel.de
Line-Up:
Carsten Sandkämper (Gesang, Gitarre, Diverses), ab 1994
Tobi Neumann (Bass), seit 2007
Lutz Möllmann (Schlagzeug), seit 2005
Ehemalige Mitglieder:
Christian Kruse (Bass), 1994–1998
Mathias Rolfes (Gitarre), 1995–1997
Jörg Schwöppe (Schlagzeug), 1995–1998
Birk Hagemeyer (Schlagzeug), 1994–1995 sowie Live-Schlagzeug (2003–2004)
Sebastian Rüger (Schlagzeug), 1995, 2001–2002
Falk Schlukat (Live-Bass), 2003–2007
Oliver Klemm (Gitarre), 1997–2011

Pendikel waren eine 1994 in Osnabrück vom Sänger, Songschreiber und Gitarrist Carsten Sandkämper gegründete Band, die sich im Laufe ihrer Existenz von frühem Noiserock zu Indie-Rock mit Progressive Rock-Elementen wandelte. Die Gruppe veröffentlichte zwischen 1996 und 2011 insgesamt fünf Studioalben und Kleinformate auf bluNoise Records. Nach brutto zwanzig Jahren Bandexistenz, einer ersten Auflösung zwischen 1999 und 2001 sowie drei Jahre nach dem Release des letzten Studioalbums "Pendikeland" gaben Pendikel im Herbst 2014 ihre erneute Auflösung bekannt.

Bandgeschichte

Von der Gründung bis zu "fu ruft uta" (19941997)

Carsten Sandkämper, Christian Kruse und Birk Hagemeyer gründeten 1994 P²:eNdi|Kel (heute nur noch Pendikel) in Osnabrück als Noiserockband mit Einflüssen aus Progressive Rock und Hardcore. Nach einem ersten Demotape und dem Erscheinen der ersten 7", einer Split-Single namens "Hair Hides a Lot" mit der befreundeten Osnabrücker Band The Bugs Know Best auf Easy Money Records, verließ Urschlagzeuger Birk Pendikel 1995; nachdem Langzeit-Kollaborateur Sebastian Rüger zwei Konzerte mit der Band bestritt, wurde dann als dauerhafter Ersatz Carstens Cousin Jörg Schwöppe an Bord geholt. Der kurz zuvor hinzugewonnene Gitarrist Mathias Rolfes spielte das 1996 auf bluNoise Records erschienene Debütalbum "Fu ruft Uta" mit ein und war maßgeblich an dessen Konzeption und Klangwelt beteiligt; so gingen z.B. fast alle Samples von ihm aus. Musikalisch orientierten sich Pendikel auf ihrem Debüt an den Stakkato-Riffs von Helmet, dem ausufernden Lärm von Sonic Youth und der Komplexität alter Progrock-Helden wie King Crimson und Genesis, während sich die Texte von Carsten Sandkämper (seinerzeit noch von Deutsch zu Englisch und wieder zurück wechselnd) zwischen Frustration, mythischen Gestalten und freier Assoziation bewegten. Nach Veröffentlichung der Split-10" "Pubertäterä" mit ULMe 1997 verließ Mathias Rolfes in beiderseitigem Einvernehmen die Band, um sich vermehrt seinem Kunststudium zu widmen. Als neuer zweiter Gitarrist kam Oliver Klemm dazu, den Sandkämper bei der Mitarbeit an Sebastian Rügers Instrumental-Noiserockprojekt Elektroabend kennengelernt hatte.

"Phantasievoll (aber unpraktisch)" und Trennung (19981999)

Auf ihrem zweiten Album "Phantasievoll (aber unpraktisch)", das Anfang 1998 erneut bei bluNoise erschien, waren Pendikel ganz zu deutschen Texten übergegangen und loteten mit Songs wie dem auch live gefeierten Noiserock-Doppel Dermaßen voll/Kaffee machen, dem psychotischen Fall A oder dem gefühlvollen Rosa die extremen Pole von harten, weitschweifigen und leisen Stücken weiter aus. Nach Release der Platte (der von einer Split-Single mit den Labelmates Porf sowie der Picture-10" zum elfminütigen Instrumental-Albumtrack "Aeroflot" begleitet wurde) ging die Band unter anderem mit Blackmail und Les Hommes Qui Wear Espandrillos auf bluNoise-Label-Deutschlandtour. Dabei traten Pendikel – sozusagen als ihre eigene Vorband – unter dem Alias PeNiBel live mit unformen Plastikbrillen auf und spielten unter anderem Pop- und New Wave-Klassiker wie Mr. Roboto (Styx), Wouldn't It Be Good (Nik Kershaw), Cloudbusting (Kate Bush), Wake Me Up (Before You Go-Go) (Wham!), Reality (Richard Sanderson), Maid of Orleans (OMD) und Don't Answer Me (Alan Parsons Project). Die vier letztgenannten Songs gab es auf einer früheren Version der Pendikel-Homepage auch zum Download; Don't Answer Me ist auch auf der Outtakes-CD "Reise ins Gewisse" als Hidden Track enthalten. Stilistisch bewegten sich die Cover zwischen dem bekannten eckigen Pendikel-Noiserock, humorvollen Achtziger-Synthie-Reminiszenzen und sogar Akustikballaden.

Um 1999 erschwerten diverse Faktoren das Weiterkommen von Pendikel, da einerseits die musikalischen Ambitionen innerhalb der Gruppe stark auseinandergingen und andererseits eine (durch den Manager der befreundeten Donots vermittelte) Aussicht auf Major-Labelkontakte das gemeinsame Songwriting unglücklich beeinflusste. Daran zerbrach die Band schließlich, und Christian Kruse und Jörg Schwöppe gründeten die Hardcore-Band Waterdown, die bald einen größeren Bekanntheitsgrad erreichen konnte. Mathias Rolfes gründete mit Birk Hagemeyer Goto Okay, Carsten Sandkämper zog nach Köln, wurde Redakteur bei der Spex und spielte bei Sankt Otten, und Oliver machte ab und zu bei Goto Okay mit, später auch bei Sankt Otten.

Wiedervereinigung mit "3", neues Lineup und Erfolg mit "Don't cry, Mondgesicht" (20012007)

Erste neue Lebenszeichen von Pendikel tauchten 2001 wieder auf, als die Band in der Besetzung Carsten Sandkämper, Oliver Klemm und Sebastian Rüger mit neuen Probeaufnahmen begann und auch im Internet wieder präsent war. Als 2002 die Aufnahmen zum dritten Album konkreter wurden, war Rüger jedoch bereits wieder ausgestiegen, und so spielte das Duo Sandkämper und Klemm die LP "3" alleine ein. Sie wurde Anfang 2004 beim Stammlabel BluNoise veröffentlicht und zeigte eine Band, die ihre frühere Brachialität weitestgehend abgelegt hatte (Ausnahme: das programmatisch betitelte Lauter) und deutliche Einflüsse aus Post-Rock und Indiepop aufzeigte. Nach dem Release spielte das Pendikel-Duo erstmals wieder Konzerte, zunächst nur mit Drumcomputer und Laptop, später auch durch Ex-Schlagzeuger Birk Hagemeyer und den neuen Livebassisten Falk Schlukat verstärkt. Dank des Blogs "Der letzte lässt das Licht an" blieben die verbliebenen Fans weiterhin sporadisch informiert.

Nach sich teilweise deutlich in die Länge ziehenden Proben und Aufnahmen erschien im September 2006 das vierte Pendikel-Album "Don’t cry, Mondgesicht", auf dem die Band den eingeschlagenen Weg zwischen Indiepop, Progrock und hektischem Noise fortsetzte. Uptempo-Songs wie Fall B oder Zitatmaschine standen dabei den King Crimson- und Pink Floyd-Verbeugungen Dead City (mit kontrovers diskutierter Selbstmord-Thematik) und dem Titeltrack gegnüber. Mit der Platte fanden Pendikel erstmals breitere Aufmerksamkeit, da "Mondgesicht" unter anderem mit "Aufstieg und Fall der Gruppe Sport" zum "Spektakel des Monats" in der Spex gekürt und auch in diversen anderen Kritiken hoch gelobt wurde.

Nach absolvierter Deutschlandtour zogen sich Pendikel wieder ins Studio zurück, um im Frühjahr und Sommer 2007 für einige Konzerte wieder aufzutauchen. Im Juni 2007 wurde der Sänger der Osnabrücker Band duesenjaeger, Tobi Neumann, neuer Bassist der Gruppe, während Lutz Möllmann (u.a. ULMe) ab 2005 fester Schlagzeuger von Pendikel war. Im November des Jahres erschien eine "neue, aber nicht nur" Platte von Pendikel unter dem Titel "Reise ins Gewisse", auf der diverse Outtakes, Raritäten und Remixe aus der Bandgeschichte zu hören waren.

Entstehung von "Pendikeland" und Ausstieg von Oliver Klemm (20082011)

Pendikel zu dritt am 30. September 2011 in Hamburg

Ab 2008 begannen die Proben und Aufnahmen zum fünften regulären Pendikel-Album in unregelmäßigen Abständen. Dabei spielte erstmals seit der "Wiedervereinigung" nicht mehr nur das Duo Sandkämper/Klemm die Tracks ein, sondern es waren auch Bassist Tobi Neumann und Schlagzeuger Lutz Möllmann sowie weitere Gäste mit von der Partie. Die Veröffentlichung des Albums war zunächst für Herbst 2009 angepeilt, wurde dann aber auf November 2010 verschoben.[1] Im Februar 2010 wurden Pendikel durch eine vom Stadtblatt Osnabrück bestellte Jury zur "besten Osnabrücker Band der letzten 25 Jahre" gewählt und spielten im August des Jahres erstmals wieder live auf dem Osnabrücker "Lokpop-Festival".[2] Im Oktober 2010 kündigte die Band in ihrem Blog an, den neuen und mittlerweile "Pendikeland" betitelten Longplayer fertiggestellt zu haben und neue Songs auf den im November stattfindenden Releasekonzerten (u.a. mit Selma) zu präsentieren. Die explizit als Konzeptalbum angekündigte Platte erschien offiziell am 15. April 2011, enthielt 13 Songs in drei "Aufzügen" nebst einem "Finale" und wies auch Streicher und Fagott-Parts auf. Carsten Sandkämper bezeichnete "Pendikeland" dabei als entweder "prätentiöser Scheiß oder berechtigtes Statement".[3]

Für den Herbst 2011 wurden einige Konzerte zu "Pendikeland" angekündigt, die aber aufgrund der terminlichen Verpflichtungen von Gitarrist Oliver Klemm – der seit 2010 neben seiner Tätigkeit bei Pendikel und Sankt Otten auch noch Gitarrist in Phillip Boas Band war – aber nur von Carsten Sandkämper, Tobias Neumann und Lutz Möllmann bestritten wurden. Zu den Dates gehörte auch das "bluNoise fest" am 1. und 2. Oktober, bei dem insgesamt neun Bands aus dem Kosmos des Pendikel-Stammlabels zu dessen sechzehnjährigem Bestehen auftreten.[4] Außerdem verzichtete die Band erstmals auf das Einspielen von Samples und Loops via Laptop. Am 12. Dezember gab die Band über Facebook schließlich den endgültigen Ausstieg von Oliver Klemm nach vierzehn Jahren Mitgliedschaft bekannt.[5]

Pläne für ein sechstes Album und erneute Auflösung (20122014)

Nach Oliver Klemms Ausstieg blieb es – trotz zwischenzeitlicher überaus ambitionierter Ankündigung eines neuen Albumreleases für Mai 2012 [6] – fast ein Jahr lang still um Pendikel. Erst Mitte November 2012 meldete sich Carsten Sandkämper via Facebook wieder zu Wort, als er eine "1-pendikel-doku auf dem weg zum neuen album [...] in wort, ton und bild"[7] ankündigte und mit einem ersten Video aus dem Probenkeller einleitete. 2013 gab es neben einem einzigen Konzert im August des Jahres immerhin den Relaunch der Pendikel-Homepage sowie nach fast zwanzig Jahren Bandexistenz die erste offizielle (T-Shirt-)Merchandising-Palette zu vermelden. Im Juni 2014 gab die Band über ihre Facebook-Seite bekannt, dass "die Platte voll" sowie "das Studio gebucht" sei.[8] Ein Veröffentlichungstermin für Album Nummer 6 wurde zunächst jedoch nicht genannt; im September wurde auch der Studiotermin gecancelt. Anstelle eines neuen Veröffentlichungsdatums erschien dann am 2. Oktober auf der Pendikel-Facebook-Seite ein Statement der Band, in welchem deren Auflösung u.a. aufgrund von monatelanger Inaktivität und immer größeren logistisch-organisatorischen Schwierigkeiten öffentlich gemacht wurde. Das Statement schließt mit den Worten:

"Wie immer in der 20-jährigen Geschichte der Band, die keiner kennt, packen wir das Gebilde Pendikel am Ende eines weiteren Abschnittes in einen Karton und stellen ihn ganz oben aufs Regal, um ihn vielleicht irgendwann wieder zu finden, zu entstauben und zu bestaunen, was sich darin alles findet. Irgendwann. Danke. Lutz, Tobi, Carsten"[9]

Diskographie

Alben
Singles/EPs
Sonstige

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts
Spex Visions
2006 Don’t Cry, Mondgesicht
26
23

Kollaborationen

Kompilationsbeiträge

Referenzkasten

  • In Sun-Gazer ("Fu ruft Uta") erscheint am Anfang ein Ausschnitt aus einer Pippi-Langstrumpf-Folge.
  • Der Schrei bei Leichtheit ("Pubertäterä"-Split) stammt aus dem Hörspiel "Die drei ??? und der seltsame Wecker".

Referenzbands

Coverversionen

Pendikel covern...

  • Red von King Crimson (auf "Reise ins Gewisse" sowie "One More Red Nightmare: A Tribute to King Crimson")
  • River Man von Nick Drake (s. Kompilations-Beiträge, außerdem auf "Reise ins Gewisse")
  • It's Expected I'm Gone von Minutemen (s. Kompilations-Beiträge, außerdem auf "Reise ins Gewisse")
  • Don't Answer Me von Alan Parsons Project (auf "Reise ins Gewisse")

Pendikel werden geremixt von

  • Sankt Otten: Meter (heute anders) auf der "Aeroflot"-10" sowie Bis zum letzten Mal auf "Reise ins Gewisse"
  • Jean Michel: Von Fall zu Fall (Remix von Fall B auf "Reise ins Gewisse")
  • Radioluxx: Piepton (Remix von Nach dem Piepton auf "Reise ins Gewisse")
  • Velma: Zitatmaschine (auf "Reise ins Gewisse")
  • Volker Schumacher: Dead City (auf "Reise ins Gewisse")

MP3s

Die Tracks der "Pubertäterä"-Split bei Soundcloud.com:

Außerdem gibt es bei Soundcloud folgende Pendikel-Stücke aus den Jahren 1996 bis 2006 zum Download:

Weblinks

Quellen

  1. Bandblog vom 8. September 2009
  2. Artikel im Stadtblatt Osnabrück 03/2010
  3. Bandblog-Eintrag vom 21. September 2010
  4. Konzert-Ankündigung bei Facebook vom 29. Juli 2011
  5. Facebook-Eintrag vom 12. Dezember 2011
  6. News-Eintrag von pendikel.de vom 7. Oktober 2011
  7. Video bei der Pendikel-Facebookseite vom 18. November 2012
  8. Facebook-Meldung vom 22. Juni 2014
  9. Facebook-Eintrag zur Auflösung der Band vom 2. Oktober 2014