Peer Raben

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Peer Raben (bürgerlich Wilhelm Rabenbauer, 1940-2007) war Filmmusikkomponist und hat hauptsächlich mit Rainer Werner Fassbinder zusammengearbeitet. Er arbeitete außerdem mit Daniel Schmid und Werner Schroeter, Peter Zadek, Wong Kar-Wai und weiteren. Für Ingrid Caven schrieb er Chansons.

Biografie

Artikel Peer Raben [6] bei der de.wiki

Musik

Vielfältige Techniken aus den unterschiedlichsten Genres der Musik kommen in Peer Rabens Musik unter, dabei wird ein Spannungsbogen von der Populären bis zur komponierten Musik gezogen. Der Cocktailparty-Effekt[1] wird des öfteren bemüht. Zum Abschluss eines jeden Teils Berlin Alexanderplatz von 1980 stellt Raben dasselbe Mundharmonikathema in unterschiedlichen Ausführungen vor. Dabei berührt er unterschiedliche Themen und Genres aus der Musikgeschichte. Das Anfangsthema eines jeden Teils, die Arie Freunde, das Leben ist lebenswert aus Franz Lehárs Operette Giudetta (1934), wird in einem tiefen Hall versenkt und auf diese Weise historisiert, als käme es aus einem Volksempfänger oder direkt vom Grammophon.[2] Für Franz Biberkopf sind die Lieder seiner Zeit immer wieder Fluchtpunkt in eine Art Irresein, in dem er der Welt enthoben scheint. Die Musik und Musikzusammenstellungen Peer Rabens fügen sich nahtlos in die Filmmusikproduktionen seiner Zeit ein. In Fassbinders Filmen spielt der jeweilige Soundtrack eine hervorragende Rolle. Darauf baut zum Teil auch Rabens Ruf auf. Wie üblich setzt er die bekannten Möglichkeiten und Mittel der Filmmusik ein: Parallel zu den Szenen, kontrastierend oder in Stimmungen und Atmosphären überleitend. Klassische Themen, auch aus der Populären Musik, kommen zum Tragen, Elektronische Musik sehr selten. Zuweilen kann ihm Thematizismus vorgeworfen werden. Eine Melancholie umgibt sein musikalisches Schaffen.

Titelmusik zu Eros (Wong Kar-Wai, 2004)

"Raben, who had studied music at various institutions and worked at several state theatres prior to his coming to cinema, not only contributed his own original compositions but was also instrumental in choosing the pre-existing music used in Fassbinder's films. Fassbinder mostly had rather set ideas on the scores, and the placing of Raben's music within a film was a collaborative venture, with decisions being made at the mixing stage."[3]

"How to describe Raben's music? It was as bittersweet as a hurdy-gurdy played on a street corner in Lang's Berlin, or as melancholy as a tango in a Parisian brothel. He was modern, but only in the sense that early 20th-century composers like Stravinsky, Bartok and Kurt Weill are considered modern."[4]

Musik im Epilog von Berlin Alexanderplatz

Im letzten Teil von Berlin Alexanderplatz wird die Musik etwas experimenteller, Franz Biberkopfs Lieblingsplatte wird zum Beispiel bis in ein mulmiges Bassgeschehen, vergleichbar mit Daisy Bell bei Stanley Kubrick, hinabgepitcht und in einen andauernden entrückten Singsang überführt. Wo die Szene in einem Irrenhaus spielt, ist es nicht sicher, ob die Gesänge diegetisch oder nicht-diegetisch angelegt sind. In kurzem und eklektizistischem Abriss werden im Epilog eine Anzahl von Stücken aus der aktuelleren Populären Musik hinterlegt, Janis JoplinMe and Bobby McGee, KraftwerkRadioaktivität, Elvis PresleySanta Lucia, Franz Schubert – Auszug aus Der Tod und das Mädchen, DonovanAtlantis, The Velvet UndergroundCandy Says, Richard Strauss – Also, sprach Zarathustra, das in Stanley Kubricks 2001 von 1968 ebenfalls verwendet wurde, das Wolgalied aus der Operette Der Zarewitsch von Bela Jenbach und Hans Reichert, Leonard CohenChelsea Hotel Nr. 2, Glenn MillerIn The Mood, Dean MartinSilent Night[5]. Die letzte Episode endet in einem chaotischen Mash-Up unterschiedlicher Lieder aus den angehenden 1930er Jahren und referiert deutlich auf die sich ankündigende Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Diskografie

Diskografie [7] bei Discogs

Einzelnachweise

  1. Artikel Cocktailparty-Effekt [1] bei der de.wiki
  2. Rainer Werner Fassbinder – Berlin Alexanderplatz, 1. Teil (1980) [2] bei Youtube
  3. Ronald Bergen – Peer Raben. The man behind the music in Fassbinder's movies (2007) [3] Nachruf beim Guardian
  4. C. Jerry Kutner – Nachruf (2007) [4] bei pantherpro-webdesign.com
  5. Dean Martin vgl. den Artikel Berlin Alexanderplatz (Fernsehverfilmung) [5] bei der de.wiki

Weblinks

  • Artikel Peer Raben [8] bei der en.wiki
  • Katja Nicodemus – Nachruf (2007) [9] bei der Zeit

Links im November 2018.