No Wave

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abgrenzung
Ursprünge: Punk, Jazz, Experimentelle Musik / Avantgarde
Herkunft: New York City
Zeitraum: 19781982
Anders als: New Wave, Post-Punk

No Wave war eine zeitlich und räumlich begrenzte, aber sehr einflussreiche Musikform, die in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in New York zu verorten ist. Kennzeichen waren ein vom Punkrock übernommener radikal antikommerzieller und antimusikalischer (im Sinne von instrumentaler Virtuosität) Ansatz sowie die aus der experimentellen Musik entliehene Betonung amelodischer und atonaler Elemente, was sich stilprägend unter anderem auf den Noiserock, Industrial und Indierock der Achtzigerjahre auswirkte.

Einführung und Geschichte

Arto Lindsay von DNA

Als die ersten Schockwellen der Punkrock-Explosion von 1976 langsam im Abflauen begriffen waren, traten bereits die Schwachstellen der Bewegung zutage. Bands wie die Sex Pistols verstrickten sich in profilneurotischen Auseinandersetzungen, andere lösten sich auf oder begannen teilweise Zugeständnisse an den Mainstream zu machen. Zudem hatte die Musikindustrie das kommerzielle Potenzial von Punkrock entdeckt und lancierte einen zugänglicheren Sound, der einer breiteren Hörerschaft vermittelbar schien. Das Resultat nannte sich New Wave und brachte Ende der 1970er Erfolgsbands wie Blondie, The Police oder XTC hervor, die zwar den reduzierten Ansatz von Punk und der kantigeren New Wave-Schwesterbewegung Post-Punk aufwiesen, durch eingängige Songs und ein Mindestmaß an technischer Beherrschung ihrer Instrumente aber bereits mit mindestens einem Bein im Pop standen.

Die Gegenbewegung zu dieser leicht(er) verdaulichen Musikform nannte sich No Wave und entstand aus dem Künstler- und Undergroundmilieu der US-Ostküstenmetropole New York. MusikerInnen, KünstlerInnen und sonstige Akteure der dortigen Szene – das Hand-in-Hand-Gehen von Musik, bildender Kunst und Film sollte zu einem Markenzeichen des No Wave werden – setzten dem New Wave eine offensive Form von Musik entgegen, die sich stilistisch auch aus Jazz, Blues und Avantgarde bediente und sich einer radikal antikommerziellen Politik verschrieb. Musikalisch setzten die No Wave-Acts auf repetitive Rhythmen, Atonalität und flächige Noise-Sounds, die zum Teil aus dem Free Jazz entliehen waren, doch auf dessen technische Virtuosität verzichteten. Zu seinem Namen kam das Genre, als der vormalige Roxy Music-Vordenker und Talking Heads-Produzent Brian Eno im Jahr 1978 zwei Konzertabenden in New York beiwohnte, bei dem D.N.A. (mit dem Avantgardegitarristen Arto Lindsay), James Chance and the Contortions, Mars und Teenage Jesus and the Jerks (mit der noch minderjährigen Lydia Lunch) spielten. Eno war so beeindruckt von der Radikalität der Performances, dass er vorschlug, mit den vier beteiligten Bands eine Kompilation aufzunehmen, was dann auch geschah und unter dem Titel "No New York" veröffentlicht wurde.

Bis etwa 1982 war die No Wave-Szene produktiv und übte großen Einfluss auf die nachwachsenden Bandgenerationen aus, allen voran die 1981 gegründeten Sonic Youth. Darüber hinaus waren es vor allem die unkommerziellen Rock-Genres der Achtzigerjahre wie der Noiserock von Big Black und Helmet oder der Industrial von Swans, Foetus und der späteren Ministry, die Inspiration aus der rohen Kreuzung von Avantgarde, Punk und Lärm des No Wave zogen. Auf der Jazz- und Experimental-Seite waren es beispielsweise Glenn Branca mit seinem E-Gitarrenorchester (dem auch Helmets Page Hamilton angehörte) oder John Zorn, die dem No Wave verbunden waren. Filmemacher wie Jim Jarmusch und Richard Kern (in dessen Filmen auch Lydia Lunch und Henry Rollins mitspielten) galten als Vertreter des angegliederten "No Wave Cinema", das mit radikalen, oftmals in Schwarz-Weiß gedrehten Filmen die finsteren und perversen Seiten des New Yorker Großstadtlebens porträtierte.

Im weiteren Verlauf der 1980er ging die No Wave-Szene dann auseinander, ihre ProtagonistInnen blieben allerdings dem Underground-Musik- und -Kulturschaffen treu.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

Wichtige Alben:

Vorläufer

Wichtige Labels