Nightcore

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Nightcore ist ein seit etwa 2012 vorstelliges Genre, bei dem unterschiedlichste Stücke aus der Pop- und Rockmusikgeschichte zitiert, bearbeitet oder einfach hochgepitcht werden. Der Vorgang nennt sich Nightcoring. Überschneidungen gibt es mit dem Dubstep. Bei Nightcore handelt es sich vornehmlich um Radio- oder Clubmusik. Der Nightstep unterscheidet sich durch synkopierte Beats und etwas langsameres Tempo. Die restriktiven Genregrenzen des Nightcore weisen auf Assimilierungsbestrebungen in Richtung Genrebildung und -bestätigung hin. Entsprechend früh hat sich der Nightstep ausdifferenziert. Es gibt auch ein Musikprojekt mit dem Namen Nightcore, das nur wenig mit dem Genre gemein hat und seit 2002 aktiv ist. Ähnliche Ansätze finden sich zum Beispiel im Funpunk, im Gabber oder im Speed Garage.

<– Nightcore – Love Again Pentatonix (2015)

  • Das Pitchen – die Differenz ist beim Video oben nachvollziehbar – ermöglicht es, für Musik einen Zugang zu finden, die im Original unhörbar, weil übermäßig perfektioniert und geglättet, erscheint. Die Manierismen auf der klanglichen Ebene werden auf diese Weise eingeschliffen und die Stücke auf andere Weise plausibel. Das einfache Pitchen kann als Trash-Element oder subversiver Akt verstanden werden. Ein hoher Grad an Virtualisierung ist Kennzeichen der Rezeption, besonders im Setzusammenhang – Miku Hatsune nimmt eine Sonderstellung in den Videos ein. Die Virtualisierung bei der akustischen Rezeption findet derart statt, dass die Vordergrundstellung der Beats und die Verlagerung der Aufmerksamkeit auf das gesteigerte Tempo zu einer Sublimierung, einer sublimen Wahrnehmung der Melodien und Motive im Hintergrund, führen, die infolge auf zweiter Ebene durchweg latent bestätigt werden – im Vordergrund steht auf dem Dancefloor jedoch das Headbangen. Auch die Annäherungen der Stimmen des Originals durch das Pitchen tragen dazu bei. Wo der getrimmte Mainstream die Sehnsüchte großer Teile des Undergrounds durch Ausführlichkeiten bei der Klanggestaltung absorbiert und derart zerstört, ist ein emotionaler Zugang zu Melodien und Motiven oder auch Beats nach dem Pitchen wieder denkbar. Das einfache Pitchen kann eine Art geträumter Gegenwelt erzeugen, die sich nahe an der erlebten Welt befindet.

Nightcore ersetzt die HR-3-Nachtmusik des 20. Jahrhunderts, ohne dass ein signifikanter Schlummerverlust entsteht. Die hohen Tempi werden durch die Melodien und die leicht emphasierende Wirkung memorisierbarer Zitate kompensiert, was ein angenehmes Grundgefühl beim Schlummern erzeugen kann, und die geringe Beanspruchung des ansonsten oft geforderten Spannungs- / Entspannungsfaktors, wie sie für Radiomusik in der Nacht üblich ist, tut das ihrige. Die Dynamikschwankungen sind entsprechend gering gehalten. Das Radioformat trifft sich hier mit dem High-NRG-Element, das stete Pressure verlangt, die Stücke nerven, nahe am Weißen Rauschen, auch nach Stunden nicht und fördern den Schlummer deutlich. Das Headbang-Element unterstützt das regelmäßige Atmen beim Einschlafvorgang, Melodien und Motive werden bestenfalls physiologisch einverstanden am Mittelpunkt der Körperlänge, eineinhalb fingerbreit unterhalb des Bauchnabels, gesammelt, mit dem Atem zusammengebracht und als freudvoll oder angenehm empfunden. Dass sich die Stimmen durch das Pitchen fast durchweg im Jubilierbereich befinden, stört kaum. Ein Einschlafvorgang im Lächeln wird auch durch die einfachen Distanzen der Bearbeitungen zum Original unterstützt. Doo-Wop- und A-Cappella-Elemente sind des öfteren zu finden. Das Auto-Tune findet sich in diesem Zusammenhang, aufgrund der Vorrangstellung der Referenzen sonst jedoch nicht mehr so sehr. Alle Stücke sind strikt 4-to-the-Floor. Happy-Hardcore-Elemente finden sich bis hin zum Chipmunk. Trance-Elemente mischen sich ein. Seit 2017 gibt es auf Youtube diverse Live-Stream-Angebote, die Internet-Radios faktisch entsprechen. In vielen Stücken spielt ein episches Moment eine Rolle.

Weblinks

  • Artikel Night Core [1] bei der en.wiki
  • Artikel Nightcore (Musikstil) [2] bei musik.wikia.com
  • Nightcore Radio [3] "Pitched up vocals, happy hardcore beats, and high energy music" bei di.fm

Musik

  • Profil NightcoreReality [4] Playlists bei Youtube
  • Nightcore – Daft Punk / Pentatonix (2013) [5] bei Youtube
  • Digital Daggers – Bad Intentions (Nightcore Edit, 2015) [6] bei Youtube

Links im Oktober 2017