Neue deutsche Härte

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Abgrenzung
Ursprünge: Metal, Heavy Metal, Hardcore, Crossover, Deutschrock
Herkunft: Deutschland
Zeitraum: ca. 1995
Anders als: Rechtsrock

Einführung und Geschichte

Neue Deutsche Härte (NDH) ist eine vor allem seit dem internationalen Erfolg der deutschen Band Rammstein populär gewordene Variante harter Rockmusik, die sich durch Verwendung von provokativen deutschen Texten in Verbindung mit harten Metal-Gitarrensounds und einfachen Keyboard-Melodien auszeichnet. Durch die deutschen Texte und den Vergangenheitsbezug mancher Bands auch zu deutschsprachigem Mittelalter-Metal.

Bedeutende Initiatoren der NDH waren unter anderem Die Krupps, insbesondere aber Laibach, die durch martialisches Bühnengebahren und entsprechendem Gesang (sehr wichtig hier das rollende R) besonders starken Einfluss auf die Musik und die visuelle Erscheinung Rammsteins ausübten.

NDH = Rechtsrock?

Als circa 1994 zunehmend Bands aus dem harten Gitarrensektor begannen, mit deutschen Texten zu arbeiten, schälte sich zunächst noch keine einheitliche politische Linie dabei heraus. Eher zeichneten sich Gruppen wie Kind Tot, Schweisser, Oomph!, Fleischmann oder Eisenvater durch provokative Texte aus, die von psychischen Abgründen, freigesetzten oder unterdrückten Aggressionen oder generell tabubehafteten Themen handelten. Auf der Seite der Popkritik sorgte dies recht bald für eine Diskussion, ob genannte Gruppen sich überhaupt in den Linkskonsens des weiteren Indierockkontextes einfügen ließen oder wollten. Die in Frage gestellten Acts beriefen sich auf einen unpolitischen bzw. anti-extremistischen Standpunkt, und Bands wie Rinderwahnsinn (bei denen auch Harmful-Bassist Chris Aidanopoulos mitspielte) rechtfertigten eine Tour mit den äußerst umstrittenen Böhsen Onkelz, indem sie wiederum auf die unpolitische Haltung jener Gruppe verwiesen.

Eine neue Qualität erreichte die Diskussion nach dem globalen Erfolg von Rammstein, die 1997 ihr zweites Album "Herzeleid" veröffentlicht hatten. Das Quintett aus Schwerin perfektionierte den mit NDH identifizierten Stil mit der Inszenierung von rußbeschmierten, muskulösen Männerkörpern, aufwändiger Pyrotechnik bei Liveshows sowie der Thematisierung von Unterwerfung, (sexueller) Gewalt, Prostitution und anderen Extremen, verbunden mit bedenklich unbefangener Verwendung von faschistischer bzw. totalitärer Ästhetik (u.a. das Video zum Depeche Mode-Cover Stripped, in dem Teile von NS-Regisseurin Leni Riefenstahls Film über die Olympiade 1936 in Berlin gezeigt werden). Hinzu kam eine zunehmende Begeisterung von zunehmend rechteren Gruppen von Jugendlichen für diese Musik, und noch verschärft wurde die Kontroverse durch eine lange Zeit ausbleibende klare politische Stellungnahme Rammsteins zu ihrem rechten Image und den entsprechenden Fans.

Im Zuge des Rammstein-Erfolgs orientierten sich dann Bands wie Richthofen, Megaherz oder der ehemalige NDW-Star Joachim Witt am Stil der Vorbilder und versuchten, durch explizites, vermeintliches "Deutschtum" in Text und Musik das Spiel mit dem Tabu für sich zu nutzen. Ein bezeichnender Moment auf der Höhe der NDH-Diskussion war ein Interview von Josef Klumb, Sänger der sich ebenfalls als unpolitisch bezeichnenden NDH-Band Weißglut, das dieser der rechten Postille Junge Freiheit gab und dabei unter anderem verkündete: "Ich glaube an die Lichtgestalt dieser geschändeten Nation." Diese Äußerung ist als symptomatisch für den vermeintlich "unverkrampften" Umgang mit "deutscher Sprache und Musik" vieler NDH-Bands zu begreifen, hinter der zumeist Kalkül, zumindest aber Gedankenlosigkeit zu vermuten ist. Eine pauschale Gleichsetzung der Neuen Deutschen Härte mit dem offen rechtsextremen Rechtsrock von Gruppen wie Landser ist jedoch ebenfalls nicht zu begründen.

Der Wendepunkt: 2001

Nach immer größer werdendem öffentlichen Druck auf die Band Rammstein sah sich deren Sänger Till Lindemann schließlich dazu veranlasst, der Zeitschrift "Stern" ein Interview zu geben, in welchem er sogar ein härteres Durchgreifen des Staates im Umgang mit möglicherweise gewalttätigen rechten Jugendlichen forderte. Das musikalische Statement erfolgte dann in Form des Songs Links 2–3–4 mit der programmatischen Zeile "...und mein Herz schlägt links, zwo, drei, vier", wonach sich die Vorwürfe bezüglich rechter Tendenzen bei Rammstein endgültig erledigt hatten. Danach hatte die "Neue Deutsche Härte" auch ihren Trendstatus größtenteils verloren, und viele der Nachahmer-Bands lösten sich im weiteren Verlauf auf. Einige rechte Trittbrettfahrer wie Stahlbeton verschrieben sich offen dem Rechtsrock, und lediglich einige "korrekte" Veteranen – neben Rammstein vor allem die NDH-Pioniere Oomph! – konnten ihren Erfolgsstatus auch kommerziell verteidigen. Benachbarte Stilrichtungen wie der Mittelalter-Metal mit Exponenten wie In Extremo, Tanzwut oder Schandmaul sind jedoch erfolgreicher denn je.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands:

Wichtige Alben:

  • Rammstein: Herzeleid, Sehnsucht

Wichtige Songs

  • Rammstein: Asche zu Asche, Engel
  • Heppner + Witt: Die Flut

Vorläufer

  • Laibach
  • Die Krupps

Siehe auch

Literatur

  • Martin Büsser: »Neue deutsche Härte« – Nationalisierung durch Musik, in: Der Rechte Rand, Heft 74 (Januar/Februar 2002), [1]
  • Martin Büsser: Wie klingt die Neue Mitte? Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik, Mainz: Ventil Verlag 2001
  • Wolf-Rüdiger Mühlmann: Letzte Ausfahrt: Germania. Ein Phänomen namens neue deutsche Härte., I.P. Verlag 1999

Weblinks