Mutter

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Mutter
Mutter 2010 in Trier
Mutter 2010 in Trier
Herkunft: Berlin
Aktiver Zeitraum: seit 1986
Genres: Indierock
Labels: Tödliche Doris Schallplatten, What's So Funny About.., Die eigene Gesellschaft, enduro
Homepage: MutterMusik.de
Line-Up:
Max Müller: Gesang
Heri F. Coltello: Gitarre (seit 2007)
Michael Fröhlich: Bass (seit 2007)
Florian Koerner von Gustorf: Schlagzeug
Ehemalige Mitglieder:
Frank Behnke: Gitarre (1986–2002)
Kerl Fieser: Bass (1986–2007)
Achim Treu: Gitarre (2003-2005)
Martin Höfermann: Gitarre (2005–2007)

Die Berliner Band Mutter ging 1986 in der Besetzung fast unverändert aus der Band Camping Sex hervor.

Bandgeschichte

"Natürlich ist MUTTER in erster Linie eine Rockband, auch wenn irritierte Kritiker ihre Musik mit unpassenden Trivialklischees wie: Noise Rock, Art Core oder Doom Metal belegen." Dieses Zitat von ihrer Homepage verdeutlicht die Stellung der Band Mutter in der deutschen Musikszene. Der Vorläufer nannte sich Camping Sex und vereinte mit Sänger/Bassist Max Müller, Gitarrist Frank Behnke und Schlagzeuger Florian Koerner von Gustorf bereits drei Viertel der späteren Mutter-Besetzung, bald ergänzt durch Kerl Fieser am Bass. Textlich so abgründig, wie es der deutschsprachige Rock bis dato nicht gewagt hatte (siehe den Titel des 1989 erschienenen Debüts "Ich schäme mich Gedanken zu haben, die andere Menschen in ihrer Würde verletzen"), mischten Mutter Einflüsse des US-amerikanischen Underground-Rocks zwischen Noise, Doom und Indierock mit der noch recht jungen Tradition speziell der Berliner Post-Punk-Szene. Das erste Album erschien folgerichtig auf dem Label des Bruders von Sänger Max Müller, Wolfgang Müller von Die tödliche Doris, doch war die Zeit für Mutter noch nicht reif. Erst mit dem Wechsel zu Alfred Hilsbergs What's So Funny About.. und dem Aufblühen der Hamburger Schule gerieten auch Mutter mehr in den Fokus der Poprezeption, wenn sie auch mit den folgenden Alben "Komm" und "Du bist nicht mein Bruder" weiterhin eine Ausnahmestellung im deutschen Indie-Geschehen behielten. Mit "Hauptsache Musik" von 1995 jedoch stießen Mutter ihre Die-Hard-Fans vor den Kopf, denn wo vorher böse-schleppender Krach mit zynischen Texten geherrscht hatte, war nun geradezu Schlager-artiges Liedgut mit entsprechenden Lyrics zu hören. Außerdem war "Hauptsache Musik" das erste Album der Band, das auf deren eigenem Label Die eigene Gesellschaft veröffentlicht wurde. Max Müller veröffentlicht ebenfalls 1995 sein selbstbetiteltes Solodebüt, dem bis heute drei weitere Alben folgen sollten. Mit "Nazionali" von 1996 erweist sich der "Hauptsache Musik"-Stilschock dann doch als U-Turn, und es sind wieder klassischere Mutter-Klänge zu hören. 1997 erscheint mit "Konzerte I" noch eine Liveplatte, danach wird es jahrelang still um Mutter.

Erst 2001 kehrt die Gruppe mit "Europa gegen Amerika" (nun wieder auf What's So Funny About) zurück, von nun an mit öfter wechselndem Lineup. Das Album erweist sich als geradezu gespenstisch prophetisch, denn nicht nur ist im Booklet eine mit den Worten "Das ist der Todfeind" beschriftete Karikatur des damaligen US-Präsidenten George W. Bush dar, der vor brennenden Hochhäusern im Hintergrund die Weltkugel verschlingt, sondern es erscheint auch noch am 10. September 2001, also exakt einen Tag vor dem Anschlag auf das World Trade Center. Das Album wird folglich fast ausschließlich auf den sich anschließenden "Krieg gegen den Terror" hin interpretiert, was die Band wiederum heftig zurückweist. Neben den erwähnten Personalturbulenzen – Frank Behnke und Kerl Fieser verlassen Mutter, zwischendurch ist auch Achim Treu (u.a. Der Plan und Dauerfisch) Gitarrist, während Tom Scheutzlich als Keyboarder hinzukommt – lässt auch eine richtige neue Albumveröffentlichung der Gruppe auf sich warten, da die LP "CD des Monats" (sinnigerweise nur auf Vinyl erhältlich) auf nur 500 Einheiten limitiert ist. Dafür kommt 2005 mit "Wir waren niemals hier" der erste Film über Mutter heraus, der die Band bei aktuellen und früheren Livekonzerten und in Interviews zeigt. Außerdem werden einige frühe Mutter-Werke wiederveröffentlicht, und es erscheint mit "Das ganze Spektrum des Nichts" eine erste Best Of.

Das insgesamt achte Mutter-Studioalbum mit dem Titel "Trinken, Singen, Schießen" hat dann eine sehr gewundene Entstehungsgeschichte. 2009 fertigt Max Müller im Sinne des u.a. schon von den Einstürzenden Neubauten praktizierten Subskriptionsmodells zunächst 99 "Schuldverschreibungen" in Kaltnadelradierung an, die Fans der Band erstehen und somit die Aufnahme der Platte vorfinanzieren können. Anfang 2010 beginnt die Band dann mit den Aufnahmen zur Platte in Hamburg unter der Produktionsleitung von Tobias Levin, doch werden die Sessions schließlich abgebrochen, da Band und Produzent sich nicht auf eine funktionierende Arbeitsweise einigen können. Schließlich spielen Mutter alle Spuren bis auf die Schlagzeugtracks noch einmal neu ein, und am 6. August 2010 erscheint "Trinken, Singen, Schießen" wieder auf dem bandeigenen Label, begleitet von euphorischen Rezensionen (u.a. Album des Monats in der Spex). Bereits im folgenden Jahr erscheint der Nachfolger "Mein kleiner Krieg".

Kollaborationen

Diskographie

Alben
Compilations
Live
  • 1997 Konzerte I (1986-1991) (Die eigene Gesellschaft/EFA)

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts Leser Charts
Spex Spex
1993 Du bist nicht mein Bruder 30
1994 Hauptsache Musik 24 20
2001 Europa vs. Amerika 46
2005 Das ganze Spektrum des Nichts 48 20
2010 Trinken, Singen, Schießen 2 26
2011 Mein kleiner Krieg 27

All-Time-Charts

Du bist nicht mein Bruder

Kompilationsbeiträge

Trivia

  • In dem 1993 von Jörg Buttgereit gedrehten Film "Schramm" über einen Serienkiller spielt Mutter-Schlagzeuger Florian Koerner von Gustorf die Hauptrolle, während Max Müller den Soundtrack gestaltet.
  • Abgesehen vom Musizieren über Stummfilmpornos bei der Berlinale 1995 und einem Boxkampf zwischen Gustorf und Fieser als Gegenveranstaltung zur Dokumenta 1995 sorgen die brachialen, ausufernden, polarisierenden Konzerte von Mutter wiederholt für Medieninteresse.
  • Auf dem 2011 erschienenen Sampler Wir kommen hier wech! (Punk, Post-Punk und Hardcore aus Ostwestfalen-Lippe 1979-1990) finden sich die 1982 entstandenen Aufnahmen von Projekten von Florian Körner von Gustorf und Frank Behnke. Florian Körner von Gustorf ist mit der Band Fucking Horst vertreten und Frank Behnke mit Terminated Alien. Kurze Zeit später sind die beiden von Ostwestfalen nach Berlin gezogen und haben dort ihre musikalische Entwicklung zusammen mit Max Müller vorangetrieben.

Referenzbands

Coverversionen

Mutter covern...

  • John Lennon: Imagine (in einer 2 Stündigen Liveversion)

Mutter werden gecovert von...

Videoclips

  • Super-8-Clip zu "Die Erde wird der schönste Platz im All"

Videos

  • "Die neue Zeit"
  • Dokumentation "Wir waren niemals hier" ab Oktober 2005 im Kino, 2007 auf DVD.

Weblinks

Homepage