Musikalisches Werk

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bei einem Musikalischen Werk oder „Werk“ handelt es sich um die Gesamtheit der von einem Komponisten oder einer Gruppe geschaffenen musikalischen Ereignisse. Musikalisches Werk verweist so auf das Gesamtwerk eines Musikers. Alternativ kann von Schaffen oder Gesamtschaffen die Rede sein. Werk ohne den Zusatz „Musikalisches“ kann auch für eine einzelne Komposition, ein dann oft so genanntes Schlüsselwerk, stehen. Der Werkbegriff in Referenz auf eine bestimmte Komposition ist eng an das Vorhandensein einer Notation, zum Beispiel einer Partitur in der traditionellen, westlichen Notenschrift, gebunden.

Als Kriterien eines musikalischen Werks nennt Kework Kalustian (ausgehend von Theodor W. Adornos Musikphilosophie): „›Verdinglichung‹, ›Sprachähnlichkeit‹, ›Vermittlung‹, »ästhetischer und syntaktischer Sinn«, ›Mimesis‹, ›Wahrheit‹, und ›Hörertypologie‹. Sie alle sind für den Werkbegriff entscheidend.“[1]

Kritik des Werkbegriffs

Pejorativ ist oft die Rede von Werk im Sinne von Machwerk. Die in den Musikwissenschaften vorliegende Kritik des Werkbegriffs bezieht sich auch auf die, mit der Verwendung des Worts verbundene, Überhöhung von Musik. Die Kritik des Werkbegriffs steht hier in engem Zusammenhang mit einer Kritik am Pathos in der Musik seit den 1920er bis 1940er Jahren. Oft wird eine derartige Wertung im Bereich der Musik mit dem Adjektiv wagneresk versehen.

„Durch offene Formen und variable Strukturen der Aleatorik, durch grafische Notationsformen und die Idee des Work in progress, die dem Werk nichts Abgeschlossenes mehr beimaß, sondern es nur als Stufe bei der Lösung kompositorischer Problemstellungen betrachtete“ wurde der traditionelle Werkbegriff von John Cage und vielen anderen Komponisten im 20. Jahrhundert infrage gestellt.[2]

[4] <– Dror FeilerMüll (2008), bei Soundcloud      „... das Ende der Neuen Musik“?

Das Computerzeitalter dürfte der Kritik des Werkbegriffs noch einmal erheblich Vorschub geleistet haben. Emily Howell, eine Software von David Cope, generiert seit den 1990er Jahren ununterbrochen Stücke erfolgreicher Komponisten: „Zwar hatte man die Stücke so noch nie gehört, aber die individuelle Handschrift war unverkennbar.“[3]

<– Emily Howell – Beethoven 10. Sinfonie (2012)

Der Werkbegriff in der Popkultur

Auch der Begriff der Authentizität, der in der Popkultur oft in Zusammenhang mit einem, wie auch immer gearteten, Werkbegriff verhandelt wird, ist inzwischen hinterfragbar. Eine These lautet zumindest in der Theorie: „Die Populärkultur der Gegenwart hat sich von dem Paradigma des Beseelten und Originellen ohnehin lange verabschiedet.“[4]

Siehe auch

Komposition, Algorithmische Komposition, Populäre Musik, Elektronische Musik, Equipment, Genre und Stil, Muzak, Authentizität, Stück (Musik), Repetitive Musik, Computermusik, Klassische Musik, Europa.

Literatur

  • Staatliches Institut für Musikforschung (2008): Werk, Wirkung und Aktualität. Carl Dahlhaus und die Musikwissenschaft. (Abstracts zu einem Symposium an der HU Berlin, SIMF)
  • Nikolaus Urbanek (2010): Auf der Suche nach einer zeitgemäßen Musikästhetik. Adornos „Philosophie der Musik“ und die Beethoven-Fragmente. (Bielefeld: Transcript)
  • Kework Kalustian (2010): Über den Werkbegriff. Überlegungen und Positionen ausgehend von der Musikphilosophie Theodor W. Adornos. (Studienarbeit, Norderstedt: GRIN)

Einzelnachweise

  1. Kework Kalustian – Über den Werkbegriff. Überlegungen und Positionen ausgehend von der Musikphilosophie Theodor W. Adornos. (2010) [1] Exposee zu einer Studienarbeit
  2. Zitiert wird Heinz-Wilfried Burow im Artikel Musik [2] bei der de.wiki
  3. Felix Stephan – Wo Computer komponieren wie Bach und Mozart (2013) [3] bei Welt.de
  4. Felix Stephan, ebd.

Weblinks

  • Eine Veranstaltungsreihe des HKW über das sogenannte Anthropozän: „Unser Musik-Kanon ist schon längst durch das Interesse an nichteuropäischer Musik erweitert worden. Nun ist es an der Zeit, noch einen Schritt weiter zu gehen: Im Menschen-Zeitalter wirft das HKW einen Blick darüber hinaus und präsentiert Kompositionen von Maschinen, Tieren und Zufällen.“ [5] Unmenschliche Musik im Rahmen des Anthropozän-Projekts im Haus der Kulturen der Welt, Berlin 2013
  • Daniel CioccoloniTimeline of modern/contemporary composers (2013) [6] Zeitachse der bedeutendsten Komponisten moderner und zeitgenössischer Musik bei Youtube
  • Liste Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts [7] ohne Datum bei der Universität Oldenburg

Links im Juni 2017.