Molekulare Musik: Unterschied zwischen den Versionen

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Algorithmen als Annäherungen zur Transposition der DNA und ihrer Prozesse werden bei David Lindsay beschrieben.<ref>David Lindsay – ''A Striking Resemblance: DNA Dissociation as a Rhythmic Event'' (2002) [http://www.lazslo.com/dnaarticle.html] bei ''Lazlo.com''</ref> Verwendet werden Rhythmusgeneratoren, die soweit wie möglich im Vergleich zu den beobachteten Prozessen analog eingestellt werden. Das poetisch-metrische System akzentuiert bei den energetischen Kräften der Zerstörung der Wasserstoffbrücken auch die Pausen im Dissoziationsprozess .<ref>ebd., Lindsay</ref> Unterteilt wird in repetitive und non-repetitive Sequenzen.
 
Algorithmen als Annäherungen zur Transposition der DNA und ihrer Prozesse werden bei David Lindsay beschrieben.<ref>David Lindsay – ''A Striking Resemblance: DNA Dissociation as a Rhythmic Event'' (2002) [http://www.lazslo.com/dnaarticle.html] bei ''Lazlo.com''</ref> Verwendet werden Rhythmusgeneratoren, die soweit wie möglich im Vergleich zu den beobachteten Prozessen analog eingestellt werden. Das poetisch-metrische System akzentuiert bei den energetischen Kräften der Zerstörung der Wasserstoffbrücken auch die Pausen im Dissoziationsprozess .<ref>ebd., Lindsay</ref> Unterteilt wird in repetitive und non-repetitive Sequenzen.
  
*Beispiel: ''A Thousand Apologies'' [http://www.lazslo.com/athousandapologies.mov]
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*Beispiel: David Lindsay – ''A Thousand Apologies'' [http://www.lazslo.com/athousandapologies.mov]
 
*Komposition: ''In defense of Nonsense-DNA'' [http://www.lazslo.com/apologetics.html]
 
*Komposition: ''In defense of Nonsense-DNA'' [http://www.lazslo.com/apologetics.html]
 
*Background: ''DNA Copyright Lecture'' [http://www.lazslo.com/dnalecture.html]
 
*Background: ''DNA Copyright Lecture'' [http://www.lazslo.com/dnalecture.html]

Version vom 24. Januar 2014, 22:24 Uhr

Molekulare Musik ist eine Methode der Erschließung von Musik aus den physikalischen Eigenschaften molekularer Objekte und gehört in der engeren Definition in das Gebiet der Spektralmusik. Musik wird als „Kombination elementarer Wellenformen“ verstanden.[1] Die Analysetätigkeit ermöglicht Aufschlüsse über Mikroprozesse in der Biophysik, die auf die Gestalt der Musik zurückwirken sollen und hauptsächlich zur Repräsentation von Konzepten oder Objekten im bewegten Mikrokosmos lebender Organismen gesucht werden.[2] Oft wird mit molekularer Musik auch ein mehr assoziatives Verständnis verbunden.

Hintergrund

"All acoustic phenomena, including 'sound', are the result of mechanical movements of physical objects within or upon the surface of a solid, gaseous, or liquid acoustic medium such as steel, air, water, etc.. In the case of the acoustic phenomena we call 'sound', the movement of physical objects occurs at or close to audio frequency so that the resulting waves or pattern of waves passing through an acoustic medium do so at audio frequency. When these audio frequency waves impinge on the human listening apparatus [(the inner ear)] the result is that 'sound' is perceived in the human brain."[3]

Erzeugt werden zum Beispiel molekulare Töne, molekulare Tonleitern und molekulare Musikstücke. Im Mittelpunkt stehen die Möglichkeiten der Musterekennung (pattern recognition). Der Begriff molekular weist eine engere und eine weitere Definition vor, bei der engeren geht es um Bewegungen von Molekülen und ihre Übersetzung mittels Spektralanalyse und Vergleich, dann Transposition in den hörbaren Bereich und gegebenenfalls Ausführung. Die verwendeten Instrumente sind hier: Spektrometer, Computer, statistische Erkenntnisse.

Bei der weiteren Definition wird ein intuitiver Ansatz verfolgt, der zum Beispiel im Rahmen der therapeutischen Entspannungsmusik Verwendung findet, aber in der populären Musik auch als Stilelement zum Beispiel von Ambient, Meditationsmusik, Minimalismus, postapokalyptischer Musik und ähnlichem Ausdruck findet. Instrumente sind: Sinnlich-spontane und intuitive Verwendungen musikalischer Module auf Grundlage der musikalischen Erfahrungen. Die Unabhängigkeit vom Instrumentenklang wird zum Beispiel durch die interaktive Anwahl ausführender Instrumentenpresets ermöglicht, das Sounddesign ist damit restriktiv zu nennen.[4] Viele Ansätze sind eher subjektiver Natur. Die Musikerin und Biochemikerin Linda Long versteht den Begriff als Grundlage für ein Verständnis von Leben und der vielfältigen Erscheinungsfomen der Natur anhand des Computers und mittels Computermusik. Molekulare Musik sei hinsichtlich der therapeutischen und didaktischen Resultate sowie in ihrer Bedeutung für Forschung und experimentelle Musik von Interesse. Bei der Musik handelt es sich um intuitive Beschreibungen der Bewegungen von Hormonen und pflanzlichen Proteinen.[5] Joe Davis hat bereits in den 1980er Jahren im Rahmen einer Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der Harvard-University und des MIT versucht, mittels der Sonifikation von Vaginalkontraktionen Aliens zu kontaktieren.[6] In seinen neueren Arbeiten übersetzt er die DNA des Menschen in musikalische Folgen (siehe Weblinks): "Different organisms make different sounds in the way that say, the sounds of horses are perceived as different than the sounds of sheep."[7] Für David Lindsay kommt neben den tonalen Eigenschaften der Nukleinsäuren, aus denen die unterschiedlichen Proteine gebildet werden sowie der Reproduktionprozesse auch die Dissoziation, bzw. der Zerfall der Moleküle als Ausgangspunkt akustischer Ereignisse infrage.[8] Die Signatur soll charakteristische temporäre Ereignisse beschreiben. Walter Bauer hat 1996 die Titelmelodie von Dr. Schiwago auf Grundlage eines Samples gespielt, das er aus der spektrometrischen Betrachtung von Azeton in einem CDC13-Protein erhielt (CDC bedeutet Zellteilungszyklus). Verwendet wurden Pulssequenzen des Kernresonanz-(NMR)-Spektrometers der Universität Erlangen auf Grundlage des acoustic monitoring.[9][10]

Das Molekulare als theoretischer Begriff

Der Begriff des Molekularen findet in der Musik auch Eingang durch den diesbezüglichen Ansatz von Gilles Deleuze und Félix Guattari (Tausend Plateaus), der besonders in den 1990er Jahren als Hintergrund für komplexere elektronische Musik Verwendung fand.[11] Molekular bezieht sich hier nicht unbedingt auf das Molekül als physikalische Größe, sondern auf ein Konzept der Dekonstruktion von Hierarchien wie Molar / Molekular oder Materie / Form.[12]

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<– Die Kraft des Zufalls und die Brownsche Bewegung zur Darstellung von Molekülbewegungen im Experiment.

Sonifikation

Sonifikation wird die Übertragung und Umwandlung von Daten in Klangereignisse genannt (siehe auch: Transposition). Dazu gehört zum Beispiel das Hörbarmachen mikroskopischer Bewegungen, zum Beispiel auch das Klangspektrum von Wassertropfen, Kleintieren, elektromagnetischen Strömungen usw.. Molekulare Schwingungsformen mit Frequenzen zwischen 30 GHz und 300 THz werden per Spektrometer sichtbar gemacht, visuell oder durch Vergleich mit anderen Spektren ausgewertet und übertragen.[13] Eines der ersten Instrumente zur Sonifikation ist der Geigerzähler (1908).[14] Sonifikation dient, wo sie keinen explizit-musikalischen Zweck verfolgt, dem begleitenden und vertiefenden auditiven Monitoring von Mikroprozessen. Zur Umsetzung werden unterschiedliche Zeitskalen flexibel verwendet. Mikrofone, die ankommende Geräusche in elektromagnetische Schwingungen übersetzen, die dann wieder in Geräusche zurückübersetzt werden, sind bis heute nicht in der Lage, „mikroakustische Signaturen“ individueller Zellen aufzunehmen.[15] Grundlage sind deshalb Bewegungen von Molekülgruppen, -massen oder -schwärmen. Der hörbare Bereich inklusive des psychoakustischen Spektrums wird dabei als Klangfeld verstanden, in dem sich Mikroprozesse abbilden und „entlang“ der je verwendeten Zeitachse formulieren.[16]

Makromolekulare Strukturen

Programmheft [19] bei dspace.mediaartbase (wird noch eingearbeitet : |

Instrumente, Algorithmen

Einfache Spektrometer, Spin-Anregungs-Spektroskopie, Rastertunnelmikroskopie.[17]

Algorithmen als Annäherungen zur Transposition der DNA und ihrer Prozesse werden bei David Lindsay beschrieben.[18] Verwendet werden Rhythmusgeneratoren, die soweit wie möglich im Vergleich zu den beobachteten Prozessen analog eingestellt werden. Das poetisch-metrische System akzentuiert bei den energetischen Kräften der Zerstörung der Wasserstoffbrücken auch die Pausen im Dissoziationsprozess .[19] Unterteilt wird in repetitive und non-repetitive Sequenzen.

  • Beispiel: David Lindsay – A Thousand Apologies [20]
  • Komposition: In defense of Nonsense-DNA [21]
  • Background: DNA Copyright Lecture [22]

Eine Einlassung der urheberrechtlichen Seite betrifft das Copyrighting der DNAs von Personen als intellectual property und Variante des Patentierens der intellektuellen Basis eines Menschen. Zur Anwendung kommt ein Verfahren, das Kerry Mullis erfunden hat, die vielfache Kopie des Ausgangsmaterials, hier: der DNA, bis die Masse sichtbar wird:

"The problem can be seen as identical to that of a musical recording. If I buy a CD and listen to it, there is no infringement. I only infringe on intellectual property rights if I make a copy of that CD. This, clearly, is a question of not patenting but of copyright."[20]

Die Geräuschemanationen von Molekülen in Liquiden untersucht Mark Fell anhand der Brownschen Bewegung (Musikbeispiel eingebettet): [23] beim BBC. In seiner Übertragung ist die Tonhöhe durch die Entfernung der Moleküle voneinander bestimmt und die Klangfarbe durch den Winkel, in dem die Bewegung stattfindet.[21][22] Hier entstehen entgegen der weiteren intuitiv-molekularästhetischen Definition von Musik Klänge, die möglichst allgemein oder undesignt die betreffenden Prozesse abbilden sollen und im Rahmen von Musik entsprechend schwer zu hören sind, soweit die funktionale Komponente (die Idee, der Algorithmus oder die Übersetzung) im Vordergrund steht: "There will be some weird sounds coming out but also it's underpinned by science."[23]

Genetische Codes werden auch in Musik übersetzt, wodurch zum Beispiel Kompositionen zustandekommen, bei denen jeder Sänger / jede Sängerin seinen / ihren individuellen genetischen Code vorträgt:

Kritik

Da Mikroakustik zum Teil spekulativ ist, wird versucht, den Anteil an Unvorhersehbarkeit durch spektrale, taktile, emotionale oder statistische Methoden, zum Beispiel die optionale Anwahl unterschiedlicher Instrumentenparameter zu fundieren. Hier zeigt sich der Schwachpunkt des Spektralismus überhaupt. An wenigstens einem Punkt der Kette ist Poesie gefragt, womit die objektive Fundierung der meisten Techniken und damit der Methode in Zweifel gezogen werden kann. Synästhesie ist auch eine Geschmacksfrage.

Durch die objektzentrierte Vorgehensweise entsteht ein Legitimationsproblem, das die Musik als Ausgangspunkt einer Komposition erscheinen lässt. Bearbeitungen von musikalischem Quellmaterial ermöglichen eine Verschiebung des Legitimationsproblems auf Sozialisation und Ausbildung von KomponistInnen. Es ist entsprechend eine Frage der Zielrichtung, ob zum Beispiel der inneren Emigration eines Komponisten überhaupt entsprochen werden kann, wenn man sich auf sein Werk bezieht, das ja Bestandteil der Welt ist.

  • Flächen, Pulse, Repetitionen, rhythmische Entitäten, Klangsignatur, Klangsynthese, Optische Spektrometrien, Pigmente, photolablile Moleküle, Stabilität und Zerfall von Strukturen.
  • Aus Teilen zusammengesteckt, zerlegen, zusammensetzen, flächig, Bögen, Breakbeat, Jazz, zerhackstückt, Anti-Rock, reduziert, transparent, flüchtig, Wasser, Aggregatzustände, Diktatur der Zeit durchbrechen, Hologramm, Elektronen, Protonen, Neutronen, Erwartungen, Wechsel.

Musiker

Atoms For Peace, Curtis Roads, Charles Dodge, Underground Resistance, Yasunao Tone (Fluxus), Linda Long, Larry Miller, David Lindsay, Sebastian Berweck, Rei Nakamura, Mark Fell, Tim Otto Roth, Gerhard E. Winkler, Peter Weibel und weitere

Trivia

Es gibt einen Science Fiction mit dem Titel Molekularmusik (Armin Rößler, Heidrun Jänchen). Es existiert auch ein Patent auf den Namen Molecular MusicTM.[24]

Einzelnachweise

  1. Thierry Delatour – Molekularästhetik. Molekulare Musik [1] bei Kaepsele Connection
  2. Die Perspektive Organismus oder Leben schließt mit ein, dass Luft eines der Hauptraummedien ist, das Transpositionen in Musik ermöglicht, das durch die Bewegung der Moleküle. Entsprechend weist Joe Davis darauf hin, dass es bisher keine Erkenntnisse über „nicht-ruhende lebende Organismen im Vakuum“ gibt. In: Joe Davis – Project Statement, Ars Electronica, Artistic Molecules, Microbes, and the "Listening Microscope". "New Media" is Very Old [2] bei Viewing Space.com. Vielfach wird auch durch das Wabblige oder Wobbeln des Moleküls eine aquatische Vorstellung generiert.
  3. Joe Davis – Project Statement, Ars Electronica, Artistic Molecules, Microbes, and the "Listening Microscope". "New Media" is Very Old [3] Kontemplation des Ohrbegriffs bei Viewing Space.com, eckige Parenthese von mir gesetzt.
  4. Siehe zum Beispiel: Linda Long – Musik der Hypophyse [4] Compose, bei Molecular Music.com
  5. Startseite Linda Long [5] bei Molecular Music.com
  6. Joe Davis – Project Statement, Ars Electronica, Artistic Molecules, Microbes, and the "Listening Microscope". "New Media" is Very Old [6] bei Viewing Space.com
  7. "I found that slightly different acoustic signatures corresponded to slightly different species of microorganisms." Ebd., Joe Davis. Bei einer bewegungs- und reibungsorientierten Methode fragt sich aber auch, wie das nicht der Fall sein könnte.
  8. David Lindsay – A Striking Resemblance: DNA Dissociation as a Rhythmic Event (2002) [7] bei Lazlo.com
  9. Auditory Presentation of Free Induction Decay (FID) Signals Generated by NMR Spectrometers. NMR meets Musicians [8] bei der Uni Erlangen
  10. Godwael – Molekulare Melodien Teil 2 – Das wahrscheinlich teuerste Musikinstument der Welt (2007) [9] bei Fisch-Blog
  11. So zum Beispiel Label und Vertrieb Mille Plateaux.
  12. John Marks – Deleuze und der molekulare Blick (2011) [10] bei Kaepsele Connection
  13. Thierry Delatour – Molekularästhetik. Molekulare Musik [11] bei Kaepsele Connection
  14. Artikel Sonification [12] bei der en.wiki
  15. Joe Davis – Project Statement, Ars Electronica, Artistic Molecules, Microbes, and the "Listening Microscope". "New Media" is Very Old [13] bei Viewing Space.com
  16. Thierry Delatour – Molekularästhetik. Molekulare Musik [14] bei Kaepsele Connection
  17. Artikel Rastertunnelmikroskop [15] bei der de.wiki
  18. David Lindsay – A Striking Resemblance: DNA Dissociation as a Rhythmic Event (2002) [16] bei Lazlo.com
  19. ebd., Lindsay
  20. ebd., Lindsay. Auch der finanzielle Vorteil eines Copyright-Verfahrens entgegen einem Patentverfahren wird berücksichtigt.
  21. Jason Palmer – Music from tiny particles' movements set to debut (2012) [17] Mark Fell beim BBC
  22. Das erinnert möglicherweise an den Aufbau des Reactables mit seinen Modulen.
  23. ebd., Jason Palmer
  24. Startseite [18] bei Molecular Music.com

Weblinks

  • Andi Hörmann – Molekulare Popmusik (zu den Atoms For Peace, 2013) [25] beim Deutschlandfunk
  • Thierry Delatour: Molecular music: the acoustic conversion of molecular vibrational spectra (Computer Music Journal, 24/3, 2000)
  • Música molecular.wmv [26] Exposition und Durchführung der menschlichen DNA, Joe Davis bei Youtube
  • Travis Feldman – Start-Up Molecule Synth [27] die möglichen Reibungen von Molekülen werden antizipiert, perzipiert, projiziert auf die Funktionen elektronischer Sextaeder mit je vier Schittstellen für die Steuerung. Fotozelle ist ebenso möglich (bei Kickstarter.com).
  • Tiny ear listens to hidden worlds [28] mit Klangbeispiel beim BBC
  • Klangwirkstoff Records [29] ein esoterischer Ansatz bei Planetware
  • Artikel Sonifkation [30] bei der de.wiki
  • Peter Weibel – Rede vom 3. Juli 2009, zur Eröffnung der Einzelausstellung „MicroSonical Shining Biospheres No.1“ [31] bei Sajo-art.de
  • Program Symposium Neuroaesthetics (November 2012) [32] bei Kaepsele Connection

Musik