Mods

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'Mods' (engl. < „Modernists“)

I. Allgemein:

Der Begriff „Mod“ charakterisiert einen Anhänger/-in einer eher heterogenen Jugendbewegung der frühen 60er sowie späten 70er, bzw. frühen 80er Jahre, deren Blüte sich vor allem auf das Ursprungsland England beschränkte. Die verschiedenen Richtungen innerhalb der Mod-Bewegung (Scooter-Mods, Sharp-Dressed-Mods, Hard-Mods etc.) verbindet in erster Linie ihre gemeinsame Wurzel in der schwarzen Musik (Rhythm and Blues, Ska, Northern Soul, Modern Jazz).

Unter dem Einfluss dieser nach dem zweiten Weltkrieg nach England strömenden Musik suchten vor allem Angehörige der Arbeiterjugend nach einer Identifikation und eigenen Art der Selbstdarstellung. Sie kleideten sich bewusst stilvoll und teuer, auch um ihre soziale Herkunft zu verschleiern, und trafen sich zu ausgelassenen Tanzveranstaltungen (sogenannten „Allnightern“), bei denen in großen Mengen Amphetamine konsumiert wurden - eine Tatsache, die später zur Spaltung der Bewegung in Hard-Mods und drogenkonsumierende Mods (z. B. „Swinging London Psychedelics“) führen sollte.

Ein weiteres Charakteristikum der Szene waren die Motorroller ( bevorzugt „Lambretta“), welche bald zu einem Markenzeichen wurden, und die man bei Treffen am Wochenende zur Schau stellte und ausfuhr (sogenannte „Scooterruns“). Um die teure Kleidung dabei vor Wind und Wetter zu schützen, trug man einen Army-Parka (später auch mit buttons und batches verziert), welcher ebenfalls bald geradezu stereotyp für die Mod-Szene wurde, und den darüber hinaus auch die nicht rollerfahrenden Mods als stilprägendes Kleidungsstück trugen.

II. Geschichte:

Der Ursprung der Stilrichtung findet sich in der New Yorker-Jazz-Szene der 50er Jahre. Um die Zugehörigkeit eines Stückes zum Be-Bop oder Modern-Jazz herauszustellen, sagte man kurz „it’s mod.“ Maßgeblich beeinflussten in diesem Zusammenhang auch die sogenannten „cats“ die englischen Mods. Bei den „cats“ handelte es sich um amerikanische Jugendliche, die ebenfalls der Modern-Jazz-Szene angehörten. In ihren Kreisen waren Maßanzüge das bevorzugte Kleidungsstück. Nach Vorbildern wie Charlie Parker galt es in der Szene als chic, in kontrolliertem Rahmen Heroin zu konsumieren, bzw. dies zu versuchen. Des weiteren übten die jamaicanischen "Rudeboys" maßgeblichen Einfluss aus, deren Musik (bevorzugt Ska) und Kleidungsstil (charakteristisch die schmalkrempigen Hüte) sich im Outfit der Mods wiederfanden.

Angeregt durch die Bewunderung für schwarze Musik versuchten englische Jugendliche Anfang der 60er nun ihre Vorbilder zu imitieren und entwickelten so einen neuen eigenen Stil: Levi’s Sta-Prest, Fred Perry Polo-Shirt und ein Paar Clark’s Desert Boots - mit diesem Outfit war der „Prototyp“ des Mod geboren. Bald schon begannen sich verschiedene Richtungen innerhalb der Szene herauszubilden:

Die „Scooter-Mods“ definierten sich in erster Linie über ihre Motorroller, die sie nach allem Vermögen hegten und pflegten. Um möglichst wirkungsvoll mit dem „Scooter“ aufzutreten, war man bemüht, sein Gefährt durch Chrom-Leisten und eine Unmenge an Rückspiegeln etwas aufzuputzen. Je mehr Glanz und Spiegel-Fläche, desto attraktiver der Halter und desto größer die allgemeine Bewunderung beim nächsten „Scooterrun“.

Einen eher etwas dandyhaften und snobistischen Ruf pflegten die sogenannten „Sharp Dressed Mods“, die in auffälliger Garderobe (zum Teil mit Anleihen des „Edwardian“-Outfits) die Nächte zu treibendem Northern-Soul und R’N’B durchtanzten.

Wer nicht die Möglichkeit hatte, während der am Wochenende zelebrierten „Allnighter“ gerade durch akkurat geschnittene Anzüge vor allen anderen zu glänzen, der gab sich eher straight. Diese „Hard Mods“ kleideten sich betont markant: Hemden bevorzugt von Marken wie „Ben Sherman“ und „Fred Perry“, die Jeans ein wenig hochgekrempelt, so dass für jedermann die Sicht auf die glänzend polierten Doc Marten’s frei war. Mit ihrem adretten und zugleich bewusst maskulinen Outfit wurden die „Hard Mods“ zu den Vorgängern der späteren „Skinheads“, in deren Reihen sie Ende der 60er Jahre auch beinahe gänzlich aufgingen.

Der harte Kern dieser Gruppe hatte seine Ursprünge in den „Beach Wars“. Dieser Begriff bezeichnet die gewaltsamen Konfrontationen zwischen Mods und Rockern, welche sich beim Aufeinandertreffen beider Gruppen mit immer bedenklicher werdender Tendenz einstellten, so dass die Nennung des Schlagwortes „Mod“ bald allerorten unweigerlich Assoziationen mit Gewalt und Aggressivität hervorrief. Dabei verliefen die ersten Treffen rivalisierender Cliquen von Mods und Rockern im behaglichen Seebad Brighton keineswegs in der später sprichwörtlich gewordenen Art und Weise, und sicherlich tat die Arbeit der örtlichen Boulevardpresse das ihrige zum späteren Ruf der „Beach Wars“ hinzu.

Wie die „Hard Mods“ allmählich im Schatten der „Skinheads“ von der Bildfläche verschwanden, so verliefen sich Ende der 60er und zu Beginn der 70er Jahre auch die übrigen Parkaträger, oder mischten von nun an in neuem Outfit in der „Glam-Rock“ Szene mit. Erst gegen Ende des Jahrzehnts - die Punk-Welle war gerade im Abflauen – sorgten einige Bands mit ihrem charakteristisch von den 60er Jahren beeinflussten Klang, wie The Jam, Secret Affair oder Purple Hearts, aber auch das von Gruppen wie The Specials initiierte Ska-Revival, für ein Wiederaufleben der Szene.

Den entscheidenden Anstoß aber für das nun auch im kommerziellen Rahmen veranstaltete große Revival gab der von der Band The Who produzierte Musikfilm „Quadrophenia“ im Jahre 1979. „Quadrophenia“ bot alle Stereotypen der Mod-Ära auf: Vom Anfertigen des Maßanzuges über ausgedehnte „Allnighter“ und „Scooterruns“ bis hin zu den obligatorischen Konfrontationen mit Polizei und Rockern am Strand von Brighton.

Nach dem Ausbrennen dieser zweiten Welle Mitte der 80er Jahre wurde es ruhig um die Mod-Bewegung. Noch heute findet man allerdings in diversen Clubs – in den Metropolen und auf dem flachen Lande - die sich inzwischen oftmals sehr „sophisticated“ ausnehmenden Zirkel der Szene.

III. Weiterleben der Szene:

Stilprägend war das Mod-Movement sicherlich auch für die von Bands wie Oasis u.a. angeführte Britpopwelle, wie auch für zahlreiche Rock’n’Roll - und Garagen-Bands (Franz Ferdinand, Kaiser Chiefs, Art Brut u.v.a.m.) der Gegenwart, die sich musikalisch wie in ihrem gesamten Image vor den Freundinnen und Freunden von Parkas und Motorrollern verneigen.

Bands

The Who, The Kinks, The Small Faces, The Birds, Prince Buster, The Jam, The Specials, Dexy's Midnight Runners ...