Miles Davis

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Miles Davis
Miles Davis 1987
Miles Davis 1987
Herkunft: Alton, Illinois, USA
Geboren: 26. Mai 1926
Gestorben: 28. September 1991 (65 Jahre)
Aktiver Zeitraum: 19441991
Genres: Jazz
Instrumente: Trompete, Klavier, Orgel
Labels: Blue Note Records
Homepage: MilesDavis.com
Bands:
Miles Davis Quintet

Miles Dewey Davis III. ist einer der einflussreichsten Künstler in der Geschichte des Jazz sowie der populären Musik nach dem 2. Weltkrieg. Er prägte unter anderem die Stilarten von Cool Jazz, Hard Bop, Free Jazz und Fusion, und die unzähligen an seinen Projekten und Bands beteiligten Musiker wie Herbie Hancock, John Coltrane, Cannonball Adderley oder John McLaughlin sind ebenfalls zu Exponenten der Jazzhistorie geworden.[1] Das 1959 erschienene Album "Kind of Blue" des Miles Davis Quintet gilt als erfolgreichstes und wichtigstes Jazzalbum aller Zeiten; ähnliche Meriten werden der Jazzrock-Blaupause "Bitches Brew" (1970) zugeschrieben.

Biographie

Miles Davis wuchs in einem bürgerlichen Elternhaus in Illinois auf und fing als Jugendlicher mit dem Trompetespielen an. 1944 zog er achtzehnjährig nach New York, um dort in der aufblühenden Bebop-Szene mitzuspielen, wo er unter anderem sein Idol Charlie Parker traf und an dessen Sessions teilnahm. Dabei schloss er auch Bekanntschaft mit anderen Jazzlegenden wie Thelonious Monk, Coleman Hawkins, Dizzy Gillespie und Kenny Clarke. In "Bird" Parkers Gefolge ging Davis auf Tournee und ins Studio, doch litt sein Mentor in Folge seiner Heroinsucht an körperlicher und psychischer Instabilität, die sich in Nervenzusammenbrüchen und schließlich der Trennung der kreativen Partnerschaft (woran auch Parkers schlechte Zahlungsmoral Anteil hatte) entlud. 1948 machte Miles Davis sich selbstständig; zu seinen ersten Projekten gehörte ein Nonett mit Tuba und Flügelhorn, mit dessen unkonventionellen Arrangements – festgehalten auf dem 1950er Album "Birth of the Cool" der namensgebende Cool Jazz sein wegweisendes Manifest erhielt. Kommerziell war dem Projekt allerdings noch kein Erfolg beschieden; den sollten die vornehmlich weißen Epigonen des Cool Jazz à la Dave Brubeck einheimsen, was Davis reichlich erzürnte.

1950 zog Miles Davis für einige Zeit nach Paris, um die Inspiration des dortigen Fluidums aufzunehmen, was sich unter anderem in Aufnahmen mit Tadd Dameron und Kenny Clarke sowie einer Liaison mit der französischen Schauspielerin und Sängerin Juliette Greco äußerte. Als Davis nach New York zurückkehrte, wurde er depressiv und entwickelte eine Heroinabhängigkeit, von der er sich erst 1954 nach einem kalten Entzug in seiner Heimat St. Louis befreien konnte. Künstlerisch schwankte Davis in dieser Zeit zwischen Selbstzweifel wegen der schlechten Kritiken und kreativer Fortentwicklung hin zu einem weiteren neuen Jazz-Stil, dem von traditionellen Jazz-Standards, verlangsamten Rhythmen und Blues-Schemata beeinflussten Hard Bop. Die wichtigsten Kollaborateure von Davis waren in dieser Zeit Sonny Rollins, Art Blakey und der Arrangeur Gil Evans; festgehalten wurde dies auf Platten wie "Dig", "Blue Haze" und "Walkin'".

1955 kehrte Miles Davis nach New York zurück und konnte von da ab mit seinen Quintetten und Sextetten große Erfolge feiern. Insbesondere der Einstieg von John Coltrane und Cannonball Adderley brachte die künstlerische Qualität der Gruppen weiter voran. Als wichtigste Platten aus dieser Zeit gilt die Tetralogie "Relaxin'/Steamin'/Workin'/Cookin' with the Miles Davis Quintet" sowie "Milestones" (1958) und "Sketches of Spain". Hinzu kamen Vertonungen von Louis Malles "Fahrstuhl zum Schafott" sowie George Gershwins "Porgy and Bess". Das epochale Jazzalbum schlechthin, "Kind of Blue", nahm Miles Davis 1959 dann mit dem legendären Miles Davis Quintet auf, neben Davis, Adderley und Coltrane bestehend aus Paul Chambers, Billy Cobb und Bill Evans. Es gilt als Geburtsstunde des Modal Jazz, der sich nicht an Harmonien, sondern Skalen sowie außereuropäischen Tonarten orientiert. "Kind of Blue" hat bis heute über vier Millionen Einheiten verkauft und gilt als eines der einflussreichsten Jazzalben aller Zeiten. 1963 bis 1968 spielte Davis dann unter anderem mit Herbie Hancock, Wayne Shorter, Dave Holland und Chick Corea auf Platten wie "Miles in the Sky" (1968) zusammen und verfolgte dabei einen weiter modifizierten Improvisationalstil. Gegen Ende der 1960er Jahre hielten elektrische Instrumente aus dem Rock-Instrumentarium Einzug in Davis' Sound, was die Entwicklung zum Rock/Jazz-Fusion-Sound der "Electric Miles"-Phase begleitete. Mit unter anderem Joe Zawinul und John McLaughlin (der später das Mahavishnu Orchestra gründen sollte) spielte Davis die Erfolgsalben "In a Silent Way" (1969) und "Bitches Brew" (1970) ein, die auch Einflüsse des Acid Rock von Jimi Hendrix oder Sly & the Family Stone aufnahmen. Speziell "Bitches Brew" gilt als sehr einflussreich für den Rock, Soul und Funk der 1970er Jahre.

Ab 1974 verschlechterte sich Davis' Gesundheitszustand wieder, da der Musiker unter anderem an Sichelzellenanämie litt und erneut in Depression und Drogenabhängigkeit geraten war. Seine Auftritte litten darunter ebenso wie die Rezeption bei Kritikern und Fans, so dass Davis sich ab 1975 vollständig aus der Öffentlichkeit zurückzog. Aufgrund der totalen Funkstille seitens des Musikers schossen ab Ende der 1970er die Gerüchte ins Kraut, dass Miles Davis bereits tot sei, doch 1981 kehrte er teilweise genesen ins Rampenlicht zurück. In dieser letzten Dekade seines Schaffens strebte Davis eine Verbindung zur Musikszene der jungen – nicht nur – afroamerikanischen Community an, die bereits von modernem Pop, Soul, Funk, Elektronik und HipHop geprägt war. Auf den Alben "Decoy" (1984) und "You're Under Arrest" (1985) setzte Davis diese Einflüsse mit unverminderter Experimentierfreude um und coverte dabei unter anderem die Stücke Time After Time von Cyndi Lauper sowie Human Nature von Michael Jackson. Auch arbeitete er mit britischen New Wave-Acts wie Scritti Politti und Public Image Ltd. zusammen und erstellte mehrere Soundtracks, die von elektronischen Elementen und Samples dominiert wurden. Einwände, es handele sich dabei nicht mehr um "echten Jazz", kümmerten den Trompeter wenig, zumal da ihm die Kritik wieder goutierte und sein Konzeptalbum "Tutu" (1986) über den gegen die südafrikanische Apartheidsregierung kämpfenden Bischof Desmond Tutu zu einem der besten Alben des Altmeisters erklärte.

Trotz ungebrochenen Arbeitseifers und späten ersten Ausflügen ins Schauspielfach (unter anderem in der Achtziger-Kultserie "Miami Vice" oder der Dickens-Neuverfilmung "Scrooged") forderte die angegriffene Gesundheit des Musikers letzten Endes ihren Tribut: Am 28. September 1991 starb Miles Davis im Alter von 65 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Er gilt als einer der wichtigsten und wandlungsfähigsten Musiker in der Geschichte des Jazz.

Solo-Diskographie

(Für eine umfassende Diskographie sei an dieser Stelle auf den Eintrag in der englischen Wikipedia verwiesen.)

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts
NME Spex Musikexpress
1974 Big Fun 26
1981 The Man with the Horn 45
1984 Heard Around the World 41
1985 You're Under Arrest 43
1985 Live in Stockholm (mit John Coltrane) 45
1986 Tutu 18
1992 Boo Dop 35
Singles
1985 Time After Time 29

All-Time-Charts

Kind of Blue
On the Corner
Bitches Brew
Live-Evil
A Tribute to Jack Johnson
Sketches of Spain
Birth of the Cool
In a Silent Way
Nefertiti
Shhh/Peaceful
Flamenco Sketches

Referenzkünstler

Einzelnachweise

  1. Brent Jensen zufolge beherrschte Miles Davis sechs oder sieben unterschiedliche Jazzstile, Brent Jensen – Jazz-Styles - Hard Bop [1] bei Youtube

Weblinks