Miami Vice

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Miami Vice war eine US-Fernsehserie, die von 1984 bis 1989 ausgestrahlt wurde. Mit ihrer an Videoclip-Ästhetik angelehnten Optik und Schnitttechnik, ihrer stilprägenden Präsentation von Mode-, Style- und Luxusartikeln sowie ihrer gezielten Verwendung von aktueller Popmusik anstelle eines klassischen Scores wurde Miami Vice zu einer der Kultserien der 1980er Jahre und hatte weitreichenden Einfluss auf den Stil und das Coolnessverständnis der Dekade. 2006 kam eine Spielfilm-Neuverfilmung vom Erfinder der Originalserie, Michael Mann, in die Kinos.

Setting und Story von "Miami Vice"

Miami Vice dreht sich um die Polizeiarbeit des Sittendezernats der Polizei von Miami in Florida. Hauptfiguren sind die beiden Cops Sonny Crockett (gespielt von Don Johnson) und Ricardo Tubbs (Philip Michael Thomas, einer der ersten schwarzen Hauptdarsteller in einer Prime Time-Fernsehserie), die undercover als Drogen- oder Waffenhändler auftreten, um so Gangster zu überführen. Die in Miami Vice dargestellte Realität ist einerseits sehr pessimistisch und finster, da es den Polizisten häufig nicht gelingt, die Täter zur Strecke zu bringen oder diese durch Tricks ihrer Bestrafung entgehen können, und andererseits extrem durch eine äußerst durchgestylte Optik auf Glamour getunet, da Crockett beispielsweise auf einer Yacht (mit Alligator) lebt, einen Ferrari Testarossa fährt und teure Designer-Sonnenbrillen trägt. Zudem spielen sich viele Szenen im Party- und Nachtleben der Reichen und Schönen von Miami ab, was wiederum mit Szenen von Gewalt und Korruption kontrastiert wird. Auch das Privatleben der Cops ist von psychischer und körperlicher Gewalt geprägt, da Crockett und Tubbs im Lauf der Serie beide ihre Partnerinnen und/oder Familienmitglieder verlieren und mehr und mehr zu der Einsicht kommen, dass das organisierte Verbrechen höchstens behindert, aber nicht aufgehalten werden kann. Zudem werden immer wieder Verbindungen mit dem seinerzeit noch stark das US-Nationalbewusstsein prägenden Trauma des Vietnamkriegs hergestellt, was ja auch in anderen populären Achtziger-US-Serien wie "The A-Team" oder "Magnum" thematisiert wurde. Zum Finale der Serie stellt sich das Duo schließlich offen gegen den Polizeiapparat.

Einfluss auf die Popkultur der 1980er

Durch ihre markant auftretenden und durchgestylten Charaktere (insbesondere der "Sonny-Crockett-Look" mit Ray Ban-Sonnenbrille, pastellfarbenem T-Shirt unter Leinensakko, dazu Leinenhose und Slipper ohne Socken, abgerundet durch einen Dreitagebart wurde zu dem "coolen" Herrenlook der Achtziger) entwickelte sich Miami Vice zu einer der einflussreichsten Serien der Achtzigerjahre. Auf die Popkultur hatte aber ebenso großen Einfluss, dass die Serie nicht wie klassische Polizeiserien primär thematisch aufgebaut war, sondern sich an Stimmungen und der Schnitttechnik orientierte. Eine extrem wichtige Rolle hatte dabei das Aufkommen des Musiksenders MTV gespielt, an dessen Optik sich der Schöpfer von Miami Vice, Michael Mann, schon in der Planungsphase zur Serie orientierte. (Eine Legende besagt, dass bei der Brainstorming-Runde zur Konzipierung von Miami Vice ein Zettel mit der Aufschrift "MTV Cops" in die Runde geworfen wurde.) Zur visuellen kam auch die klangliche Komponente, denn anstelle des klassisch-instrumental-orchestralen Scores bisheriger Polizeiserien wurden bei Miami Vice häufig aktuelle Popsongs zur Untermalung eingesetzt, so dass die Serie mitunter wie ein überlanger Videoclip wirkte. Als in dieser Hinsicht epochale Szene wird die Einstellung in der Pilotfolge gesehen, in der Crockett und Tubbs im Ferrari durch das nächtliche Miami fahren und dazu Phil Collins' Hit In the Air Tonight erklingt.

Die Musik von "Miami Vice"

Das Hauptthema zur Serie – ein von einer elektronisch verfremdeten E-Gitarre gespieltes typisches Achtziger-Hardrock-Solo, begleitet von stakkatohaften Synthesizer-Klängen sowie einem mit Congas und Drumcomputer eingespielten Beat – stammte von Jan Hammer, der zuvor unter anderem im Mahavishnu Orchestra gespielt hatte und auch für die Score-untermalten Szenen der Serie verantwortlich zeichnete. (Das Miami Vice Theme wurde auch als Single ausgekoppelt und ein Nummer-Eins-Hit in den US-Billboard-Singlescharts, der 1985 glatte elf Wochen an der Pole Position verblieb und mit zwei Grammys ausgezeichnet wurde. Auch Hammers 1987 veröffentlichte Soundtrack-Komposition Crockett's Theme wurde zumindest in einigen europäischen Ländern ebenfalls ein Top-Ten-Erfolg.) Einige Folgen hatten dabei sogar ein spezielles musikalisches Thema wie Heavy Metal bei einer Folge über die Metal-Subkultur oder The Doors bei einer Vietnam-Reminiszenzepisode. Ansonsten sind zahlreiche New Wave- und Synthie-Pop-Acts im Soundtrack zur Serie vertreten. Zeitweilig wurden gar in Zeitschriften die in der aktuellen Folge verwendeten Songs aufgelistet, und während der Hochphase der Serie konnte eine Verwendung von Songs eines Künstlers darin eine karrierfördernde Maßnahme bedeuten.

MusikerInnen und Bands als Darsteller

Zahlreiche spätere Film- und Fernsehstars, von Ving Rhames, Laurence Fishburne, Bruce Willis und Julia Roberts über Liam Neeson, Wesley Snipes und Viggo Mortensen bis zu Ben Stiller und Chris Rock, hatten ihre ersten oder frühe Auftritte in Miami Vice. Daneben nahmen jedoch auch diverse Popstars der Achtziger als Gastdarsteller an der Serie teil und spielten teils zwielichtige, teils ehrbare oder auch nur ulkige Charaktere. So spielte Glenn Frey (Eagles) einen Schmuggler, Jazz-Titan Miles Davis einen Ex-Knacki, Funk-Godfather James Brown einen Sektenführer, Hardrock-Urviech Ted Nugent einen Auftragskiller, Frank Zappa einen Drogendealer oder besagter Phil Collins einen Trickbetrüger. Zudem war von den jeweiligen Gaststars auch deren eigene Musik zu hören. Die schottische Sängerin Sheena Easton spielte gar eine länger angelegte Rolle als Popstar, die sich in Sonny Crockett verliebt, ihn dann auch heiratet und schließlich ermordet wird, zuvor aber ordentlich (Orginal-)Songs zum besten geben darf.

Darsteller als Musiker?

Eine ganz andere Dimension erreichte das Selbstverständnis der Serie, vor allem aber der Hauptdarsteller allerdings, als Don Johnson und Philip Michael Thomas ihrerseits Platten veröffentlichten, wobei Johnson mit den Songs Heartbeat und Tell It Like It Is zwar zwei mindere Hits gelangen, die Ansinnen der Schauspieler, auch noch Musik machen zu müssen aber durch die Bank von sämtlichen Kritikern als Zeugnis des Größenwahns verrissen wurden. Dies bezeichnete auch schon den Bedeutungsverlust der Serie, die gegen Ende der Achtziger vergeblich mit neueren Formaten wie "21, Jump Street" (mit dem jungen Johnny Depp) zu konkurrieren versuchte und deren Hauptdarsteller sich auch reichlich zerstritten hatten. Das Film-Remake von 2006 – mit Colin Farrell und Jamie Foxx in den Hauptrollen und ebenfalls von Michael Mann gedreht – wurde zwar ein Hit an den Kinokassen, ließ jedoch das unnachahmliche Achtziger-Neon-Feeling der Originalserie vermissen.

MusikerInnen und Bands in "Miami Vice"

Insgesamt wurden in den 109 produzierten Folgen von Miami Vice 322 verschiedene Songs verwendet. Hier eine Auswahl an Acts, deren Songs in den fünf Staffeln der Serie verwendet wurden (diverse Künstler tauchten in mehreren Staffeln auf, werden hier aber nur einmal genannt).

Staffel 1 (1984/85) Staffel 2 (1985/86) Staffel 3 (1986/87) Staffel 4 (1987/88) Staffel 5 (1988/89)
The Rolling Stones Joe Cocker John Lennon Fields of the Nephilim The Church
Cyndi Lauper Lou Reed Steve Jones The Jesus & Mary Chain The Cure
Phil Collins Bryan Ferry Jackson Browne Love and Rockets Hank Williams
The Tubes The Who Iggy Pop Adrian Belew Pink Floyd
Devo Dire Straits Yello The Smiths Sinéad O'Connor
Bob Marley Robert Plant Run-D.M.C. Stray Cats Ministry
ZZ Top Kate Bush The Damned Crowded House Iron Maiden
Tina Turner Fleetwood Mac Brian Eno M/A/R/R/S Derek and the Dominos
Eric Clapton The Doors Depeche Mode Aerosmith Dead Can Dance
The Animals Ted Nugent Billy Idol Underworld Cowboy Junkies
INXS Godley & Creme Jefferson Airplane Echo & the Bunnymen Lyle Lovett
Frankie Goes to Hollywood Jimmy Cliff The Smithereens Tangerine Dream Guns N' Roses
Glenn Frey Mr Mister Grace Jones
Foreigner Pete Townshend
Afrika Bambaataa Wilson Pickett
The Police Tom Petty
Elvis Presley Public Image Ltd.
Booker T. & the M.G.'s Jimi Hendrix
Peter Gabriel Madonna
U2 Suicidal Tendencies
The Pretenders
Lynyrd Skynyrd
Roger Daltrey

Weblinks