Melvins

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche
Melvins
Melvins in Hamburg (2008)(v.l. Jared Warren, Coady Willis, Buzz Osbourne)
Melvins in Hamburg (2008)
(v.l. Jared Warren, Coady Willis, Buzz Osbourne)
Herkunft: Aberdeen, Washington, USA
Aktiver Zeitraum: seit 1984
Genres: Grunge, Sludge, Experimental
Labels: Boner
Atlantic
Ipecac
Homepage: Melvins.com
Line-Up:
King Buzzo aka Buzz Osbourne: Gitarre, Gesang
Dale Crover: Schlagzeug (seit 1985)
Jared Warren: Bass, Gitarre, Gesang (seit 2005)
Coady Willis: Schlagzeug (seit 2005)
Ehemalige Mitglieder:
Mike Dillard: Schlagzeug (1984)
Matt Lukin: Bass (1984–1988)
Lorax aka Lori Black: Bass (1988–1991)
Joe Preston: Bass (1991–1993)
Mark Deutrom: Bass (1993–1998)
Guy Pinhas: Bass (1998)
Kevin Rutmanis: Bass (1998–2005)

Die Melvins wurden 1984 in Aberdeen gegründet. Sie sind eine der dienstältesten noch existierenden Bands aus dem Grunge-Umfeld der 80er und 90er Jahre, gehörten musikalisch aber nie zur populär gewordenen Nirvana/Pearl Jam-Variante, sondern stellten mit ihrer Fusion aus Black Sabbath und Black Flag eine der Pionierbands des Sludge dar.

Bandgeschichte

People at the time were secret Black Sabbath fans. Whereas the Melvins turned that all upside down, like, "This shit's really cool, and we can add a punk edge to it." Now they're like the forefathers of the whole thing. (Tim Hayes, Fallout Records)


Die Melvins gehörten zum Urgestein der späteren Seattle-Szene, nur um den Ort des Geschehens zu fliehen, als der Hype um Grunge gerade hoch- und schließlich überzukochen begann. Die Wurzeln der Gruppe sind in einer Highschool-Coverband zu finden, die 1984 im Niemandslandort Aberdeen im Bundesstaat Washington von den Schulfreunden Buzz Osborne (Gitarre und Gesang), Bassist Matt Lukin und Drummer Mike Dillard gegründet wurde und sich später auf Hardcore verlagerte. (Die Demos aus dieser Zeit wurden übrigens 2005 auf Ipecac wiederveröffentlicht.) Dillard quittierte kurze Zeit später den Dienst, um von Dale Crover – übrigens schon damals ein guter Bekannter eines gewissen Kurt Cobain, mit dem er auch in dem Duo Fecal Matter zusammen spielte – ersetzt zu werden. Hier ist auch der Ursprung der Melvins als Band zu erkennen, die entgegen jeglichem Zeitgeist das komplette aktuelle Rock- und Metalgeschehen der Achtziger ignorierte, um stattdessen ausgerechnet auf den damals uncoolen Siebziger-Kiss-Black Sabbath-Stil zurückzugreifen, ihn mit Captain Beefheart und jeder Menge Unfug zu kreuzen und das Ganze ins Extrem zu überführen. Die Gitarren wurden tonnenschwer, die Songs zwischen vierzig Sekunden und sechs Minuten lang, und weit und breit gab es keine Band, die wirklich Ähnliches fabriziert hätte. Der Name dieses Gebräus sollte Jahre später als Sludge bekannt werden.

1986 folgten dann die ersten Plattenaufnahmen in Gestalt der "6 Song EP" sowie Beiträgen zum Grunge-Urknall "Deep Six" (beide auf dem wegweisenden Seattler Label C/Z Records erschienen), womit die musikhistorische Relevanz der Melvins bereits angerissen wäre: Die Rockmusik im Rückwärtsgang nach vorne zu bringen. 1987 kam der erste Longplayer der Melvins namens "Gluey Porch Treatments" auf Alchemy Records heraus, und Crover half zudem bei der neuen Band seines alten Freund Kurt Cobain (der seinerseits ein Die-Hard-Fan der Melvins war und ihnen zu ausnahmslos jedem Konzert folgte) namens Nirvana am Schlagzeug aus. Im folgenden Jahr setzten sich Osborne und Crover nach San Francisco ab, und Lukin wurde in Seattle Gründungsmitglied von Mudhoney. Lori "Lorax" Black wurde dann 1988 neue Melvins-Bassistin und spielte auch das 89er Album "Ozma" mit ein, das von Mark Deutrom produziert wurde. Dieser sollte einige Jahre später – ebenfalls als Bassist – erneut im Melvins-Kontext auftauchen; zuvor allerdings durfte Joe Preston von 1991 bis 1993 die vier Saiten bedienen und auf den Platten "Eggnog" und dem Ein-Song-in-31-Minuten-Ding "Lysol" sowie dem Video "Salad of a Thousand Delights" mitspielen. 1991, kurz bevor sie zum Superstardom emporsteigen sollten, teilten sich auch Nirvana eine Split-7" mit den Melvins, auf der Letzterer den Velvet Underground-Klassiker Venus in Furs coverten. Die fanatischen Kiss-Fans Osbourne, Crover und Preston erfüllten sich zudem 1992 auch den Traum, drei im Stil der 70er-Kiss-Soloplatten gehaltene Melvins-Solo-EPs herauszubringen (sinnigerweise mit "Buzz Osbourne", "Dale Crover" und "Joe Preston" betitelt).

Bei dem ersten Majoralbum der Bands, dem 1993 erschienenen "Houdini", war Preston jedoch bereits nicht mehr an Bord (und gründete anschließend die noch extremeren Doom-Droner Earth), und Lorax kehrte noch einmal für die Aufnahmen zurück, an denen auch Kurt Cobain als Musiker und Koproduzent beteiligt war. Danach wurde Mark Deutrom festes Bandmitglied, und die Gruppe konnte eine erfolgreiche Tournee absolvieren, da das mediale und Fan-Interesse inzwischen auch die randständigen "Seattle-Bands" erfasst hatte und mit Atlantic Records ein potentes Label für Distribution und Marketing sorgte. Die Platte gilt manchen Fans als die beste, auf jeden Fall aber als eine recht repräsentative Melvins-Veröffentlichung und konnte durch Videos zu den Auskopplungen Honey Bucket und Hooch (auch Beavis & Butt-Head kommentierten) Aufmerksamkeit auf sich ziehen. (Späte Würdigung erhielt das Album auch durch die Veröffentlichung einer Live-Aufführung des kompletten Songablaufs, welche im Jahre 2005 unter dem Titel "Houdini Live 2005: A Live History of Gluttony and Lust" erschien.) 1994 setzten die Melvins ihre Zusammenarbeit mit Atlantic fort, allerdings ausgerechnet mit zwei Alben gleichzeitig: "Prick", das nur aus verrückten Noise-Intermezzi und geradezu Monty Python-ähnlichen Songparodien bestand, sowie dem "normaleren" "Stoner Witch" 1996 und 1997 erschienen die im Großen und Ganzen Melvins-typischen Alben "Stag" und "Honky", doch trotz gutbesuchter Konzertreisen war Atlantic mit den Absatzzahlen nicht zufrieden, und die Major-Ära für die Melvins war zu Ende. Gleiches galt für den Mann am Bass, und Mark Deutrom nahm in beiderseitigem Einvernehmen seinen Hut, um – nach einem kurzen Gastspiel des Ex-Obsessed-Bassisten Guy Pinhas – vom nächsten Basser in der langen Ahnenreihe, Kevin Rutmanis von The Cows, ersetzt zu werden.

Eine weitaus passendere Plattenfirma fand die Band in Ex-Faith No More-Sänger Mike Pattons Ipecac-Label, das bis auf eine Ausnahme – "Electroretard" von 2001, das auf Frank Koziks Label Man's Ruin erschien – seither alle Melvins-Platten veröffentlicht hat. Eröffnet wurde die Zusammenarbeit 1999 mit der kolossalen Albentrilogie "The Maggot", "The Bootlicker" und "The Crybaby", wobei Letztere eine der originelleren Coversong-Kollektionen darstellt. Beteiligt waren hier unter anderem Mitglieder von Tool, The Jesus Lizard und Helmet sowie der Labelchef persönlich; absolut jenseits von Gut und Böse ist allerdings der Beitrag eines sehr ehemaligen Teenie-Helden aus den 70ern, namentlich Leif Garrett, der eine unglaubliche Version von Nirvanas Überhit Smells Like Teen Spirit austeilte (siehe auch Weblinks). Nach dem erwähnten Zwischenspiel bei Man's Ruin erschienen in regelmäßigen Abständen weitere Platten auf Ipecac, unter anderem "Pigs of the Roman Empire" (2004), bei dem sie mit dem Dark Ambient-Spezialisten Lustmord (alias Brian Williams) zusammenarbeiteten, und das "Lysol"-ähnliche Noisealbum "The Colossus of Destiny".

Mit dem insgesamt sechzehnten Studioalbum "(A) Senile Animal" vom Oktober 2006, auf dem Ambient-Metaldoom-Gekröse wie gewohnt herausgeschleudert wurde, konstituierte sich das Melvins-Lineup erstmals und bis heute bestehend als Quartett, da nach dem Rauswurf von Kevin Rutmanis 2005 Coady Willis und Jared Warren, die Rhythmussektion von Big Business, der Band beitraten. Im Januar 2008 folgte "Nude With Boots", während das im Herbst 2009 veröffentlichte "Chicken Switch" das erste Remix-Album der Bandgeschichte darstellt, für welches unter anderem Lee Ranaldo, Merzbow, Makoto Kawabata und Matmos Remixe beisteuerten. Das Besondere an dem Album ist jedoch, dass die jeweiligen Künstler nicht einzelne Melvins-Songs remixen, sondern komplette Alben zu einem Track vermischen.[1]
Im Juni 2010 folgte dann das weiterhin aktuelle neuesten Studioalbum "The Bride Screamed Murder".

Zu erwähnen ist unbedingt auch noch die Alternative-Allstar-Truppe namens Fantômas, bei der Buzz Osborne, Mike Patton, Slayer-Drumtier Dave Lombardo sowie Mr. Bungle-Bassist Trevor Dunn seit 1998 extrem experimentelle Musik spielen, die zwischen Filmsoundtracks und sekundenlangen Noisecollagen hin- und herspringt.

Kollaborationen

Diskographie

Alben

  • 1987 Gluey Porch Treatments (LP/CD, Boner)
  • 1989 Ozma (LP/CD, Boner)
  • 1991 Bullhead (LP/CD, Boner)
  • 1992 Lysol (LP/CD, Boner)
  • 1993 Houdini (LP/CD, Atlantic)
  • 1994 Prick (LP/CD, Reptile)
  • 1994 Stoner Witch (LP/CD, Atlantic)
  • 1996 Stag (LP/CD, Atlantic)
  • 1997 Honky (LP/CD, Amphetamine Reptile)
  • 1999 The Maggot (LP/CD, Ipecac)
  • 1999 The Bootlicker (LP/CD, Ipecac)
  • 2000 The Crybaby (LP/CD, Ipecac)
  • 2001 Electroretard (LP/CD, Man's Ruin)
  • 2002 Hostile Ambient Takeover (LP/CD, Ipecac)
  • 2004 Pigs of the Roman Empire (Kollaboration mit Lustmord, LP/CD, Ipecac)
  • 2006 A Senile Animal (LP/CD, Ipecac)
  • 2008 Nude With Boots (LP/CD, Ipecac)
  • 2010 The Bride Screamed Murder (CD, Ipecac)

Singles/EPs

  • 1986 6 Songs (EP, C/Z)
  • 1990 With Yo' Heart Not Yo' Hands (7", Sympathy for the Record Industry)
  • 1991 Here She Comes Now/Venus In Furs (Split-7" mit Nirvana (A-Seite), Communion Label)
  • 1991 Eggnog (EP, Boner)
  • 1992 Night Goat (Maxi, Amphetamine Reptile)
  • 1992 Dale Crover (Solo-EP, Boner)
  • 1992 Joe Preston (Solo-EP, Boner)
  • 1992 King Buzzo (Solo-EP, Boner)
  • 1994 Revolve (Maxi, Atlantic)
  • 1997 Untitled (7", Beilage zum niederländischen Comic Barbaraal)
  • 1998 I Can't Shake It/Some Girls (Split-7" mit Cosmic Psychos, Beilage zum Gearhead Magazine #8)
  • 2003 Antivermin (7", Ipecac)
  • 2003 Black Stooges (7", Ipecac)
  • 2003 Brain Center (7", Ipecac)
  • 2003 Dr. Geek (7", Ipecac)
  • 2003 Foaming (7", Ipecac)
  • 2003 Fool (7", Ipecac)
  • 2003 Judas Chang (7", Ipecac)
  • 2006 Boss Hoss/The Two Dumbest C*nts in the World (Split-7" mit Patton Oswalt, Beilage zum Chunklet Magazine)

Sonstige

  • 1994 Your Choice Live Series (Live-CD, Your Choice)
  • 1997 Singles 1-12 (Singles-Sammlung, CD, Amphetamine Reptile)
  • 2000 Trilogy Box Set (The Maggot, The Bootlicker und The Crybaby als LP-Box, Ipecac)
  • 2001 Alive at the F*cker Club (Live-CD, Amphetamine Reptile)
  • 2001 The Colossus of Destiny (Live-CD, Ipecac)
  • 2003 Melvinmania: The Best of the Atlantic Years 1993-1996 (Best Of-CD, Atlantic)
  • 2003 26 Songs (Sammlung von frühen Demos und Kompilationsbeiträgen, CD, Ipecac)
  • 2004 Never Breathe What You Can't See (mit Jello Biafra, CD/LP, Alternative Tentacles)
  • 2005 Mangled Demos from 1983 (CD, Ipecac)
  • 2006 Houdini Live 2005: A History of Gluttony and Lust (Live-CD, Ipecac)
  • 2009 Chicken Switch (Remix-Album, Ipecac)
  • 2011 Sugar Daddy Live (Live, Ipecac)

Charts

Jahr Titel Charts
D US US Independent UK A CH S F NOR FIN AUS NZ
2006 Senile Animal - - 35 - - - - - - - - -
2008 Nude with Boots - - 21 - - - - - - - - -

Jahrescharts

Jahr Titel Kritiker Charts Leser Charts
Spex Spex Visions
1990 Ozma
13
- -
1992 Lysol
7
19 -
1993 Houdini
9
6 -
1994 Stoner Witch
25
18 20
1996 Stag
10
30 22
1997 Honky
20
23 -
1999 The Maggot
29
- -
Singles
1989 Oven
13
- -
1996 Interstellar Overdrive
31
- -

All-Time-Charts

Houdini

Kompilationsbeiträge (Auswahl)

  • 1986 Scared, Blessing the Operation, Grinding Process und She Waits auf Deep Six
  • 1989 Glow God, Big as a Mountain und Heaviness of the Load auf Peace Through Chemistry
  • 1990 Euthanasia auf Dope Guns And Fucking In The Streets Volumes 4-7
  • 1991 Ever Since My Accident auf Kill Rock Stars
  • 1992 Vile auf Mesamorph Enduros
  • 1993 God of Thunder auf Hard to Believe – A Kiss Covers Compilation
  • 1994 Instant Larry auf Demon Knight (O.S.T.)
  • 1997 In The Freaktose The Bugs Are Dying auf Mind the Gap Vol.14
  • 2000 Track Five auf In_Formation: A Tribute To Throbbing Gristle
  • 2006 With Teeth (Live) auf Suicide Squeeze: Slaying Since 1996

Referenzkasten

  • Die LP Houdini ist nach dem berühmten Magier Harry Houdini benannt.
  • Die EP Lysol durfte wegen Rechtsstreitigkeiten mit der Firma, die das gleichnamige Reinigungsmittel herstellt, nicht mehr unter dem Namen erscheinen und wurde darum 1992 als unbetitelte Neuauflage wiederveröffentlicht.

Trivia

  • Dave Grohl spielte Schlagzeug und sprach Text auf der King Buzzo-Solo-EP von 1992, durfte aufgrund rechtlicher Probleme jedoch nicht mit seinem wirklichen Namen in den Credits genannt werden, so dass er dort als Dale Nixon verzeichnet ist.

Referenzbands

Coverversionen

Die Melvins covern...

Videoclips (Auswahl)

MP3s

Videos

  • 1992 Salad of a Thousand Delights (DVD-Release 2002)

Weblinks

  1. http://www.tonspion.de/musik/melvins/musik/467824