Matthias Arfmann

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Matthias Arfmann wurde 1964 in Bremen geboren und ist ein Multiinstrumentalist und Musikproduzent aus Hamburg.

Genres

Dub, Hip Hop, Reggae, Rock, ...

Biographie

1983 gründete der Hamburger Matthias Arfmann mit Katrin Achinger die Kastrierten Philosophen. Zusammen veröffentlichten sie neun Alben mit wechselnden Musikern in unterschiedlichen Genres, bis sie 1997 die Band auflösten.

Schon während der Zeit bei den Kastrierten Philosophen begann Arfmann mit dem Produzieren von Musik. Erst die eigenen Bandsongs und Alben, dann auch andere Punk- und Rockbands. Er gründete sein erstes eigenes Studio, das Knochenhaus-Studio im Hamburger Stadtteil St. Pauli, in dem unter anderem die frühen Blumfeld-Singles Zeitlupe und Traum:2 aufgenommen wurden.

Hip Hop

Anfang der 1990er Jahre beginnt er außerdem, mit deutschen HipHop-Bands zusammenzuarbeiten. Nachdem er unter anderem bei Produktionen von Advanced Chemistry, Cora E. und Fischmob mitwirkt, macht ihn Ale Sexfeind, Gründer des Labels Buback, mit Jan Eißfeldt bekannt. Arfmann produziert Flashnizm, das erste Album der Absoluten Beginner, und es begann eine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit, die bis heute andauert. So wurde Arfmann für die Produktion des Erfolgsalbums Bambule für den Echo-Musikpreis 2000 nominiert. [1]

Turtle Bay Country Club

Neben seiner Arbeit für die Beginner und Jan Delay besitzt Matthias Arfmann heute ein Studio in Neuenfelde am südlichen Rand Hamburgs. Der umgebaute Apfelspeicher, in dem sich auch seine Wohnung befindet, trägt den Namen "Turtle Bay Country Club". Hier können Musiker unterschiedlichster Genres aufnehmen und produzieren, und es besitzt weltweite Bekanntheit. So nahm zum Beispiel der ehemalige James Brown-Schlagzeuger Tony Cook ein Album mit Matthias Arfmann auf, genau so wie der aus Marokko stammende Sänger Mahmoud Ghania.

Unter dem Namen "Turtle Bay Country Club" veröffentlicht Arfmann außerdem eigene Tonträger im Genre Dub. Unter seinem eigenen Namen erschien über das Klassik-Label Deutsche Grammophon 2005 das Album "Recomposed", in dem er alte Aufnahmen des Dirigenten Herbert von Karajan remixte. 2007 arbeitet er mit dem Filmorchester Babelsberg an einer Liveumsetzung des "Recomposed"-Albums.

Im Jahr 2007 hat Arfmann von "Recht harmonisch", der Vertonung des Deutschen Grundgesetzes durch Thomas Bierling, Peter Lehel und Eva Weis einen Remix produziert mit dem Titel "Dub’l G – Das Nähere regelt ein Bundesgesetz". Die CD ist als Doppelausgabe mit Original und Remix bei Yeotone erschienen.

Diskographie

Alben

Singles

  • 1999 Home Stranger
  • 1999 Hamburg Highschool
  • 2002 Silicon dub

Alben mit Kastrierte Philosophen

  • 1985 Love Factory
  • 1986 Insomnia
  • 1987 Between Shootings
  • 1988 Tyrants & Poolsharks
  • 1988 Nerves
  • 1990 Leipzig D.C.
  • 1992 Inner Ear (M. Arfmann Solo)
  • 1994 Souldier
  • 1995 Souldier Nonstop
  • 1996 Where Did Our Love Go

Produktionen (Auswahl)

als Produzent oder Coproduzent:

Mitarbeit an Produktionen:

Referenzkasten

  • Zitat aus dem Refrain von "Hammerhart" (Absolute Beginner):
Ihr seid Zeuge, wie Denyo'n neuen Hit schreibt
Eißfeldt die fetten Beats holt, aus'm Zip-Drive
Mad seine neuesten Technics Tricks zeigt
Arfmann an den Reglern macht den Shit tight
Is ja hammerhart
Da is einiges am Start
  • Matthias Arfmann zum Titel "Turtle Bay Country Club"
Auf den Namen bin ich gekommen, als ich 1998 eine Punkband aus hiesigen Gefilden auf Hawaii produziert habe. Die hatten mir ein Flugticket als Gage angeboten und wollten extra für diese Aktion einen Kredit bei der Sparkasse aufnehmen. Und ich hab' zugesagt, weil ich das natürlich für einen Scherz hielt. Aber eines Tages standen sie dann mit meinem Ticket vor der Tür und so sind wir tatsächlich nach Hawaii geflogen und haben uns in eine Holzhütte neben dem örtlichen Hilton-Hotel eingemietet. Das lag dann direkt an einem Golfplatz, der Turtle Bay Country Club hieß, und ich fand den Namen einfach sehr gut.[1]
  • Matthias Arfmann über seine Motivation zu der Produktion "Dub'l G - Das Nähere regelt ein Bundesgesetz":
Als ich von dem Projekt "Recht harmonisch" hörte und erfuhr, dass die Musiker auch Auftritte im Stammheimer Gefängnis absolviert haben, war mein Interesse an dem Projekt geweckt. Ich dachte zuerst nur: Wie kann man den Inhaftierten Grundgesetztexte "vorsingen"? Das bloße Vorhandensein des Gefängnisses in Stammheim und die Situation der darin "untergebrachten" Gefangenen hat mich in meinem Leben immer wieder beschäftigt. Sowohl als Jugendlicher, der seinerzeit durchaus heftige Sympathien für die RAF empfand, als auch heute, wo die RAF im aktuellen politischen Tagesgeschehen überhaupt keine Rolle mehr spielt. Was machen z. B. die zum Teil immer noch Inhaftierten heute? Der Reiz, die Texte des Deutschen Grundgesetzes mit Musik in Verbindung zu bringen, ist schon groß. Ich habe versucht, einzelne Sätze und Artikel in einen anderen Kontext zu bringen, andere Assoziationen zu wecken, musikalisch das zu "spielen" worum es in der entsprechenden Grundgesetz-Passage meiner Meinung nach AUCH geht. Denn generell gibt es ja auch schöne und leider oft nur träumerische Passagen in diesem Gesetz. Wunschdenken sozusagen. Die Auslegung in der harten Realität lässt tagtäglich zu wünschen übrig. Meine Arbeit soll Anstöße dazu geben, insbesondere Minderheiten in der deutschen Gesellschaft nicht wie unerwünschte Aussätzige zu behandeln, sondern sich seiner Verantwortung als Mensch in Europa bewusst zu sein. Das Boot ist nicht voll.[2]

Einzelnachweise

  1. DUB, groß geschrieben... Artikel von Georg Boskamp aus intro Nr. 93, 21. März 2002
  2. Liner Notes zu Dub'l G aus der Pressemitteilung des Labels

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