Live-Coding

Aus indiepedia.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Live-Coding ist in der Musik die Praxis von Live-Codern, im Vorübergehen ("on the fly") Audiodateien oder relevante Software zu manipulieren, indem ein Quellcode umgeschrieben wird, während das Programm läuft.[1] Die Auswirkungen der Manipulationen können Echtzeit mitgehört oder auch aufgenommen werden. Einige Internetanbieter stellen zum Zweck des „improvisierten, interaktiven Programmierens“[2] Plattformen zur Verfügung, über die Performances gestreamt werden können. Live-Coding gehört in den Bereich der Computermusik, Algorithmische Komposition fällt mit Improvisation zusammen.

Hintergrund

Live-Coding als Genre gibt es seit etwa 2003, als Technik oder Methode dürfte das Vorgehen etwas älter sein. Inzwischen gibt es den algorave, eine Veranstaltungsreihe, die von den Live-Coding-Pionieren Alex McLean und Nick Collins initiiert wurde. Live-Coding-Techniken und Algorithmische Komposition werden explizit als Grundlage elektronischer Tanzmusik eingesetzt.[3] Die erste Veranstaltung fand als Warm-Up für ein SuperCollider-Symposion 2012 statt.[4] Auch in der Demoscene spielt Live-Coding eine Rolle.

Eine On-the-fly-Programmierung orientiert sich an folgenden Herausforderungen:

  • Modularer Aufbau – Der eingebrachte Code soll vom Programm verwertet werden können und anhand von Modulen (oder auch Bausteinen, UGens) sukzessive weiterentwickelt werden.
  • Timing – Die neuen Codes sollen präzise mit dem Ablauf der alten synchronisiert werden, damit es einen hörbaren musikalischen Fluss oder Rhythmus gibt, der die Aktionen unterstützt und begründet.
  • Prägnanz und Handlichkeit – Reflektionen zu den Zusammenhängen zwischen Zeit und Datenfluss sollen Eingang in sukzessive Programmierungen finden.
  • Flexibilität – Das System soll daraufhin geprüft werden, ob ein Vorteil hinsichtlich der Ausführung spontaner musikalischer Aktionen (simultan und Echtzeit) erzielt werden kann.[5]

Ziele

Ziel einer Performance ist es, den Code selbst – so grundlegend und unmittelbar (Echtzeit) wie möglich – zur Entwicklung musikalischer Ereignisse einzusetzen, einen geschriebenen Code also „als ausdrucksvolles Musikinstrument“ zu verwenden: "By bringing the power and expressiveness of the programming language into runtime, an on-the-fly programming system has the potential to fundamentally enhance the real-time interaction between the performer/composer and the systems they create and control. Code becomes a real-time, expressive instrument."[6]

<– tesco24 – Tidal Live Coding (2014)

Eines der erklärten Ziele der Szene ist es auch, die Restriktionen von Programmen zu überwinden, indem direkt auf die Quellcodes Einfluss genommen wird. Vergleiche auch den Artikel Live-Elektronik.

Ressourcen

ChucK, COLT, Fluxus, Impromptu, Extempore, LiveCode, Max, Pure data, Sonic Pi, SuperCollider, Tidal, TouchDesigner, vvvv

Musiker

Nick Collins, Benoît and the Mandelbrots, Slub ...

Einzelnachweise

  1. "Live coding is where changes to a running computer program are made by editing the underlying source code, with live feedback through the programming environment and/or via the program's output." [1] bei ICLC, International Conference on Live Coding
  2. Artikel Live coding [2] bei der en.wiki
  3. Startseite [3] bei algorave.com
  4. Artikel Algorave [4] bei der en.wiki
  5. Ge Wang / Perry R. Cook – On-the-fly Programming: Using Code as an Expressive Musical Instrument (2004) [5] bei Soundlab.cs.princeton.edu
  6. ebd., Wang / Cook

Weblinks

  • Startseite [6] bei TOPLAP (The (Temporary|Transnational|Terrestrial|Transdimensional) Organisation for the (Promotion|Proliferation|Permanence|Purity) of Live (Algorithm|Audio|Art|Artistic) Programming)
  • Dennis Kastrup – Live-Coding-Konferenz. „Die Leute können sehen, wie Musik entsteht“ (2016) [7] bem Deutschlandfunk
  • Alex MacLean – International Conference on Live Coding (2016) [8] bei livecodenetwork.org

Links im Mai 2017.