Krautrock

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Abgrenzung
Ursprünge: Psychedelic Rock, Experimentelle Musik / Avantgarde, Jazz, Elektronische Musik
Herkunft: Deutschland
Zeitraum: ca. 19681978
Anders als: Progressive Rock

Krautrock ist eine spezifisch deutsche Form der progressiven und experimentellen Rockmusik, die sich ab Ende der 1960er Jahre entwickelte und in den 1970er Jahren zur vollen Entfaltung kam. Sie war das erste deutschstämmige Genre, das auch international künstlerischen Einfluss hatte.

Einführung und Geschichte

Der Begriff Krautrock geht zunächst auf die abfällige englischsprachige Bezeichnung "Krauts" für die Deutschen zurück, denen nachgesagt wurde, sich am liebsten von Sauerkraut zu ernähren. Im musikalischen Bereich war es DJ-Gott John Peel, der 1968 einen Song der Münchener Avantgardeband Amon Düül als Krautrock bezeichnete, und 1973 fand sich auf der LP "IV" der Gruppe Faust ein Song namens Krautrock. Die gesellschaftlichen und musikalischen Wurzeln des Krautrock als Genre liegen in der Zeit der Studentenrevolte der Jahre 1967 und 1968, als nach neuen Wegen des musikalischen und individuellen Ausdrucks gesucht wurde und auch global mit dem Entstehen von Psychedelic Rock, Hardrock und Progressive Rock neue Formen der Rockmusik entstanden. Insofern waren Überschneidungen mit britischen Progrockbands wie King Crimson, Genesis oder Yes nicht verwunderlich, doch war es der kreative Ansatz der Krautrock-Bands, sich von internationalen Vorbildern wie auch festen Schemata des Musikmachens freizumachen. Insofern war der Begriff des Krautrocks auch eher als Klammerbegriff für Rockmusik aus Deutschland zu verstehen, die sich nicht in der bloßen Imitation von Rock'n'Roll- oder Beat-Vorbildern aus dem englischsprachigen Raum erschöpfen wollte. Inspiration zog man dabei zu unterschiedlichen Anteilen aus Psychedelic/Spacerock (Amon Düül, Guru Guru), Hardrock (Birth Control, Frumpy), Jazzrock (Embryo, Kraan) und elektronischer Musik (Can, Tangerine Dream und die späteren Weltstars Kraftwerk). Auch Klangvisionäre wie Karlheinz Stockhausen hatten großen Einfluss auf die Entwicklung des Genres. Generell war ein progressiver Ansatz an die Rockmusik zu verorten, der sich in stark strukturierter bis frei improvisierter Form äußern konnte.

Ein wichtiges Merkmal war auch die Verwendung der zuvor auf den Schlager limitierten deutschen Sprache bei Kraut-Bands wie Novalis, Ihre Kinder oder Grobschnitt, da dies ähnlich wie bei den etwa zeitgleich aktiven Udo Lindenberg und Ton Steine Scherben ein Novum im Rockbereich war. Kommerziell blieb der Erfolg des Krautrock meist eher begrenzt, auch wenn einzelnen Bands Erfolgstitel wie Gamma Ray von Birth Control oder Tausendfüßler von Embryo gelangen. Der Aspekt von künstlerischer Selbstverwirklichung und dem Ausprobieren neuer musikalischer Möglichkeiten stand allerdings zumeist im Vordergrund.

In den 1970er Jahren erschienen wegweisende Platten des Krautrock von u.a. Neu! ("Neu!" und "Neu 2!"), Can ("Ege Bamyasi", "Tago Mago"), Popol Vuh ("In den Gärten Pharaos"), Faust ("Faust") und Cluster ("Cluster 1") nebst vielen weiteren. In den späteren Siebzigern allerdings hatten sich viele Bands aufgelöst oder sich neuen musikalischen Strömungen zugewandt (so die aus Neu! hervorgegangenen La Düsseldorf oder besagte Kraftwerk), und mit Punkrock und New Wave betraten zur sich abzeichnenden Dekadenwende wieder deutlich straffere und direktere Formen der Rockmusik die Szene, um die als überlebt und ihren Idealen untreu gewordenen "Hippie-Bands" abzulösen. Der Einfluss des Krautrock und speziell seiner Verbindung von psychedelischen, experimentellen und elektronischen Elementen erstreckte sich jedoch von Pop-Visionären wie David Bowie und Brian Eno über Indierocker à la Sonic Youth, Stonerrock (Monster Magnet) und Post-Rock (Stereolab, Tortoise) bis hin zu Hip Hop und Techno. Schließlich gibt es auch noch eine kleine Neo-Kraut-Szene mit Bands wie Space Debris, die dem klassischen Kraut-Sound huldigen.

<– Popol Vuh – Soundtrack Heart of Glass (Herz aus Glas, Werner Herzog 1976)

Maßgeblichen Anteil an der Repopularisierung von Krautrock in den Neunzigerjahren hatte Julian Cope (u.a. The Teardrop Explodes) mit seinem Standardwerk Krautrocksampler (1995), das international große Beachtung erfuhr und die Bands der Großen Kosmischen Musik wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit brachte.

Wichtige Akteure, Alben und Songs

Wichtige Bands: