Klassische Musik

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Abgrenzung
Ursprünge: Europäische Musiktradition seit dem Mittelalter
Herkunft: Europa
Zeitraum: 13. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts
Anders als: Klassik, Populäre Musik, Volksmusik, Volkstümliche Musik, Weltmusik, Jazz, Avantgarde

Unter dem Begriff Klassische Musik werden im Allgemeinen die, der europäischen Musiktradition seit dem Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert zugerechneten, Kompositionen verstanden, die nicht volkstümlichen Traditionen, dem Jazz oder der Experimentellen Musik / Avantgarde zugeordnet werden. Klassik bezeichnet dagegen die Epoche der Früh- und Wiener Klassik von etwa 1730 bis 1830:

„Das ‚Klassische’ dient in [Hans-Georg] Gadamers Theorie der ‚Geschichtlichkeit des Verstehens’ als Paradigma überdauernder Werte, die den Inhalt seines Traditionsbegriffs bilden. Gadamer unterscheidet dabei den antiken Begriff des ‚Klassischen’ vom historischen Stilbegriff, der lediglich die Phase einer geschichtlichen Entwicklung beschreibt. Während letztere Definition von einer abgeschlossenen Phase in Form einer Epoche ausgeht, beinhaltet der Sinn des antiken Begriffs des ‚Klassischen’ ein ‚normatives Element.’ Das ‚Klassische’ ist somit nicht lediglich als Qualität einer bestimmten Epoche zuzuschreiben, sondern besitzt einen Inhalt, der sich in fortdauernder Weise über die verschiedenen Epochen hinweg und immer wieder von Neuem bewährt. Das ‚Klassische' findet seine Anwendung im immer wieder neuen Kontext und erhält sich dabei selbst. In Bezug zur zuvor erwähnten Definition von ‚Tradition’ bedeutet das ‚Klassische’ das sich ‚Bewährende’, welches in Folge der Sozialisation und der ‚Autorität’ von den verschiedenen Generationen weiter getragen wird. Dabei bleibt das Klassische über die Generationen hinweg erhalten.“[1]

In Abgrenzung zur Populären Musik mit ihren Sparten Pop, Rock und Jazz seit dem 20. Jahrhundert wurde auch das Begriffspaar Ernste Musik / E-Musik und Unterhaltungsmusik / U-Musik verwendet (und später um die sogenannte Funktionale Musik, F-Musik, erweitert), das inzwischen allgemein kritisiert und im Grunde kaum noch verwendet wird.

Einführung und Geschichte

Die klassische europäische Musiktradition beginnt mit dem Hochmittelalter, als erstmals nach Einführung des noch heute verwendeten Notensystems sowohl kirchliche als auch weltliche Musikstücke komponiert wurden. Dieser Zeitraum vom 13. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wird auch als Epoche der Alten Musik bezeichnet und umfasst u.a. Messen und Choräle des Hoch- und Spätmittelalters (Palestrina), die zunehmend komplexeren Kompositionen der Renaissance (darunter die polyphonen Vokalstücke der Madrigale, Motetten und Kantaten) sowie den erstmals umfassendere Orchestrierung berücksichtigenden Barock mit seinen Meisterkomponisten Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel (Deutschland), Jean-Baptiste Lully (Frankreich), Arcangelo Corelli und Antonio Vivaldi (Italien) sowie Henry Purcell (England). Ab etwa 1730 löst dann die Früh- oder Vorklassik den Barock ab und stellt unter anderem die tragende Melodie über die Polyphonie. Die Wiener Klassik gilt aufrgund ihrer populären Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn und Franz Schubert vielen Hörern als Inbegriff des Konzepts der klassischen Musik. Die Romantik als bestimmende Strömung des 19. Jahrhunderts verläuft dann mit Komponisten wie Robert und Clara Schumann, Frédéric Chopin und dem umstrittenen Richard Wagner analog zur gleichnamigen literaturgeschichtlichen Epoche. Komponisten wie George Gershwin binden dagegen Einflüsse aus der Populären Musik und dem Jazz ein. Mit der Zwölftonmusik entsteht der Bereich der Neuen Musik, mittels der sich Komponisten besonders nach dem 2. Weltkrieg zunächst weitgehend entgegen den Idealen der Romantik formulieren, für die Elektronische Musik können hier John Cage, Karlheinz Stockhausen, Gottfried Michael Koenig und andere erwähnt werden (siehe auch die Artikel Musikalisches Werk und Serielle Musik). Das bedeutet auch, dass die tragende Melodie bis hin zum Thematizismus in der Neuen Musik wegfällt, eine Entwicklung, die in den Folgejahren und -jahrzehnten nach dem Serialismus in die Populäre Musik hinein fortgesetzt wurde.

Einflüsse aus der Wiener Klassik sind im Classic Rock zu finden, ebenso in den vielen Versuchen klassischer Orchester, sich weltoffen zu zeigen und mit Popmusikern zusammenzuarbeiten. Dazu gehören etliche Versuche aus den Reihen der Chartsmusik ebenso, wie ausdauernd repetitiv und genau per Hand gespielte Techno-Motivfragmente auf dem Klavier sowie aufgepeppte Countryballaden, die Stücke sind oft mit einer einfachen Streichorchesterbegleitung versehen. Auch im Jazz finden sich Anklänge an Klassik und klassische Formen. Der Begriff Klassiker, wie er heutzutage verwendet wird, enthält, dass jedes Genre mit der Zeit eine Palette eigener Klassiker vorweisen kann.

Klassische Musik und Klassik in indiepedia-Artikeln

Im Großbereich der indiepedia-relevanten Themen sind Einflüsse aus der Klassik in Genres wie dem Progressive Rock, dem Hard Rock, im Post-Rock und in epischen Musikrichtungen zu finden, wo diese sich dem Rockkontext teilweise entziehen oder wo die Bands für Referenzen unerlässlich sind (zum Beispiel Deep Purple und ähnliche). Zu den weiteren relevanten Themen bei der indiepedia zählen avantgardistische und experimentelle Musik jenseits des Mainstreams, besonders auch Musik aus dem Bereich der Elektronischen Musik und der Neuen Musik, soweit es sich um Elektronische Neue Musik, Computermusik oder Algorithmische Komposition im Sinne von Experimenteller Musik / Avantgarde handelt.

Einzelnachweise

  1. Philipp Müller – Die Bedeutung von Gadamers „Geschichtlichkeit des Verstehens“ für die musikalische Hermeneutik und die Interpretation fremder Musikkulturen (2006) [1] Hauptseminararbeit, PDF bei Ganesh2003.de