Klang

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Maren Wöltje, Popscriptum, 2001

Ein Klang ist in den meisten Fällen ein ausgeschmückter Ton. Der Schmuck findet hauptsächlich auf vertikaler Ebene statt, die dann auch Klangebene genannt wird. Der Anglizismus Sound wird teilsynonym verwendet.

Hintergrund

Ein Klang entsteht:

  • indem ein Instrument gebaut wird (Grundklang). Das Instrument kann auch eine Band sein (Bandsound). Oder eine Verweisstruktur (Sampling, Overdubs, Referenzen). Ein Konzertsaal kann einen Grundklang haben.
  • indem ein Ton, zum Beispiel der Grundton oder erste Partialton einer Skala auf einem Instrument, das Skalenverhalten nahelegt, auch Synthesizers in der Elektronischen Musik, durch hinzutun von Filtern, Effekten und ähnlichem bis hin zur einfachen Verzerrung signifikant verändert, also aus seiner Skala herausbewegt wird. Geräuschanteile spielen dabei eine Rolle.
  • indem er durch eine Zusammensetzung aus mehr oder weniger harmonischen Obertönen oder Tönen synthetisiert wird. Bereits die Kombination eines Intervalls, das gleichzeitig oder nahezu gleichzeitig erklingt, dann auch eines Akkordes (zum Beispiel eines Dreiklangs), wird Klang, manchmal auch Zusammenklang, genannt. Am linearsten, was den Übergang von Ton (tendenziell linear) zu Klang (tendenziell vertikal) betrifft, verhalten sich Audioillusionen und Superimpositionen, die aus linearer Syntax erschlossen werden. Den Ansprüchen der Seriellen Musik zufolge wird ein Klang bestenfalls aus der umliegenden Syntax heraus erschlossen und zusammengesetzt. Damit entsteht die Idee einer vertikalen Syntax, die der linearen auf irgendeine Weise entsprechen soll (so z. B. bei Gottfried Michael Koenig).
  • indem er aus einem Geräuschspektrum heraus durch Filter und Effekte sowie durch Hüllkurven isoliert wird. Tonhaltigkeit von Geräuschen spielt dabei eine Rolle.
  • hybrid.

Bei allen Vorgängen ist der Parameterbegriff zentral, ungeachtet dessen, ob eine Produktion eher nach Plan oder intuitiv erfolgt.

Sobald sich die Basis dessen, wie ein Instrument gewöhnlich gespielt oder eingestellt wird, verändert, ist eher die Rede von Klang als von Ton. Ob ein Plan dahinter steht, spielt desweiteren keine Rolle. Klänge sind auch in der Umwelt wiederzufinden, indem ein Schallereignis nicht oder nicht eindeutig einem bekannten Instrument zugeordnet werden kann und nicht als Geräusch abgetan wird. Eine psychologische Komponente kommt bei der Differenzierung der Begriffe Ton und Klang zum Tragen. Tendenziell kann behauptet werden, dass Töne eher richtig oder falsch sind, Klänge dagegen schön oder unschön. Weitere Zuordnungen sind möglich.

Klänge werden aus unterschiedlichen Perspektiven heraus als solche verstanden. Besonders treten bei der Bestimmung dessen, was ein Klang sein soll, physikalische und psychologische Aspekte hervor. Der Sinuston ist die unantastbarste Grundlage von Klängen gegenüber Geräuschen, ihm zugesellt sind inzwischen Sägezahn und Zinne als die gängigsten Grundeinstellungen von Synthesizern. Die letztgenannten werden wie eine Black Box desweiteren gewöhnlich nicht verhandelt. Der reine Sinuston kommt in der Natur nicht vor.

Der Vorgang, durch den ein Klang aus einem Ton entsteht, soll in den allermeisten, wenn nicht allen Fällen dazu dienen, einen Ton interessanter zu gestalten. Der Ton in seiner Grundform ist zunächst ein lineares Ereignis und steht in näherem Zusammenhang zur Komposition als der Klang. In der Komposition tritt der Ton als Note auf und wird in einer Partitur als solcher verzeichnet. Für Klänge werden Partituranweisungen oder ein eigenes Notationssystem benötigt. Dementsprechend bedienen sich Notationen von Klangkompositionen weniger der Symbolschrift oder ähnlicher Notationssysteme, sondern sind oft als visuelle Notationen angelegt. Die Grenzen sind unscharf. Mikrotonalität formuliert einen Widerspruch zum Klangverhalten und Malerischen von Klangkompositionen. Mikrotonalität markiert damit eine Differenz zur Klangkomposition.

Electroswing-Schallübertragung per Lichtbogen, 2007. Mit Norbert Wiener, dem Begründer der Kybernetik, ist die Information vom Strom als Trägermaterial zu unterscheiden. Das ist besonders interessant für die Computermusik. Zur Verdeutlichung der Sachlage: Bei der Schallübertragung im Video oben sind, bis auf das Mikro, keine Membranen beteiligt.

Tonhöhe

Der erste und stärkste Parameter eines Tons in einem vermittelbaren Spektrum angemessener Lautstärke und Dauer ist die Tonhöhe. Die Tonhöhe ist damit zugleich der aussdrucksstärkste Parameter der Musik. Auch Klänge werden vom Gehör nach ihrer Tonhöhe abgesucht. Wie dem Ton die Tonhöhe zugeordnet ist, so ist dem Klang die Frequenz zur Tonhöhenbestimmung zugeordnet. Ein Ton lässt sich aus einer Skala oder einem beliebigen Tonsystem heraus auch als Frequenz ablesen, ein Klang lässt sich dagegen nicht immer hinsichtlich seiner Tonhöhe bestimmen, besonders wenn dominante Geräuschanteile beteiligt sind. Es kann damit die Rede vom Klang als komplexen Ton sein.

Abstufung vom Ton zum Geräusch bei traditionellen Instrumenten

Was Obertonharmonizität betrifft, lässt sich bereits im traditionellen Instrumentarium von Stimme über Bläser und Streichinstrumente bis hin zur Percussion eine Abstufung von harmonischen Obertonverhältnissen bis hin zu stark geräuschhaltigen Klängen (Rauschen) verfolgen. Dem Ton am nähesten sind harmonische Obertonverhältnisse, also Verhältnisse, bei denen die Teiltöne harmonieren.

Virtualisierungsstufen

Nach der Note kommt, was die Festigkeit im musikalischen System betrifft, der Ton, nach dem Ton der Klang und nach dem Klang das Sample. Das Sample virtualisiert Ton und Klang gleichermaßen und verschiebt sie ins Symbolische, wenn zum Beispiel das Sampling von Drumpassagen in rhythmischen Flächen unterlegt erscheint. Ein 12bit-Sampler ist auch in der Lage, solche langfristigen Samplevorgänge noch einmal zu virtualisieren. Hier ist ein Samplevorgang anhand der zeitlichen Distanz zum Istzustand des Originalklangs bestimmt, indem ein historisches Format gewählt wird (Vintage).

Kritik und Studienumgebungen

Eine begriffliche Unschärfe entsteht zunehmend, indem das Verb tönen heute selten oder eher pejorativ verwendet wird. Für das Klingen eines Samples fehlt ein passendes Verbum. Repetitive Vorgänge sind dem Klanglichen näher als dem Tonalen. Wird die lineare Gestaltung bei der dramaturgischen Entwicklung eines Musikstücks zurückgehalten, ist zuweilen die Rede von Klangfetischismus. Zum Wintersemester 2017 wurde an der UDK Berlin der Masterstudiengang Sound Studies and Sonic Arts eingeführt und ersetzt seitdem den 2006 dort eingeführten Masterstudiengang Sound Studies.[1] Die Begriffe Ton und Klang werden in didaktischen oder Diskursumgebungen je nach Perspektive oft vereinfachend oder emphatisch unscharf verwendet. Die physikalischen Hintergründe werden von der Musikalischen Akustik behandelt.

Literatur

  • Joachim Ernst Berendt – Nada Brahma: Die Welt ist Klang (1983) [2] bei amazon

Anmerkung: „Ob die Welt Klang war? Auch Joachim-Ernst Berendt unterlag möglicherweise einer Täuschung. Vielleicht sogar der Ironie der Geschichte schlechthin, denn die Welt ist, wie jeder Mensch weiß, nichtig. Eine Täuschung, und ich glaube, es verhält sich so: Was existiert, ist ein kontinuierlicher, volumenreicher Ton hinter den Relationen. Ein Grund- und Hintergrundton, der auch Ressourcen-Kontinuum genannt werden kann. Wie eine bassige Schiffssirene, die ohne Unterlass tönt – ein Klang auf Pan Sonics Vakio, den ich lange Zeit als Nebelhorn erinnert hatte, kann einen Eindruck davon vermitteln, ich glaube, es handelt sich um einen geloopten MS-20-Grundklang. Die Welt gewinnt durch Störungen des Kontinuums [...] Konzepte gehören dazu und mit ihnen wird zum Beispiel versucht, das Gesamtverhältnis von Welt und Woher/Daher zu transgredieren, beziehungsweise erneut und auf andere Weise abzubilden. [...] Wer den Hall hört, hört oft genauer. Nach dem Hall können Hallverläufe gehört werden, Flanger, Phaser, Rotarys usw., dann das Master, dann die allgemeinsten Qualitäten der verfügbaren Soundkarten usw.. Jedesmal ist ein Progress im Sinne einer Verräumlichung der Musik zu verzeichnen, es hilft auch manchmal schon, sich visuell in einem Raum zu verorten, in dem die Musik vielleicht klingen soll. Der Hörfortschritt ist allein durch die Bewegung der Aufmerksamkeit und das Erkennen dieser Bewegung enorm. Dann werden die Frequenzbereiche visuell verortet und durchgehört, was einen deutlich weniger umfassenden Höreindruck liefert, aber inbezug auf einzelne Frequenzen und Zusammenhänge funktioniert.“ (aus Mitzi "Yakuza" MessBerlin, Exquisite City III, 2016)

Einzelnachweise

  1. Sound Studies (Master of Arts) [1] bei der Universität der Künste, Berlin

Weblinks

Weiterführende Artikel:

  • Artikel Klang [3] bei der Wikipedia
  • Artikel Ton [4] bei der de.wiki
  • Elena Ungeheuer – Das Sonische. Musik oder Klang (2008) [5] bei der HU Berlin